Herbstfrühling

Ein Familienroman von Angelika Godau und Luise Klein

Grafik: Fivver

Angelika Godau ist da ein unterhaltsamer und lesenswerter Familienroman gelungen. Es ist nicht immer leicht für die drei Hauptfiguren Oma Inge, Tochter Sarah und Enkeltochter Lara, miteinander auszukommen. 

Oma Inge lebt in der Seniorenresidenz, erzählt gern aus der Vergangenheit. Tochter Sarah wurde von ihrem Mann sitzen gelassen, hat schwer mit der Gegenwart zu kämpfen und Enkeltochter Lara wird von der eigenen Pubertät überrollt, dass es nur so kracht. Davon haben dann alle etwas. 

Der Umgang der Drei untereinander ist manchmal etwas rau, gegenseitige Verletzungen blockieren oft das Miteinander. Angelika Godaus lockerer Erzählweise ist es zu verdanken, dass das Buch trotzdem nie zu ernst wird und immer eine gute Portion Humor mitliefert. 

Bald ändern sich die Lebensumstände. Oma Inge erlebt den Herbstfrühling, Tochter und Enkelin halten dazu mit ihrer Meinung natürlich nicht hinterm Berg … doch allmählich wächst das Verständnis füreinander. Ach wisst ihr was? Lest es doch einfach selber, ich gebe für den Herbstfrühling meine Leseempfehlung.

Ich habe Angelika für euch interviewt. Meine Fragen hat sie auf ihre originelle Art, sehr ehrlich beantwortet. Schaut doch mal rein ins Interview.

Wer ist Angelika Godau?

Angelika Godau hat eine spannende, wendungsreiche Vita. Geboren in Oberbayern, aufgewachsen im schönen Detmold, später nach Köln gezogen und ihr Herz für immer an diese Stadt verloren. Journalistin, später Studium der Psychologie und eigene Praxis in Mannheim. Ein fast 10-jähriger Aufenthalt in der Türkei sensibilisierte sie für das Elend von Hund und Katze. Seither gilt ihr Engagement dem Tierschutz. In „Ein Streuner mit Sommersprossen“ schildert sie für ihren „halben Herdenschutzhundes, Ben“ humorvoll den Sprung vom italienischen Straßenhund auf die Couch der Zivilisation. Danach erscheinen ihre drei „Granny-Bände“ (Gmeiner-Verlag) und dann in jährlichem Abstand fünf Pfalzkrimis um den Dürkheimer Privatdetektiv Detlev Menke und seinen cleveren Dackel Alligator, genannt Alli. 

Mit dem vorliegenden Buch hat sie sich an ein ganz neues Genre gewagt und schreibt begeistert bereits an einer Fortsetzung. Godau lebt heute mit ihrem Mann, den beiden Hunden Linda und Sam und Katze Maya in Europas Rosenstadt Zweibrücken. 

Foto: Thomas Füßler

Wer ist die Co-Autorin Luise Klein?

Luise Klein im Juli 2007 im schönen Heidelberg geboren, besucht die 9. Klasse eines Zweibrücker Gymnasiums, liebt ihren Hamster „Rüpel“, zofft sich gern mit ihrem jüngeren Bruder Lutz und ist aktives Mitglied bei den „Pfadfindern“. Auch wenn sie bisher noch keinen konkreten Berufswunsch hat, das Mitschreiben an diesem Buch hat ihr viel Spaß gemacht. Der Part der ebenfalls 14-jährigen Lara klingt daher sehr nach ihr. Außerdem verbindet sie, neben dem Schreibtalent, noch etwas ganz Besonderes mit Angelika Godau. Was das ist, erfahrt ihr im anschließenden Interview.

Interview mit Angelika Godau

Taufrisch war gestern: Angelika, man kennt dich ja in erster Linie als erfolgreiche Krimi-Autorin. Was hat dich dazu veranlasst das Genre zu tauschen und einen Familienroman zu schreiben?

Angelika Godau: Zum Krimi bin ich erst recht spät gekommen. Angefangen habe ich mit „wenn Wirbel aus dem Lot geraten“ einem Fachbuch für Interessierte Laien. Also etwas für Menschen mit Rückenproblemen. Das war sehr erfolgreich, hat sich extrem gut verkauft. Trotzdem habe ich an ein weiteres Buch nicht gedacht, bin erst mal für fast acht Jahre in die Türkei „ausgewandert“.

Dort wurde ich dann mit dem Elend von Hund und Katze konfrontiert und habe mich stark im Tierschutz engagiert. Als ich zurück nach Deutschland kam, habe ich mir einen Hund aus dem Tierschutz geholt, einen Herdenschutzhund, meinen Ben. Einen wunderbaren, nie vergessenen Freund, der leider im letzten Jahr mit fast 14 verstorben ist. Ihm habe ich mein zweites Buch gewidmet: „Ein Streuner mit Sommersprossen“. Eigentlich ein Muss für Besitzer von Auslandshunden.🙈

Danach habe ich eine Trilogie geschrieben, die ich bis heute sehr liebe. Die Granny-Bände, leider sind sie im völlig falschen Genre rausgebracht worden und daher wenig erfolgreich.😥Jetzt gerade ist es mir aber gelungen, meine Rechte vom Verlag zurückzubekommen. Ich werde sie sehr sorgfältig überarbeiten und dann neu veröffentlichen. Ob im SelfPublishing oder einem Verlag wird sich zeigen. Es sind wirklich Perlen, komisch, anrührend , berührend, romantisch und historisch korrekt. Ich weiß; Bescheidenheit ist eine Zier, aber sie sind wirklich toll.🥰

Ja, danach war wieder  Pause, aber dann habe ich mit meinen Krimis angefangen, von denen im Juli der fünfte erschienen ist. Das hat mir erst mal gereicht, zumal der Markt mit Regiokrimis ja förmlich überschwemmt wird. Jedes Dorf hat mittlerweile seinen eigenen Mörder.🤣Darum jetzt eben mal einen Familienroman und das hat so viel Spaß gemacht, dass ich an einer Fortsetzung arbeite.

Taufrisch war gestern: Was hat dich dazu getrieben in die Türkei auszuwandern? Das klingt spannend.

Ich wollte immer gern ins Warme, dahin, wo immer die Sonne scheint. Damals kam so viel zusammen: Mein Vater starb, meine Kinder hohen aus, mein Mann hatte die Möglichkeit, in denvorzeitigen Ruhestand zu gehen, meine Praxiswuchs mir über den Kopf … da sind wir „ausgestiegen“, aber mit Vorsicht und Bedacht. Haben eine kleine Wohnung in Deutschland behalten, alles alles andere hier beibehalten, also Kranken – Versicherungen und so. Zum Glück, denn wir haben viele Menschen  kennengelernt, die alle Zelte hinter sich abgebrochen hatten und dann große Probleme bekamen, gern zurückwollten und nicht konnten. Wir sind 8 Jahre geblieben, dann kam das erste Enkelkind und plötzlich war die Sonne nicht mehr so wichtig♥️

Taufrisch war gestern: Du schreibst dieses Buch ja zusammen mit deiner Koautoren Luise Klein. Wer ist sie und warum schreibst du dieses Buch in Kooperation?

Also, Luise ist meine zauberhafte Enkelin und da sie im passenden Alter wie meine Prota Lara ist, habe ich sie gefragt, ob sie mir helfen würde, die Lara wirklich gut klingen zu lassen. Hat sie hervorragend gemacht🤣

Taufrisch war gestern: Deine Figuren in diesem Buch sind wie aus dem Leben gegriffen. Wieviel steckt von dir in Inge Berger oder ist alles nur Fiktion?

Von mir absolut gar nichts. Ich bin völlig anders, würde auch völlig anders reagieren. Nur so manche Zweifel, die hätte ich vielleicht auch☺️Ich bin aber nicht so unsicher wie Inge, vor allen Dingen kenne ich mich sehr gut mit der neuen Technik aus und bin in den Sozialen Medien durchaus zuhause.

Taufrisch war gestern: Wie sieht dein idealer Tag aus?

Ich stehe gern früh auf. Spätestens um halb sieben begrüße ich meine Tiere und checke meine Nachrichten. Dann gehe ich mit meinem Hund Sam Gassi. Je nachdem, was anliegt, arbeite ich ein bis zwei Stunden am aktuellen Werk. Dann wird gekocht, ich koche nämlich gut und sehr gern. Probiere ständig neue Gerichte aus und mein Mann muss das dann essen.🤣Nach dem Essen brauche ich eine Stunde Schlaf, schon immer. Das liebe ich einfach, danach kann ich sehr konzentriert weiterarbeiten. Dann Treffen mit Freunden, der Familie, Einkaufsbummel oder mal schön Essen gehen, am liebsten zum guten Italiener. Ich liebe die italienische Küche.

Taufrisch war gestern: Wir haben zwei harte Jahre hinter uns. Was sind aus deiner Sicht die größten gesellschaftlichen Herausforderungen denen wir uns stellen müssen?

Oh je, das ist eine schwere Frage. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder dieses Trauma verarbeiten, verpasste Schulzeiten aufholen können, dass keiner den Anschluss verliert und auf der Strecke bleibt. Auch sollten möglichst viele der kleinen Betriebe Hilfe bekommen, nicht nur die großen. Na ja und dann sollten wir zukünftig dafür Sorgen, dass eine solche Herausforderung unsere Gesellschaft nicht so spalten kann. Vielen Verwirrten wurde einfach zu viel Raum gegeben, die Menschen zu wenig aufgeklärt.

Wir brauchen wieder mehr Miteinander, weniger Gegeneinander. Ich bin ja eine Mimikama, also mehr Fakten als Fakenews.

Taufrisch war gestern: Wenn Zeitreisen möglich wären, in welche Zeit würdest du reisen und gibt es jemanden, den du dort gerne treffen würdest?

Unbedingt in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit, so toll war die meist nicht, auch wenn wir sie teilweise verklären. Ich will wissen, wie es mit der Erde und der Menschheit weitergeht, ob wir die Kurve noch kriegen und wie?

Taufrisch war gestern: Wie gehst du mit Kritiken, Positiven und Negativen um? 

Ehrlich? Ich habe kein so dickes Fell, wie es manchmal aussehen mag. Ich nehme mir ungerechte Kritik schon sehr zu Herzen. Also, wenn jemand sagt: Du schreibst doch nur Scheisse, dann trifft mich das. Sagt jemand, das und das hat mir nicht so gefallen weil…dann ist das was anderes. Lob mag ich natürlich, davon hat’s früher, als ich ein Kind war, sehr wenig gegeben.

Taufrisch war gestern: Kannst du gut verzeihen? Oder gibt es etwas, dass für dich unverzeihlich wäre?

Ich habe viele Fehler, ich bin z. B. nicht sehr geduldig, aber ich bin ein treuer Freund. Wen ich mag, für den gehe ich durchs Feuer. Dem nehme ich auch selten etwas richtig übel. Ich sage, was los ist und damit ist das Thema für mich erledigt. Anders sieht das aus, wenn mich jemand wirklich hintergeht, also so richtig. Dann ist der für mich erledigt. Ist mir aber erst einmal passiert, obwohl ich echt grenzenlos vertrauensselig bin. Misstrauen gehört einfach nicht zu meinem Charakter.

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Das mißverstandene NEIN!

Foto: pixaby

Ich bin nun schon älter und meine Töchter sind junge Frauen. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass wir in unserer Gesellschaft weiter wären, als es augenscheinlich der Fall ist. Wünschenswert wäre eine Gesellschaft in der emanzipierte Frauen der Regelfall wären, genauso wie emanzipierte Männer, für die der Begriff Respekt nicht nur untereinander etwas gilt. Ich wünschte mir eine Welt, in der das Miteinander im Vordergrund steht und nicht der Machtkampf zwischen den Geschlechtern, eine Welt in der meine Töchter nicht um ihre körperliche Unversehrtheit oder sexuelle Selbstbestimmtheit fürchten müssten.

Vor allem aber wäre mir wichtig gewesen, meine Töchter in eine Erwachsenenwelt zu schicken, in der sie Schutz und Solidarität finden könnten, wären sie sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen, in der man ihnen Glauben schenken würde, wenn sie von solchen Übergriffen erzählen würden. Die Ereignisse um einen bekannten deutschen Comedian, dem von seiner Ex-Freundin sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden, zeigen zurzeit erschreckend deutlich, wie wenig unsere Gesellschaft in der Lage ist, Frauen auf angemessene Art und Weise zu begegnen, die von so einschneidenden und schrecklichen Ereignissen berichten.

Der SPIEGEL hat ausführlich über diesen Fall berichtet. Den gesamten Spiegel-Artikel findet ihr HIER. Die junge Frau hatte Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft hatte den Vorwurf überprüft. Wie der SPIEGEL berichtete, habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Vergewaltigung eingestellt, „weil sie nicht davon ausgehe, dass der Beschuldigte aufgrund der vorliegenden Beweise verurteilt werden würde.“ So und nun dürft ihr mal raten, auf welche Art und Weise dieses Juristendeutsch in der öffentlichen Diskussion interpretiert wird….

Angefangen mit dem beschuldigten Comedian, der sich noch vor der SPIEGEL-Veröffentlichung entschloss, seine bis dahin gewahrte Anonymität aufzugeben und sich auf Instagram in einem Video an seine Fans und Kollegen wandte und sagte: “ … eine Staatsanwaltschaft hat das dann geprüft, sogar eine Generalstaatsanwaltschaft … das ist also in zwei Instanzen geprüft worden … und beide kamen zu dem exakt gleichen Ergebnis, nämlich dass hier kein Tatverdacht vorliegt …“ Was soll ich sagen – ES LEBE DER KLEINE UNTERSCHIED!

Was der Comedian den Staatsanwaltschaften da in den Mund legt, klingt quasi wie ein Freispruch. Das ist aber nicht das, was der SPIEGEL aus der Ermittlungsakte, die der Redaktion nach eigenem Bekunden vorlag, zitiert hat. Nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte aufgrund der vorliegenden Beweise, verurteilt werden würde, heißt NICHT, dass die Frau lügt, etwas erfunden hat oder wie die Verteidigung des Comedians behauptet, „Scheinerinnerungen“ hat. Es bedeutet lediglich, dass zurzeit aufgrund der vorliegenden Beweise kein Urteil gefällt werden kann. Es bedeutet aber auch, dass das Ermittlungsverfahren unter bestimmten Bedingungen wieder eröffnet werden könnte, wenn sich die Beweislage, etwa durch neue Zeugenaussagen, ändern würde. Dieser Einstellungsbescheid stellt weder die Schuld noch die Unschuld eines Beschuldigten fest.

Solche Fehlinterpretationen, warum auch immer man sie veröffentlichen mag, gehören zu den Dingen, die man in solchen Fällen regelmäßig in den sozialen Medien findet. Es wird mit juristischen Begriffen herumhantiert, dass einem schwindelig werden kann, in der Regel leider ohne dass die Nutzer dieser Begriffe wissen, was sie bedeuten, welche rechtlichen Wirkungsraum sie haben und welche rechtlichen Folgen sich daraus ergeben könnten.

Genauso unerklärlich ist mir der Reflex, sich mit Schmackes schützend vor den potentiellen Täter zu werfen und gleichzeitig das potentielle Opfer zu verunglimpfen, ohne zum Beispiel Einblick in die Ermittlungsakte gehabt zu haben. Da genügt offenbar ein „Ich kenne dich schon jahrelang“ für eine Expertise und ein „Bro, ich glaube dir jedes Wort“. Ich frage mich in diesen Fällen immer, warum man sich als Kumpel nicht mal die 4 bis 5 Sekunden nimmt, zu überlegen, was man mit solchen Aussagen, die ja immer implizieren, das potentielle Opfer habe gelogen, wohl mit einer missbrauchten Frau macht, wenn bei dem Lieblings-Buddy wirklich mal etwas schief gelaufen sein sollte.

Bitte nicht falsch verstehen, ich habe großes Verständnis dafür, dass man als Freund*in eines Beschuldigten erst einmal aus allen Wolken fällt und ungläubig ist, weil man diese Person anders kennengelernt hat. Dann sollten diese Menschen ihre Solidarität aber so ausdrücken, dass sie nicht gleichzeitig das potentielle Opfer verunglimpfen. In diesem Zusammenhang wird von Laien oft die „Unschuldsvermutung“, wieder ein juristisches Prinzip, zitiert. Und sie haben recht, ein Täter hat ein Anrecht darauf als unschuldig zu gelten, bis in einem Prozess etwas anderes bewiesen wurde und er rechtskräftig verurteilt wurde (stark vereinfacht dargestellt). Die Unschuldsvermutung fordert, dass dem beschuldigten Mann aus der momentanen Situation keine Nachteile entstehen dürfen. Die Unschuldsvermutung ist aber ganz klar kein Freispruch vom Tatvorwurf und das interpretieren Viele leider falsch.

Was Freunde und Unterstützer potentieller Täter dabei leider häufig außer Acht lassen ist, dass diese Unschuldsvermutung auch für das potentielle Opfer gilt. Genau deshalb sollten diese Leute, die ja auch nur Außenstehende sind und beim Geschehen nicht dabei waren, es tunlichst unterlassen das potentielle Opfer als Lügnerin zu bezeichnen, auch nicht zwischen den Zeilen. Deshalb könnten sie den „Bro“, wenn sie es ernst meinten mit ihrer Freundschaft, trotzdem stärken. Zum Beispiel wenn sie sagen würden: „Junge, egal was damals zwischen euch passiert ist, du bekommst von mir die Hilfe, die du brauchst.“ Habe ich in der Art aber noch von niemandem gehört. Vielleicht weil sich so die Grundbedingungen für die Unterstützung zu drastisch verschieben würden?

Und alles das kann geschehen, weil sich in unserer Gesellschaft immer noch hartnäckig das Gerücht hält, dass wenn es darum geht, Grenzen einzuhalten und Respekt zu zeigen, ein NEIN nicht immer so ernst gemeint ist, dass Frauen eigentlich selber gar nicht wüssten, was sie wollten und was nicht. Solange Befindlichkeits-Sprüche wie, „man weiß ja bald gar nicht mehr, was man darf und was nicht“, gesellschaftstauglich bleiben und dazu führen, dass Männer für ihre Übergriffigkeiten nicht zur Rechenschaft gezogen werden, haben wir noch eine Menge Aufklärungsarbeit vor uns.

Wenn, wie in dem Kölner Fall, die Frau berichtet, der Mann habe sie gepackt und auf dem Bett hin- und her geschüttelt und er habe das hinterher damit begründet, er habe alle negativen Gedanken (sie hatte nein gesagt) aus ihr herausschütteln wollen, wie kann man das auch nur für eine Sekunde als akzeptables Verhalten ansehen. Selbst die abgeschwächte Form, die der Comedian eingeräumt hatte, er habe sie „ganz fest umarmt“ damit alles Negative aus ihr verschwinden würde, ändert an der Ungeheuerlichkeit nichts. Welche abgehobene Arroganz, die Frau sagt nein und anstatt zu sagen, „okay Schatz, dann ein anderes Mal“, treibt man ihr das einfach aus.

Ich frage mich tatsächlich, wie es immer noch sein kann, dass softpornografische Männerfantasien, wie etwa die Behauptung „ein besonderer Blick der Frau habe ihn dazu animiert“, trotz des deutlich ausgesprochenen NEINS, erst richtig loszulegen, mehr Glauben und Verständnis entgegengebracht wird, als der schlüssigen Schilderung einer Frau, darüber wie ein Mann sie brutal missbraucht hat.

Für diejenigen die es nicht verstehen (wollen?), ich erkläre euch das Mal. Im Grunde ist das ganz einfach. Egal wo, egal wann, egal in welcher Situation, ein NEIN ist ein NEIN und keine beliebig interpretierbare Verwirrung eines Mädchens oder einer Frau. Ein NEIN lässt keinen Raum für Irrtümer.

Wie weit darf man gehen … ein Pferd und eine Reiterin im Ausnahmezustand

Foto: pixaby

Man hätte ihr das Gold nicht mehr nehmen können…, hieß es übereinstimmend in der Olympia-Berichterstattung. Die Rede ist von Annika Schleu, sie führte nach dem Fechten und dem Schwimmwettbewerb mit 551 Punkten. Hätte sie ein gutes Ergebnis beim Sprungwettbewerb hinzufügen können, wäre ihr die Goldmedaille sicher gewesen. Und dann bekam sie DIESES Pferd. Saint Boy, so hieß das Pferd, war panisch, außer Rand uns Band, nicht mehr zu lenken. Die Reiterin selbst, verlor die Nerven und brach auf dem Rücken des Pferdes, in einen Weinkrampf aus.

Von Zorn und Frustration überwältigt

Angestachelt von der Bundestrainerin, schlug sie wiederholt mit der Gerte auf das Pferd ein, gab ihm die Sporen. Bundestrainerin Kim Raisner feuerte sie an: „Hau mal richtig darauf.“ Und unterstützte ihre Aufforderung mit einem Faustschlag auf die linke Flanke des Pferdes. Doch Saint Boy geriet in Panik und zeigte den Pferdeexperten, dass man mit einem Fluchttier so nicht umgehen darf. Er verweigerte, wie schon bei einer russischen Reiterin vorher, die Hindernisse und rannte mit der heulenden Schleu auf dem Rücken in den nächsten Ochser.

Goldmedaille verloren, den guten Ruf gleich mit

Scheu musste den Springwettbewerb abbrechen … aus der Traum vom Gold. Die Athletin völlig aufgelöst, ob dieses Verlustes, ohne den Blick auf das Leiden ihres Pferdes zu richten. Vor der letzten Disziplin, dem sogenannten Laser Run, einem Kombinationswettkampf, in dem die Disziplinen Laufen und Schießen direkt nacheinander durchgeführt werden, habe sie, so Scheu, ihre Armbanduhr, bei den Trainern abgegeben: „Ich hatte schon gesehen, dass da fiese Nachrichten in meine Richtung angekommen waren. Das war schon heftig … das wollte ich mir vor dem Wettkampf nicht antun…“ Das Prinzip von Rücksichtnahme war ihr also bekannt, sie kam nur nicht auf die Idee, dass Saint Boy das in gleichem Maße verdient hatte wie sie … traurig.

Shitstorm und Drohungen

Um es deutlich zu machen. Dass die Reiterin jetzt in den sozialen Medien bedroht und beschimpft wird finde ich nicht angemessen und es hilft den Pferden nicht. Eine sachliche, an der Realität orientierte Kritik muss aber möglich sein. Wenn Gewalt ausgeübt wird, dann darf man das auch deutlich verurteilen, sonst ändert sich für die Zukunft nichts.

Keine Einsicht, keine Reue

Was mich bei diesem olympischen Reitdrama in der Nachbetrachtung am meisten schockiert und angewidert hat, ist das absolut fehlende Reflektionsvermögen bei der Reiterin Scheu: Die deutschen Reiter seien als einfühlsame Reiter bekannt, die mit den Pferden bonden könnten … sie sei zu keinem Zeitpunkt brutal zu dem Pferd gewesen … die Gerte sei abgepolstert gewesen … man hätte ihr ein Tauschpferd zugestehen sollen … der Tierarzt hätte den Wallach nicht … und letztlich habe sie nur auf Anweisung der Bundestrainerin gehandelt …

Sie sei unter extremen Stress an ihre mentalen Grenzen gestoßen, ist zwar ein Erklärungsversuch für ihr Verhalten, kann aber keine akzeptable Entschuldigung für Gewalttätigkeit sein. Ein Pferd ist ein schätzenswertes Lebewesen und kein Tennisschläger, den mann wütend in die Ecke knallen kann, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant.

Das Pferd als unpersönliches Sportgerät

In allen Interviews redet Annika Schleu immer nur von „dem Pferd“, niemals nennt sie den Wallach, den sie geschlagen hatte beim Namen … emphatisch wirkt das nicht. Es wirkt auch nicht so, als habe sie besonders viel Ahnung von Pferden oder wenigstens etwas Zuneigung zu den Tieren. Moderner Fünfkampf habe nichts mit Reitsport zu tun, die Pferde seien nur Transportmittel für die Teilnehmer, eine Bindung zwischen Reiter und Pferd bestünde nicht, kein Vertrauen, man könne „denen“ ebenso einen Roller in die Hand geben, kommentierte Goldmedaillengewinnerin Isabell Werth die Vorgänge beim modernen Fünfkampf und man möchte ihr beipflichten.

Sicher ist, dass das Reglement dieser Sportart grundlegend überdacht werden muss. Die modernen Fünfkämpfer reisen nicht mit eigenen Pferden zu solchen Wettkämpfen an. Die Tiere auf denen sie reiten müssen, sind ihnen gänzlich fremd, trotzdem müssen sie auf dem Parcour zusammen Hochleistungen erbringen. Die Pferde werden den Sportlern zugelost. In der Theorie könnte eine Reiterin wie Annika Schleu auch auf ein Ersatzpferd zugreifen. Allerdings müsste der Turniertierarzt das zugeloste Pferd vorher als nicht einsatzfähig einstufen. Das hat der zuständige Tierarzt in Tokio nicht getan.

Verantwortungsgefühl ist der Schlüssel

Vor diesem Hintergrund scheint es, als sei Annika Schleu Gefangene eines schlechten Regelwerks. Irgendwie ist es sicherlich auch so. Doch das entbindet sie und ihre Kollegen doch nicht von der moralischen Verpflichtung, sich auch um das Wohl der Pferde auf denen sie reiten zu kümmern. In diesem Fall, wäre es nicht wie Schleu es darstellte „die eleganteste Lösung“ gewesen, ihr ein Tauschpferd zur Verfügung zu stellen. Nein. Die eleganteste Lösung wäre es gewesen, sie hätte die Kraft gehabt den Sprungwettbewerb abzubrechen, bevor auch nur der erste Hieb mit der Gerte auf das Hinterteil ihres Pferdes niedergesaust wäre. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Keine Goldmedaille aber dafür eine unbeschädigte Reputation.

Es wird Zeit, dass alle an dieser Sportart Beteiligten ihre Verantwortung sehen und ausfüllen. Der Verband, der die Regeln ändern muss, aber auch die Athleten, die sich nicht länger hinter einem mangelhaften Regelwerk verstecken dürfen und nicht zuletzt die Pferdebesitzer, die ihre Tiere für diese Tortur zur Verfügung stellen. Solange das nicht erledigt wurde, sollte der Moderne Fünfkampf, wie ich finde, aus dem olympischen Programm genommen werden.

Was wäre wenn…

Bei allem sollten aber auch wir Zuschauer ehrlich mit uns selber bleiben. Denn was wäre gewesen, wenn Annika Schleu vom Pferd gestiegen wäre und den Wettbewerb abgebrochen hätte? Nun, ich denke, sie hätte wahrscheinlich große Schwierigkeiten in den eigenen Reihen, die Sportberichterstattung wäre gespalten und in den sozialen Medien würden sich Einige aufführen, als habe sie ihnen das Konto leergeräumt … Da fängt dann unsere Verantwortung an, solche Sportler, die auch mal auf eigenen Ruhm verzichten könnten, mit unseren Reaktionen zu stärken.

Lesen für den Wiederaufbau – Hilfe für ein Flutopfer

+++Hilfeaufruf und unbezahlte Werbung+++

In diesem Artikel geht es um gute Bücher aber in der Hauptsache geht es darum, Hilfe zu leisten und zu unterstützen. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an meine Rezension des Buches „Potsdamer Ganoven“ von Karin Joachim, dass sie unter dem Pseudonym Hanna C. Bergmann geschrieben hat. Meine ausführliche Rezension zu Karins zuletzt erschienenen Buch „Potsdamer Ganoven“ findet ihr HIER. In diesem Artikel findet Ihr auch einen Direktlink zum Buch. Karin hat mir damals ein wunderbares Interview gegeben. Eine gute Chance für Euch, die Autorin ein wenig kennenzulernen.

Ein Zuhause mit Totalschaden

Karin wohnt in Ahrweiler, im sonst so wunderschönen Ahrtal, einer von der Hochwasserkatastrophe brutal betroffenen Region.  Als das Wasser kam, kam es mit Wucht und zerstörte alles, was sich Karin und ihr Mann bisher aufgebaut hatten. Das Haus steht zwar noch, ist aber unbewohnbar und ob sie dort jemals wieder leben können, ihr Zuhause wieder bewohnbar machen können, weiß noch niemand. Die Verwüstungen sind zu groß, der entstandene Schaden zu unüberschaubar. 

Endlich ein Lebenszeichen

Die finanzielle Seite mag man gar nicht beleuchten, da schnürt es einem die Kehle zu. Das Wasser hat alles mit sich gerissen, den Rest hat der Schlamm unter sich begraben. Gestern erst konnte sich Karin auf Facebook zurückmelden. Mir sind tonnenweise Steine vom Herzen gefallen, ich hatte mir große Sorgen gemacht. Sie und ihr Mann sind in der Eifel untergekommen, im Ahrtal gibt es immer noch keinen Strom, kein Handynetz, keine Versorgung. Ein Ende dieses Zustandes ist noch nicht abzusehen. Karin berichtete, wie sie und ihr Mann sich und ihren Border Terrier Gustav, buchstäblich im letzten Moment in Sicherheit bringen konnten.

Sie beschrieb die Verwüstungen: „Es ist eine ganz furchtbare Katstrophe! Unser Haus ist derzeit unbewohnbar. Wir haben alles verloren, sind aber noch in letzter Minute aus dem Haus rausgekommen …… Die Erlebnisse der Nacht kann ich noch immer nicht richtig in Worte fassen. Unsere Stadt und das Ahrtal sind zerstört. Es sieht aus wie nach einem Krieg. Wir haben geschuftet wie die Wahnsinnigen. Die Schlammmassen sind enorm.“

Und weiter schrieb Karin: „So viele von euch fragen, was ihr tun könnt. Das ist wirklich lieb. Aber ich kann es euch gerade gar nicht sagen. Wenn ihr ein wenig Werbung für meine Bücher machen würdet, wäre das eine große Hilfe. Nicht unbedingt für die, die im Ahrtal spielen, das wäre irgendwie komisch, finde ich …… Das würde mir zumindest ein wenig von den finanziellen Sorgen nehmen. 1000 Dank!!!“

#LesengegendieFlut

Ich möchte Euch nun bitten zu helfen. Jedes gekaufte Buch hilft Karin beim Wiederaufbau ihres Lebens. Jeder Buchkauf motiviert Karin, weiter zu machen und jedes verkaufte Buch sichert Karin die Fortführung ihrer Serien.

Karin schreibt wundervolle Bücher. Es sind spannende Krimis, die uns in vergangene Zeiten mitnehmen. Ihre Protagonisten haben Herz und Seele. Was sie erleben ist historisch wasserdicht belegt, denn Karin recherchiert ihre Bücher akribisch. Ihre Bücher sind unterhaltsam, fesselnd geschrieben und man erfährt so unfassbar viel über die sozialen Hintergründe und Lebensumstände, die zu dieser Zeit vorherrschten. 

#BücherfürdenWiederaufbau

Karins Bücher „Großstadtflüstern“ und „Domschattenträume“, erschienen im Gmeiner Verlag, liegen auf meinem Schreibtisch. Eigentlich wollte ich sie ganz normal rezensieren. Eine Rezension schreibe ich normalerweise nur, wenn ich ein Buch auch vollständig gelesen habe. Doch normal ist zurzeit gar nichts. Ich mache eine Ausnahme. Für die gute Qualität von Karins Büchern verbürge ich mich. Wenn ich die Bücher durchgelesen habe schreibe ich sicher noch einmal eine „normale Rezension“, die auch etwas mehr auf den Inhalt eingeht. 

Karin hat in ihrem Facebookpost auch ihre Ahr-Krimiserie erwähnt. Ich entspreche hier ihrem Wunsch und stelle erst einmal keine Direktlinks zu diesen Büchern ein. Ihr findet diese Bücher aber auf Karins Autoren-Seite des Gmeiner Verlages. Im Herbst erscheint der vierte Teil der Ahrserie, spätestens dann werde ich Euch auch diese Bücher vorstellen.

Bevor ich Euch nun die Links zu Karins Büchern einstelle, habe ich noch eine Bitte an Euch. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr eure Reichweite in euren sozialen Medien nutzen würdet und diesen Artikel teilen könntet. Je mehr Bücher wir an den Mann und die Frau bringen, desto leichter wird es Karin fallen, einige der entstandenen Schäden aus eigener Kraft zu beseitigen.

Köln 1927. Hin- und hergerissen zwischen Familie und den glänzenden Verlockungen der Reichshauptstadt fiebert Karolina Offermann ihrer Volljährigkeit entgegen. In Berlin lernt sie berühmte Schauspieler und Regisseure kennen und wähnt sich am Ziel ihrer Träume. Doch als die Polizei den Tod ihrer Mutter neu aufrollt, rückt Karolinas glanzvolles Leben als Filmstar in den Hintergrund. Während die Ermittlungen Unglaubliches zutage bringen, droht sie auch noch die Liebe ihres Lebens zu verlieren …

8 Juli 2020
sofort lieferbar

416 Seiten, 13,5 x 21 cm, Klappenbroschur PremiumBuch 16,– € / E-Book 11,99 €*

ISBN 978-3-8392-2718-3

Ihr könnt das Buch direkt beim Gmeiner Verlag bestellen und zwar HIER

Köln-Marienburg 1926: Karolina Offermann träumt von einer Filmkarriere im fernen Berlin. Doch die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben kollidiert mit den Vorstellungen ihres Vaters. Der Fabrikant hat einen anderen Weg für sie vorgesehen. Allen Hindernissen zum Trotz nimmt sie unentdeckt von ihm Schauspielunterricht. Als er dies erfährt, eskalieren die familiären Konflikte und münden in eine Tragödie. Und der Traum vom Film rückt in immer weitere Ferne.

Zeitgeschichtliche Kriminalromane im GMEINER-Verlag

5 September 2018
sofort lieferbar

384 Seiten, 13,5 x 21 cm, PaperbackBuch 15,– € / E-Book 6,99 €*

ISBN 978-3-8392-2305-5

Ihr könnt das Buch direkt beim Gmeiner Verlag bestellen und zwar HIER

Stars in Gummi-Stiefeln

Die Gartentricks der Prominenten

Dieses unterhaltsam und humorvolle Buch fängt eigentlich mit einem Ende an. Der Autor Frank Gerdes, Society-Reporter, zuhause auf den roten Teppichen im In- und Ausland, fest gebuchter, von manchen Promis gefürchteter Gast auf Galas und Preisverleihungen, wird durch einen Burnout gezwungen seine Karriere zu beenden.

Was jetzt klingt wie eine nicht mehr aufzuhalten Katastrophe, entpuppt sich für den ehemaligen People Journalisten mit einem Terminkalender, so dick wie das Telefonbuch von Berlin, als Chance seine Prioritäten zu überdenken, seine Abläufe neu zu sortieren und so wie es momentan aussieht, ein glücklicheres Leben zu führen. Wie schön, dass er gute Freunde hatte, die schon wussten, wie heilend Gartenarbeit für die Seele sein kann.

Mit den Worten , mach dir mal die Hände schmutzig, schickte keine geringere als Musical-Star Angelika Milster, den rastlosen Journalisten, in den Garten zum Umgraben. Mit jedem Spatenstich, nimmt Frank Gerdes uns mit auf seine schillernd, bunte Reise zu seinem neuen, entspannterem Ich. Ehrlich und humorvoll schildert er, welche Klippen er umschiffen musste, berichtet von Erfolgen und Stolpersteinen und über die Gärten von Showgrößen wie Jutta Speidel, Marlène Charell und Dagmar Koller … ein Stück vom alten Leben ist also geblieben.

Alles zusammengenommen, ergibt dieses Buch eine wilde Mischung aus soliden Gartentipps, einer erstaunlichen und mutmachenden Lebensgeschichte und Klatsch. Ich sage es mal so, wenn ihr wie ich zu den Leuten gehört, die im Wartezimmer beim Arzt gerne mal in den Klatschblättern stöbern, dann ist dieses Buch für Euch geschrieben worden. Ich habe es verschlungen.

Der Autor

Frank Gerdes, Jahrgang 1971, wuchs in Emden in Ostfriesland auf. Frank und ich kennen uns schon sehr lange. Wir waren vor mehr als 20 Jahren zusammen in der Crew 11 der Springer Journalistenschule und haben uns mit viel Energie und Humor durch das Volontariat gekämpft. Und wie es oft nach dem Abschluss einer Ausbildung ist, gingen wir danach unserer Wege. 

Als Reporter arbeitete er für die GALA, Bunte und SuperIllu. Für die Berliner B.Z. verfasste er eine tägliche Klatsch-Kolumne, für „Das neue Blatt“ und „Das Neue“ schnüffelte er als Chefreporter im Privatleben von Stars und Sternchen und berichtete ausführlich über das Leben in königlichen Palästen. Vor einigen Jahren stieg er aus dem Promizirkus aus und bloggt seitdem über sein neues Leben als Gartenfan und Medienberater in seinem Bookazine Franks kleiner Garten. Sein neues Projekt heißt Stengel & Strauch, Franks kleiner GartenPodcast und da arbeiten wir zwei jetzt zusammen und sabbeln über unsere gemeinsame Leidenschaft, den Garten.

Foto: frankskleinergarten.de

Interview mit Frank Gerdes:

Taufrisch war gestern: Angenommen, ein Fernsehsender würde Dir 30 Minuten Sendezeit schenken. Was würden wir von Dir dort zu sehen bekommen?

Auf alle Fälle meinen Garten. Der Garten ist mir ungemein wichtig. Er hat mir durch die schlimmste Zeit in meinem Leben geholfen. Ich hatte ein Burnout. Ohne den Garten hätte ich das sicherlich nicht so einfach überstanden. Du weisst ja, dass schon die Ärzte im alten Ägypten psychisch Kranken Gartenarbeit verordnet haben. Auch die wussten: Ein Garten – egal wie groß – hat heilende Kräfte. Außerdem bin ich mittlerweile mächtig stolz auf meinen kleinen Garten. Ich finde, er wird von  Jahr zu Jahr schöner. Gerade lege ich zwei neue große Beete an, eine zusätzliche Terrasse ist just fertig geworden und 200 Buchsbäumchen warten nun darauf als Beetumrandung gesetzt zu werden. Von den Rosen, Dahlien, Hortensien, Funkien, Clematis und den Astilben, die gerade in den Startlöchern stehen und bald gepflanzt werden, will ich erst gar nicht anfangen.

Taufrisch war gestern: Welche Rolle spielt Dein Golden Retriever Bruno in Deinem Leben?

Irgendwer hat mir mal erzählt, dass ein Golden Retriever einen mindestens einmal am Tag zum Lachen bringt. Und es stimmt. Bruno schafft das. Ob das nun morgens ist, wenn er mich mit einem liebevollen Stubser weckt oder abends, wenn er mit mir auf dem Sofa kuschelt oder schnarchend zu meinen Füßen schläft. Macht mich etwas wütend oder regt mich auf, ist Bruno sofort mit seinem Stofftier im Maul zur Stelle, um mich wieder auf zu heitern. Ist Bruno der Meinung, ich benötige dringend frische Luft, lockt er mich mit seinem typischen Golden Retriever-Lächeln aus dem Arbeitszimmer hinaus in den Garten oder zu einem längeren „Power Walking“ in den Wald hinter meinem Haus.  Ein Leben ohne Bruno ist zwar möglich, aber ich kann’s mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen.

Taufrisch war gestern: „Wertschätzung“ ist zurzeit in den Medien ein häufig zitierter Begriff. Wie würdest Du diesen Begriff definieren?

Meiner Meinung nach hat „Wertschätzung“ sehr viel mit Respekt zu tun – Respekt, dem anderen Menschen gegenüber, aber auch den Tieren, den Pflanzen, der Natur insgesamt. Wir sollten lernen auch die Dinge wieder wert zu schätzen. Zu viel wird heute zu schnell weggeschmissen, dabei kann man es sehr gut weiter verwenden. Ich erlebe das oft im Garten: Die Plastiktöpfe in denen die Pflanzen stecken, die ich gerade gekauft habe, landen bei mir nicht auf dem Müll, sondern werden weiter verwertet. Immerhin ziehe ich mittlerweile viele Pflanzen selber und dafür kann man diese Töpfe sehr gut gebrauchen. Oder die alten Salongardinen aus dem Haus meiner Eltern. Die hänge ich im Sommer über meinen Kirschbaum. Die halten nun die Vögel von den Früchten fern. Ich fälle auch nicht einfach einen Baum, nur weil er mir zu groß geworden ist oder mir nicht mehr gefällt. Und muss doch mal einer weg, dann schneide ich mir zwei oder drei Triebe heraus, aus denen ich Setzling ziehe und so neue Bäume werden. Oder Unser Weihnachtsbaum. Der wird nach dem Fest auch nicht einfach von der Müllabfuhr abgeholt. Der wird im Garten weiter verwertet: Zuerst schnippel ich die Zweige ab. Das Reisig dient dann meinen Rosen als Winterschutz. Der Stamm wird anschließend in Stücke gesägt und an kalten Tagen im Ofen verfeuert. Ist der Winter vorbei, werden die Tannenzweige schließlich gehäckselt und landen als Mulch unter meiner Rotbuchenhecke.  Das nenne ich „Wertschätzung“.

Taufrisch war gestern: Wie möchtest Du leben, wenn Du 80 Jahre jung bist?

Am liebsten gesund. Wie wichtig Gesundheit ist, erfahren wir doch gerade in dieser unwirklichen Zeit. Also würde ich dann gerne gesund mit meinem ebenfalls gesunden Mann auf unserer Terrasse sitzen und während ich die aktuellen Nachrichten oder ein gutes Buch lese, mit ihm zusammen bei schönstem Sonnenschein eine tolle Kanne Ostfriesentee trinken. 

Taufrisch war gestern: Lieber Frank, eine von vielen Eigenschaften, die ich an Dir schätze ist, dass Du immer gerade raus sagst, was Du denkst. Welche Eigenschaften schätzt Du bei anderen Menschen?

Eigentlich ist es in der Hauptsache das direkte, ehrliche, offene. Ich mag keine Intrigen, kein Gerede hinterm Rücken des anderen oder diese beleidigten und schmollenden Leberwürste. Fürchterlich. Nein, ich schätze die direkte, offene Auseinandersetzung mit klaren Worten. Da kann’s auch gerne mal so richtig knallen. Danach ist die Luft aber wieder gereinigt, das Problem vom Tisch. Dann ist alles wieder gut. Das ist natürlich nix für nachtragende Menschen. Aber so einer bin ich ja nicht. Vielleicht ist das einer der Gründe, weswegen ich vor allem so gut mit Chefredakteuren wie Patricia Riekel, Franz Josef Wagner, Jochen Wolff oder Florian von Heintze klar gekommen bin. Alle samt nicht die einfachsten Menschen. Die haben nicht lange gefackelt. Die haben Dir ziemlich fix und unverblümt gesagt, was sie nicht gut finden. Naja, da ich mir nie die Butter vom Brot nehmen ließ, gab’s natürlich auch Kontra. So konnte es schon mal richtig laut werden. Aber letztlich saßen wir später zusammen und haben einen Wein oder ein Bier zusammen getrunken. Keiner hat’s persönlich genommen. Ich schon gar nicht. Es ging schließlich immer nur um die Sache – also den Artikel, die Reportage oder das Interview. Aber ich habe es auch anders erlebt: Mobbing von Oben. Hintenrum. Ganz mies. Da konntest Du nix machen, weil die entsprechende Chefredakteurin nicht alleine agierte, sondern noch Helfer hatte. Das war nicht schön. Ne, wirklich nicht. Darum noch einmal: Das offene, direkte und ehrliche Wort steht bei mir ganz hoch im Kurs. Immer noch. Nach all den Jahren und den schlechten Erfahrungen um so mehr.

Taufrisch war gestern: Kannst Du gut verzeihen?

Im Großen und Ganzen bin ich überhaupt nicht nachtragend. Wie schnell ich verzeihe, hängt allerdings ganz davon ab, was man mir, meinem Mann oder Bruno angetan hat. In den meisten Fällen verpufft meine Wut nach einer Entschuldigung ziemlich fix. Allerdings muss ich zugeben: Es gibt da so zwei oder drei Menschen aus meiner Vergangenheit, die sollten mir heute besser nicht über den Weg laufen. Auch wenn das Leben eigentlich zu kurz ist, um lange wütend zu sein, mit diesen Personen hätte noch einiges zu klären. Schuld daran ist vor allem mein Sinn für Gerechtigkeit. Ich mag eben kein Mobbing, keine Lügen und keine Intrigen. 

Taufrisch war gestern: Eine Frage muss ich Dir, dem ehemaligen Klatschreporter natürlich stellen. Könntest Du dir vorstellen, wieder einmal Promi-Interviews auf dem roten Teppich zu führen?

Nein, diese Zeit ist für mich definitiv vorbei. Auch wenn’s damals spannend und sehr aufregend war. Ich bin mittlerweile einfach zu alt für diesen Zirkus. Natürlich erinnere ich mich gerne daran. Immerhin durfte ich mit der Queen zu Abend essen, tanzte auf der Hochzeit von Fürst Albert und seiner Charlene, lernte hochrangige Politiker kennen oder trank mit Hollywoodstars auf den Filmfestspielen in Cannes, Venedig und Berlin. Das war wirklich ein buntes Leben. Heute ist das in diesem Stil nur noch für ganz wenige Reporter möglich. Die Verlage sind einfach nicht mehr bereit das zu bezahlen. Nein, auf dem roten Teppich arbeiten, kann ich mir wirklich nicht mehr vorstellen. Was ich mir aber noch vorstellen könnte, dass wären tolle Reportagen oder Interviews. Exklusiv. Privat. Vielleicht über und in den Gärten der Stars?

Taufrisch war gestern: Frank ich danke Dir für das Interview, wir sehen uns ja bald in meinem kleinen Chaos-Garten für unsere nächste Podcastfolge.

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Gärtnern Frauen anders als Männer?

Neues vom Garten-Podcast Stengel & Strauch

Sind Frauen Garten-Tüddeltrinen, die nicht genug Trödel, Zinkeimer oder andere Dekoteile im Garten haben können? Oder sind Männer Grobmotoriker, die nur so etwas wie Gartenglück empfinden können, wenn sie großes Gerät durch Hecken und Beetflächen fräsen lassen können?

Mein Kollege Frank Gerdes und ich haben mal über die Aufgabenverteilungen der Geschlechter bei der Gartenarbeit diskutiert. Gibt es sie wirklich oder sind unsere Gärten die zurzeit einzig waren Räume für echte Gleichberechtigung.

Omas vergessene Gartentipps

Neues vom Garten-Podcast Stengel & Strauch

Als Frank und ich uns neulich auf einen Kaffee getroffen haben, waren wir mal ganz nostalgisch. Wir kommen beide aus Familien, bei denen Gartenarbeit zum täglichen Leben gehörte. Also haben wir mal unsere Familiengeheimnisse ausgetauscht. Dabei geht es um Kaffeesatz, Zitronenschalen, Brennnesseln und abgelegte Nylonstrümpfe.

Das klingt nach Hexenküche, meint Ihr? Da liegt Ihr gar nicht so falsch. Lasst Euch mal von unseren Rezepten für einen gesunden und üppig blühenden garten überraschen.

Kuhfladen an jungem Grün, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

Berg und Tal Report 5

Für den letzten Rest „Creme de Kuhpups“, reichten dann ausgiebige Wasser-Spiele.

In meinem heutigen Reisebericht aus dem Jodel-la-la-Land, melde ich mich von der Alm, einem in sich geschlossenen Mikrokosmos, mit eigenen Hygieneregeln und viel Herzenswärme. Unser krachledernes Nachbarland hat schon was zu bieten … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … Nur soviel vorab, dort habe ich einen ganz anderen Umgang mit Rohstoffen kennengelernt.

Deshalb kann ich wohl behaupten, dass das Land meiner Schwiegerleute, ein Ort ist, der einen auf Trapp hält und dafür sorgt, dass es niemals langweilig wird … ein Ort, der einen mit dem Duft der nackten Natur umschmeichelt und einem so die Freudentränen in die Augen treibt. Finley zieht es immer noch in Erwägung, sich eine kleine Alm anzuschaffen. Allerdings müssen Kühe, Ziegen und andere Benutzer eine Stickstoffabgabe zahlen … aus Gründen … Die Steiermark sei, so Finley als Altersruhesitz mit Rentenzubrot durchaus geeignet, solange die Sternchen nur am Himmel stehen und nicht auf Bauchhöhe Stress verbreiten würden. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen.

A guades Mittogeissn

Übersetzung: Ein gutes Mittagessen

Lebensmittel, Kochen und Essen, spielt in Österreich und meiner österreichischen Familie eine große Rolle. Das Prädikat „Gutes Essen“ wird nicht einfach so verteilt, egal ob es sich um ein privates Essen handelt oder um ein Menu im Restaurant. Hat man mal ein Lokal gefunden, wo es allen geschmeckt hat, kehrt man dort immer wieder ein.  Denn in dieser Hinsicht und das hat er mit dem Hanseaten gemein, ist der Steirer kompromisslos treu.

Deshalb ist es bei uns zur norddeutschsteirischen Tradition geworden die Karlhütte am Etrachsee anzusteuern, wenn wir unsere Verwandten in Murau besuchen. Unsere Tante kannte schon den alten Karl, den Gründer des Restaurants und hatte als Gast inzwischen schon zwei Generationswechsel mitgemacht. Deshalb war die Einkehr dort auch immer ein wenig wie ein Besuch bei Freunden.

Was mog des Hundiii

Übersetzung: Was darf es für den Hund sein

Was unsere Stippvisiten für mich dort zu einer runden Sache machte war, dass der junge Karl und seine Belegschaft sehr große Tierfreunde waren. Finley und alle anderen Tiere sind dort herzlich willkommen. Bevor noch die Bestellung aufgenommen wurde, stand schon ein Hundenapf mit frischem Wasser vor meinem Hund und ob im Vorbeigehen oder beim Streicheln und Loben „mei bist du a schöner Bua“ verschwanden etliche Leckerchen im Schlund meines Hundes. 

Wir menschlichen Gäste wurden aber genauso verwöhnt. Der junge Karl und seine Frau waren Parade-Gastronomen, wie aus steirischer Lärche geschnitzt. Jeder kleine Sonderwunsch ihrer Gäste wurde, wenn es möglich zu machen war, mit einem freundlichen „joa, aber sicher“ erfüllt. Ich orderte dort jedes Mal das wohl beste Wiener Schnitzel, dass man in der Steiermark bekommen konnte. Die Panade gelbkross ausgebraten aber nicht trocken, dass Kalbfleisch schön flachgeklopft und unglaublich zart. Im Zusammenspiel mit dem selbstgemachten Preiselbeeren Kompott öffnete sich das Tor zum kulinarischen Himmel, bei jedem Bissen ein kleines Stückchen mehr. 

Die Umgebung dort war ein Traum. Saftiger, grüner Rasen auf dem Kühe weideten, ohne abgrenzenden Zaun, ganz ruhig und ohne die Gäste zu erschrecken. Irgendwo in der Ferne hörte man ab und an das dumpfe Moll der Kuhglocken erklingen. Menschen, Kühe, Hunde, Katzen, alle in einem friedlichen Miteinander an demselben Platz. In diesen Höhen wehte immer ein leichter Wind. Bei den diesjährigen Sommertemperaturen eine Wohltat. Er trug den leichten Duft von Kiefernnadeln zu unseren Tischen. Das war Balsam für meine Städterseele, hier konnte man Kraft tanken. Und Finley lag derweil neben dem großen Holztisch und folgte den Kühen mit den Augen. Von seinem Jagdtrieb war nichts zu merken. Hach….

Dafrurn san schau vü, dastunga nu kana

Übersetzung: Erfroren sind schon einige, erstunken noch keiner

Nach dem Essen ging es dann über die grünen Wiesen um den See herum. Wir durften Finley von der Leine lassen. Es machte einfach Spaß ihm zuzusehen, wie er da ausgelassen über die Wiese tollte, ohoh…. neeeein!!! Das hatten wir nun von dieser Entspannungsarie. Ich war wohl nicht aufmerksam genug gewesen und hatte es nicht kommen sehen. Finley peilte zielgerichtet den nächsten auf der Wiese abgeflatschten Kuhfladen an. 

Ich gab wirklich alles: „Hierher! Stooooop!! Doppelpfiff!!! HUHUUUHHH!!! WageesnichtDudickköpfigerBlubberko…*++**#*#**!“

Nichts was wir einmal eingeübt hatten, konnte ihn noch stoppen. Als er da so trügerisch ruhig bei uns am Tisch gelegen hatte, hatte der Banause die Kühe wohl beim Absetzen beobachtet. 

Als echter Retriever hatte er die Fallorte der Kuhfladen markiert und auf seine Chance gelauert.

Ois hoib so wüd

Übersetzung: Alles halb so wild

Ich musste hilflos zusehen, wie sich mein frisch getrimmter Hund mit Wonne und Anlauf in einen dieser Kuhfladen schmiss und sich in der grünlichen Masse drehte, wie ein Rollbraten im Gemüsefond. Und damit hier jedem das Ausmaß des Geschehens klar wird, wir reden über Kuhfladen von geschätzt 1,50 m Durchmesser und einem Fassungsvermögen von gefühlt etwa 25 Litern Öddelflüssigkeit, mit einem Sprenkelradius um die drei Meter. Mindestens! Warum auch nicht, schließlich kamen sie ja von steirischen Kühen. 

Nachdem Finley sein Tagewerk erledigt hatte, sah er ein bisschen aus wie der ockergrüne Yediritter Yoda aus Starwars. Von nun an war die olfaktorische Macht mit ihm. Hätte er irgendwelche territorialen Ansprüche an die Alpenrepublik gestellt, glaubt mir, er hätte sich durchgesetzt. Nur kämpfen er nicht musste, weil zum Himmel er stank …. *würg

Glei spüt’s Granada auf da Gummigeign

Übersetzung: Das sieht nach Ärger aus

Panik kroch in mir hoch, ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „BITTE, NICHT SCHÜTTELN. Wir werden alle sterben ….“, dachte ich. Die Vorstellung, dass meine Familie nach unserem Ausflug aussehen könnte, wie ein Rudel Dalmatiner, hatte in diesem Moment wenig positive Aspekte für mich. Nun ich wurde erhört, er schüttelte sich nicht. Danke, Schutzengel.

Gott sei Dank lag der Etrachsee, mit seinem klaren Wasser ja in Sehweite und es gelang mir, Finley mit einem fachgerechten „braves Hundi, geh planschen“ von uns weg, ins kühle Nass zu dirigieren. Sobald er das Wasser erblickt hatte, darum musste man ihn da nie lange bitten, sprang mein Yoda in die Fluten. 

Eine meiner Töchter, die Motte, hat sich dann erbarmt und ist hinterher gegangen und hat ihn gewaschen. Finley genoss die massierenden Bewegungen sichtlich, meine Motte offensichtlich nicht. Sie rümpfte die Nase und sagte: „Also echt, wenn der nachher auch noch so stinkt, setze ich mich nicht ins Auto. Nicht cool Finley, nicht cool…“.

Während ich derweil versuchte, den Kuhpups aus Finleys geflochtenem Fettlederhalsband zu waschen, beobachtete ich, wie sich um meine beiden eine gigantische, grüne Lache bildete. Ja, Scheiße treibt oben. Von weitem konnte man den Komplex für Entengrütze halten. Auch wenn das in diesem See, für Ortskenner ein wenig ungewöhnlich wäre. 

Ich liebe diesen See. Die ruhige Wasseroberfläche vermittelt einem das Gefühl von Ruhe und Frieden.  Dieses Gefühl wird ab und an von einer Entenfamilie unterbrochen, die ihren Küken das Schwimmen beibringt. Je nachdem, wie gerade das Sonnenlicht einfällt, funkelt das Wasser in tiefen bläulichen oder grünen Aquatönen. Es ist so klar, dass man auch noch dort, wo es tiefer wird, auf den Grund schauen kann. Eigentlich …

Noch was da gustat, kannst da net grausen

Übersetzung: Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird

An diesem Tag allerdings, konnte man beobachten wie eine riesige Lache aus Kuhpupslake langsam aber zielgerichtet auf den Teil des Sees zutrieb, in dem der junge Karl seine Forellenzucht betrieb. „Forelle Müllerin Art“ war nämlich eine der Spezialitäten meines Lieblingslokals, für die sie über alle Ortsgrenzen hinaus berühmt waren. Die Gäste konnten sich ihre Forelle in einem Auffangbecken aussuchen. Die wurde dann gefischt und zur Verarbeitung in die Küche gebracht. Frischer konnte man Forelle nicht zubereiten, als so.

Wir haben unseren – aus Gründen – sehr ausgedehnten Spaziergang um den See dann trotzdem noch sehr genossen. Finley musste allerdings an der Schleppleine bleiben. Ein Schlammbad am Tag musste reichen. Die Tante und unser Cousin sammelten unterwegs ein paar Pfifferlinge, für das Mittagessen am kommenden Tag.

Am Auto angekommen war Finley durchgetrocknet und wir fuhren los. Durch unser Fahrzeug waberte ein leichtes Bouquet von „Eau de Kuhfladè No 5“.  Zum Mindesthaltbarkeitsdatum des Kuhfladen-Aromas, sei kurz angemerkt – es dauert einen Sommerurlaub lang … mindestens.

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert, meine Motte heißt zwar nicht Motte, möchte Ihren Klarnamen aber gerne für sich behalten, weil die Mama oft „soooo peinlich“ ist.  Ferner wurde keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist Finleys geheimes, steirisches Leben. Wenn er damit klarkommt, schafft Ihr das auch. Eine Anmerkung noch zu den Forellen … es geht ihnen den Umständen entsprechend gut, sagt der junge Karl. Etwaige Unstimmigkeiten haben wir durch eine großzügige Spende an den örtlichen Forellenzuchtverein, „So silbrig glänzen eure Schuppen“, ausräumen können. Von den vorgearbeiteten 100 Sozialstunden sind vom letzten Mal noch ein paar übrig geblieben, die hält Finley sich auf der Hinterhand. Bei Nachfragen wendet Ihr euch am besten an seinen Bewährungshelfer.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

Demnächst hier auf diesem Blog: Gern hätt‘ er die Frauen geküsst … Sternchen im Ausnahmezustand … Berg und Tal Report 6

Wer die ersten Teile meines Berg und Tal Reports versäumt hat und Lust hat, mehr zu lesen, findet die ersten zwei Teile hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften:

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte … Berg und Tal Report 2

Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

Holadriiiööö, Heidifeeling, herrliche Ruhe … Berg und Tal Report 4

Das Ding mit den Bienchen und den Blümchen

Interview mit Imkerinnen in der neuen Podcastfolge auf Stengel &Strauch

Der Frank hat sich mit zwei Imkerinnen aus seiner Nachbarschaft unterhalten und dabei haben sie nicht nur leckeren Honig, sondern der Frank auch ein paar sehr interessante Informationen aus den Beiden „herausgeschleudert“.

Ich jedenfalls muss wohl einmal mein persönliches Verhältnis zu Buchsbaum überdenken. Statusentwicklung ist im Moment so, ich … wie soll ich’s sagen … finde ihn doof … er nervt irgendwie … nimmt meinen Blühpflanzen den Platz weg … ich schäme mich ein bisschen … okay, einen kann ich ja auch mal pflanzen … angeblich blüht er, sagen die Imkerinnen … aber dann schneide ich ihn in Form … ein Plan reift …

Viel Spaß beim Zuhören.

#allesdichtmachen … Seid Ihr Noch Ganz Dicht?

#zuvielsendungsbewußtseinmeinelieben

Kunst ist wichtig, sie darf fast alles und ist zurecht gesetzlich durch die Meinungsfreiheit geschützt. Satire als Kunstform hat in Deutschland eine lange Tradition. Satire ist wichtig, sie darf angreifen, auch die Mächtigen, die Medien, die Regierung. Sie darf kritisch und hart sein. Manchmal ist sie auch schmerzhaft. 

Satire sollte aber auch Augenmaß beweisen können. Und das haben die 50 Schauspieler, die sich für die Aktion #allesdichtmachen zusammengefunden haben, tja wie soll ich es ausdrücken … nicht bedacht … nicht gewusst … nicht gekonnt … nicht gewollt … 

Es ist auch nicht so wichtig, wie dieser Satz endet, denn jede Variante ist für sich gesehen einfach, nochmal tja, wie soll ich es ausdrücken … peinlich … unmöglich … traurig … ignorant … narzistisch … verantwortungslos … oder alles zusammen?

#achtzigtausendtoteihrspacken

In 53 kurzen Videos schütteten diese Schauspieler Ihren ätzenden Spott über dem Großteil der Bürger aus, die bereit sind für eine gewisse Zeit ihr Ego an die Seite zu stellen, um zu tun, was getan werden MUSS, damit sich die Situation in der Pandemie für ALLE verbessern kann. Masken tragen, Hygieneregeln, Abstand halten, Kontakte einschränken, alles überflüssig, wenn man ihnen Glauben schenken würde. Und dass, obwohl es Fakt ist, dass seit Beginn der Pandemie bis heute, 80.000 Menschen an diesem schrecklichen Virus gestorben sind. 

Haben diese abgehobenen Ego-Video-Shooter sich eigentlich mal gefragt, wie sich die Angehörigen, Mütter, Väter, Kinder und Enkel dieser Toten fühlen müssen, wenn sie sich diesen gequirlten Mist ansehen. Das sind Menschen, die mit der harten Realität konfrontiert gewesen sind, die ihren Vätern, Mütter oder Kindern beim Sterben nicht zur Seite stehen durften und sich nicht richtig verabschieden konnten.  

#zweituetenatmungbringtnix

Keine Drehbuch-Märchen, ihr Künstler, das sind grausame Verluste, mit deren seelischen Auswirkungen die Hinterbliebenen bis heute zu kämpfen haben. Glauben Sie, Richy Müller wirklich, dass es hilfreich oder unterhaltsam ist für Menschen, die ihre Verwandten am Beatmungsgerät haben sterben sehen, wenn Sie öffentlich in zwei Plastiktüten atmen und die Zwei-Tüten-Atmung propagieren?

#haeuslichegewaltistreal 

Es ist geradezu blanker Hohn, wenn Tatort-Kommissar Felix Klare (Video inzwischen zurückgezogen) erzählt, dass er seine vier Kinder, gäben sie Widerworte, auch schon mal übers Knie legen würde. „Natürlich“ habe unsere Regierung ihn zu diesem Verhalten inspiriert. Oder Schauspieler José Barros (Video inzwischen zurückgezogen) eine Anleitung herausgibt, wie man seine Kinder besser verprügeln kann. Mit Gegenständen zuzuschlagen sei so viel unpersönlicher. Sind diese Schauspieler eigentlich wirklich so desinformiert, dass sie nicht wissen, dass genau das der Alltag für viele Kinder und Jugendliche ist? Was, um Himmels Willen, löst so ein Video in einem Kind aus, dass zuhause täglich roher Gewalt ausgesetzt ist … ich möchte es mir gar nicht vorstellen.

#solldaseinwitzsein

Die besondere Sorge der selbsternannten Demokratiewächter, ist der von ihnen heraufbeschworene Verlust der Meinungsfreiheit. Die Regierung entmündige uns Bürger, uns Frauen besonders, wenn man den schillerlockenähnlichen Hirnwindungen von Nina Proll folgen wollte. Will ich aber nicht, weil es Blödsinn ist, was die Frau da quatscht. Meine Realität sieht anders aus. Ulrike Folkerts Einlassung, „Mehr Maßnahmen gibt mehr Meer“, kommt zwar sehr nah an einen Ringelnatz heran, sollte aber auch nicht als Kunst durchgehen … auch nicht als Satire, oder habt ihr gelacht? Inzwischen ist das wohl auch Ulrike Folkerts aufgefallen, sie hat Ihr Video inzwischen entfernen lassen.

#wohlstandsprotestlinge

Es sind keine Nonames, die sich da gerade hervortun, es ist die Hautvolé der Fernsehbranche. Leute wie Jan Josef Liefers, Wotan Wilke Möhring, Ulrich Tukur, Martin Brambach, Meret Becker und Ulrike Folkerts, alle fest engagierte, von öffentlichen Sendern bezahlte Tatort-Kommissare. Es sind also Diejenigen, deren Einkommen, trotz der Pandemie, gerade durch die von ihnen, mit Häme überschütteten Sicherheitsmaßnahmen gesichert wurde, weil sie so weiterdrehen konnten. 

Oh, nur um schon einmal vorzubauen. Ich bin nicht dafür, dass man diesen Schauspielern ihre Rollen wegnehmen soll. Im Gegenteil, ich finde sie sollten sehr hart arbeiten für ihre Gage. Meiner Meinung nach, ist das viel besser, als wenn diese Leute auch noch Geld von dem Staat bekommen würden, um über die Runden zu kommen. Denn das würden sie im Fall des Falles bekommen, von der Regierung, die in ihren Augen alles aber auch alles falsch macht.

#ignoranzistkeinekunst

Ich habe mir tatsächlich alle Videos dieser Aktion angesehen, in der Hoffnung auch nur einen klitzekleinen Funken Sinnhaftigkeit in der ganzen Aktion zu erkennen. Am Ende muss ich sagen, nein es macht keinen Sinn für mich. Es hilft niemandem, wenn Martin Brambach zum Atmen in sein Schlafzimmer geht. Es ist unwichtig, wenn Nadja Uhl behauptet, das Schweigen gelernt zu haben und es dann leider doch nicht tut. Es ist keine Kunst, wenn Ulrich Tukur in diesem Zusammenhang ein Gedicht über den Tod zitiert und die Regierung danach auffordert aus Fairnessgründen alle Wirkungsstätten der Republik zu schließen. 

Nein, ich kann für uns „willfährige“ Normalbürger keinen Mehrwert in dieser Aktion erkennen, nur für die Egos der Protagonisten. Eines ist jedenfalls sicher, es hat Ihnen Aufmerksamkeit eingebracht und auch viel Zuspruch. Alice Weidel, die AFD Vorsitzende, war außer sich vor Begeisterung. Corona-Leugner Attila Hildmann fand das Projekt so gelungen, dass er es auf seinen sozialen Medienkanälen geteilt hat. Herzlichen Glückwunsch dazu. Man sucht sich seine Gesellschaft immer selber aus. Zweifellos geht es Künstlern schlecht in diesen Zeiten. Ich kann verstehen, dass Frust, Angst, Wut und Zorn wachsen. Sich darüber zu beschweren ist legitim. Wenn das auf sachlicher Ebene geschieht, mit klaren Argumenten, ist das in Ordnung.

#meinungsfreiheitsturmerprobt 

Natürlich haben die teilnehmenden Künstler inzwischen auch viel Gegenwind bekommen, harte Kritik, Aufforderungen die Videos zu löschen. Vorwürfe sie seien Pandemie-Leugner wurden laut, oder wenigstens Sympathisanten. Genauso schnell standen aber diejenigen bereit, die sie verteidigten. Fast reflexhaft erfolgte die Einordnung der Kritik. Sie sei ein massiver Angriff auf die Meinungsfreiheit. Die Beiträge seien unverkennbar Satire, das müsse man aushalten können.

Ich sehe es so. Die teilnehmenden Schauspieler*innen sind alle medienerfahren. Sie hätten diesen Sturm der Empörung kommen sehen können. Oder war das beabsichtigt? Die Kritik an den Videos der Kunstschaffenden fiel meiner Meinung deshalb so harsch aus, weil sie mit ihrer zynischen Aktion die Narrative der Corona leugnenden Verschwörungstheorien bedient haben. Nicht etwa, weil sie die Regierung kritisiert haben. Dass das Handeln unserer Regierung zu Unzufriedenheit führt und Kritik hervorruft ist nicht neu, das regt niemanden mehr auf. Wenn die teilnehmenden Schauspieler dafür jetzt harsche Kritik einfahren, dann ist das kein Angriff auf die Meinungsfreiheit dann ist das kein unkontrollierter Mob, dann ist genau DAS auch Meinungsfreiheit.

Satire muss man aushalten, heißt es immer wieder. Stimmt! Aber sie muss mir nicht gefallen und ich darf sie kritisieren. Das wiederum müssen dann die kritisierten Künstler aushalten. That’s the game.

#wuschundweg

Von den ursprünglich 53 Videos sind, Stand jetzt, nur noch 42 auf Youtube zu sehen. Ein paar Künstler haben ihre Videos zurückgezogen. Die Motivlage für dieses Handeln ist diffus. Heike Makatsch hat sich entschuldigt und sich von rechtsextremen Gruppen und Verschwörungstheoretikern distanziert. Jan Josef Liefers hat ein ellenlanges Statement abgegeben und auch sonst ist in der Angelegenheit sicherlich noch nicht das letzte Wort gesagt oder geschrieben worden.