Ein Garten für den Hund

Neue Podcastfolge bei Stengel & Strauch

Finley liebt seinen Garten und wir lieben Finley.

Neulich haben sich mein Kollege Frank und ich uns wieder mal so’n Büschen verquatscht. Das läuft immer so, wenn wir uns sehen, denn wir teilen ja nicht nur unsere Liebe zu unseren Gärten, sondern auch die Liebe zu unseren Goldenrüden Bruno und Finley. Natürlich spielt bei uns neben der Optik im Garten auch die Sicherheit unserer Hunde eine große Rolle. Und ein ganz klein bisschen, das muss ich ja zugeben, sucht das Gärtnerherz in uns auch nach Lösungen, wie wir unsere Neuanpflanzungen vor unseren Hunden in Sicherheit bringen können.

Ich erzähle Euch unter anderem, wie ich Finley beigebracht habe, dass er mir meine Beete nicht verwüstet. Zugegeben, keine elegante Lösung und um Protesten schon mal vorzugreifen … natürlich war Finley nie alleine an der langen Leine im Garten, ich seine Gesellschaftsdame, war immer dabei. Ich war damals noch unerfahren und konnte so entspannter mit ihm trainieren, weil ich mich nicht um irgendein Leinengezerre kümmern musste. Na und der Frank bietet Euch einen sehr deftigen Lösungsvorschlag zum Thema Löcher buddeln … aber ich will vorab nicht zu viel verraten … mehr Tipps und Geschichten könnt Ihr in unserer Podcastfolge hören an. Ich würde mich tierisch freuen, wenn Ihr mal vorbeihört….

Wenn Ihr noch weitere Fragen zu Gartenthemen habt, dann forstet doch mal Franks Bookazine „Franks kleiner Garten“ durch. Dort findet Ihr viele Tipps und unterhaltsame Artikel für jede Jahreszeit.

Himmel, Donner, Hagelsturm…

Berg und Tal Report 3

Und weiter geht es mit meinen Reisegeschichten ins verschwägerte Nachbarland … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat. In dieser Geschichte erfahrt Ihr wieder etwas mehr über das emotionale Nord-Süd-Gefälle in der Seelenlandschaft meiner Familie. Ein wirklich wichtiger Aspekt ist das Wetter. Ich selber habe ein wenig Zeit gebraucht, zu erkennen, dass Regen nicht gleich Regen, Wind nicht gleich Wind und vor allen Hagel nicht gleich Hagel ist. An dieser Stelle richte ich mich an alle angehenden Meteorologen … die Steiermark ist für Euch wie geschaffen…

Trotzt allem würde ich immer noch behaupten wollen, dass dieser Urlaub etwas beschauliches hatte. Vielleicht noch nicht in dieser Folge, also nicht ausschließlich. Finley wuchs über sich hinaus … nein, das war jetzt nicht sarkastisch gemeint … dieses Mal jedenfalls, ist er pappsatt geworden, das Hundi. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark bleiben, es erwarten Euch noch ein paar Folgen. Freut Euch also auf den Beginn einer wundervollen Reise ins Jodelala-Land und lasst Euch nicht die Stimmung verhageln …

„Der Berg ruft“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Wenn ein Steirer sagt, „Es kummt a G‘witter“, verändert er seinen ganzen Habitus. Als meine Schwiegermutter das zum ersten Mal zu mir sagte, bekam sie einen leicht gequälten, sorgenvollen Gesichtsausdruck und ihre Pupillen weiteten sich angstvoll. Dann drehte sie sich zu mir um, dämpfte die Stimme und fügte noch hinzu, „An Hoagel wiads a geb’n“. Danach folgten herzerweichende Seufzer, ein paar dahin gehauchte „Jööö’s“, danach erfolgte ein wortloser aber sehr effektvoller Abgang. Da stand ich dann mit diesem Steirerlatein und meiner norddeutschen Seele und dachte … jaaa, und … dann hagelt es eben, meine Güte, das haben wir in Hamburg ganzjährig jeden zweiten Tag, kein Grund theatralisch zu werden.

Doch dann, als hätte die Schwiegermutti es bestellt, färbte sich der Himmel so schwarz, wie in einem Harry-Potter-Film. Ich meine den Teil, in dem die Dementoren auszogen, den guten Hexen, Zauberern und Muggeln die Seele und alles Glücksempfinden aus dem Körper zu saugen. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, „Drama-Baby“, schossen Hagelkörner, groß wie Tennisbälle vom Himmel und demolierten im Umkreis von etlichen Kilometern alles, woran das Steirerherz so hing. Die Kürbis- und Obsternte war ernsthaft gefährdet, bei meinen Schwiegereltern waren Fenster und das Dach stark beschädigt worden. Das Gewächshaus war eingeschlagen und im Hochbeet weinte der Feldsalat leise vor sich hin.

„Du sollst die Bergkameradschaft in hohen Ehren halten“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Im Stillen leistete ich zähneknirschend Abbitte bei meiner Schwiegermutter und fing an, die Berge von Hagelkörnern mit dem Schneeschieber vom Pool wegzuschaufeln. Mein Autodach hatte ein paar hässliche Dellen davongetragen, die mich fortan immer ermahnten, dass ich besser auf meine Schwiegermutter hören sollte. Jedes ihrer „Jöööö’s“ und jeder jammervolle Seufzer hatten ihre volle Berechtigung gehabt.

„Das allerwichtigste beim Bergsteigen ist, dass man lange lebt“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Genauso war es an jenem Tag im Sommer wieder. Meine persönlich Wetterwarnstation, die Schwiegermutti war nicht dabei. Wir saßen mit unserer Tante und unserem Cousin ganz gemütlich im Garten beim Egidiwirt und waren dabei wunderbar zu essen. Unser Sitzplatz lag unter einer herrlichen Pergola, die mit Wein berankt war, die ersten Reben waren schon zu erkennen. Finley hatte es sich gleich neben mir bequem gemacht und lag im Schatten zweier großer Hortensienbüsche. Hach, so stellt klein Erna aus Hamburg sich die Steiermark vor. Doch noch bevor wir aufgegessen hatten, schwärmten die Dementoren aus und brachten die Dunkelheit mit sich. Ich überlegte schon, ob es nicht besser wäre ins Haus zu wechseln. Aber der nette Kellner vom Egidiwirt ließ vom Chef ausrichten: „Naaa, Ihr könnt’s scho sitz‘n bleib’n, des Dach hoalt des aus …“

Was soll ich sagen – es hielt nicht. Schon die ersten Hagelbrocken erzeugten Risse im Plexiglasdach. Finley blieb erstaunlich ruhig, aber er setzte sich auf und warf mir diesen Es-ist Zeit-zu-gehen-Blick zu. Wir wechselten in den Schankraum, dort hatten die Einheimischen inzwischen den Ausnahmezustand ausgerufen. Jeder von Ihnen fragte sich, ob er zuhause alle Fenster geschlossen hatte oder ob nun Bäche von Eiswasser durch ihre Flure und Zimmer flossen.

„Du sollst die Schutzhütte achten, als wäre sie Haus und Heim“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

„Mei und die Mutter is ganz alloa daheim“, rief eine Frau am Nebentisch. Die Feuerwehr war schon alarmiert und fuhr laufend irgendwelche Einsätze. Die Männer im Schrankraum liefen immer wieder unruhig zur Tür, um einen besorgten Blick auf ihre blitzblank geputzten Autos zu werfen. Wir Norddeutschen hingegen saßen mit stoischer „Es-is-wie-es-is-Haltung“ am Tisch und aßen fertig. Schließlich waren wir inzwischen dellenfest.

Finley entdeckte in diesen Momenten sein bisher verborgenes Talent zum Therapiehund und ging abwechselnd immer zu Denjenigen, die am aufgeregtesten waren. Dann setzte er sich neben sie, stupste sie kurz an und ließ sie sich ihren Stress wegstreicheln. Natürlich ganz uneigennützig, mein Bärchen. Die unzähligen „Mei is der liab“, „Bist a Guada“, „So an Bärli“, „Mogst a Wuascht?“, „Mogst an Kaas?“, dürften bis zum nächsten Steiermark-Urlaub als Sympathievorrat ausreichen.

Gleichzeitig entfaltete sich vor der Tür der Wirtschaft ein Szenario, dass es in Norddeutschland leicht in die Acht-Uhr-Nachrichten geschafft hätte. Bäche von Wasser stürzten die Straße herunter, es kübelte aus Eimern, Hagel, Regen, Schnee, alles durcheinander. Ab und an sah man, wie ein Gartenstuhl oder ein Sonnenschirm von den Wassermassen mitgerissen wurde. Das Wetter machte so laute und bedrohliche Geräusche, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Radio Steiermark gab alle halbe Stunde eine Warnmeldung heraus.

„Ich brauche keinen Arzt. Ich habe Humor“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Und ich schaute sehnsüchtig durch das Fenster auf mein Auto, das gegenüber, schutzlos beim Hofer auf dem Parkplatz stand. Ach ja … hinten war das Fenster heruntergekurbelt … nur ein wenig … Während mein Wagen, seine steirische Taufe bekam, erinnerte ich mich an ein anderes Unwetter. Die Zustände erinnerten mich an den Tornado in Meiendorf und Volksdorf, zwei Jahre zuvor. Da ich die Stimmung in der Wirtschaft auch ein wenig auflockern und die Anwesenden a Bisserl aufmuntern wollte, zeigte ich den Egidigästen meine Tornado-Videos aus Hamburg. So nach dem Motto „Den haben wir schließlich auch überstanden“. Tja, nur soviel dazu, es hat nicht funktioniert, das Aufmuntern.

„Du sollst in den Bergen deine Erziehung und Bildung nicht vergessen“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Mein Berlingo hatte jetzt also auch steirische Hagel-Dellen auf dem Dach und der Motorhaube. Ich betrachtete das inzwischen als den steirischen Ritterschlag für meine Autos. Die Rückbank war patschnass … aber hey … inzwischen war es schon wieder warm. Die kommenden zwei Tage stellten wir das Auto in die pralle Sonne, alle Schotten auf und der Rücksitz trocknete wieder. Ein feiner Wasserrand auf den Sitzpolstern, erinnert uns bis heute an jenes Unwetter, irgendein Andenken bringt man ja immer mit aus dem Sommerurlaub.

Auf der Rückfahrt nach St. Lorenzen, betrachteten wir die Landschaft, der Sturm hatte seine Spuren hinterlassen, einige Straßen waren vorübergehend gesperrt. Da saßen wir nun in Shorts und Flipflops und blickten auf Berge von Eis, schräger konnte es kaum noch werden. Auf dem Rücksitz philosophierten meine Pubertiere vor sich hin.

Die Ältere, Mausi sagte: „Alter, das war ja echt heftig.“

Motte: „Kannst Du wohl sagen.“

Finley: „Fiiiep.“

Mausi: „Eigentlich haben wir ja immer Unwetter, wenn wir hierherfahren.“

Motte: „Nö, eigentlich immer nur wenn Mama mitfährt.“

Finley: „Fie…hihihi…hiiiiip.“

Es wiad an Hoagel geb’n…

(Zitat: Schwiegermutti, alterslos)

Das war ja wieder klar. Jetzt war ich auch noch fürs steirische Wetter verantwortlich. Das ging doch wirklich zu weit. Manchmal denke ich allerdings, dass meine Schwiegermutter da auch einen Zusammenhang zwischen mir und den steirischen Unwettern sieht. Oder wie sonst kann ich mir erklären, dass sie jedes Mal, kaum dass ich angekommen bin, sorgenvoll wispert: „Es wiad an Hoagel geb’n…“

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert und keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist mein Leben in Hügeln. Wenn ich damit klarkomme, schafft Ihr das auch. Kleine Info im Sinne der Bergsteigerzunft … ja, ich kenne JEDEN Louis-Trenker-Film, ich weiß genau, wen ich zitiere (Glockenläuten im Hintergrund…). Finley hat in der Wirtschaft schon mal die nächsten 100 Sozialstunden vorgearbeitet … man weiß ja nie, Hund auch nicht … Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Holladriiiööö, Heidifeeling, Herrliche Ruhe … Berg und Tal Report 4

Der April macht was er will, Dein Garten braucht Dich

Neue Folge im Podcast Stengel & Strauch

Mein Kollege Frank ist Gartenexperte. In der neuen Podcast Folge habt Ihr ihn ganz für Euch allein, ohne dass ich ständig dazwischen sabbel. Er erzählt Euch welche Dinge Ihr unbedingt im April noch erledigen solltet, damit euer Garten sich die kommenden Monate wunschgemäß entfalten kann.

Auch wenn das Wetter im Moment bei mir zuhause noch nicht mitspielt, nehme ich mir Franks Tipps zu Herzen. Wenn Ihr Lust habt, dann hört doch mal rein. Übrigens, wenn alles läuft wie geplant, dann gibt es die nächste Folge mit Frank und mir schon Ende April. Ich google jetzt mal „Mondphiolen“ und dann hole ich mal die Forke aus dem Gartenschuppen…

Dingsbums-Lockdown, die Vita eines Krisenbegriffs

Wortschöpfungsphase bei Politikern

Über sieben Brücken musst Du gehen ….

Da ist sie nun wieder die superharte, megakompromisslose, (un)heilbringende Forderung nach dem nächsten Schritt ins Nichts.

Die Forderung kommt vom nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, denn er hat über Ostern nachgedacht (Anm. d. Red.: an dieser Stelle ist ein Augenrollen erlaubt). Die Inzidenzwerte seien aus seiner Sicht immer noch zu hoch, jetzt helfe nur noch ein „Brückenlockdown“. Mensch, dass da sonst noch niemand drauf gekommen ist…

In einer eilig, in einem nordrheinwestfälischen Impfzentrum anberaumten Pressekonferenz, sagte Laschet, diesen Brückenlockdown brauche man, damit genug Menschen geimpft werden könnten und hinterher, mehr Sicherheit für die Gesundheit der Menschen bestehen würde. Mit altgewohnter Präzision verschwieg Herr Laschet, wie lange der Brücken-Lockdown andauern solle, welche Regelveränderungen es zum Jetztzustand geben solle und welchen Inzidenzwert er mit seiner Maßnahme erreichen wolle. Nur eines wäre sicher, so Laschet, die nächste Ministerpräsidentenkonferenz müsse deshalb vorgezogen werden und gefälligst in Präsenz abgehalten werden.

Während ich mir die wie eine Büttenrede anmutende Ansprache des amtierenden CDU-Vorsitzenden in der Tagesschau anhörte, dachte ich nur: Wie makaber ist das denn? Hinter ihm arbeiteten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger die Nächte durch, um möglichst viele Menschen gegen ein tödliches Virus impfen zu können. Die Bürger standen täglich Schlange, warteten schon lange darauf, endlich „dran zu sein“ und dieser Mensch nutzte die Situation aus, um seine Position als Kanzlerkandidat zu stärken. Billig, Herr Laschet, ganz billig. 

… sieben lasche Lockdowns überstehen …

So nun steht er im Raum, der Begriff Brückenlockdown. Überhaupt befindet sich der Begriff „Lockdown“ seit dem letzten Frühjahr auf einem nicht enden wollenden Interpretations-Marathon. Er wechselt seine Namen und seine inhaltliche Bedeutung in einem Tempo, das es einem schwindelig werden kann. 

Angefangen hat er als Harter Lockdown, um den R-Wert abzusenken, wurde er dann, nach zu weit gehenden Lockerungen als Lockdown Light wiederbelebt, um unser Gesundheitsystem zu schonen und das Weihnachtsfest in der Familie zu sichern. Die Inzidenzwerte sanken. Dann nach altem Schema, kamen wieder Lockerungen … Schulen und Kitas sind keine Ansteckungsherde … vielleicht geht es ja dieses Mal gut …, nein ging es nicht … das war‘s dann gewesen mit Weihnachten im trauten Familienkreis. 

Der Wellenbrecher-Lockdown musste her. Wieder stand Armin Laschet vor der Kamera. Mit fester Stimme verkündete er: „Wir brauchen diesen Wellenbrecher-Lockdown unbedingt.“ Und weiter, würde man diesen Jahres-End-Lockdown nicht durchhalten, würde unser Gesundheitssystem zusammenbrechen, es gebe jetzt schon kaum noch freie Intensivbetten in den Kliniken.

… sieben mal die nächste Welle kommen sehen …

Vorher der glühendste Befürworter der Lockerungen, „… wir müssen die Wirtschaft stützen … können die Menschen nicht weiter beschränken … zurück zu einer neuen Normalität … Familiekontakt, so wichtig …“, verkündete und predigte er nun, man müsse sich an die AHA-Regeln halten, damit aus dem Megalockdown kein Wischi-Waschi-Lockdown werde. 

Müsste ich eine Zeugnisbeurteilung für diesen Wortschöpfungs-Workflow schreiben, würde sie wohl so in etwa lauten:

„Der Armin ist sehr fantasiebegabt. Seine kreativen Wortschöpfungen zeichnen ihn aus. Manchmal wünschten wir uns von ihm etwas mehr Übersicht und etwas mehr Standhaftigkeit. An seinem Timing muss der Armin noch arbeiten, das hinkt oft etwas hinterher. 

Seine Bemühungen, politisch voranzukommen, sind anzuerkennen, sie wirken nur oftmals etwas holperig und durchschaubar. Da wünschten wir uns von ihm, im Vergleich zu Mitbewerbern um die Kanzlerkandidatur der CDU/CSU, manchmal etwas mehr Geschick und politische Finesse. Im Grunde ist der Armin ein guter Kerl, er war mal bei allen in der CDU/CSU sehr beliebt.“

Ob Herr Laschet sich mit seiner Forderung nach dem Brückenlockdown und der vorgezogenen Ministerpräsidenten-Konferenz durchsetzen kann, steht noch in den Sternen. Die Begeisterung der anderen Ministerpräsidenten hält sich in Grenzen. Der CSU Generalsekretär Markus Blume reagierte verhalten. Eine Zustimmung der CSU sei nur zu erwarten, wenn alle Länder zu einer Verschärfung der Regeln bereit wären.

Alle Länder … sollen einträchtig bereit sein … merkt Ihr selber, oder????

Stengel & Strauch … Franks kleiner GartenPodcast

Leute, ich hatte es auf Facebook ja schon angekündigt, dass ich an einem neuen Projekt mitarbeite. Vor einigen Tagen war ich im wunderschönen Jesteburg und habe mich mit meinem lieben Kollegen Frank Gerdes getroffen. Frank und ich kennen uns schon sehr lange. Wir waren vor mehr als 20 Jahren zusammen in der Crew 11 der Springer Journalistenschule und haben uns mit viel Energie und Humor durch das Volontariat gekämpft.

Und wie es oft nach dem Abschluss einer Ausbildung ist, gingen wir danach unserer Wege. Frank wurde ein sehr erfolgreicher Klatschreporter, war zuhause auf Galas und roten Teppichen, interviewte Stars, Sternchen und gekrönte Häupter, während ich mich als Reporterin zuerst auf Polizei- und Gerichtsgeschichten konzentrierte und später dann auch auf dem politischen Parkett, so manchen Politiker ins Schwitzen brachte.

Ich gründete eine Familie und zwei Kinder und einen Hund später trafen Frank und ich uns wieder, auf Facebook. Er hatte inzwischen ein gut laufendes Garten Bookazine im Internet, und ich war mit meinem Hundeblog „Goodfellows“ online. So trifft man sich wieder…

Vielleicht kennt Ihr ja Franks Bookazine „Franks kleiner Garten“. Wie der Frank zum Gartenexperten wurde, werdet ihr zu einem späteren Zeitpunkt hier auf meinem Blog lesen können.

Jedenfalls hat Frank mich gefragt, ob ich Lust hätte, bei seinem kleinen GartenPodcast „Stengel & Strauch“ mitzumachen. Na, und ob ich das hatte. Also haben wir uns auf seiner Terrasse der Frage, wie kann ich Geld sparen und trotzdem einen wunderschön blühenden Garten haben, gewidmet. Meine anfängliche Nervosität hat Franks Golden Retriever Bruno vertrieben … Hunde haben etwas Beruhigendes. Wenn alles wie geplant läuft, dann bekommt Ihr von Frank und mir einmal im Monat etwas auf die Ohren. Zwischendurch versorgt Euch Frank noch mit Expertentipps und Experteninterviews. Wir hoffen beide, dass Euch unsere Gartengeschichten gefallen.

Viel Spaß beim Zuhören bei Stengel & Strauch

Folge: Viel Garten für wenig Geld

Einmal Pizza ohne Hund, bitte

Berg und Tal Report 2

Beste Pizza aber der Service … mei, mei, mei…

Da Euch ja meine Reisegeschichten ins verschwägerte Nachbarland … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … so gut gefallen hat, erzähle ich Euch heute von unserer Ankunft in der Steiermark. Die Fahrt endete, wie es sich dort gehört, irgendwo auf’m Berg vor einem Bistro mit einem italienischen Namen. Also, wie es dort Tradition zu sein schien an einem Ort, wo es viel zu essen gab. Das Treffen dort war von unseren Verwandten generalstabsmäßig (hüstel) vorgeplant worden … Trotzt allem kann ich sagen, dass es in diesem Urlaub insgesamt etwas beschaulicher zuging als wir es gewohnt waren. Finley war schon etwas älter und die Chancen standen gut für ihn, dass er Schwiegermuttis Rüden Sternchen nicht zu Gesicht bekommen würde. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen. Freut Euch also auf den Beginn einer wundervollen Reise ins Jodelala-Land und wie Ihr euch vielleicht schon denken könnt, war es nicht einfach nur Pizzaessen …

Immer noch on the Road again … ohne weitere Vorkommnisse

Wie wir den Finley zum Beifahrer gemacht haben, habe ich Euch ja schon im ersten Teil meines Reiseberichtes geschildert. Die Links zu den anderen Reiseberichten findet ihr unter diesem Text. Jetzt waren wir unterwegs, es lagen 1200 Kilometer in brütender Hitze vor uns und im Heck hechelte mein Murmeltier.

Es freut mich sehr, dass ich berichten kann, dass unsere Fahrt vom hohen Norden in die südlichen Gefilde ohne störende Vorkommnisse verlief. Wir haben häufiger Pausen eingelegt und sind dafür auch öfter einmal von der Autobahn heruntergefahren. Finley konnte sich im Grünen die Pfoten vertreten, frisches Wasser trinken, und das Wichtigste – er war immer bei uns. Ob schnelle freie Strecken, Brotpausen oder das bisserl Staufahren um München herum, er machte das alles grandios mit. Guter Junge. 

Wir kamen an, der Himmel weinte vor Glück

Um 4.00 Uhr morgens waren wir in Hamburg losgefahren. Gegen 19.30 Uhr kamen wir in unserem Quartier in St. Lorentzen an. Nach 13 Stunden auf der Autobahn bei tropischen Temperaturen, hatten wir meinen Jim-Block-Idealzustand erreicht – „well done“. In der Steiermark hingegen wurden wir von einem Regenschauer empfangen. Das war nicht schlimm, denn ein bisschen Abkühlung konnte bei diesen Temperaturen wirklich nicht schaden.Hundemüde aber glücklich endlich wieder einmal die Beine durchstrecken zu können, stellten wir unsere Reisetaschen in die Zimmer unseres schönen Ferienhauses und machten uns ein wenig frisch.

Hundemüde aber glücklich endlich wieder einmal die Beine durchstrecken zu können, stellten wir unsere Reisetaschen in die Zimmer unseres schönen Ferienhauses und machten uns ein wenig frisch.

Finley wird willkommen geheißen

Währenddessen unternahm Finley seinen ersten Erkundungsgang. Wir ließen ihn laufen, denn das Häuschen war idyllisch gelegen, weitab von stark befahrenen Straßen. Ich entspannte unter der Dusche, hörte wie Finley bellte und gleich darauf das martialische Fauchen einer Katze. Hach ja, offensichtlich hatte Finley einen kleinen Freund gefunden … Ich weiß, ich hätte jetzt von Besorgnis getrieben, halbnackt vors Haus stürzen müssen aber hey, ich dachte… das können die auch mal unter sich ausmachen ….  Die steirische Realität gab mir Recht, mein Bärchen kam zufrieden von seinem Wiesen-Ausflug zurück. Sein Blick sagte: „Hab nur mal kurz klargemacht, wer hier jetzt der neue Wiesenchef ist, für die nächsten Tage.“

Das erste Familienzusammentreffen war schon geplant

Mein Mann ist gebürtiger Steirer. Und im Herzen, wo wir Hamburger die berühmte Raute tragen, wächst bei ihm ein Edelweiß. Deshalb bedeutet für uns Österreichurlaub auch immer ein Wiedersehen mit der Familie. Der Sommerurlaub ist unsere Möglichkeit einmal im Jahr die Eltern, Schwiegereltern, Geschwister, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen zu treffen. Und weil wir es gar nicht abwarten konnten, war das erste Treffen schon am Abend geplant. Die Pizzeria „Da Silvano“, oben auf’m Berg war unser Ziel. „Da Silvano“ hatten meine Töchter im letzten Urlaub entdeckt und uns glaubhaft bestätigt, dass die Pizza dort „endgeil“ schmecken würde und die Auswahl schier grenzenlos sei. 

Unser Cousin hatte schon im Vorfeld unseres Urlaubs dort für den Ankunftstag einen Tisch bestellt. Er sollte vorher abklären, ob wir Finley mit in das Lokal nehmen konnten. „Joaa, siiicher“ hieß es. Nun muss man als Nordländer wissen, wenn der Durchschnittssteirer „Joaaa, siiicher“ sagt, heißt das auf Norddeutsch so etwas wie, „wir kümmern uns darum, wenn’s soweit ist“ oder wie es die Nichte meiner Schwiegermutti mal auf den Punkt gebracht hatte „I kraaatz mi wenns juckt, net vorher“. In diesem konkreten Fall bedeutete das, dass das „Joa, siiicher“ nur für die Terrasse gelten sollte. Nur hatte uns das leider niemand so gesagt. Was soll ich sagen, die Steiermark hatte uns mit einem fetten Gewitter beschenkt. Die Terrasse war also nicht nutzbar. „Duat mia leid“,sagte der Kellner, den ich nachfolgend liebevoll „der/nHorst“ nennen werde, „oaber in den Gastraum koa er net“. Hunde nicht erwünscht. Ups!

Artenbestimmung auf steirisch … Shiba Inus sind Katzen!

Den kleinen Shiba Inu an Tisch Sechs hatten sie wohl übersehen. Oder er ging da zulande als Katze durch. Shiba müsste man sein.

Mei, so eine Aufregung. Die Tante explodierte fast vor Empörung. Was man als Nordländer in der Steiermark aber auch ganz schnell lernt ist, dass dort Herzlichkeit und Gastfreundschaft sehr großgeschrieben werden. Eigentlich wird immer alles möglich gemacht, dem Gast soll es gut gehen. So kannten wir das auch – eigentlich. Aber in jeder Gastronomie gibt es halt immer diesen einen „derHorst“, der das nicht weiß, nicht will oder … was auch immer…

Kling, klang, klong … eine kleine Mediation zur Wogenglättung

In diesem Moment vor der Gastwirtschaft waren wir zuerst alle ein wenig ratlos. Stimmungsmäßig befand ich mich längst im gehobenen Hihihiii-Kicher-Modus. Mein inneres Ooohhmmm hatte seinen Klappliegestuhl aufgestellt und hatte es sich darin bequem gemacht. In der einen Hand hielt es ein Räucherstäbchen, mit der anderen Hand fächerte es mir die beruhigenden Rauchschwaden lächelnd ins Gemüt. Ich entschied mich für Schadensbegrenzung. Ich wollte, dass das Familientreffen wie geplant stattfinden sollte und wir hatten alle einen Bärenhunger. Es erging also folgender Nordlicht-Beschluss: Die Familie sollte in den Gastraum gehen und ich würde mir mein Essen ans Auto bringen lassen und bei Finley bleiben. Finley konnte sich so an der Schleppleine schon’n büschen die Beine vertreten, 16 Stunden Kofferraum waren echt lang genug. Ich bestellte eine Pizza Suli und ein grosses Spezi. Dann schaute ich mich zum ersten Mal ganz in Ruhe um, sog die gesund Bergluft ein, bis meine Lungen fast platzten und dachte dann: Aber hey, sonst ist alles toll hier.

Picknick im Kofferraum

Etwa 20 Minuten später wurde angerichtet. „DerHorst“ brachte mir meine Pizza und mein Spezi. Die Pizza in einem durchgesuppten Karton, mit eingeschmierter Serviette und einem sehr stumpfen Messer verpackt. Wie liebevoll drapiert, dachte ich bei mir, ich könnte glatt noch die nächsten vier Wochen jeden Tag hier essen gehen. Lernte man sowas auf der Hotelfachschule? Da Finley und ich ja in meinem Auto aßen, beschlich mich sogar ganz schemenhaft ein Gefühl von Heimat. Mal ehrlich Leute, das hätte man besser machen können. Die ganze Panne hätte man mit ein bisschen Phantasie doch noch retten können. Mindestens hätte ich die Pizza auf einem kleinen Hocker, auf richtigem Geschirr, schön mit Stoffserviette und ein paar netten Worten serviert.

Zugegeben, die Pizza sah echt lecker aus. Dicht belegt mit Anchovis, Thunfisch und mindestens 12 ganzen, schwarzen Oliven. Der geschmolzene Käse hatte genau die richtige, schlunzige Konsistenz, so wie ich es liebte. Wie sich später herausstellen sollte, waren die Oliven nicht entkernt – aber hey, sonst war alles toll hier. Ausnahme das mitgelieferte Messer. Dieses doofe Messer schnitt leider nicht durch die Pizza und wenn ich stärker drückte, ging der aufgeweichte Karton kaputt. Und ölige Tomatensoße auf meinen Autopolstern, ne das wollte ich nun nicht auch noch.

Pizza Origami … meine Erfindung … und ein Olivenhain

Not macht ja bekanntlich erfinderisch. An diesem Abend erfand ich die Pizza-Origami. Ich faltete den Teiglappen fünf Mal ineinander und hatte am Ende so etwas wie einen überdimensionalen Döner – nur auf italienisch. Außerdem war ich wild entschlossen, jede Sekunde meines Urlaubs in der steirischen Wildnis zu genießen. Also stellte ich mich nah an den Abgrund. Ja, wir Norddeutschen bezeichnen jede Steigung ab 4% als Abgrund, isso. Nur mit Mühe konnte ich den Jodler unterdrücken, der gerade versuchte sich Bahn zu brechen. Dann biss ich mit Wonne in meine Pizza Origami und … auf einen Olivenkern. „Autsch#%$x!“ Aber hey, sonst war echt alles schön hier.

Da stand ich nun, höher als meinem Gleichgewichtssinn je guttun würde und spuckte Olivenkerne auf steirische Abgründe. Ich verteilte sie gleichmäßig nach rechts und links und meine Gedanken schweiften ab oder sollte ich besser sagen, sie entglitten mir? Vor meinem geistigen Auge entstand das Bild eines satten, blühenden und eine gute Ernte ergebenen Olivenhains, den die Steiermark nur mir zu verdanken hätte. Sie würden ihn dereinst unter Begleitung der schmissigen Musik der örtlichen Blaskapelle auf den Namen „Oliven-Hain der einsamen Hamburgerin“ nennen. Meine Familie bekäme „Pizza Origami frei“ auf Lebenszeit und … Finley saß längst ruhig und andächtig neben mir. So als ob auch er unseren Olivenhain sehen könnte und sich gerade überlegte, in welcher Reihenfolge er die Bäumchen anpinkeln würde.

Versöhnlicher Ausklang eines ganz speziellen Abends

Zurück in der Realität, hatte ich aufgegessen und stand nun vor einem Berg Müll und gebrauchtem Geschirr, den es loszuwerden galt. Ich machte mich also auf den Schankraum und traf auf die Chefin des „Da Silvano“. Ich drückte der verdutzten Frau den Karton, Besteck und das Colaglas in die Hand und bat sie, es für mich zu entsorgen. Sie war ein bisserl aufgebracht, als sie erfuhr, dass einer ihrer reservierenden Gäste am Auto hatte essen müssen und bei der kommenden Mitarbeiterbesprechung wollte ich sicher nicht der „derHorst“ sein.

Die Chefin ließ es sich nicht nehmen mich zu einer Portion hausgemachter Tiramisu und einem Cappuccino einzuladen. Ich nahm dankend an, Finley durfte sich neben mich legen, auf den Katzenplatz, und so nahm der Abend dann doch noch einen versöhnlichen Ausklang. Also wenn man dann auf das ganz große Ganze schaute, dann war doch wirklich alles total schön hier.

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert und keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist mein Leben gewesen. Wenn ich damit klarkomme, schafft Ihr das auch. Kleine Info im Sinne des Naturschutzgesetzes … ja, wir mögen auch die steirische Vegetation, es lag nie in unserer Absicht diese durch einen Olivenhain zu ersetzen. Finley hat trotzdem jeden Strauch und Baum angepinkelt, der ihm in die Quere kam und und hat für seine Taten noch einmal 100 Sozialstunden beim Steirischen Jagdschutzverein Bruck-Mur abarbeiten müssen. Aber davon erzähle ich Euch vielleicht ein anderes Mal. Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die anderen Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

Wer die anderen Reisegeschichten verpasst hat, findet sie hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften.

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser

Berg- und Tal Report 1

16 Stunden Autofahrt, die Scheiben von innen beschlagen, vom Atem unseres Hundes

Da Euch ja die Geschichte von Sternchen, dem Rüden meiner Schwiegermutter und uns Nordlichtern … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer … so gut gefallen hat, will ich Euch von einem weiteren Urlaub bei der Schwiegerfamilie berichten. In diesem Urlaub ging es etwas beschaulicher zu, Finley war schon etwas älter und die Chancen standen gut für ihn, dass er den Rottmalteser Sternchen nicht zu Gesicht bekommen würde. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch mehrere Folgen. Freut Euch also auf den Beginn einer wundervollen Reise ins Jodelala-Land und wie Ihr euch vielleicht schon denken könnt, konnten wir nicht einfach mal so losfahren…

Showdown in der Vorstadt, auf einem diesigen Parkplatz, morgens um halb Fünf

Als wir morgens zum Urlaubsbeginn vor unserem vollgepackten Auto standen, war noch gar nicht sooo klar, ob wir einfach einsteigen und abfahren können würden. Denn Finley, unser Golden Retriever, hasste es Auto zu fahren und zwar mit Inbrunst. Vor zwei Jahren hatte er aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen, den Fahrbetrieb eingestellt. Jede kleine Strecke wurde zur großen Katastrophen-Übung auf dem Vorstadtparkplatz. Ich war echt froh, dass unsere Tierärztin fußläufig zu erreichen war. Und dieses Mal lagen 1.200 KM vor uns – eine ganz andere Hausnummer.

Das Projekt „Mobiler Rüde“ startete

Weil ich unsere Verwandten gerne einmal wiedersehen wollte aber es gleichzeitig für mich überhaupt nicht in Frage kam, Finley zuhause fremd betreuen zu lassen, musste ich mir also etwas einfallen lassen. Anfangs sträubte er sich so schlimm, dass es ihm nicht einmal möglich war, ruhig an meinem Auto vorbeizugehen. Er scheute jedes Mal wie ein hochgezüchteter Araberhengst und ich hatte alle Hände voll zu tun, Ihn wieder zu beruhigen.

Also hatte ich zum Jahresbeginn einen Plan entwickelt. Aus Finley dem Anti-Mobilisten sollte Finley der Kilometerfresser werden. Dem Versuch, meinen Rüden zum idealen Beifahrer zu machen, stand jetzt nichts mehr im Weg, außer vielleicht Finley selbst. Natürlich nutzte ich nur gaaaanz saaanfte Methoden und – wie sagt man so schön – war liebevoll und konsequent. Mein Heckklappen-Wiedereingliederungs-Programm für bocklose Retriever-Rüden startete.

In mir fließt Mafiosiblut … Schmeicheln, bestechen, drohen …

Ich tackerte also die Leckerlitasche an der Hüfte fest, es war an der Zeit meinem Retriever ein Angebot zu machen, dass er nicht ablehnen konnte. Zuerst versuchte ich ihm zu zeigen, dass von unserem Kastenwagen keine Gefahr für ihn ausging. Im Vorbeigehen sagte ich mit schmeichelnder Stimme: „Siehst Du, er tut Dir nichts“. Finley sah mir tief in die Augen … und riss sich los. Er flüchtete sich in den Vorgarten unserer Nachbarn, sprang dort in den Fischteich und beobachtete mich von dort aus durch die mit Bedacht angelegten Teichpflanzen hindurch. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, sein Blick hatte etwas Triumphales an sich. Natürlich wusste er, so nass würde ich ihn nicht in mein Heck lassen.

Diese Prozedur wiederholten wir unzählige Male. Ich will hier gar nicht im Einzelnen erzählen wie oft wir das machen mussten, bis wir ohne Zwischenfall am Auto vorbeigehen konnten. Nur soviel – Demut ist eine Tugend und Goldfische sind gar nicht sooo billig. Auf einem Fortbildungsseminar zum Thema Hundeverhalten, hatte mir der Seminarleiter erklärt, dass Hunde wenn sie älter werden, oft genau die Tätigkeit einstellen, die sie am meisten hassen. Er gab mir den Rat, die Beziehung zu meinem Hund zu stärken, das Auto zu einem positiven Ort zu machen und Finley eine klare unmißverständliche Botschaft zu senden, nämlich „Finley, Du Sack, steig da jetzt ein und verhalte Dich ruhig“. Ich bin immer dankbar für ausgewogene und einleuchtende Experten-Tipps.

Finley, Du wir müssen reden…

Beziehungsarbeit und klare Kommunikation also … na bitte, dann eben so. Denn wenn man weiß, was der eigene Hund nicht mag, dann weiß man auch was er toll findet. Und nach damals vier Jahren Zusammenleben konnten Finley und ich auch gut miteinander kommunizieren. Aber wie zum Donner sollte ich das verhasste Auto zu einem positiven Ort machen??? Nun ich fing damit an Finley am Auto zu beschmusen und zu bürsten, wochenlang. Zwischendurch öffnete ich die Heckklappe und ließ sie offen stehen.

Hundetraining mit vollem Körpereinsatz und maximaler Rufschädigung

Ich setzte mich selber in den Kofferraum, versuchte meinen Hund zu mir zu locken. Als das nicht gelang, verstärkte ich den Anreiz dadurch, dass ich etwas Leckeres im Kofferraum ass. Das zog und Finley sprang zu mir herein, ich jubilierte, nur um meinem Hund dabei zuzusehen, wie er sich mein Brötchen schnappte und postwendend mit seiner Beute hinter unserem Gartenhäuschen zu verschwand. Nur nicht aufgeben, ermahnte ich mich, dein Mann will nach Österreich. Also weiter so, was in der Hundeerziehung, ganz im Gegenteil zur Politik, ein kluger Plan sein kann.

Am Ende konnten die Nachbarn beobachten, wie ich Finley in den Kofferraum springen ließ, ihn dort an die Leine legte und danach noch eine Thermoskanne, einen Hundenapf und ein paar Käsebrote holte. Dann setzte ich mich zu meinem Hund ins Heck und wir frühstückten dort „gemütlich“ zusammen. Wie mir später zu Ohren kam, führte mein Verhalten zu Spekulationen in der Nachbarschaft. Die Spekulationen und Gerüchte waren sehr vielfältig: Sie ist in Behandlung, völlig durchgeknallt, über sie haben Eheprobleme, sie hat auch schon im Auto geschlafen, bis zu der Annahme, ich sei Mitglied in einer Sekte, war so ziemlich alles dabei. Dabei wollte ich einfach nur in den Urlaub fahren, mit meinem Mann und meinem Hund.

On the road again …

Und dann kam der Tag, da lief alles glatt. Finley stieg ein, manchmal blieb er sogar drinnen, auch ohne Frühstück. Wenn er tatsächlich im Heck sitzen blieb und ich die Klappe schließen konnte, sprang ich mit Gejubel ins Auto, was meinen Ruf in der Nachbarschaft nicht unbedingt verbesserte. Danach fuhren wir zu einem der naheliegenden Seen und er durfte schwimmen gehen. Das machte ich so oft, bis er das Autofahren auch mit etwas Positivem verbinden konnte. Er hatte seine Abneigung vorm Autofahren abgelegt. Naja, sagen wir mal, fast. 

Als unser Sommerurlaub gewissermaßen vor der Garagentür stand, war ich schon ein wenig aufgeregt. Würde Finley seine Scheu überwinden können? Alles war fertig, der Wagen stand aufgetankt auf dem Parkplatz, der Dachkoffer war voll bepackt, unsere Mädels saßen bereits auf der Rückbank und Finleys Platz im Heck war feudal ausgestattet mit Thermokissen und Kühlmatte. Wir standen davor und ich sagte „hopp“. Finley guckte sehr skeptisch, zögerte kurz und machte einen fulminanten Satz ins Heck. Dann legte er sich ab und ich konnte die Klappe schließen. Mein Herz pochte vor Erleichterung aber auch ein bisschen vor Stolz. Steiermark wir kommen! Alle!

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert und keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist mein Leben gewesen. Wenn ich damit klarkomme, schafft Ihr das auch. Kleine Info im Sinne des Tierschutzgesetzes … ja, wir mögen auch Goldfische, es lag nie in unserer Absicht eines der possierlichen Tierchen zu schädigen. Finley hat für seine Taten 100 Sozialstunden im benachbarten Altenheim abarbeiten müssen. Aber davon erzähle ich Euch ein anderes Mal. Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die anderen Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Einmal Pizza ohne Hund, bitte … Berg und Tal Report 2

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Das Sternchen, ein Rottweiler in Malteser-Camouflage

Der Sommer steht bevor und normalerweise auch der nächste Urlaub. Dieses Jahr fällt das Reisen aus den bekannten Gründen aus. Für uns heißt es zum zweiten Mal, dass wir unsere Familie in Österreich nicht besuchen können. Deshalb habe ich mir gedacht, ich schwelge mal ein wenig in Erinnerungen und gebe Euch mal einen Bericht, aus unserer Urlaubsvergangenheit. Finleys erster Besuch in Österreich, gewissermaßen sein Antrittsbesuch bei der Schwiegerfamilie und deren Hund. Ihr ahnt es schon, dass man sich bei so einem Antrittsbesuch vorbildlich zu benehmen hat, war Finley vollkommen schnurz.

Urlaub, endlich Urlaub … Jay …

Jedes Jahr im Sommer war es soweit, die großen Ferien standen vor der Tür, wir wollen die Familie besuchen. Mein Mann ist Österreicher und deshalb gab es, was unsere Urlaubspläne betraf keine Diskussionen. Er wollte nach Hause, die Kinder freuten sich auf Oma und Opa und mir … stand der kalte Angstschweiß auf der Oberlippe.

Also packte ich in unser Auto ein, was man in der Steiermark so brauchte: Sommersandalen, Badesachen, Gastgeschenke, Notfallapotheke. Und zusätzlich für mich: Baldrian, Rescue Tropfen, Kytta Sedativum Dragees, eine große Flasche Klosterfrau Melissengeist, vorgefertigte Scheidungspapiere und unseren Hund Finley. 38 Kilogramm pure Muskelmasse, eingepackt in einen Golden Retriever,  angetrieben von überschäumender Lebensfreude.

Finley, the king of the road … Sternchen the styrian Hausherr

Es liegen 16 Stunden Autofahrt vor uns. 16 Stunden in denen ich mich fortwährend fragte, wie wohl unser Empfangskomitee aussehen würde. Würde er dabei sein? Der Herr des Hauses? Der Rüde meiner Schwiegermutter, das „Sternchen“? Alleine der Gedanke an ihn, gab mir das Gefühl, als würde ich eine Sprengstoffweste tragen, deren Explosion ungenannte, emotionale Auswirkungen freisetzen würde. Eigentlich war es bei Licht betrachtet, die Kombination dieses weißen Fellknäuels, zusammen mit meiner Schwiegermutter,  diese Symbiose eines selbstverliebten kleinen Rackers und einer Frau, die diesen Racker kompromisslos und leidenschaftlich liebte, die mich immer wieder an den Rand des Wahnsinn trieb. Und wie Ihr ja wisst hatte Finley in seiner Pubertät so ein „Ding“ mit anderen Rüden…

Der Rüde meiner Schwiegermutter war ein watteweißer, fluffiger Malteser und wich ihr nicht von der Seite. Wo ist das Problem, fragt Ihr euch? Nun, Sternchen das waren vier Kilogramm „I doarf olles“, vier Kilogramm geballtes Testosteron, vier Kilogramm Fluffi-Hund mit dem Selbstbewusstsein eines 50-Kilo-Rottweilers.

Finley benimmt sich wie ein Matrose auf Landgang

Und dann war er da der Moment. Die Familie stand in der Einfahrt und winkte. Kein Sternchen zu sehen. Ich atmete erleichtert durch, öffnete die Heckklappe und mein Rüde sprang in Schwiegermamis Garten und markierte seelenruhig jeden Baum, jede Rose (seufz) und jeden Gartenkübel (schluck). Bei jedem Pipitropfen wurden die Lippen der Schwiegermutti etwas schmaler. Eigentlich reichte es mir an dieser Stelle schon, ich wollte im Boden versinken. Der Garten meiner Schwiegermutter ist wunderschön. Sie hatte viel Liebe und Arbeit investiert. Ich persönlich bewunderte insbesondere ihren Rosengarten, der mich ein wenig an die Schlossgärten von Sanssouci denken ließ. Ich entschuldigte mich. „Geh‘ macht doch nix“, sagte sie, ihr Blick sendete eine andere Botschaft aus. Auf meinem Gesicht entstand ein schiefes Lächeln.

Attacke aus dem Off

Daaaa, ganz plötzlich kam er um die Ecke geschossen, der Rottweiler in Malteser-Camouflage. Er nahm Anlauf, bockte auf meinem Hund auf, krallte sich mit seinen Pfoten in Finleys Lenden und versuchte mit aller Kraft …., na ja, Ihr könnt es Euch denken.

„Schau, jetzt is’ der Finley sei Weiberl“, frohlockte meine Schwiegermutter.

„Nicht in einer Millionen Jahre“, dachte mein Finley und schüttelte den lästigen kleinen Irrläufer vom Hinterteil. Das wiederum löste Empörung beim steirischen Hausherrn aus und er zwackte meinem Golden in den Bauch. Der ließ sich nicht lange bitten, pflückte sich den Widersacher vom Bauch und spuckte ihn, begleitet von einem tiefen Grollen, vor Schwiegermutters Füße. Dort blieb das Sternchen verdutzt liegen, rührte sich erst einmal nicht, Widerworte war er nicht gewohnt. Dies alles war ein Vorgang von Sekunden.

Drama Baby, Drama

„Jöhhh“, rief meine Schwiegermutter, „Sterndi, sag was. I bins!“  Tränen rinnen ihre Wangen hinunter. Ich wollte in Grund und Boden versinken. Und meine Schwiegermutter durchbohrte mich derweil mit ihren Blicken.

Mein Schwiegervater und ich inspizierten den Kleinen, er hatte, abgesehen von einer kleinen Schramme, keine Verletzungen. Trotzdem wollten wir zur Sicherheit einen Tierarzt aufsuchen. Sternchen war sichtlich geschockt, gepaart mit Erdoganscher Empörung über diese dreiste Majestätsbeleidigung. Die Liesl*, Schwiegermutters Nichte sollte uns fahren. Sie wurde ins Bild gesetzt. Wild gestikulierend lieferte meine liebe Schwiegermama der Liesl* eine hochdramatische, mit Seufzern und Schluchzern durchsetzte Reportage. Aus Sternchen, dem rotzfrechen Stalker, wurde ein armes Hascherl und von Finley entstand der Eindruck, als sei er ein Säbelzahntiger  aus dem Pleistozän, mit langen Reißzähnen und fürchterlichen Klauen. Ich war ein ganz kleines Bisschen irritiert, hatte ich die Abläufe doch komplett anders in Erinnerung.

A Bluat is dicker als wia Wosser

Die Liesl* wurde leichenblass.  „Mei, Mei, Mei….“, hauchte sie atemlos und schaute mich vorwurfsvoll an. Mein Blick richtete sich pflichtschuldig auf meine Schuhspitzen. Wir stiegen in ihren blitzblank geputzten Kombi ein. Liesl* fuhr beherzt, „Jo, des machen mia scho“, die Schwiegermutter mit dem Sternchen auf dem Beifahrersitz und ich auf der Rückbank. Schließlich war mir die Situation unangenehm … und ein bisschen norddeutsche Kontrolle kann dem steirischen Temperament ja nicht schaden, gell. Und während wir fuhren, dachte ich darüber nach, was die Liesl*, die ja Schwiegermutters Nichte war, wohl dann für mich sei … Halbkusine, Schwiegertante oder vielleicht Schwippnichte … daaa, wuahhh …

Unvermittelt geriet der Wagen ins Schlingern. Die Kusine beschwerte sich emotionsgeladen, über den Ex-Mann, die Kinder, ihre Eltern, ihren neuen Freund …. : „Mei, da mocht und duat man und wie wiads oam gedankt. Undankbar sans olle!“  Die nun folgenden, dramatischen und tränenreichen Erzählungen aus ihrem Leben, führten zu einem gewissen Maß an Instabilität bei ihren Fahrkünsten. Inhaltlich, also da stellt Euch einfach vor, euch werden 3650 Folgen „Schwarzwaldklinik“ mit gelegentlichen Abschweifungen zu „Bauer sucht Frau“, komprimiert zusammengefasst, in eine der beängstigenden Stunden eures Lebens.

Ein letztes „Pfüat di“

Heiliger Klabautermann, dachte ich, was geht hier denn ab? Wild gestikulierend, eierte die Schwippcousine gefährlich nah an den Abgründen der Bergstraßen entlang. Vielleicht ist dies der richtige Moment zu erwähnen, dass ich unter Höhenangst leide. Für mich war diese Fahrt zum Tierarzt längst zur Vorstufe eines kollektiv, erweiterten Selbstmordversuches geworden. Ich überlegte kurz, ob ich meinen Mann übers Handy anrufen sollte, um ihm ein letztes „Pfüat di“ ins Ohr zu raunen, verwarf diesen Plan aber bereits in der nächsten Kurve, weil ich meine Hände brauchte, um mich im Dachhimmel des Tanten-Wagens festzukrallen.

Ich wurde blau im Gesicht. Das war nicht gut, denn Blau war der letzte Schritt vor Grün. Und wenn ich grün im Gesicht werden würde, würde ich erfahrungsgemäß als nächstes spucken. Na, das wäre was gewesen. Zuerst hetzte ich meinen Säbelzahntiger auf einen steierischen Floffifluff und dann kotze ich die Familie auf der Fahrt zum rettenden Tierarzt auch noch voll. Ich atmete tief durch. Mein inneres Ohmmm saß vor seiner Klangschale und skandierte unser Mantra der Stunde: DAS!!! … klingklong … darf unter keinen Umständen passieren.“

Schluchzer auf dem Beifahrersitz

Während sich die Liesl*, am Steuer, laut über ihre undankbare Familie erboste, saß meine Schwiegermutter, leise vor sich hin weinend auf dem Beifahrersitz. Das Sternchen hielt sie mit einer Hand fest – sehr fest – an ihre Brust gepresst. Mit der anderen Hand streichelte sie ihrem Patienten unablässig über imaginäre Wunden. Ihre Dauer-Schluchzer unterbrach meine Schwiegermutter nur für so aufmunternde Worte wie: „Stirb‘ net Sternchen, stirb‘ neeeeeet.“ Unter ihrem wogenden Busen war ein gequälter Japser zu hören.

Willkommen bei den steirischen Filmfestspielen

Ich stand kurz vor einem hysterischen Lachkrampf. Erlebnisurlaub the styrian Way, ich konnte mich gar nicht daran erinnern, dass wir DAS gebucht hatten. Wenn ich das bei mir zuhause erzählen werde, das glaubt mir kein Mensch. Tief durchatmen, alle Sinne und vor allem den Verstand sortieren. Mit einem herzhaften Sprung über ein paar Schlaglöcher, landeten wir auf dem Parkplatz vor der Tierklinik. Puhhh, das war nochmal gut gegangen. Die Kusine schneutzte sich, schaute plötzlich sehr milde nach hinten und zwinkerte mir aufmunternd zu. Diese Art von abruptem Stimmungswechsel können nur steirische Frauen, das könnt Ihr mir glauben.  Schwiegermama war mittlerweile schon auf dem Weg ins Behandlungszimmer. Ich hechtete hinterher. Meine Schwiegermutter war schon mitten in ihrer Jurassic-Steiermark-Erzählung. Ich kam einfach nicht dazu, etwas zu sagen und trug vorerst nur schuldbewußte Blicke und das eine oder andere, kraftlose Schulterzucken bei. Danach wendete sich die Tierärztin an mich und sagte: „Jetzt verzölst du mir amol wie du das sigsd.“ Ich unterdrückte mit aller Kraft meinen aufkommenden Wunsch, mich auf ihren Schoß zu setzen und Mama zu ihr zu sagen und fing an.

Juhuuuu, ich komme zu Wort

Nachdem auch ich meine Version der Geschehnisse erzählen durfte, tätschelte mir die Tierärztin mitfühlend den Arm. „Is joa nix passiert“, sagte sie freundlich. Und an meine Schwiegermutter gewandt, fragte sie: „Woll’n wir ihn net gleich kastrieren, den Raudi?“  Meine Schwiegermutter japste nach Luft. Ich hätte sie küssen können, diese schrecklich nette, kompetente, taktlose Tierärztin. Mit diesem Satz hatte sie mich abgelöst als Persona non grata. „Heute auf keinen Fall“, sagte ich bestimmt. Und weiter: „Der Kleine hat für heute genug mitgemacht.“ Meine Schwiegermutter sah mich an und …… lächelte! Die Tierärztin grinste.

„Butterfly, my Butterfly…“

Für den Nachhauseweg flößte mir die Veterinärin zwei Pflaumenschnäpse ein und gab mir noch ein paar Globuli gegen die Höhenangst mit. „Die sind für Sie“, sagte sie mit einem bedeutsamen Lächeln. Ich nickte brav, schluckte widerspruchslos die ganze Ladung und wurde nach etwa fünf Minuten, wundervoll ruhig. Waren es die Globoli oder der Schnaps oder die Kombination aus Beidem, wer weiß das schon …

Auf meinem Gesicht machte sich ein grenzdebiler Ausdruck breit, begleitet von einem inneren, äußerst angenehmen, Jo-so-geihd-dat-noch‘-Schnaps-Frau-Wirtin-Feeling. Auf der Heimfahrt versuchte ich die Blümchen zu typisieren, die unsere Steil-bergab-Straßen säumten. Ich wünschte mir heiß und inniglich, dass genügend Bienchen und Schmetterlinge … ohhh … war da nicht gerade ein besonders schöner, huiiiii … bei meinen Alpenblumen vorbeischauen würden, um viele weitere Generationen ihrer opulenten Blütenpracht zu garantieren…. hach, runterfahren ins Tal, war irgendwie viel weniger stressig, dachte ich und schlief ein. Zuhause angekommen, gab es erst einmal was Anständiges zu Essen. Schließlich waren wir in der Steiermark. Ich für meinen Teil, hätte viel lieber noch eine Handvoll von diesen seligmachenden Globuli gehabt … oder besser noch ein, zwei, drei Pflaumenschnäpse.

Friedensgipfel am Abendbrottisch

Beim Dessert, stellten meine Schwiegermutter und ich ein paar Regeln auf, damit unsere Hunde sich die kommenden zwei Wochen nicht zu Gesicht bekommen würden. “ Siehsssuuu“, sagte ich mit leicht verwaschener Diktion, „jetsss werdn wir doch noch sssu einm Team.“ Ähm, wie bewußtseinsverändernde Mittelchen doch die Sichtweise aufs Leben ändern können… Sagen wir es frei heraus, bei nüchterner Betrachtung bin ich die Schwiegertochter, die etwas aus der Art geschlagen ist. Wir sind zwei Frauchen, die ihre Hunde lieben, aber mit völlig unterschiedlichen Ansichten über das Zusammenleben mit ihnen. Was uns vereint, ist die Liebe zu meinem Gatten und jede möchte nur das Beste für ihn. Und wenn ich mir die die olle Runkelrübe einmal in Ruhe anschaue … also ähm, das Sternchen natürlich … eigentlich ist er ganz niedlich, irgendwie, manchmal …… wenn er da so liegt und schläft….


Anmerkung der Redaktion:

Die Liesl* heißt natürlich nicht Liesl*, ich will ja irgendwann noch mal hin, zu meiner Familie. Natürlich sind alle anderen Namen auch geändert und bis zur Unkenntlichkeit verfälscht. Vielleicht ist die Schwiegermutter in dieser Geschichte gar nicht MEINE, ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob ich, ich bin. Nur der Name „Sternchen“  ist echt, der passt so gut, dass man ihn nicht besser hätte erfinden können.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen…

Heidi, ich habe leider keine Sendezeit mehr für Dich

Foto: pixaby / Zur Klarstellung: Die junge Dame auf dem Foto hat mit Heidi Klum und GNTM nichts zu tun.

Wer kennt ihn nicht den Satz: „Heute habe ich leider kein Foto für Dich. “Dieser Satz ist inzwischen genauso Legende geworden, wie etwa Arnold Schwarzeneggers Ausruf „I’ll be back“ in den Terminator-Filmen, bevor er irgendein Gewehr mit abgesägtem Lauf unter seiner Lederjacke hervorzieht, um dann innerhalb weniger Nanosekunden die halbe Bevölkerung Kaliforniens niederzumähen…

Der Effekt beider Sätze ist in etwa der gleiche: junge Frauen brechen unkontrolliert in Tränen aus, bekunden glaubhaft, ihr Leben sei vorbei, man werde die Eliminierte schmerzlich vermissen, ihr Verlust habe „ein Loch ins Herz gerissen“, auch wenn man sie erst seit einer Woche gekannt habe, alles sei umsonst gewesen, sie wüssten gar nicht, wie es jetzt weitergehen solle. Es folgen Haare raufen, tränenverschmierte Make-Up-Desaster, dahingeschluchzte Halbsätze unter Hauptschulniveau … kurzum, ein echtes Weltuntergangsszenario.

Ein Abschied aus der Tiefkühltruhe

Heidi Klum, die Verursacherin dieses Chaos thront derweil auf ihrem Jurorensessel und betrachtet das Ganze mit Amüsement. Sich kümmern oder trösten verbindet sie mit den Sätzen „Du bist ein tolles Mädchen“, „Du findest Deinen Weg“. Während sie das sagt, umgibt sie die Aura eines Bofrost-Tiefkühlgerichts und man gewinnt den Eindruck, als habe sie den Namen des geschassten Mädchens schon vergessen, noch bevor sie den Punkt hinter den gesprochenen Satz gemacht hat. 

Die Ausrangierte, geht dann in der Regel in den Backstage-Bereich, um sich trösten zu lassen. Dort wird sie von ihren Mitstreiterinnen wort- und tränenreich in Empfang genommen. Mit weit aufgerissenen Augen wird Ungläubigkeit geheuchelt … „Nee nä?“… „IstnichtdeinErnst“. Doch irgendwo, abgelegen, in der Ecke sitzend, hat Eine von ihnen den klumschen Killerinstinkt und bringt es augenrollend auf den Punkt und zischt: „Besser die als ich. Eine Konkurrentin weniger, ey.“ Mit heidiesker Kühle spricht dieses eine Mädchen aus, was alle anderen denken. „Ich bin nicht hier, um Freundinnen zu finden, ich will den Shit hier gewinnen, also GEHT MIR AUS DEM WEG.“

Einige Eltern am liebsten so: „Wir haben gar keine Tochter…“

Während die Eltern dieser Mädchen in den letzten siebzehn Jahren mühevoll versucht haben, ihren Töchtern Werte zu vermitteln und gutes Benehmen beizubringen, bringt diese Sendung binnen kürzester Zeit das Schlimmste ihres Innersten ans Licht. Da werden Intrigen gesponnen, gelogen, dass sich die Bäume biegen und gemobbt, dass sich die Macher von „Gossip Girl“ davon eine Scheibe abschneiden könnten. Und während ich vor dem Bildschirm sitze, drängen sich mir folgende Fragen auf: „Mädchen, ist es wirklich DAS, was ihr euch vom Leben erhofft? Ist es wirklich genug Lebensinhalt, sich hübsch anzuziehen und gut auszusehen, wenn man sich dafür so verbiegen muss? Ist Geld wirklich alles?“

Nun, ich wüsste wie meine Töchter diese Fragen beantworten würden. Wir haben nämlich zu verschiedenen Staffel-Zeiten darüber gesprochen. Als für uns die GNTM-Zeit anfing, waren sie Feuer und Flamme für den Catwalk. Die „krassen, fancy Klamotten“ und die Aussicht auf viel Glamour und Geld begeisterten sie. Meine Kritik wurde auf hardcore-pubertäre Weise zurückgewiesen.

Versuch im mobilen Pubertätslabor 

Ich habe einfach ein Spiel daraus gemacht. Ich suchte ein paar Klamotten zusammen … aus meinem Schrank und ein paar exquisite Stücke aus dem Altkleidersack. Folgenden Vorschlag, machte ich dann: „Wenn Ihr euch damit anzieht und danach einmal durch die Siedlung geht, auch da wo eure Freunde abhängen, verdoppele ich diesen Monat euer Taschengeld.“ Ich konnte sehen, wie es in ihnen arbeitete, der Taschengeld-Aspekt hatte bei zwei 13 und 14jährigen Mädchen durchaus Gewicht. Zögerlich suchten sie sich etwas aus und fingen an sich umzuziehen.

Sie standen kichernd vor dem Spiegel und sahen ein bisschen aus, wie die zwei Vogelscheuchen auf Bauer Stüffels Feld. Um der Sache noch ein wenig Würze zu geben, gab ich weitere Anweisungen, schließlich war ich ja Heidi und durfte den Rahmen der Handlung bestimmen. „So, jetzt setzt Du, Motte, noch diesen Hut auf und Du, Mausi, den Haarreifen. Dann knöpft ihr eure Blusen auf und macht kurz unterhalb der Brust einen festen Knoten. Bauchfrei wirkt das Ganze sehr viel besser.“

„Bist Du jetzt vollkommen irre“, fragte Mausi mich. „Aber komplett! Ich gehe doch nicht nackig durch die Siedlung“, pflichtete ihr Motte bei. „Ihr wollt also vertragsbrüchig werden“, sagte ich mit gespieltem Ernst. Ich machte recht deutlich, dass es das doppelte Taschengeld nur geben würde, wenn sie täten, was ich sagte. Und weiter: „Wenn Ihr als Model einen Auftrag bekommt, müsst ihr immer anziehen, was Euch vorgegeben wird, auch wenn es Euch nicht gefällt und auch, wenn ihr dabei fast nackt sein müsst. Sonst bekommt Ihr euer Honorar nicht.“

Um es kurz zu machen, bei meinen Mädchen änderte sich an diesem Tag die Sichtweise auf GNTM. Wir schauen es zwar noch ab und an und gönnen uns eine Portion Voyeurismus, aber der Zauber ist verflogen.

Ernst gemeinter Zwischenruf

Was mich in dieser Staffel von GNTM aber trotzdem richtig aufregte, ist der so offen zelebrierte Sexismus, offenbar ein neues Steckenpferd von Heidi Klum. Wir sind ja nun schon gewohnt, dass sich die Mädchen, in Tüll und Paillettenstoff gehüllt, nur an einem Seil befestigt, kopfüber aus 150 Meter hohen Bauruinen stürzen müssen. Natürlich, bitte im freien Fall Posen und lächeln, „biete dem Fotografen mal etwas mehr an, Mareike…“ Oder dass die Mädchen, deren tierische Erlebniswelten bisher nur Hamster, Hunde und Ponys enthielten, plötzlich mit einer Großfamilie Pytons behängt wurden. „Die fühlen sich gaaanz toll an, Lena … die tun Dir nichts … tu mal so, als würdest Du das liiiiieben, SteffiemitP…“

Auch dramatisches Umstylen und das berüchtigte Nacktshooting gehören zu den Standards und dieses Mal kam nun noch der Nackt-Catwalk dazu. Und da kommen wir langsam zu dem Punkt, warum ich diese Sendung ablehne. Überwiegend minderjährige und sehr junge Frauen werden fortwährend dazu genötigt, Dinge zu tun, die sie nicht wollen, die ihrer religiösen Einstellung widersprechen, die von ihrem kulturellen Umfeld verurteilt werden, die gefährlich sind, sie demütigen und deren seelische Auswirkungen die Mädchen noch gar nicht absehen können. Wer aufmuckt oder nein sagt, gilt als schwach, was mich regelmäßig die Wände hoch treibt vor Wut. Was bitte ist schwach daran, zu seinen Gefühlen und gesunden Instinkten zu stehen und NEIN zu dem Wahnsinn zu sagen? Richtig, NICHTS!

Ich möchte Heidis Brüste nicht sehen … bitte … gebt sie Tom

La Klum versuchte nun der Kritik an ihrer Sendung auf ihre eigene Weise entgegenzusteuern. Sie ließ keine Gelegenheit aus, selber viel Haut zu zeigen, hielt vor Beginn des Nacktwalks mit beiden Händen ihre „Bubis“ in die Kamera und fragte, „Na, hat er (gemeint war Thierry Mugler) die Zwei nicht wunderbar in Szene gesetzt?“. Klasse und guter Geschmack gehen anders. Wie ein drittklassiger Sportreporter kommentierte sie die Art der Mädchen zu gehen, ihre Hüftschwünge, ihre Augenaufschläge und das mit dem schwülstigen Stimmen-Timbre eines mauretanischen Slavenverkäufers aus dem Mittelalter: „Waaauow, die kann aber gucken, so Pauw! … Uiuiuiuiiii, guck mal was die mit ihren Hüften macht …“ Ihr meint, ich sei eifersüchtig, weil Heidi hübscher und reicher ist, als ich? Stimmt, das ist sie und ich bin auch sonst ganz anders als sie. Ich finde das macht alles andere wieder wett.

Omi-FKK auf Pro7

Als ob das nicht schon Unbehagen genug verursacht hätte, erwarteten Heidi und Mitjurorin Ellen von Unwerth die Mädchen beim Nacktwalk im Evakostüm. „Wir fragen die Mädchen ja nach nichts, was wir nicht selber tun würden“, gab Unwerth als Grund dafür an. Heidi Klum brach daraufhin in lautes Gelächter aus. Ein Schelm, der an dieser Stelle den Eindruck gewann, dass den beiden Bestagerdamen ihre Selbstinszenierung wichtiger war, als die Mädchen. Die süße Anna, die angab nicht einmal zuhause nackt herumzulaufen, man wisse ja nie ob der Postbote vorbeikäme (wtf???) jedenfalls, erbat beim lieben Gott Unterstützung für ihren Badeschaum-Nacktgang nach Kanossa. Ich wüste wirklich gern, wie dass am anderen Ende der Himmelsleiter angekommen ist.

Zu Alledem hat Heidi natürlich eine Meinung. Sie formulierte es in etwa so: „Dürfen sich Models schämen? Models dürfen sich nicht schämen, Models dürfen sich überhaupt nicht schämen.“ Anders ausgedrückt: WIR (Ellen und ich) machen uns nackig, also kann das ja nicht so schlimm sein. Folgte man dieser Philosophie, wäre es so, als würde man die Mafia tolerieren, Papa hat schon Leute erpresst, der Junior kommt ganz nach ihm …

Entscheidet Euch: Modewelt oder Varieté

Die Modeschöpfer, deren Kleider auf diese Weise präsentiert werden, sollte man fragen, ob ihre Kleider das wirklich nötig haben, diese innere Selbstverleugnung bei ihren jungen Models. Wenn ja, na dann meine Damen und Herren, wird es Zeit zurück ins Atelier zu gehen und Bekleidung zu entwerfen, die diese Demütigungen junger Frauen nicht mehr benötigen, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.

Heute ist es nun wieder so weit. GNTM geht mit dem großen Umstyling on air. Drama Baby! Solange Pro7, die Kosmetikfirmen, die Modelables und auch prominente Frauen wie Heidi Klum ihr Verständnis von Würde und Respekt nicht ändern, werden wir wohl weiterhin so bedeutungsschwere Sätze wie „Wir dachten zuerst, dass sie eine mega starke Persönlichkeit hat, aber dann haben wir gesehen, die kann gar nicht Rollschuh fahren“ verkraften müssen. Ich versuche es mit Humor zu nehmen. Also Obacht liebe Anna, man weiß ja nie, wann der Postbote klingelt…

Die letzte Instanz – ich hoffe nicht!

Ich dachte wirklich, ich hätte mich verhört, als ich mir die Sendung „Die letzte Instanz“ vom 29.01.21 im WDR angesehen habe. Deshalb, damit mir keine Inhaltlichen Fehler unterlaufen, habe ich mir die Sendung immer wieder in der Mediathek des Senders angesehen. Was soll ich sagen … ich war entsetzt, wütend und in vielerlei Hinsicht tief enttäuscht über die Dinge, die dort gesagt wurden und über die Art, wie über gesellschaftlich relevante Themen hinweggestammtischt und stellenweise auch, ob nun bewußt oder unbewußt, gehetzt wurde.

Die Sendung, in der laut eigener Beschreibung des Senders mit „großem Herz und großer Klappe“, bestimmte Fragestellungen diskutiert werden sollen, beschäftigte sich am Freitag mit der Frage – ich zitiere – „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ Die Diskutanten sollen dann ihre Meinung darlegen und am Ende mit einer grünen oder roten Karte abstimmen, ob man sich die Änderung des Namens nun hätte schenken können oder nicht.

Moderiert wurde die Sendung vom Journalisten Steffen Hallaschka, bekannt als Moderator von sternTV. Er begrüßte als Gäste den Sternkolumnisten und Autoren Micky Beisenherz, die Schauspielerin Janine Kunze, TV-Profi Thomas Gottschalk und Jürgen Milski, Ballermannsänger und Big-Brother-Urgestein. Was soll ich sagen? Am Ende der Sendung kam mir der Gedanke, dass außer großer Klappe und großem Herzen vielleicht auch etwas Hirn sachdienlich gewesen wäre.

Ich will mich hier gar nicht in die Diskussion versteigen, ob man das Wort „Zigeuner“ heute noch gebrauchen sollte. Sobald sich ein Mensch oder auch eine Gruppe von Menschen durch ein Wort oder eine Kategorisierung herabgewürdigt fühlt, benutze ich es nicht. Das versteht sich aus meiner Sicht von selbst. In meinem Artikel allerdings, tauchen einige dieser Wörter auf. Ich habe das gemacht, um die Ungeheuerlichkeit des Gesehenen deutlich zu machen und nicht durch ***Worte zu schmälern. Diese Begrifflichkeiten tauchen ausschließlich in Zitaten auf, oder sind in Versalien gesetzt.

Natürlich ging es weder in der Sendung, noch geht es hier im Artikel nur um den Begriff „Zigeunersoße“. Es ging auch um die Fähigkeit zu erkennen, dass dort ein gesellschaftlich und historisch relevantes Thema diskutiert werden sollte. Ein Thema, dass bei den beteiligten Diskutanten das Vorhandensein, eines gewissen Maßes an Bildung und geschichtlichem Hintergrundwissen erfordert hätte. Im Grunde geht es doch um den Umgang mit bestimmten Themen, um Respekt und Akzeptanz. Wenn es um Dikriminierung, Antisemitismus oder Antiziganismus geht, haben die Sender unseres Landes, die historische Verpflichtung, vorab zu überdenken: In welche Art von Sendungen gehören diese Themen und mit wem besprechen wir sie. In Der letzten Instanz haben die Verantwortlichen des WDR, so muss man wohl sagen, ihren Job nicht ausreichend gut gemacht.

Als Moderator Steffen Hallaschka den Zentralrat der Sinti und Roma zitieren wollte, ließen ihn seine Gäste kaum zu Wort kommen. Sie winkten ab und taten das, was da an Stellungnahme kommen sollte, mit ein paar verächtlichen Jaja’s und verächtlichem Gelächter ab. In diesem Statement stellte der Zentralrat der Sinti und Roma klar, dass der Begriff „Zigeuner“ in der Vergangenheit als diskriminierender Begriff genutzt und mißbraucht wurde und dass sie sich selber nie so bezeichnet hätten.

Der Zentralrat der Sinti und Roma hat zu dieser Sendung inzwischen Stellung genommen. Den vollständigen Text findet Ihr HIER.

Man hätte jetzt darüber sprechen können, dass der Missbrauch von Sprache schon immer der Anfang von Diskriminierung und Alltagsrassismus waren. Oder konkreter, welche Folgen es in unserem Land schon einmal gehabt hat, wenn man als „Zigeuner“ klassifiziert worden war. Stattdessen regte sich Janine Kunze darüber auf, dass sie ihr Schokobrötchen nicht mehr „Mohrenkopf“ nennen dürfe. Schließlich habe sich ja niemand was Böses dabei gedacht, als das Wort erfunden worden ist. Als ich das hörte, holte mein inneres Ooohhmmm die Klangschale aus dem Schrank und flüsterte leise: „Birgit, sie wissen ja nicht worüber sie da reden…“ Janine Kunze dozierte inzwischen weiter, man müsse ja nun nicht jedes Fass aufmachen und sich jeden Schuh anziehen. Und dann O-Ton Kunze: „Entschuldigung, hier sitzt eine blonde Frau mit relativ großer Brust. Was glaubst Du denn, was wir uns anhören…“ Das Ganze dann noch unterlegt mit den grenzdebilen „Jajaja-Genaus“ von Jürgen Milski. Leute, wenn es nicht so traurig wäre …

Spätestens jetzt wäre es, aus meiner Sicht, angebracht gewesen, das Testbild einzublenden und die Sendung zu unterbrechen oder die Teletubbys in Dauerschleife zu senden. Alles wäre besser gewesen, als das, was noch folgte. Zur Info Frau Kunze: Die Zahlen-Schätzungen, wieviele Sinti und Roma, der Massenvernichtungs-Maschinerie der Nazis zum Opfer gefallen sind, bewegen sich zwischen mindestens 100.000 und 500.000 Menschen. Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich könnte wetten, dass die Opferzahlen dickbrüstiger Blondinen da nicht heranreichen….

Und als ich glaubte, es könne nun nicht schlimmer werden, meldete sich Thomas Gottschalk zu Wort. Der große Showmaster vergangener Samstagabende hatte sich eigentlich noch nie, auch nicht zu seinen Glanzzeiten, durch politisches Bewusstsein oder durch reflektierte Aussagen zu sozialkritischen Themen ausgezeichnet. Ich fürchte, er ist nicht so klug, wie er als studierter Lehrer eigentlich sein müsste. „Wetten Das“ war auf jeden Fall die bessere Lösung für alle.

Aber mit dem, was er in dieser Sendung sagte, trat er nun wirklich in die Ur-Mutter aller Fettnäpfe. Im LA-Plauderton erzählte er, wie er einst, in Beverly Hills auf eine Kostümparty gegangen war. Aus tiefer Verehrung für den Künstler, hatte er sich als Jimi Hendrix verkleidet und um möglichst authentisch auszusehen (oder aus Ignoranz, wer weiß das schon genau) hatte er sich sein Gesicht geblackfaced. Auf dieser Party seien außer ihm nur weiße Banker gewesen. Das Ganze sei sein Erweckungserlebnis gewesen. Gottschalk O-Ton: „Zum ersten Mal wußte ich, wie Schwarze sich fühlen.“ Mein inneres OOOhhmmm packte seine Koffer, wild entschlossen, einen sehr langen Erholungsurlaub anzutreten.

Im ernst Herr Gottschalk, sie feiern Fasching und wissen seitdem wie dunkelhäutige Menschen sich fühlen? Ich erkläre Ihnen mal den Unterschied. Ein schwarzer Mensch verbringt ein ganzes Leben mit seiner Hautfarbe. Er trägt sie im Schnitt 80 lange Jahre durch glückliche Zeiten , aber auch durch Konflikte und durch schwierige, manchmal auch gefährliche Zeiten, ohne eine andere Alternative zu haben. Sie können, wenn es schwierig, gefährlich oder unbequem wird einfach ins Bad gehen und sich ihre schwarze Farbe abwaschen. Glauben Sie mir, das ist nicht vergleichbar. Ich bin sicher, Jimi Hendrix würde mir zustimmen. Und da sind wir beim nächsten Punkt.

Warum kommt in dieser Sendung nicht wenigsten eine Person zu Wort, die von Alltagsdiskriminierung betroffen ist. Pssst, Frau Kunze wir reden jetzt nicht über Oberweiten. Hätte die Ausgewogenheit der Sendung nicht davon profitiert, wenn ein Sinti oder ein dunkelhäutiger Mensch seine Erfahrungen eingebracht hätte. Es wäre doch interessant gewesen, zu sehen, was es mit Milkski, Kunze oder Gottschalk gemacht hätte, wenn ihnen mal jemand, der es wirklich erlebt hat, geschildert hätte, was es mit ihm macht, wenn jemand anderer „Zigeuner“ zu ihm sagt. Das würde ihnen vielleicht klar machen, dass ihr lautes Nix-darf-man-mehr-sagen-Gejammere nicht einmal annähernd den Kern des Themas trifft.

Ich habe schon mein halbes Leben hinter mir. Mir wurde schon als Kind gesagt, dass man gewisse Bezeichnungen nicht benutzen darf, weil es andere Menschen verletzen würde. Und um exakt diese Worte geht es immer noch. Das finde ich beschämend. Niemand sagt, dass die Änderung der Sprache den Rassismus komplett beendet, das sie derAnfang für Diskriminierung sein kann, das haben wir erlebt. Aber solange die Beleidigung einer Bevölkerungsgruppe so einfach und selbstverständlich geäußert wird, wie in dieser Sendung oder aber als Bezeichnung eines Lebensmittels sogar zur Marke wird, ist es unrealistisch zu glauben, dass die gleiche Bevölkerungsgruppe eine faire Chance auf gleichberechtigte Behandlung hat.

Ich finde, das weder der Sender, der Moderator Steffen Hallaschka, noch Janine Kunze, Thomas Gottschalk, Jürgen Milski oder Micky Beisenherz das in der Sendung Geschehene so stehen lassen sollten. Entschuldigungen vom WDR, Micky Beisenherz und Janine Kunze sind mittlerweile online. Aber ich persönlich finde, dass da etwas mehr, als eine geschriebene Entschuldigung fällig ist. Eine Sendung mit allen Beteiligten und eine Auge-in-Auge-Diskussion mit betroffenen Menschen wäre, wie ich finde, angemessen.