Herbstfrühling

Ein Familienroman von Angelika Godau und Luise Klein

Grafik: Fivver

Angelika Godau ist da ein unterhaltsamer und lesenswerter Familienroman gelungen. Es ist nicht immer leicht für die drei Hauptfiguren Oma Inge, Tochter Sarah und Enkeltochter Lara, miteinander auszukommen. 

Oma Inge lebt in der Seniorenresidenz, erzählt gern aus der Vergangenheit. Tochter Sarah wurde von ihrem Mann sitzen gelassen, hat schwer mit der Gegenwart zu kämpfen und Enkeltochter Lara wird von der eigenen Pubertät überrollt, dass es nur so kracht. Davon haben dann alle etwas. 

Der Umgang der Drei untereinander ist manchmal etwas rau, gegenseitige Verletzungen blockieren oft das Miteinander. Angelika Godaus lockerer Erzählweise ist es zu verdanken, dass das Buch trotzdem nie zu ernst wird und immer eine gute Portion Humor mitliefert. 

Bald ändern sich die Lebensumstände. Oma Inge erlebt den Herbstfrühling, Tochter und Enkelin halten dazu mit ihrer Meinung natürlich nicht hinterm Berg … doch allmählich wächst das Verständnis füreinander. Ach wisst ihr was? Lest es doch einfach selber, ich gebe für den Herbstfrühling meine Leseempfehlung.

Ich habe Angelika für euch interviewt. Meine Fragen hat sie auf ihre originelle Art, sehr ehrlich beantwortet. Schaut doch mal rein ins Interview.

Wer ist Angelika Godau?

Angelika Godau hat eine spannende, wendungsreiche Vita. Geboren in Oberbayern, aufgewachsen im schönen Detmold, später nach Köln gezogen und ihr Herz für immer an diese Stadt verloren. Journalistin, später Studium der Psychologie und eigene Praxis in Mannheim. Ein fast 10-jähriger Aufenthalt in der Türkei sensibilisierte sie für das Elend von Hund und Katze. Seither gilt ihr Engagement dem Tierschutz. In „Ein Streuner mit Sommersprossen“ schildert sie für ihren „halben Herdenschutzhundes, Ben“ humorvoll den Sprung vom italienischen Straßenhund auf die Couch der Zivilisation. Danach erscheinen ihre drei „Granny-Bände“ (Gmeiner-Verlag) und dann in jährlichem Abstand fünf Pfalzkrimis um den Dürkheimer Privatdetektiv Detlev Menke und seinen cleveren Dackel Alligator, genannt Alli. 

Mit dem vorliegenden Buch hat sie sich an ein ganz neues Genre gewagt und schreibt begeistert bereits an einer Fortsetzung. Godau lebt heute mit ihrem Mann, den beiden Hunden Linda und Sam und Katze Maya in Europas Rosenstadt Zweibrücken. 

Foto: Thomas Füßler

Wer ist die Co-Autorin Luise Klein?

Luise Klein im Juli 2007 im schönen Heidelberg geboren, besucht die 9. Klasse eines Zweibrücker Gymnasiums, liebt ihren Hamster „Rüpel“, zofft sich gern mit ihrem jüngeren Bruder Lutz und ist aktives Mitglied bei den „Pfadfindern“. Auch wenn sie bisher noch keinen konkreten Berufswunsch hat, das Mitschreiben an diesem Buch hat ihr viel Spaß gemacht. Der Part der ebenfalls 14-jährigen Lara klingt daher sehr nach ihr. Außerdem verbindet sie, neben dem Schreibtalent, noch etwas ganz Besonderes mit Angelika Godau. Was das ist, erfahrt ihr im anschließenden Interview.

Interview mit Angelika Godau

Taufrisch war gestern: Angelika, man kennt dich ja in erster Linie als erfolgreiche Krimi-Autorin. Was hat dich dazu veranlasst das Genre zu tauschen und einen Familienroman zu schreiben?

Angelika Godau: Zum Krimi bin ich erst recht spät gekommen. Angefangen habe ich mit „wenn Wirbel aus dem Lot geraten“ einem Fachbuch für Interessierte Laien. Also etwas für Menschen mit Rückenproblemen. Das war sehr erfolgreich, hat sich extrem gut verkauft. Trotzdem habe ich an ein weiteres Buch nicht gedacht, bin erst mal für fast acht Jahre in die Türkei „ausgewandert“.

Dort wurde ich dann mit dem Elend von Hund und Katze konfrontiert und habe mich stark im Tierschutz engagiert. Als ich zurück nach Deutschland kam, habe ich mir einen Hund aus dem Tierschutz geholt, einen Herdenschutzhund, meinen Ben. Einen wunderbaren, nie vergessenen Freund, der leider im letzten Jahr mit fast 14 verstorben ist. Ihm habe ich mein zweites Buch gewidmet: „Ein Streuner mit Sommersprossen“. Eigentlich ein Muss für Besitzer von Auslandshunden.🙈

Danach habe ich eine Trilogie geschrieben, die ich bis heute sehr liebe. Die Granny-Bände, leider sind sie im völlig falschen Genre rausgebracht worden und daher wenig erfolgreich.😥Jetzt gerade ist es mir aber gelungen, meine Rechte vom Verlag zurückzubekommen. Ich werde sie sehr sorgfältig überarbeiten und dann neu veröffentlichen. Ob im SelfPublishing oder einem Verlag wird sich zeigen. Es sind wirklich Perlen, komisch, anrührend , berührend, romantisch und historisch korrekt. Ich weiß; Bescheidenheit ist eine Zier, aber sie sind wirklich toll.🥰

Ja, danach war wieder  Pause, aber dann habe ich mit meinen Krimis angefangen, von denen im Juli der fünfte erschienen ist. Das hat mir erst mal gereicht, zumal der Markt mit Regiokrimis ja förmlich überschwemmt wird. Jedes Dorf hat mittlerweile seinen eigenen Mörder.🤣Darum jetzt eben mal einen Familienroman und das hat so viel Spaß gemacht, dass ich an einer Fortsetzung arbeite.

Taufrisch war gestern: Was hat dich dazu getrieben in die Türkei auszuwandern? Das klingt spannend.

Ich wollte immer gern ins Warme, dahin, wo immer die Sonne scheint. Damals kam so viel zusammen: Mein Vater starb, meine Kinder hohen aus, mein Mann hatte die Möglichkeit, in denvorzeitigen Ruhestand zu gehen, meine Praxiswuchs mir über den Kopf … da sind wir „ausgestiegen“, aber mit Vorsicht und Bedacht. Haben eine kleine Wohnung in Deutschland behalten, alles alles andere hier beibehalten, also Kranken – Versicherungen und so. Zum Glück, denn wir haben viele Menschen  kennengelernt, die alle Zelte hinter sich abgebrochen hatten und dann große Probleme bekamen, gern zurückwollten und nicht konnten. Wir sind 8 Jahre geblieben, dann kam das erste Enkelkind und plötzlich war die Sonne nicht mehr so wichtig♥️

Taufrisch war gestern: Du schreibst dieses Buch ja zusammen mit deiner Koautoren Luise Klein. Wer ist sie und warum schreibst du dieses Buch in Kooperation?

Also, Luise ist meine zauberhafte Enkelin und da sie im passenden Alter wie meine Prota Lara ist, habe ich sie gefragt, ob sie mir helfen würde, die Lara wirklich gut klingen zu lassen. Hat sie hervorragend gemacht🤣

Taufrisch war gestern: Deine Figuren in diesem Buch sind wie aus dem Leben gegriffen. Wieviel steckt von dir in Inge Berger oder ist alles nur Fiktion?

Von mir absolut gar nichts. Ich bin völlig anders, würde auch völlig anders reagieren. Nur so manche Zweifel, die hätte ich vielleicht auch☺️Ich bin aber nicht so unsicher wie Inge, vor allen Dingen kenne ich mich sehr gut mit der neuen Technik aus und bin in den Sozialen Medien durchaus zuhause.

Taufrisch war gestern: Wie sieht dein idealer Tag aus?

Ich stehe gern früh auf. Spätestens um halb sieben begrüße ich meine Tiere und checke meine Nachrichten. Dann gehe ich mit meinem Hund Sam Gassi. Je nachdem, was anliegt, arbeite ich ein bis zwei Stunden am aktuellen Werk. Dann wird gekocht, ich koche nämlich gut und sehr gern. Probiere ständig neue Gerichte aus und mein Mann muss das dann essen.🤣Nach dem Essen brauche ich eine Stunde Schlaf, schon immer. Das liebe ich einfach, danach kann ich sehr konzentriert weiterarbeiten. Dann Treffen mit Freunden, der Familie, Einkaufsbummel oder mal schön Essen gehen, am liebsten zum guten Italiener. Ich liebe die italienische Küche.

Taufrisch war gestern: Wir haben zwei harte Jahre hinter uns. Was sind aus deiner Sicht die größten gesellschaftlichen Herausforderungen denen wir uns stellen müssen?

Oh je, das ist eine schwere Frage. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder dieses Trauma verarbeiten, verpasste Schulzeiten aufholen können, dass keiner den Anschluss verliert und auf der Strecke bleibt. Auch sollten möglichst viele der kleinen Betriebe Hilfe bekommen, nicht nur die großen. Na ja und dann sollten wir zukünftig dafür Sorgen, dass eine solche Herausforderung unsere Gesellschaft nicht so spalten kann. Vielen Verwirrten wurde einfach zu viel Raum gegeben, die Menschen zu wenig aufgeklärt.

Wir brauchen wieder mehr Miteinander, weniger Gegeneinander. Ich bin ja eine Mimikama, also mehr Fakten als Fakenews.

Taufrisch war gestern: Wenn Zeitreisen möglich wären, in welche Zeit würdest du reisen und gibt es jemanden, den du dort gerne treffen würdest?

Unbedingt in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit, so toll war die meist nicht, auch wenn wir sie teilweise verklären. Ich will wissen, wie es mit der Erde und der Menschheit weitergeht, ob wir die Kurve noch kriegen und wie?

Taufrisch war gestern: Wie gehst du mit Kritiken, Positiven und Negativen um? 

Ehrlich? Ich habe kein so dickes Fell, wie es manchmal aussehen mag. Ich nehme mir ungerechte Kritik schon sehr zu Herzen. Also, wenn jemand sagt: Du schreibst doch nur Scheisse, dann trifft mich das. Sagt jemand, das und das hat mir nicht so gefallen weil…dann ist das was anderes. Lob mag ich natürlich, davon hat’s früher, als ich ein Kind war, sehr wenig gegeben.

Taufrisch war gestern: Kannst du gut verzeihen? Oder gibt es etwas, dass für dich unverzeihlich wäre?

Ich habe viele Fehler, ich bin z. B. nicht sehr geduldig, aber ich bin ein treuer Freund. Wen ich mag, für den gehe ich durchs Feuer. Dem nehme ich auch selten etwas richtig übel. Ich sage, was los ist und damit ist das Thema für mich erledigt. Anders sieht das aus, wenn mich jemand wirklich hintergeht, also so richtig. Dann ist der für mich erledigt. Ist mir aber erst einmal passiert, obwohl ich echt grenzenlos vertrauensselig bin. Misstrauen gehört einfach nicht zu meinem Charakter.

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Das mißverstandene NEIN!

Foto: pixaby

Ich bin nun schon älter und meine Töchter sind junge Frauen. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass wir in unserer Gesellschaft weiter wären, als es augenscheinlich der Fall ist. Wünschenswert wäre eine Gesellschaft in der emanzipierte Frauen der Regelfall wären, genauso wie emanzipierte Männer, für die der Begriff Respekt nicht nur untereinander etwas gilt. Ich wünschte mir eine Welt, in der das Miteinander im Vordergrund steht und nicht der Machtkampf zwischen den Geschlechtern, eine Welt in der meine Töchter nicht um ihre körperliche Unversehrtheit oder sexuelle Selbstbestimmtheit fürchten müssten.

Vor allem aber wäre mir wichtig gewesen, meine Töchter in eine Erwachsenenwelt zu schicken, in der sie Schutz und Solidarität finden könnten, wären sie sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen, in der man ihnen Glauben schenken würde, wenn sie von solchen Übergriffen erzählen würden. Die Ereignisse um einen bekannten deutschen Comedian, dem von seiner Ex-Freundin sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden, zeigen zurzeit erschreckend deutlich, wie wenig unsere Gesellschaft in der Lage ist, Frauen auf angemessene Art und Weise zu begegnen, die von so einschneidenden und schrecklichen Ereignissen berichten.

Der SPIEGEL hat ausführlich über diesen Fall berichtet. Den gesamten Spiegel-Artikel findet ihr HIER. Die junge Frau hatte Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft hatte den Vorwurf überprüft. Wie der SPIEGEL berichtete, habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Vergewaltigung eingestellt, „weil sie nicht davon ausgehe, dass der Beschuldigte aufgrund der vorliegenden Beweise verurteilt werden würde.“ So und nun dürft ihr mal raten, auf welche Art und Weise dieses Juristendeutsch in der öffentlichen Diskussion interpretiert wird….

Angefangen mit dem beschuldigten Comedian, der sich noch vor der SPIEGEL-Veröffentlichung entschloss, seine bis dahin gewahrte Anonymität aufzugeben und sich auf Instagram in einem Video an seine Fans und Kollegen wandte und sagte: “ … eine Staatsanwaltschaft hat das dann geprüft, sogar eine Generalstaatsanwaltschaft … das ist also in zwei Instanzen geprüft worden … und beide kamen zu dem exakt gleichen Ergebnis, nämlich dass hier kein Tatverdacht vorliegt …“ Was soll ich sagen – ES LEBE DER KLEINE UNTERSCHIED!

Was der Comedian den Staatsanwaltschaften da in den Mund legt, klingt quasi wie ein Freispruch. Das ist aber nicht das, was der SPIEGEL aus der Ermittlungsakte, die der Redaktion nach eigenem Bekunden vorlag, zitiert hat. Nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte aufgrund der vorliegenden Beweise, verurteilt werden würde, heißt NICHT, dass die Frau lügt, etwas erfunden hat oder wie die Verteidigung des Comedians behauptet, „Scheinerinnerungen“ hat. Es bedeutet lediglich, dass zurzeit aufgrund der vorliegenden Beweise kein Urteil gefällt werden kann. Es bedeutet aber auch, dass das Ermittlungsverfahren unter bestimmten Bedingungen wieder eröffnet werden könnte, wenn sich die Beweislage, etwa durch neue Zeugenaussagen, ändern würde. Dieser Einstellungsbescheid stellt weder die Schuld noch die Unschuld eines Beschuldigten fest.

Solche Fehlinterpretationen, warum auch immer man sie veröffentlichen mag, gehören zu den Dingen, die man in solchen Fällen regelmäßig in den sozialen Medien findet. Es wird mit juristischen Begriffen herumhantiert, dass einem schwindelig werden kann, in der Regel leider ohne dass die Nutzer dieser Begriffe wissen, was sie bedeuten, welche rechtlichen Wirkungsraum sie haben und welche rechtlichen Folgen sich daraus ergeben könnten.

Genauso unerklärlich ist mir der Reflex, sich mit Schmackes schützend vor den potentiellen Täter zu werfen und gleichzeitig das potentielle Opfer zu verunglimpfen, ohne zum Beispiel Einblick in die Ermittlungsakte gehabt zu haben. Da genügt offenbar ein „Ich kenne dich schon jahrelang“ für eine Expertise und ein „Bro, ich glaube dir jedes Wort“. Ich frage mich in diesen Fällen immer, warum man sich als Kumpel nicht mal die 4 bis 5 Sekunden nimmt, zu überlegen, was man mit solchen Aussagen, die ja immer implizieren, das potentielle Opfer habe gelogen, wohl mit einer missbrauchten Frau macht, wenn bei dem Lieblings-Buddy wirklich mal etwas schief gelaufen sein sollte.

Bitte nicht falsch verstehen, ich habe großes Verständnis dafür, dass man als Freund*in eines Beschuldigten erst einmal aus allen Wolken fällt und ungläubig ist, weil man diese Person anders kennengelernt hat. Dann sollten diese Menschen ihre Solidarität aber so ausdrücken, dass sie nicht gleichzeitig das potentielle Opfer verunglimpfen. In diesem Zusammenhang wird von Laien oft die „Unschuldsvermutung“, wieder ein juristisches Prinzip, zitiert. Und sie haben recht, ein Täter hat ein Anrecht darauf als unschuldig zu gelten, bis in einem Prozess etwas anderes bewiesen wurde und er rechtskräftig verurteilt wurde (stark vereinfacht dargestellt). Die Unschuldsvermutung fordert, dass dem beschuldigten Mann aus der momentanen Situation keine Nachteile entstehen dürfen. Die Unschuldsvermutung ist aber ganz klar kein Freispruch vom Tatvorwurf und das interpretieren Viele leider falsch.

Was Freunde und Unterstützer potentieller Täter dabei leider häufig außer Acht lassen ist, dass diese Unschuldsvermutung auch für das potentielle Opfer gilt. Genau deshalb sollten diese Leute, die ja auch nur Außenstehende sind und beim Geschehen nicht dabei waren, es tunlichst unterlassen das potentielle Opfer als Lügnerin zu bezeichnen, auch nicht zwischen den Zeilen. Deshalb könnten sie den „Bro“, wenn sie es ernst meinten mit ihrer Freundschaft, trotzdem stärken. Zum Beispiel wenn sie sagen würden: „Junge, egal was damals zwischen euch passiert ist, du bekommst von mir die Hilfe, die du brauchst.“ Habe ich in der Art aber noch von niemandem gehört. Vielleicht weil sich so die Grundbedingungen für die Unterstützung zu drastisch verschieben würden?

Und alles das kann geschehen, weil sich in unserer Gesellschaft immer noch hartnäckig das Gerücht hält, dass wenn es darum geht, Grenzen einzuhalten und Respekt zu zeigen, ein NEIN nicht immer so ernst gemeint ist, dass Frauen eigentlich selber gar nicht wüssten, was sie wollten und was nicht. Solange Befindlichkeits-Sprüche wie, „man weiß ja bald gar nicht mehr, was man darf und was nicht“, gesellschaftstauglich bleiben und dazu führen, dass Männer für ihre Übergriffigkeiten nicht zur Rechenschaft gezogen werden, haben wir noch eine Menge Aufklärungsarbeit vor uns.

Wenn, wie in dem Kölner Fall, die Frau berichtet, der Mann habe sie gepackt und auf dem Bett hin- und her geschüttelt und er habe das hinterher damit begründet, er habe alle negativen Gedanken (sie hatte nein gesagt) aus ihr herausschütteln wollen, wie kann man das auch nur für eine Sekunde als akzeptables Verhalten ansehen. Selbst die abgeschwächte Form, die der Comedian eingeräumt hatte, er habe sie „ganz fest umarmt“ damit alles Negative aus ihr verschwinden würde, ändert an der Ungeheuerlichkeit nichts. Welche abgehobene Arroganz, die Frau sagt nein und anstatt zu sagen, „okay Schatz, dann ein anderes Mal“, treibt man ihr das einfach aus.

Ich frage mich tatsächlich, wie es immer noch sein kann, dass softpornografische Männerfantasien, wie etwa die Behauptung „ein besonderer Blick der Frau habe ihn dazu animiert“, trotz des deutlich ausgesprochenen NEINS, erst richtig loszulegen, mehr Glauben und Verständnis entgegengebracht wird, als der schlüssigen Schilderung einer Frau, darüber wie ein Mann sie brutal missbraucht hat.

Für diejenigen die es nicht verstehen (wollen?), ich erkläre euch das Mal. Im Grunde ist das ganz einfach. Egal wo, egal wann, egal in welcher Situation, ein NEIN ist ein NEIN und keine beliebig interpretierbare Verwirrung eines Mädchens oder einer Frau. Ein NEIN lässt keinen Raum für Irrtümer.