Die im Dunkeln sieht man nicht…

Ich frage mich ja manchmal, was an den Konferenztischen mancher Werbeagenturen so abgeht, wenn neue Marketingstrategien entwickelt werden.

Insbesondere dann, wenn es darum geht, den Kundenkontakt im Einzelhandel zu verbessern, werden die Methoden immer … ja, wie soll man das nennen … offensiver. Wahrscheinlich fallen in den Konferenzen bedeutungsschwere Sätze wie, „Wir müssen den Kunden abholen, wo er gerade steht…“. Nach allem was ich in letzter Zeit erlebt habe, bedeutet das, schon vor der Tür abgeholt zu werden. Man wird regelrecht schanghait*, nur ohne Alkohol, na ja bis jetzt…

Brötchen-Coaching beim Nautik-Bäcker

Neulich beim Nautik-Bäcker wurde ich zum ersten Mal, nach neuem System bedient. Ich betrat den Verkaufsraum und erwartete das übliche, desinteressierte Gemurmel der Backwarenfachverkäuferin: „Wissen Sie schon, was Sie wollen?“ Aber dieses Mal stand ich vor so einer Art Vorturnerin, die den Azubis und Angestellten den richtigen Umgang mit den Kunden demonstrieren sollte.

Die Devise der neuen Marketingstrategie, das wurde sofort klar, lautete, forsch auf den Kunden zuzugehen, ohne Hemmungen, Feindosierung nicht nötig. „Ooooh, wie schööön, dass Sie zu uns gefunden haben“, rief die Vorturnerin und breitete ihre Arme in oscarreifer Manier, wie zwei Flügel aus. Mir wurde ganz flau im Magen, wollte sie mich etwa umarmen?

Neue Backrezepte … für mich???

Ich kam gar nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn sie redete weiter: „Schauen sie doch mal wir haben neue Backrezepte ausprobiert, nur für SIE. Also da wäre die Schiffsschaukel mit und ohne Zucker, der Hansavollkornbrocken, das Krümelschiffchen und die Tornadodinkelstange. Da ist doch bestimmt was dabei für sie, oder?“

Alter Schwede, dachte ich bei mir, eine Brötchenverkäuferin auf Speed. Am liebsten hätte ich ausgerufen: „Ich nehme von allem etwas, aber tue mir bitte nichts.“ Die Vorturnerin hatte sich indessen dem netten, schüchternen Azubi neben sich zugewandt. „Also Finn, dann zeige mal was Du kannst. Verkaufe der Dame unsere Brötchen, so wie ich es vorgemacht habe.“

Ob das der Betriebsrat weiß?

Und der Finn holte tief Luft und lieferte ab, was das Zeug hielt. Ich kaufte die doppelte Menge Brötchen, brachte den Jungen kurz ins Schlingern, weil ich wissen wollte, ob man die Tornadodinkelstangen einfrieren könne und wollte dann einfach gehen. Da meldete sich die Ausbilderin noch mal zu Wort und trötete mir hinterher: „Viiielen Dank für ihren Einkauf. Wiiir wünschen ihnen noch einen erfolgreichen Tag im Büroooo!“ Ich nickte ihr irritiert zu und dachte, es ist Sonntag, schraub bloß mal Deine Dosis runter. Die Brötchen waren übrigens sehr lecker…

Edelshop mit Türsteher

Meine zweite Begegnung mit moderner Marketingstrategie, hatte ich im örtlichen Einkaufscenter, im Edelshop Hollister. Am Eingang wurden meine Tochter und ich von einer professionellen Türsteherin in Empfang genommen. Die Begrüßungsformel ließ den Schluss zu, dass der hippe, socialmediale Sprachgebrauch hier ins echte, analoge Leben eigeführt werden sollte. „Hey, what’s up?“, begrüsste mich eine Verkäuferin im Size-Zero-Format am Eingang des Edelshops. „Alles cool“, antworte ich irritiert.

Im gleichen Moment berieselte mich ein wohlriechender Schwall ätherischer Düfte von der Decke herab. Meine Frage, was das denn sei, beantwortete die XS-Türsteherin mit: „It makes you happy, gell?“ Ich nicke unsicher, holte tief Luft und wartete auf meine Glücksgefühle.

Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht und man siehet die im Lichte die im Dunkeln sieht man nicht. (Berthold Brecht)

Dann tauchte ich ab in Hollisters Welt. Das bedeutete zunächst einmal völlige Dunkelheit. Als meine Augen sich daran gewöhnt hatten, stand ich inmitten edler Holzregale, die mit schicken Klamotten bestückt waren. Aufgrund der mangelnden Beleuchtung konnte ich die Preise trotz Brille nicht lesen. Auch die Farben der Produkte waren nur zu erahnen. Ist der Sweater nun rot, grün oder pink? Da steckt doch System dahinter. Egal, meine Tochter hat Geburtstag und ist total scharf auf diese Klamotten. Gedankennotiz: Das nächste Mal, den Akku vom Handy aufladen, damit ich das Handylicht benutzen kann.

Leder-Lounge für Fuffziger

Dann eine weitere, recht angenehme Besonderheit in der Hollister-Marketing-Strategie: Mitten im Geschäft steht eine Insel, bestehend aus einer Gruppe englischer Clubsessel. Umgeben von künstlichen Palmen, lümmeln sich erschöpfte Menschen um die Fünfzig im Dämmerlicht. Ihr Nachwuchs ist derweil auf der Jagd nach einem neuen Outfit. Das war Ikea verkehrt: „Oma Käthe möchte aus dem Smaland abgeholt werden!“

Inzwischen überwand ich meine retrograde Rot-Grün-Sehschwäche, und entschied mich für einen rot/grün/pinken(?) Hoddie. Nachdem ich an der Kasse eine astronomische Summe hingeblättert hatte, ging ich erschöpft in Richtung Ausgang. Ich sah ihn schon von weitem.

See you … och ne…

Dort vor dem Ausgang stand ein dürrer Jüngling. Der professionelle Verabschieder. Aber dieses Mal war ich mental vorbereitet. „See you on Facebook“, säuselte der junge Mann. Ich sah ihm direkt in die Augen und schmettere ihm ein „Meet you in hell“ entgegen und ging zurück ins Licht…

Glossar:

Schanghait werden – Schanghaien bezeichnet in der Seemannssprache das gewaltsame Rekrutieren von Seeleuten für Kriegs- und Handelsschiffe. Diese Art der Freiheitsberaubung, auch Pressen genannt, wurde zeitweise auch für die Heeresergänzung angewandt.

Männer ohne Maß

Männer sind Macher

Männer sind Macher. Präzision ist ihr zweites Ich. Sie glauben ganz fest daran, dass sie alles im Blick haben. Dass ich nicht lache!

Nehmt Euch mal die Zeit und beobachtet manche Männer beim Heimwerken. Da dürfen bei uns Frauen schon mal berechtigte Zweifel am männlichen Können aufkeimen. Da wird über den Daumen gepeilt, was das Zeug hält, Abstände werden geschätzt und nicht etwa korrekt ausgemessen. Nachfragen, Verbesserungsvorschläge oder Hilfsangebote werden ganz souverän in den Wind geschlagen.

Das universelle Männermaß

Für das gute Gelingen jeglicher Heimwerkerprojekte schufen sich unsere Kerle vom Heimbau ein universell einsetzbares Männermaß: Schätzvermögen mal Augenwischerei, geteilt durch Realitätsverlust. Anwendbar ist es gleichermaßen auf Zeit, Raum, Entfernungen, Gewicht und Geschwindigkeit. Dieses Maß hat viele Namen. „Quasi“, „in etwa“, „zirka“ und „bald“ sind nur einige davon. Gemeint ist immer das gleiche: „Ich weiß es nicht, tue aber als ob ich es wüsste, habe aber überhaupt keine Lust, darüber nachzudenken. Also NERV MICH NICHT!“ Hier mal ein paar Beispiele.

„Macho, Machos ham wos los…“ (Rainhard Fendrich)

Neulich beobachtete ich unseren Nachbarn Carlos beim Zimmern eines Kanninchen-Doppelstock-Stalls mit direktem Zugang zu einem noch zu bauenden Außengehege. Ich war bei meiner Freundin Mareile, Carlos Frau, zum Kuchenessen eingeladen, und wurde somit Zeugin einer denkwürdigen, südamerikanischen Heimwerker Dokusoap, mit Namen „Iche-brauche-keine-Zollestocke“.

„Macho Macho konnst net lernen
Macho Macho muß ma sein…“ (Rainhard Fendrich)

Unsere Unterstützung lehnte der temperametvolle Argentinier Carlos rundweg ab: „Iste Määännärrarrbeite…“, hatte er gesagt. Woraufhin seine Kinder Geroniemo und Dakota die Kanninchen evakuierten und meine gute Mareile mit den Augen rollte und eine Flasche Grappa auf den Tisch stellte. Ich guckte etwas verwirrt, aber hey, wo steht denn geschrieben, dass der Erdbeerkuchen mit ein bisschen Sprit nicht besser verdaulich wäre.

„Macho Machos leben gefährlich
Macho Machos haben was los…“
(Reinhard Fendrig)

Carlos stand im Garten und wog seine Möglichkeiten ab. Er legte mit abgeschnittenen Ästen ein Rechteck auf dem Rasen aus, lächelte zu uns hoch und sagte: „Iste guter Platz fur den Freilaufgehege.“ Mareile setzte ihr Glas an und goss sich den ersten Grappa hinter die Binde.

Dann begann er den alten Kaninchenstall auseinanderzubauen, was keiner von uns anderen wirklich verstand, denn er hätte doch nur einen kleinen Steg zum Ausstieg bauen müssen. Aber hey, einem Mann und seiner Kreissäge, sollte man als Frau mit Überlebensinstinkt nicht dazwischen quatschen.

„Männer weinen heimlich
Männer brauchen viel Zärtlichkeit…“ (Herbert Grönemeyer)

Als Carlos nun vor den Trümmern seiner Abrissarbeiten stand, legte er die Bruchstücke wie bei einem 3D-Puzzle aneinander. Dabei murmelte er mit hochrotem Kopf ein paar Verwünschungen vor sich hin: „No, por favor … qué demonios … wo iste die Tur … qué mierda …“ Im gleichen Rhythmus kippte Mareile ihre Schnäpse runter.

Aber aus Carlos Sicht war dieses Chaos nichts, was man nicht mit einem Hammer, ein paar Nägeln, Leim und ein bisschen Farbe wieder hinbiegen könnte. Jetzt brauchte ich auch einen Grappa.

„Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht…“ (Herbert Grönemeyer)

Am Ende stand der Stall schief auf dem Rasen und sah aus wie ein Hobbit-Haus aus Mittelerde. Der Zugang zum Freigehege führte auf direktem Weg ins mühsam angelegte Gemüsebeet, mindestens einen guten Meter vom ursprünglich ausgelegten Rechteck entfernt. Ein wahres Karnickelparadies.

Carlos stand neben seiner architektonischen Meisterleistung, die Hände in die Hüften gestemmt und sagte voller Stolz: „Siehste du Mareile, hab iche doche gesagte, kann iche alleine maken …“ Mareile, sicher schon mit ein paar Verzweiflung-Grappas zuviel intus, kicherte und antwortete: „Ja ne is klar, genau dafür habe ich das Gemüsebeet angelegt … hihihiiiiii … für so’n Karnickel-Selbstbedienungs-Feinkostladen … mmmpfff … nur dafür ….giggleprust…“

Offensichtlich bestand bei den Beiden, zumindest was den Humor betraf, kein Nord-Süd-Gefälle. Also biss ich noch einmal herzlich in mein Tortenstück und überließ die zwei Turtelbaumeister sich selbst.

Andere Frauen, andere Sitten

Andere Freundinnen sind da nicht so tolerant wie Mareile. Meine Freundin Carola ist da etwas, na sagen wir mal kürzer angebunden. Fritz, ihr letzter Lebensabschnittsgefährte nutzte das Männermaß für Zeitangaben. Korrekt gehende Uhren konnten ihn dabei aber nur wenig beeinflussen.

Aus Engelchen wird Teufelchen

Auf die Frage, wann er denn nach Hause käme, antwortete er regelmäßig: „Bald, mein Engel.“ Doch wie lange dauert „bald“? Irgendwann, ein paar verkochte Abendessen später, stellte Carola ihm entnervt die Koffer vor die Tür. Wie er jetzt nach Hause käme, fragte er verdutzt. „Ich habe dir ein Taxi gerufen. Das kommt bald…“, sagte sie süffisant und schloss die Haustür.

Meiner – im „Abwiegen“ ist er ein Naturtalent

Und mein Mann? Der kam neulich ganz stolz vom Einkaufen und übergab mir ein tolles Geschenk. Im Päckchen lag ein schickes Sommertop und – oh Wunder – es passte! „Wie hast du das denn hingekriegt?“, fragte ich verdutzt. „Ich habe der Verkäuferin gesagt, in etwa so groß“, erzählte er und bewegte seine Hände wie ein jonglierender Zirkusartist. Der Verkäuferin war die Geste offensichtlich präzise genug. Respekt!

Spam-Mail-Flut … Spam-Mail-Wut

Spam Mails Symbolbild
Foto: pixabay

Ich schiebe gerade riesigen Frust. Jeden Tag landen mal mehr und mal weniger nervende Mails in meinen Postfächern. Spam-Mails, da hat mein Mann eine klare Familiendirektive herausgegeben. Klicke keine Links an, öffne keine Dateien, lösche diese Mails sofort.

Mir reicht es!

Ich bin brav, klicke keine Links an, öffne keine Dateien und lösche die Mails sofort. Manchmal komme ich aber nicht umhin, manche von ihnen, sozusagen im Vorbeirauschen, zu lesen. Ihre Inhalte erstaunen mich immer wieder, manche schockieren, wieder andere ärgern mich.

Das Maß voll, ich habe es satt, genug vom Spam-Mail-Stalking. Bei mir ist das Bedürfnis gewachsen, einigen immer wiederkehrenden Adressaten zu antworten.

Wer fällt auf sowas bloß rein?

Da ist zum Beispiel ein gewisser Mr. McKenzie aus London, so ein Hedgefond-Fuzzi. Der möchte mir gerne – und jetzt Obacht! – 22.500.000.00 US-Dollar vor die Füße werfen.

Hey Mr. MCKenzie, eigentlich sind Sie die Antwort auf meinen bisher unbeantwortet gebliebenen Weihnachtswunschzettel von 1968. Sie ahnen sicher schon, nun kommt es – das große ABER.

Zu ihrem Umgangston Mr. McKenzie: Die Korrespondenz mit einer Ihnen unbekannten Frau, mit der maximalinversiven Formulierung „Verzeihen Sie mein Eindringen“ zu beginnen, ist nicht zielführend. ICH bin eine LADY.

Ich bin ja nicht kontaktscheu, aber…

Reden wir jetzt mal über Ursel, Darleen, Yvonne und Nadine. Alle aus meiner Nachbarschaft – so sagt die Mail. Offensichtlich sind die Vier ziemlich triebgesteuert und haben nichts anderes im Kopf, als mit mir ein gschlampertes Verhältnis anzufangen. Und zwar mindestens jeden zweiten Tag.

Mädels, lassen wir mal kurz außer Acht, dass das meine Kondition bei weitem übersteigen würde. Tut mir echt leid für Euch, aber Ihr habt einfach nicht die Ausstattung, auf die ich stehe. Ein wenig Sorgen machte es mir anfangs schon, dass etwa 85 Prozent dieser an mich gerichteten Hormon-Cheer-Up’s von Frauen versendet wurden.

Die Hetero-Variante

Aber da gab es ja gottseidank noch Joachim von der Firma LEVRITA. Auf dem Werbeplakat ist er zu sehen – etwa 50 Jahre alt, hager, graue Schläfen. Aus seinen leicht verquollenen Augen, wirft er mir einen wässerigen, traurigen Blick zu. Hat der etwa gerade geheult?

Und aus seinem Mund erwächst eine Sprechblase, in der steht: „Weil Selbstvertrauen auch eine Frage von Sexualität ist.“ Was zum Henker, soll DAS eigentlich in mir auslösen?

Erwarten die jetzt, dass ich auf der Stelle losfahre, mir ein kuscheliges Bärenfell kaufe, um mich dann zuhause, in Ermangelung eines Kamins, vor dem warmen, knisternden Backofen zu räkeln?

Joachim hat, so wie er aus dem Prospekt herausschaut, ganz sicher schon länger nicht mehr an seiner Sexualität arbeiten dürfen. Ich verspüre eher den unwiderstehlichen Drang, Joachim den Kontakt der Telefonseelsorge zuzusenden. Ach, ich will mal nicht so sein. Für Joachim: heuldoch-caritas-fuer-weicheier(at)…dotcom.

Ich bin gefragt im Handwerker-Universum

Die übrigen, männlichen Mailversender mögen es eher handfest. Bieten mir ein neues Vordach oder die regelmäßige Lieferung von extrem strapazierfähigen Sauberlaufmatten an. Hey Jungs, welche Romantikerin könnte da wohl nein sagen. Richard Klatt will mir besonders billige Hartschalenkoffer andrehen, während LED-Lichtberater Thomas mir schreibt, dass die IP65 Norm mehr Helligkeit und mehr Durchblick garantiert. Danke, aber mir ist schon ein Licht aufgegangen.

Digitales Betteln ist so unsexy

Vermeintlich ermutigende Mails über alleinstehende Mütter ohne Ausbildung, alte Omis in Bayern, Taiwan und Sonstnochwo, denen es gelingt so ganz neben Haushalt, Kindern und Wiederbelebungsversuchen, durch Heimarbeit ein monatliches Nettoeinkommen von nicht unter 3500,00 Euro einzufahren, wirken auf mich eher frustrierend. Diese Infos braucht kein Mensch!

Hier schmilzt nur der Kontostand

Eine Amanda aus Kalifornien schreibt: Achtung Männer und Frauen über 35 Jahren (*kicherhihihi), die sich um Jahre jünger fühlen (*Bin-Ich-Dabei) und auch so aussehen (*Bin-Ich-Wieder-Raus) wollen (*Ach-so-na-denn).

Und weiter verspricht die Werbung: Psychologe entdeckt Automatismus im menschlichen Gehirn, der völlig aufwands- und verzichtsfrei nerviges Hüftgold schmelzen lässt, wie Eis in der Sonne.

Okay, ganz kurz gerate ich ins Schwärmen. Wäre es nicht wundervoll diese Region im Hirn zu finden, zu aktivieren und am nächsten Tag mit einer geschmolzenen Körpermitte aufzuwachen? Hach, wie schööön.

Doch die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten. Ein Donation-Button soll es mir leichter machen, die vom Gesundheitsamt noch nicht genehmigten Forschungen, mit nicht weniger als Tausend Euro zu unterstützen. Amanda, willst Du mich verar….., Du betrügerische, kleine Schlange … #*+#+*#++##+;-.,_’#+`&……

Ich geh lieber zu Fuss

Und nun zu guter Letzt ein gut gemeinter Rat an die zwei Firmen, die mir wöchentlich, zwei bis drei Angebote für barrierefreie Treppenlifte zukommen lassen.

Das ist eine Uuuunverschämtheit! Mit 50+ Jahren auf dem Buckel denke ich eher über die Anschaffung eines Cabrios oder über ein Trimmrad fürs Büro nach. Solltet Ihr es wagen, mir noch mal so ein Angebot zuzuschicken, suche ich Euch und werfe Euch meine Schnabeltasse an den Kopf.

Abkürzungen oder alle Wege führen nach Rom

Foto: Pixabay
Foto: Pixabay

Man sagt ja, alle Wege führen nach Rom. Diese Redensart meint in der Regel, dass alle Bemühungen, egal wie effizient, mühevoll oder ungewöhnlich sie sind, zum Ziel führen und darum auch Anerkennung verdienen.

Manchmal habe ich da meine Zweifel. Nämlich immer dann, wenn man den Satz beim eigentlichen Wortsinn nimmt, fällt mir auf, dass Frauen und Männer, in der Praxis, etwas ganz Unterschiedliches daraus machen.

Orientierungssinn, Dein Name ist „Mann“

Eine Sache, die Männer ja angeblich mit der Muttermilch eingesogen haben, ist ein untrüglicher Orientierungssinn. Das jedenfalls ist ihre feste Überzeugung, mein Mann ist da keine Ausnahme. Wann immer eine Autofahrt ansteht, und zwar auch wenn ich am Steuer sitze, übernimmt mein Musterexemplar, mit den Worten „Ich kenne da eine Abkürzung“ die Navigation. Der eigentlich simple Weg von A nach B führt bei ihm aus ungeklärten Gründen über X, Y und Z.

Das Wort Abkürzung scheint ein außerordentlich dehnbarer Begriff zu sein. Oder anders ausgedrückt, Männer und Frauen stellen sich unter einer „Abkürzung“ etwas vollkommen Unterschiedliches vor.

Vernunft, Dein Name ist „Frau“

Wir Frauen folgen vernünftiger Weise der eigentlichen Wortbedeutung. Das heißt schlicht, der Fahrweg soll verkürzt werden, Kilometer und vor allem Zeit sollen eingespart werden. Diese weibliche, sehr vernünftige Sichtweise sichert das Einhalten von Terminen und Verabredungen. Außerdem, warum die schöne Zeit für die Anfahrt verplempern? Ich genieße lieber jede Minute an meinem Wunschort.

Abkürzungen bedeuten Abenteuer

Mein Mann hingegen verblüfft mich jedes Mal wieder mit seinen Begründungen, dafür abstruse Schleichwege über Schotter oder Kopfsteinpflaster zu nutzen. Glaubt mir, wenn man auf dem Weg zum Strand, gefühlte 10 Kilometer, auf einem Sandweg, im Schritttempo hinter einem Güllewagen herfahren musste, kostete das fast mehr Selbstbeherrschung als der liebe Gott mir einst mitgegeben hatte.

Ich habe ihn dann freundlich auf seinen Irrtum angesprochen: „Wir wären wohl doch besser geradeaus gefahren.“ Einsicht wäre das gewesen, was die Situation entzerrt hätte. Einsicht? Pah, nicht von meinem Mann!

Bruder Grimm denkt sich was aus

Während der Güllegestank sich inzwischen durch unsere Klimaanlage gearbeitet hatte, sich in jeder unserer Poren festgesetzt hatte und unseren Ausflug auf eine ganz besondere Weise, zu einem sehr individuellen Erlebnis werden ließ, dozierte mein Gatte darüber, warum nun gerade diese Strecke die Beste und Kürzeste gewesen sei. Als ich ihm so zuhörte, fragte ich mich, ob er vielleicht der letzte Überlebende der Gebrüder Grimm sei, so märchenhaft waren seine Erzählungen.  

Es war ein mal ein Plan …

Sein erstes Argument aus Grimms Märchenkiste: „Auf den Hauptstraßen herrscht viel zu starker Verkehr. Dem sind wir erfolgreich ausgewichen.“ Erfolg ist wohl auch so ein Wort, dass beliebig interpretierbar ist, dachte ich bei mir. Die Wahrheit war, dass wir gar nicht wissen konnten, ob es um 7.00 Uhr morgens einen Stau auf unserer Autobahn gegeben hätte. Ich schätze mal, eher nicht. Unser Plan, schon früh am Strand zu sein, bevor die Touristen ihn überschwemmen, zerplatzte mit jeder wabernden Güllewolke wie eine bunte Seifenblase.

Die Parfumerie „Nature“ hat da was im Angebot

Sein zweites Argument aus Grimms Märchenkiste: „Was willst Du eigentlich? Diese Strecke ist landschaftlich viel schöner.“ Ich bin ja nun weit davon entfernt, ein Spielverderber zu sein. Aber das Fahren, zwischen zwei Maisfeldern, in einer meterhohen Wolke aufgewirbelten Sandes, eingehüllt vom betörenden Duft „Eau de Kuhdunk“, ist nicht sehr anregend oder gar schön.  Es war eher so, dass meine Sehnsucht nach frischer Seeluft ins Unermessliche wuchs, gefolgt von dem Bedürfnis nach einem Sauerstoffgerät.

Und wenn sie nicht gestorben sind …

Sein drittes Argument aus der Grimmschen Märchenkiste war dann mein absoluter Favorit: „Ich fahre immer so!“ Na wenn das so ist, da kann man wohl nichts machen. Ich weiß wann es Zeit ist, zu kapitulieren. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann fahren wir wohl bald wieder hinter einem Güllewagen her …

Um es kurz zu machen

„Um es kurz zu machen“, das Buch von Autorin Meike Winnemuth, berichtet über das pralle Leben einer humorvollen, intelligenten Frau, Mitte der 50er, oder sagen wir lieber, mit Lebenserfahrung. Das Buch ist so lustig und frech geschrieben, dass ich es Euch nicht vorenthalten wollte.

Die Liebe zu Hunden habe ich mit Meike Winnemuth gemeinsam. Sie lebt mit einem Foxterrier namens Fiete zusammen und hat für das Hundemagazin Dogs die Kolumne „Vor uns die Welt“ verfasst.

In diesem Buch findet Ihr Meike Winnemuths Kolumnen, die in den letzten Jahren im Stern, dem SZ Magazin, Geo Saison, Myself und der Cosmopolitan erschienen sind. Über die Wirkung von behaarten Männer-Unterarmen, und warum fremder Müll im eigenen Fahrradkorb die Autorin innerlich detonieren lässt. Und endlich finden wir eine Antwort auf die drängende Frage, warum es in unserer Meckerkultur so wichtig ist zu loben – glückliche Kühe geben eben doch mehr Milch…

Mein Fazit zu diesem Buch: Unbedingt lesen, wenn man sarkastische Ausflüge in die kleinen Dinge des Lebens liebt. Wunderbare, selbstironische Schreibe. Es wird sicher schon bald weitere Bücher dieser Autorin in meinem Bücherregal geben.

Die Autorin: Meike Winnemuth, wurde 1960 in Schleswig-Holstein geboren und lebt in Hamburg und München. Sie ist freie Journalistin. Bei „Stern“, „Geo Saison“, „SZ Magazin“ und in vielen anderen Zeitschriften. Ihrem Reise-Blog „Vor mir die Welt“, folgten mehr als 200.000 Leser. Er wurde für den Grimme Online-Award 2012 nominiert und bei den Lead Awards 2012 ausgezeichnet. Weiter Blogs von Heike Winnemuth sind „Das Kleine Blaue“ und „Zurück auf Los“. Viel Spaß beim Lesen.

Ja, wo sind wir denn?

Heute war die ganze Familie bummeln. Wir haben uns schon früh auf den Weg ins nahe gelegene Einkaufscenter gemacht. Denn traditionell beginnen wir so einen Bummeltag mit einem Kaffee im Coffee Shop. Danach ist keiner mehr brummelig und wir können den Tag genießen. Eigentlich…

Ohne Kaffe geht gar nichts

Wir betraten die sogenannte Shop-Area und sahen uns nach einem Platz um. Es waren zwar noch ein paar schicke, und bequeme Ledersessel frei, die um ein rundes Holztischchen drapiert waren, aber meine Mädchen wollten an den Bistrotisch mit den Eisenstühlen. Diese rückenlehnenlosen Hippster-Sitzgelenheiten sind bei ihnen gerade sehr en vogue. Außerdem saßen sie dort höher und können „schauen“.

Ach, sitzen Sie doch bequem…

Mausi setzte sich schon mal hin. Irgendwie bekommt sie das jedes Mal super geregelt. Ich habe mit diesen Stelzenhockern immer so meine Probleme. Die Sitzflächen sind für das Durchschnittsausmaß eines Vorstadtmutti-Hinterns wie meinen, einfach nicht gemacht. Ich nehme die Bestellung meiner Familie auf und überlege auf dem Weg zum Tresen schon mal, auf welcher Arschbacke ich die nächste halbe Stunde absitzen möchte.

Denise, keine ist wie diese…

Am Verkaufstresen angekommen, blickte ich in das Gesicht einer professionellen Kaffeeverkäuferin. Auf ihrem Namensschild stand „Denise“. Ich bin ein freundlicher Mensch und sage: „Moin.“ Die Verkäuferin sah mich starr an und erteilte mir dann schnippisch einen Rüffel: „Wir sind hier in Deutschland. Guten Morgen.“ Ich sah die junge Frau verständnislos an. Motte, die zum Tragen mitgekommen war, verdrehte kurz die Augen. Mein Gatte machte seinem Unmut durch einen langgezogenen Tssss-Laut Luft und ich atmete tief ein.

Alter Falter, hatte die sie noch alle. So ein deutschtümelnder Blödsinn und das vor meinem ersten Morgenkaffee, echt jetzt? Mein inneres Ooohhmmm fand das auch ziemlich frech, und schlug mir ausnahmsweise mal keine Friedensverhandlungen vor.

Google das, Denise…

Ich lächelte Denise an und sagte sehr pointiert: „Ach was, ist das so?“  Und weiter: “Na, dann … ich hätte sehr gerne eine befleckte Milch, mittelgroß, dann noch eine aus Mailand stammende Kaffeezubereitung, bei der heißes Wasser mit hohem Druck, durch sehr fein gemahlenes Kaffeemehl aus gerösteten Kaffeebohnen gepresst wird, dann noch ein Schwarzteegetränk mit Milch, Zucker und einer indischen Gewürzmischung in groß, und ein großes, mit Milch zubereitetes Schokoladengetränk. Wenn Sie damit fertig sind, bringen Sie uns das doch bitte an den französischen Frühstückstisch mit den Folterhockern. Danke. Oh, ach ja – Guten Morgen auch Ihnen.“

Tusch, Abgang – Familie Jaklitsch

Ich drehte mich auf dem Absatz um, und meine verdutzte Entourage folgte mir zu unserem Bistrotisch. Mein Mann räusperte sich: „Hüstel … ähm, was hast Du eigentlich gerade bestellt?“ „Latte Macchiato, Esspresso, Chai Latte und einen Kakao“, sagte ich und grinste breit. „“Meinst Du, sie kriegt das hin“, fragte mein Mann und grinste nun auch. „Sie kann ja herkommen und nachfragen“, antwortete ich. Im Augenwinkel sah ich, wie Denise hektisch hinter dem Tresen hin- und herlief.

Doch noch Friedensverhandlungen…

Ein junger Kollege kam an unseren Tisch. „Entschuldigen Sie bitte, aber könnten Sie mir wohl Ihre Bestellung wiederholen?“ Ich unterdrückte den Impuls, den netten jungen Mann zu fragen, ob er italienisch könne und sagte ihm, was wir trinken wollten. Der zog von dannen und kümmerte sich um unsere Bestellung. Er bekam später von meinem Mann noch ein fulminantes Trinkgeld.

Meine Gene…

Wir haben unsere Heißgetränke dann doch noch richtig genießen können. Als wir dann gingen, mussten wir wieder am Tresen vorbeigehen. Und im Vorbeischlendern hörte ich meine Tochter sagen: „Nachher holen wir uns hier noch einen traditionellen, amerikanischen Rührteigkuchen, mit super viel Schokoladenpulver und Schokoladenstückchen. Ja?“

Sie liebt Brownies und ich liebe sie…

Gescheitert an Bukarest’s Beauty

Nu isses da, das neue Blog. Ich weiß, es ist nicht perfekt, wie mir meine Tochter Mausi gerade in ihrer unnachahmlich, offen-brutalen Art bestätigte: „Hmmm, selbst gebaut. Dafür, dass Du in technischen Dingen sonst ziemlich blö … äh, also nicht so ganz auf dem Laufenden bist, echt schon ganz gut, Mama.“

Mich kann das gerade gar nicht aufregen, denn wie Mausi schon sagte, ich habe „Taufrisch war gestern“ selbst gebaut. Tusch! Bierflasche köpfen, Prost! Natürlich ist mir klar, dass ich noch einige Dinge ändern und ergänzen muss. Beim Headerbild zum Beispiel habe ich mich bei WordPress im Archiv bedient. Da muss noch etwas Individuelleres hin, ein paar Ideen habe ich schon.

Ein neues „Über-mich-Bild“ braucht die Seite auch, und zwar ganz dringend. Das ist nicht so schnell hinzuzaubern, wie ich dachte. Zwar wohnt mein Fotograf mit mir zusammen und ist durchaus willig. Aber, jetzt kommt es: Es ist zu heiß in Hamburg. Man will ja auf dem Foto, mit dem man sich der geneigten Lesergemeinde als New-Bloggerkid-on-the-Block vorstellt, nicht aussehen wie die glänzende Speckschwarte eines frisch aufgeschnittenen Katenschinkens.

Ich habe alles versucht, glaubt mir bitte. Am Freitag habe ich mich in der örtlichen Drogerie für diesen Fototermin beraten lassen. Die Verkäuferinnen dort lieben mich, sie wissen nämlich, dass sie mir jeden Mist andrehen können. Außerdem bestücke ich Jahr für Jahr zwei!!! Adventskalender mit Produkten aus diesem Laden. Was man nicht alles so macht, damit einen die Töchter auch mal anlächeln.

Kurz bevor ich die Parfümerie verließ, warf mir die Fachfrau an der Kasse noch zwei Tübchen, mit dem Hinweis, „Das hilft gegen die Falten um die Augen herum. Wenden Sie das mal ruhig morgens UND abends an“, ins Täschchen. Ich dachte still: „Danke, Du Arschgeige.“ Laut aber sagte ich: „Oh, vielen Dank, sie sind meine Lebensretterin.“ Ich rang mir ein schiefes Lächeln ab, dann rauschte ich davon. War vielleicht etwas zu dick aufgetragen.  

Ich kam also mit einer Papiertüte voller chemischer Substanzen nach Hause, die ich mir gleich mit Schwung ins Gesicht schmieren wollte. Das alles nur für EIN gutes Foto. Also was hatte ich da: Abdeckcreme, Concealer, Wimperntusche, Gesichtspuder, soweit war alles klar. Dann war da noch eine Lidschattenpalette namens „Bukarest Beauty“, die mir im Laden schon ein gehöriges Maß an Skepsis abgerungen hatte. Die Farben variierten von dunklen Brauntönen, über ein changierendes Jagdgrün, hin zu einem Ockerton, der einer leichten Übelkeit auch Erinnerungen an Tante Hildas Erbsensuppe wach werden ließen.

Egal, ich legte los. Zum Schluss griff ich nach einem Kosmetikpinsel den mein Nachbar Jürgen, er ist Maler, wohl als Quast bezeichnen würde. Mit diesem Megapuschel fuhr ich über das Gesicht. Im Fachjargon nennt man das Verschatten, das hatte mir die Verkäuferin im Shop so erklärt. Ich öffnete vorsichtig die Augen und … heiliger Bimbam. Mein Mann, der Fotograf hatte gesagt, dass beim Fotografieren noch viel Farbe verloren ginge. Darauf musste ich wohl hoffen.

Jetzt ging ich die Treppen herunter. Das Foto sollte im Garten gemacht werden. Doch schon auf halber Treppenstrecke lief mir das Wasser nur so runter. Glaubt mir die Schminke, die Temperaturen von über 35 Grad standhalten kann, wurde noch nicht erfunden.

Unten angekommen, sah mein Mann mich entsetzt an. Ein Blick in meinen Handspiegel machte klar warum. Die Farben Bukarests hatten sich in meinem Gesicht selbständig gemacht. Nicht nur die Wimperntusche war verlaufen und lief in langen Tränenspuren über die Wangen, Richtung Mund und Kinn. Nein, auch der angeblich wasserfeste Lidschatten zog gemütlich seine Bahnen durch mein Gesicht. Freundlich ausgedrückt, sah ich aus wie ein Andy-Warhol-Kunstwerk – eines der aussortierten.

Wir haben dann im Familienrat beschlossen, dass es wohl besser wäre, erst einmal die alten Fotos zu verwenden, bis sich das Wetter wieder im Griff hat. Ich bitte Euch deshalb also noch um etwas Geduld und Verständnis. Das einzige, was man bei diesem Wetter machen könnte, wären Strandfotos und das möchte ich nicht … aus Gründen …