Kuhfladen an jungem Grün, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

Berg und Tal Report 5

Für den letzten Rest „Creme de Kuhpups“, reichten dann ausgiebige Wasser-Spiele.

In meinem heutigen Reisebericht aus dem Jodel-la-la-Land, melde ich mich von der Alm, einem in sich geschlossenen Mikrokosmos, mit eigenen Hygieneregeln und viel Herzenswärme. Unser krachledernes Nachbarland hat schon was zu bieten … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … Nur soviel vorab, dort habe ich einen ganz anderen Umgang mit Rohstoffen kennengelernt.

Deshalb kann ich wohl behaupten, dass das Land meiner Schwiegerleute, ein Ort ist, der einen auf Trapp hält und dafür sorgt, dass es niemals langweilig wird … ein Ort, der einen mit dem Duft der nackten Natur umschmeichelt und einem so die Freudentränen in die Augen treibt. Finley zieht es immer noch in Erwägung, sich eine kleine Alm anzuschaffen. Allerdings müssen Kühe, Ziegen und andere Benutzer eine Stickstoffabgabe zahlen … aus Gründen … Die Steiermark sei, so Finley als Altersruhesitz mit Rentenzubrot durchaus geeignet, solange die Sternchen nur am Himmel stehen und nicht auf Bauchhöhe Stress verbreiten würden. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen.

A guades Mittogeissn

Übersetzung: Ein gutes Mittagessen

Lebensmittel, Kochen und Essen, spielt in Österreich und meiner österreichischen Familie eine große Rolle. Das Prädikat „Gutes Essen“ wird nicht einfach so verteilt, egal ob es sich um ein privates Essen handelt oder um ein Menu im Restaurant. Hat man mal ein Lokal gefunden, wo es allen geschmeckt hat, kehrt man dort immer wieder ein.  Denn in dieser Hinsicht und das hat er mit dem Hanseaten gemein, ist der Steirer kompromisslos treu.

Deshalb ist es bei uns zur norddeutschsteirischen Tradition geworden die Karlhütte am Etrachsee anzusteuern, wenn wir unsere Verwandten in Murau besuchen. Unsere Tante kannte schon den alten Karl, den Gründer des Restaurants und hatte als Gast inzwischen schon zwei Generationswechsel mitgemacht. Deshalb war die Einkehr dort auch immer ein wenig wie ein Besuch bei Freunden.

Was mog des Hundiii

Übersetzung: Was darf es für den Hund sein

Was unsere Stippvisiten für mich dort zu einer runden Sache machte war, dass der junge Karl und seine Belegschaft sehr große Tierfreunde waren. Finley und alle anderen Tiere sind dort herzlich willkommen. Bevor noch die Bestellung aufgenommen wurde, stand schon ein Hundenapf mit frischem Wasser vor meinem Hund und ob im Vorbeigehen oder beim Streicheln und Loben „mei bist du a schöner Bua“ verschwanden etliche Leckerchen im Schlund meines Hundes. 

Wir menschlichen Gäste wurden aber genauso verwöhnt. Der junge Karl und seine Frau waren Parade-Gastronomen, wie aus steirischer Lärche geschnitzt. Jeder kleine Sonderwunsch ihrer Gäste wurde, wenn es möglich zu machen war, mit einem freundlichen „joa, aber sicher“ erfüllt. Ich orderte dort jedes Mal das wohl beste Wiener Schnitzel, dass man in der Steiermark bekommen konnte. Die Panade gelbkross ausgebraten aber nicht trocken, dass Kalbfleisch schön flachgeklopft und unglaublich zart. Im Zusammenspiel mit dem selbstgemachten Preiselbeeren Kompott öffnete sich das Tor zum kulinarischen Himmel, bei jedem Bissen ein kleines Stückchen mehr. 

Die Umgebung dort war ein Traum. Saftiger, grüner Rasen auf dem Kühe weideten, ohne abgrenzenden Zaun, ganz ruhig und ohne die Gäste zu erschrecken. Irgendwo in der Ferne hörte man ab und an das dumpfe Moll der Kuhglocken erklingen. Menschen, Kühe, Hunde, Katzen, alle in einem friedlichen Miteinander an demselben Platz. In diesen Höhen wehte immer ein leichter Wind. Bei den diesjährigen Sommertemperaturen eine Wohltat. Er trug den leichten Duft von Kiefernnadeln zu unseren Tischen. Das war Balsam für meine Städterseele, hier konnte man Kraft tanken. Und Finley lag derweil neben dem großen Holztisch und folgte den Kühen mit den Augen. Von seinem Jagdtrieb war nichts zu merken. Hach….

Dafrurn san schau vü, dastunga nu kana

Übersetzung: Erfroren sind schon einige, erstunken noch keiner

Nach dem Essen ging es dann über die grünen Wiesen um den See herum. Wir durften Finley von der Leine lassen. Es machte einfach Spaß ihm zuzusehen, wie er da ausgelassen über die Wiese tollte, ohoh…. neeeein!!! Das hatten wir nun von dieser Entspannungsarie. Ich war wohl nicht aufmerksam genug gewesen und hatte es nicht kommen sehen. Finley peilte zielgerichtet den nächsten auf der Wiese abgeflatschten Kuhfladen an. 

Ich gab wirklich alles: „Hierher! Stooooop!! Doppelpfiff!!! HUHUUUHHH!!! WageesnichtDudickköpfigerBlubberko…*++**#*#**!“

Nichts was wir einmal eingeübt hatten, konnte ihn noch stoppen. Als er da so trügerisch ruhig bei uns am Tisch gelegen hatte, hatte der Banause die Kühe wohl beim Absetzen beobachtet. 

Als echter Retriever hatte er die Fallorte der Kuhfladen markiert und auf seine Chance gelauert.

Ois hoib so wüd

Übersetzung: Alles halb so wild

Ich musste hilflos zusehen, wie sich mein frisch getrimmter Hund mit Wonne und Anlauf in einen dieser Kuhfladen schmiss und sich in der grünlichen Masse drehte, wie ein Rollbraten im Gemüsefond. Und damit hier jedem das Ausmaß des Geschehens klar wird, wir reden über Kuhfladen von geschätzt 1,50 m Durchmesser und einem Fassungsvermögen von gefühlt etwa 25 Litern Öddelflüssigkeit, mit einem Sprenkelradius um die drei Meter. Mindestens! Warum auch nicht, schließlich kamen sie ja von steirischen Kühen. 

Nachdem Finley sein Tagewerk erledigt hatte, sah er ein bisschen aus wie der ockergrüne Yediritter Yoda aus Starwars. Von nun an war die olfaktorische Macht mit ihm. Hätte er irgendwelche territorialen Ansprüche an die Alpenrepublik gestellt, glaubt mir, er hätte sich durchgesetzt. Nur kämpfen er nicht musste, weil zum Himmel er stank …. *würg

Glei spüt’s Granada auf da Gummigeign

Übersetzung: Das sieht nach Ärger aus

Panik kroch in mir hoch, ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „BITTE, NICHT SCHÜTTELN. Wir werden alle sterben ….“, dachte ich. Die Vorstellung, dass meine Familie nach unserem Ausflug aussehen könnte, wie ein Rudel Dalmatiner, hatte in diesem Moment wenig positive Aspekte für mich. Nun ich wurde erhört, er schüttelte sich nicht. Danke, Schutzengel.

Gott sei Dank lag der Etrachsee, mit seinem klaren Wasser ja in Sehweite und es gelang mir, Finley mit einem fachgerechten „braves Hundi, geh planschen“ von uns weg, ins kühle Nass zu dirigieren. Sobald er das Wasser erblickt hatte, darum musste man ihn da nie lange bitten, sprang mein Yoda in die Fluten. 

Eine meiner Töchter, die Motte, hat sich dann erbarmt und ist hinterher gegangen und hat ihn gewaschen. Finley genoss die massierenden Bewegungen sichtlich, meine Motte offensichtlich nicht. Sie rümpfte die Nase und sagte: „Also echt, wenn der nachher auch noch so stinkt, setze ich mich nicht ins Auto. Nicht cool Finley, nicht cool…“.

Während ich derweil versuchte, den Kuhpups aus Finleys geflochtenem Fettlederhalsband zu waschen, beobachtete ich, wie sich um meine beiden eine gigantische, grüne Lache bildete. Ja, Scheiße treibt oben. Von weitem konnte man den Komplex für Entengrütze halten. Auch wenn das in diesem See, für Ortskenner ein wenig ungewöhnlich wäre. 

Ich liebe diesen See. Die ruhige Wasseroberfläche vermittelt einem das Gefühl von Ruhe und Frieden.  Dieses Gefühl wird ab und an von einer Entenfamilie unterbrochen, die ihren Küken das Schwimmen beibringt. Je nachdem, wie gerade das Sonnenlicht einfällt, funkelt das Wasser in tiefen bläulichen oder grünen Aquatönen. Es ist so klar, dass man auch noch dort, wo es tiefer wird, auf den Grund schauen kann. Eigentlich …

Noch was da gustat, kannst da net grausen

Übersetzung: Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird

An diesem Tag allerdings, konnte man beobachten wie eine riesige Lache aus Kuhpupslake langsam aber zielgerichtet auf den Teil des Sees zutrieb, in dem der junge Karl seine Forellenzucht betrieb. „Forelle Müllerin Art“ war nämlich eine der Spezialitäten meines Lieblingslokals, für die sie über alle Ortsgrenzen hinaus berühmt waren. Die Gäste konnten sich ihre Forelle in einem Auffangbecken aussuchen. Die wurde dann gefischt und zur Verarbeitung in die Küche gebracht. Frischer konnte man Forelle nicht zubereiten, als so.

Wir haben unseren – aus Gründen – sehr ausgedehnten Spaziergang um den See dann trotzdem noch sehr genossen. Finley musste allerdings an der Schleppleine bleiben. Ein Schlammbad am Tag musste reichen. Die Tante und unser Cousin sammelten unterwegs ein paar Pfifferlinge, für das Mittagessen am kommenden Tag.

Am Auto angekommen war Finley durchgetrocknet und wir fuhren los. Durch unser Fahrzeug waberte ein leichtes Bouquet von „Eau de Kuhfladè No 5“.  Zum Mindesthaltbarkeitsdatum des Kuhfladen-Aromas, sei kurz angemerkt – es dauert einen Sommerurlaub lang … mindestens.

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert, meine Motte heißt zwar nicht Motte, möchte Ihren Klarnamen aber gerne für sich behalten, weil die Mama oft „soooo peinlich“ ist.  Ferner wurde keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist Finleys geheimes, steirisches Leben. Wenn er damit klarkommt, schafft Ihr das auch. Eine Anmerkung noch zu den Forellen … es geht ihnen den Umständen entsprechend gut, sagt der junge Karl. Etwaige Unstimmigkeiten haben wir durch eine großzügige Spende an den örtlichen Forellenzuchtverein, „So silbrig glänzen eure Schuppen“, ausräumen können. Von den vorgearbeiteten 100 Sozialstunden sind vom letzten Mal noch ein paar übrig geblieben, die hält Finley sich auf der Hinterhand. Bei Nachfragen wendet Ihr euch am besten an seinen Bewährungshelfer.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

Demnächst hier auf diesem Blog: Gern hätt‘ er die Frauen geküsst … Sternchen im Ausnahmezustand … Berg und Tal Report 6

Wer die ersten Teile meines Berg und Tal Reports versäumt hat und Lust hat, mehr zu lesen, findet die ersten zwei Teile hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften:

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte … Berg und Tal Report 2

Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

Holadriiiööö, Heidifeeling, herrliche Ruhe … Berg und Tal Report 4

Das Ding mit den Bienchen und den Blümchen

Interview mit Imkerinnen in der neuen Podcastfolge auf Stengel &Strauch

Der Frank hat sich mit zwei Imkerinnen aus seiner Nachbarschaft unterhalten und dabei haben sie nicht nur leckeren Honig, sondern der Frank auch ein paar sehr interessante Informationen aus den Beiden „herausgeschleudert“.

Ich jedenfalls muss wohl einmal mein persönliches Verhältnis zu Buchsbaum überdenken. Statusentwicklung ist im Moment so, ich … wie soll ich’s sagen … finde ihn doof … er nervt irgendwie … nimmt meinen Blühpflanzen den Platz weg … ich schäme mich ein bisschen … okay, einen kann ich ja auch mal pflanzen … angeblich blüht er, sagen die Imkerinnen … aber dann schneide ich ihn in Form … ein Plan reift …

Viel Spaß beim Zuhören.

#allesdichtmachen … Seid Ihr Noch Ganz Dicht?

#zuvielsendungsbewußtseinmeinelieben

Kunst ist wichtig, sie darf fast alles und ist zurecht gesetzlich durch die Meinungsfreiheit geschützt. Satire als Kunstform hat in Deutschland eine lange Tradition. Satire ist wichtig, sie darf angreifen, auch die Mächtigen, die Medien, die Regierung. Sie darf kritisch und hart sein. Manchmal ist sie auch schmerzhaft. 

Satire sollte aber auch Augenmaß beweisen können. Und das haben die 50 Schauspieler, die sich für die Aktion #allesdichtmachen zusammengefunden haben, tja wie soll ich es ausdrücken … nicht bedacht … nicht gewusst … nicht gekonnt … nicht gewollt … 

Es ist auch nicht so wichtig, wie dieser Satz endet, denn jede Variante ist für sich gesehen einfach, nochmal tja, wie soll ich es ausdrücken … peinlich … unmöglich … traurig … ignorant … narzistisch … verantwortungslos … oder alles zusammen?

#achtzigtausendtoteihrspacken

In 53 kurzen Videos schütteten diese Schauspieler Ihren ätzenden Spott über dem Großteil der Bürger aus, die bereit sind für eine gewisse Zeit ihr Ego an die Seite zu stellen, um zu tun, was getan werden MUSS, damit sich die Situation in der Pandemie für ALLE verbessern kann. Masken tragen, Hygieneregeln, Abstand halten, Kontakte einschränken, alles überflüssig, wenn man ihnen Glauben schenken würde. Und dass, obwohl es Fakt ist, dass seit Beginn der Pandemie bis heute, 80.000 Menschen an diesem schrecklichen Virus gestorben sind. 

Haben diese abgehobenen Ego-Video-Shooter sich eigentlich mal gefragt, wie sich die Angehörigen, Mütter, Väter, Kinder und Enkel dieser Toten fühlen müssen, wenn sie sich diesen gequirlten Mist ansehen. Das sind Menschen, die mit der harten Realität konfrontiert gewesen sind, die ihren Vätern, Mütter oder Kindern beim Sterben nicht zur Seite stehen durften und sich nicht richtig verabschieden konnten.  

#zweituetenatmungbringtnix

Keine Drehbuch-Märchen, ihr Künstler, das sind grausame Verluste, mit deren seelischen Auswirkungen die Hinterbliebenen bis heute zu kämpfen haben. Glauben Sie, Richy Müller wirklich, dass es hilfreich oder unterhaltsam ist für Menschen, die ihre Verwandten am Beatmungsgerät haben sterben sehen, wenn Sie öffentlich in zwei Plastiktüten atmen und die Zwei-Tüten-Atmung propagieren?

#haeuslichegewaltistreal 

Es ist geradezu blanker Hohn, wenn Tatort-Kommissar Felix Klare (Video inzwischen zurückgezogen) erzählt, dass er seine vier Kinder, gäben sie Widerworte, auch schon mal übers Knie legen würde. „Natürlich“ habe unsere Regierung ihn zu diesem Verhalten inspiriert. Oder Schauspieler José Barros (Video inzwischen zurückgezogen) eine Anleitung herausgibt, wie man seine Kinder besser verprügeln kann. Mit Gegenständen zuzuschlagen sei so viel unpersönlicher. Sind diese Schauspieler eigentlich wirklich so desinformiert, dass sie nicht wissen, dass genau das der Alltag für viele Kinder und Jugendliche ist? Was, um Himmels Willen, löst so ein Video in einem Kind aus, dass zuhause täglich roher Gewalt ausgesetzt ist … ich möchte es mir gar nicht vorstellen.

#solldaseinwitzsein

Die besondere Sorge der selbsternannten Demokratiewächter, ist der von ihnen heraufbeschworene Verlust der Meinungsfreiheit. Die Regierung entmündige uns Bürger, uns Frauen besonders, wenn man den schillerlockenähnlichen Hirnwindungen von Nina Proll folgen wollte. Will ich aber nicht, weil es Blödsinn ist, was die Frau da quatscht. Meine Realität sieht anders aus. Ulrike Folkerts Einlassung, „Mehr Maßnahmen gibt mehr Meer“, kommt zwar sehr nah an einen Ringelnatz heran, sollte aber auch nicht als Kunst durchgehen … auch nicht als Satire, oder habt ihr gelacht? Inzwischen ist das wohl auch Ulrike Folkerts aufgefallen, sie hat Ihr Video inzwischen entfernen lassen.

#wohlstandsprotestlinge

Es sind keine Nonames, die sich da gerade hervortun, es ist die Hautvolé der Fernsehbranche. Leute wie Jan Josef Liefers, Wotan Wilke Möhring, Ulrich Tukur, Martin Brambach, Meret Becker und Ulrike Folkerts, alle fest engagierte, von öffentlichen Sendern bezahlte Tatort-Kommissare. Es sind also Diejenigen, deren Einkommen, trotz der Pandemie, gerade durch die von ihnen, mit Häme überschütteten Sicherheitsmaßnahmen gesichert wurde, weil sie so weiterdrehen konnten. 

Oh, nur um schon einmal vorzubauen. Ich bin nicht dafür, dass man diesen Schauspielern ihre Rollen wegnehmen soll. Im Gegenteil, ich finde sie sollten sehr hart arbeiten für ihre Gage. Meiner Meinung nach, ist das viel besser, als wenn diese Leute auch noch Geld von dem Staat bekommen würden, um über die Runden zu kommen. Denn das würden sie im Fall des Falles bekommen, von der Regierung, die in ihren Augen alles aber auch alles falsch macht.

#ignoranzistkeinekunst

Ich habe mir tatsächlich alle Videos dieser Aktion angesehen, in der Hoffnung auch nur einen klitzekleinen Funken Sinnhaftigkeit in der ganzen Aktion zu erkennen. Am Ende muss ich sagen, nein es macht keinen Sinn für mich. Es hilft niemandem, wenn Martin Brambach zum Atmen in sein Schlafzimmer geht. Es ist unwichtig, wenn Nadja Uhl behauptet, das Schweigen gelernt zu haben und es dann leider doch nicht tut. Es ist keine Kunst, wenn Ulrich Tukur in diesem Zusammenhang ein Gedicht über den Tod zitiert und die Regierung danach auffordert aus Fairnessgründen alle Wirkungsstätten der Republik zu schließen. 

Nein, ich kann für uns „willfährige“ Normalbürger keinen Mehrwert in dieser Aktion erkennen, nur für die Egos der Protagonisten. Eines ist jedenfalls sicher, es hat Ihnen Aufmerksamkeit eingebracht und auch viel Zuspruch. Alice Weidel, die AFD Vorsitzende, war außer sich vor Begeisterung. Corona-Leugner Attila Hildmann fand das Projekt so gelungen, dass er es auf seinen sozialen Medienkanälen geteilt hat. Herzlichen Glückwunsch dazu. Man sucht sich seine Gesellschaft immer selber aus. Zweifellos geht es Künstlern schlecht in diesen Zeiten. Ich kann verstehen, dass Frust, Angst, Wut und Zorn wachsen. Sich darüber zu beschweren ist legitim. Wenn das auf sachlicher Ebene geschieht, mit klaren Argumenten, ist das in Ordnung.

#meinungsfreiheitsturmerprobt 

Natürlich haben die teilnehmenden Künstler inzwischen auch viel Gegenwind bekommen, harte Kritik, Aufforderungen die Videos zu löschen. Vorwürfe sie seien Pandemie-Leugner wurden laut, oder wenigstens Sympathisanten. Genauso schnell standen aber diejenigen bereit, die sie verteidigten. Fast reflexhaft erfolgte die Einordnung der Kritik. Sie sei ein massiver Angriff auf die Meinungsfreiheit. Die Beiträge seien unverkennbar Satire, das müsse man aushalten können.

Ich sehe es so. Die teilnehmenden Schauspieler*innen sind alle medienerfahren. Sie hätten diesen Sturm der Empörung kommen sehen können. Oder war das beabsichtigt? Die Kritik an den Videos der Kunstschaffenden fiel meiner Meinung deshalb so harsch aus, weil sie mit ihrer zynischen Aktion die Narrative der Corona leugnenden Verschwörungstheorien bedient haben. Nicht etwa, weil sie die Regierung kritisiert haben. Dass das Handeln unserer Regierung zu Unzufriedenheit führt und Kritik hervorruft ist nicht neu, das regt niemanden mehr auf. Wenn die teilnehmenden Schauspieler dafür jetzt harsche Kritik einfahren, dann ist das kein Angriff auf die Meinungsfreiheit dann ist das kein unkontrollierter Mob, dann ist genau DAS auch Meinungsfreiheit.

Satire muss man aushalten, heißt es immer wieder. Stimmt! Aber sie muss mir nicht gefallen und ich darf sie kritisieren. Das wiederum müssen dann die kritisierten Künstler aushalten. That’s the game.

#wuschundweg

Von den ursprünglich 53 Videos sind, Stand jetzt, nur noch 42 auf Youtube zu sehen. Ein paar Künstler haben ihre Videos zurückgezogen. Die Motivlage für dieses Handeln ist diffus. Heike Makatsch hat sich entschuldigt und sich von rechtsextremen Gruppen und Verschwörungstheoretikern distanziert. Jan Josef Liefers hat ein ellenlanges Statement abgegeben und auch sonst ist in der Angelegenheit sicherlich noch nicht das letzte Wort gesagt oder geschrieben worden.

Die K-Frage, mit Volldampf in die Krise

Wie eine Volkspartei die Basishaftung verliert

Nun wissen wir es, Armin Laschet soll die CDU/CSU bei der kommenden Wahl als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führen. So will es die CDU. Die CSU geht mit, Söder akzeptiert, die CSU-Spitze wünscht „dem Armin“ Glück, alle wollen sich gegenseitig unterstützen, das gemeinsame Ziel zu erreichen. 

Gerade haben meine Finger beim Tippen ein wenig gezittert, als ich das geschrieben habe. Denn das ist zwar die offizielle Version, der Geschehnisse der letzten Tage, dennoch weiß jeder, dass mit meinem ersten Absatz inhaltlich einiges nicht stimmt, auf vielen Ebenen. 

Meine kleine Einleitungs-Analyse:

Fangen wir doch mal mit den Glückwünschen an. Ob der Herr Söder „dem Armin“ wirklich soviel Glück auf seinem Weg wünscht, wage ich in Zweifel zu ziehen. Nicht weil ich den Herrn Söder nicht mag, nein. Sondern weil es immer schwierig ist, von einem Plan zurückzutreten und jemand anderem Platz zu machen. Das ist insbesondere dann schwierig, wenn die ganze Nation deutlich erkennen konnte, dass die zurücktretende Person die bessere Besetzung für den Posten war … also präzise gesagt, alle konnten es erkennen, ausgenommen Herr Laschet und ein Großteil seines Präsidiums. 

Die nächste Ungenauigkeit im offiziellen Statement liegt wohl darin, zu behaupten, dass „die CDU“ den Herrn Laschet gern als Kanzlerkandidaten hätte. Genaugenommen war es das Präsidium, dass es so bestimmt hat und zwar gegen großen inneren Widerstand aus der eigenen Partei. Als erster CDU-Ministerpräsident sprach sich Reiner Haseloff aus Sachsen-Anhalt für Markus Söder aus. Es folgten Tobias Hans aus dem Saarland und Michael Kretschmer aus Sachsen. Landwirtschaftsministerin und Präsidiumsmitglied Julia Klöckner selbst stützte Armin Laschet, allerdings nicht, ohne deutlich zu sagen, dass sie wisse, dass ein großer Teil ihrer Parteibasis das anders sehe. Auch der Schleswig-Holsteiner Daniel Günther versuchte seine Partei auf Laschet einzuschwören, mit mäßigem Erfolg, denn auch dort machten die Partei-Basisgremien und ihre Vertreter öffentlich überdeutlich, dass sie Söder präferieren würden. 

Auch die Junge Union votierte für Söder, ein politisches Novum, das war so noch nie dagewesen. Überhaupt kann man als Trend festhalten, je mehr man Richtung Parteibasis forschte, desto klarer und zahlreicher konnte man die Pro-Söder-Stimmen hören. Leider verklangen sie ungehört, ihrer Bedeutung beraubt, im politischen Ego-Nebel des CDU-Anwärters.

Schade, hier hat die CDU eine gute Gelegenheit verpasst, Wählerstimmen zurückzugewinnen. Söder wäre sogar hier bei uns im Norden gut wählbar gewesen. 

In meinen Augen hat die Entscheidung für Herrn Laschet nur eines ganz deutlich aufgezeigt, wie groß die Bereitschaft bei der CDU ist, den Willen ihrer eigenen Basis, der nachrückenden Jugend und auch den Bürger-Wunsch zu ignorieren, wenn es um antiquierte Machtansprüche geht. Das kann sich nur negativ auf das kommende Wahlergebnis auswirken.

Ich habe nicht das Vertrauen, dass es Herrn Laschet in den wenigen, verbleibenden Monaten gelingt, so etwas wie ein verlässliches Profil zu entwickeln. Aus meiner Sicht, waren seine Entscheidungen der letzten Monate schwankend, wie ein Matrose auf Landgang, und mehr auf sein eigenes, politisches Vorankommen ausgerichtet, als auf vorsichtiges, wirksames Handeln, das Virus betreffend. Immer ein wenig zu spät, immer am populistischen Meinungstrend ausgerichtet und nur dann bereit unangenehme Entscheidungen zu treffen, wenn es gar nicht mehr anders ging. Verantwortliches Handeln sieht anders aus. Man ertappt sich ja dabei, zu hoffen, dass Söder noch zur Verfügung steht, wenn Herr Laschet das Ding an die Wand gefahren hat, denn das wird er.

Ich habe die ganz große Befürchtung, dass ausgerechnet die AFD von der Entscheidung des CDU-Präsidiums profitieren wird, auch wenn aktuelle Umfragen das zurzeit nicht bestätigen. Allerdings zeigen sie sehr deutlich, wer eigentlich profitiert von den Vorgängen in der CDU. Die jüngste Forsa Trendumfrage, so berichtet das Handelsblatt heute morgen, zeigt einen dramatischen Rückgang der Prozentzahlen bei der Union. Ihre Prozentwerte stürzten von 28 % auf 21 % ab.

Die Grünen schnellten um fünf Punkte nach oben und verdrängten die Union mit nunmehr 28 % vom Spitzenplatz der umfragestärksten Partei. Die SPD rutschte zwei weitere Prozentpunkte ab auf 13 %. Dafür gewann die FDP dazu und landete vorerst bei 12 %. Orientiert man sich an diesen Werten, kann man sagen, wenn heute gewählt würde, dann wäre eine Regierungsbildung ohne die Union möglich und sogar wahrscheinlich. Bravo Jungs und Mädels, da habt Ihr ganze Sache gemacht.

In einer weiteren Umfrage zeigte sich, dass würde man den Kanzler*in direkt wählen können, zurzeit die Grünen-Kandidatin, Annalena Baerbock das Rennen machen würde. Etwa 32 % der Bundesbürger würden sie wählen, jeweils nur 15 % würden für den SPD-Kandidaten Olaf Scholz oder Armin Laschet stimmen.

Ohne jetzt auf die unterschiedlichen Partei- oder Wahlprogramme eingehen zu wollen, kann man wohl behaupten, dass es den Grünen in der Außenwirkung gut gelungen sein muss, dem Wähler zu vermitteln, dass sie eine bürgernahe Partei sind. Dass sie eine zukunftsweisende Politik machen wollen, während die Konkurrenzparteien sich mit ihrer Entscheidung für Laschet, entschlossen haben, einfach so weiter zu machen. Und das obwohl der Spruch „Es-gibt-kein-Weiter-so“, nach dem letzten Wahldebakel gerade bei der Union, inflationär genutzt wurde und zum geflügelten Wort fast jeder öffentlichen Rede geworden war. 

Potsdamer Ganoven

Ein Kriminalroman von Hanna C. Bergmann

Ich bin bekennender Krimi-Fan beim Lesen genauso, wie beim Fernsehen schauen. Allerdings kann man mich als Leser nicht ganz so leicht einzufangen, da bin ich als ehemalige Strafrechtlerin wohl vorbelastet. Finde ich logische Brüche im Plot, rechtliche Ungereimtheiten oder menschlich vollkommen abwegige, konstruiert wirkende Beziehungsstrukturen, dann lege ich das Buch zur Seite und schaue nie wieder rein. 

Wenn Ihr da ähnlich kompliziert seid wie ich, habe ich fantastische Nachrichten für Euch. Hanna C. Bergmann ist eine echte Entdeckung für mich. Als ich anfing, die „Potsdamer Ganoven“ zu lesen passierte es. Ich geriet in einen Strudel und tauchte mit dem ersten geschriebenen Wort ein in das Geschehen. Das liegt ganz sicher nicht nur daran, dass frühzeitig ein Mord begangen wurde. 

Denn gleichzeitig gelingt es der Autorin ein sehr präzises Bild von den Lebensumständen in der Weimarer Republik zu zeichnen. Gefühlvoll dringt sie in Familiengefüge ein und zeigt was sich hinter dem schönen Schein verbirgt. Sie zeigt Standesunterschiede auf und beschreibt, wie es Denen ergeht, die diese durchbrechen wollen. Man lernt, dass in dieser Zeit Frauen nicht immer das dürfen, was sie wollen und was vernünftig wäre und begleiten Gisela dabei, wie sie sich einen Weg sucht, heraus aus dieser Enge. Und in mir entsteht beim Lesen Dankbarkeit, Dankbarkeit für meine Urgroß- und Großmütter, die es geschafft haben, mir und meinen Mädchen ein so viel freieres Leben zu ermöglichen.

Was mich fasziniert, sind die historischen Genauigkeiten, angefangen bei der Straßenführung im früheren Berlin und Potsdam, sei es bei den Beschreibungen der Häuser und ihrer Einrichtungen oder aber auch in der Sprache der Protagonisten. Ich habe mich öfter gefragt, ob alle Figuren erfunden waren oder ob es den*die eine*n oder anderen Mitspieler*in real gegeben hatte. Das Kenne ich in dieser Qualität bisher nur aus Klassikern wie Agatha-Christie-Romanen oder von den Kriminalfällen um den französischen Kommissar Jules Maigret. Jedes Detail, dass Hanna C. Bergmann schildert, hätte auch so passiert sein können. 

Liebe Hanna … liebe Karin, das Buch ist der Knaller. Ich hoffe es wird eine Reihe daraus, denn dann könnte ich mich schon auf den nächsten Fall freuen.

Die Autorin

Hanna C. Bergmann heißt eigentlich Karin Joachim. Sie wurde in Bonn-Bad Godesberg geboren und lebt seit über 20 Jahren im Ahrtal. Die studierte Germanistin und Anglistin sowie ehemalige Leiterin eines archäologischen Museums ist heute als freiberufliche Autorin tätig. In ihrer Freizeit ist Karin Joachim mit ihrem Border Terrier unterwegs, mit dem sie die Natur erkundet. Besonders gerne besichtigt sie historische Orte sowie Parks und Gärten im In- und Ausland.

Karin Joachim, alias Hanna C. Bergmann

Interview mit der Autorin

Taufrisch war gestern: Du schreibst Dein Buch „Potsdamer Ganoven“ unter dem Pseudonym Hanna C. Bergmann. Warum nicht unter Deinem schon bekannten Autorennamen?

Mein Verlag wollte damit die verschiedenen Reihen, die unter meinem Autorinnennamen bei ihm erscheinen,  unterscheidbarer machen: Meine Ahr-Krimis sowie meine zeitgeschichtlichen Romane rund um die junge Kölnerin Karolina Offermann, und die Potsdam-Reihe, deren erster Band die „Potsdamer Ganoven“ sind.

Taufrisch war gestern: Wie bist Du auf den Namen Hanna C. Bergmann gekommen?

Die Namenswahl hängt eng mit der Geschichte meiner Familie zusammen. Das C. steht für eine andere Schreibweise von Karin.

Taufrisch war gestern: Was muss eine Idee Dir bieten, damit Du den Wunsch verspürst, ein Buch daraus zu machen?

Die Ideen gehen mir im Moment nicht aus. Ich schreibe sie alle auf und beginne dann zu recherchieren: Gibt es genügend Material, ist es zugänglich? Das sind wichtige Fragen, denn in meine Romane – auch in die Ahr-Krimis – fließen historische Begebenheiten ein. Kann ich zentrale Fragen nicht genau genug beantworten, rühre ich das Thema zunächst gar nicht an. Meine Figuren lege ich so an, dass sie Potential für eine Entwicklung besitzen, aber sich auch mit Konflikten beschäftigen, zum Beispiel einer  Unzufriedenheit mit dem Job, ihrer Rolle als Frau. In den „Potsdamer Ganoven“ gibt es einige dieser Konflikte, was auch der Zeit geschuldet ist, den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Es dominieren darin ganz grundsätzlich die Sorgen der Menschen, aber auch die Hoffnungen auf ein besseres Leben. In den 1920er-Jahren änderte sich außerdem das Leben für die Frauen. Selbstbestimmung, Wahlrecht wurden Themen.

Taufrisch war gestern: Ich habe in letzter Zeit auf Facebook viele Deiner Acrylmalereien bewundert. Beides, das Malen und das Schreiben sind kreative Prozesse. Wo siehst Du den Unterschied zwischen Beiden?

Ich male mit Acryl, weil sich mir damit größere Möglichkeiten ergeben als mit Öl- oder Aquarellfarben, mit denen ich früher gemalt habe. Das Malen ist noch einmal eine andere kreative Ebene als das Schreiben. Aber auch da gibt es beim Bildaufbau zum Beispiel einiges zu beachten: Das Bild muss Spannung enthalten, es muss etwas geben, das die Betrachter ans Bild fesselt,  es gibt darin ruhigere und belebtere Bereiche, manchmal steht ein bestimmtes Motiv im Vordergrund, mal wird eine besondere Stimmung vermittelt. Das sind im Grunde Ähnlichkeiten mit dem Schreiben. Bevor ich schreibe, plotte ich, bevor ich anfange, mit dem in Farbe getauchten Pinsel über die Maloberfläche zu streichen, habe ich mir die Bildkomposition bereits überlegt, die Farbauswahl etc. Das Schöne am Malen: Du siehst das Ergebnis sofort.  

Taufrisch war gestern: Wahrscheinlich hat Corona auch Dein Leben verändert. Ich habe in vielen Gesprächen festgestellt, dass jeder von uns nur einen Bruchteil dieser Krise bewusst wahrnimmt. Welche Aspekte sind für Dich besonders wichtig?

Mein privates Leben ist zum Glück nicht so sehr erschüttert, da ich immer schon viel in der Natur unterwegs bin. Museums-, Theater- und Konzertbesuche fehlen mir dagegen sehr. Auch die kleinen Auszeiten, z.B. eine Reise ans Meer oder in mein geliebtes Potsdam, aber auch die Recherchereisen, die jetzt nicht stattfinden. Beruflich ist es also schwierig für mich als Freiberuflerin, da außerdem die Gelegenheiten entfallen, meine Bücher direkt vorzustellen: Lesereisen, Lesungen, Signierstunden sind nicht möglich.  Da ich meine Lesungen als eigene Programme gestalte, ist das ein ziemlicher Verlust für mich, den auch Webaktivitäten nicht wettmachen können. Im letzten Jahr erschien mein Roman „Großstadtflüstern“. Es war geplant, meine Lesung mit der Live-Musik eines Salon-Ensembles zu kombinieren, das Filmmusik spielt. Passend zum Thema Stummfilm, das meine Romanreihe um Karolina Offermann bestimmt. Es wäre so eine tolle Möglichkeit gewesen, meinen Leserinnen und Lesern einen einzigartigen Abend zu bereiten. Ja, der persönliche Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern fehlt mir sehr.

Taufrisch war gestern: Wie möchtest Du leben, wenn Du 80 bist?

Gesund und ansonsten nicht anders als heute. Wenn ich weiter schreiben und malen kann, wäre das das größte Geschenk für mich. Vielleicht dann in einem Häuschen am Meer …

Taufrisch war gestern: Kannst Du gut verzeihen oder gibt es etwas, was für Dich unverzeihlich wäre?

Unverzeihlich ist für mich nur wenig. Ich finde, Menschen haben eine zweite Chance verdient. Aber Unehrlichkeit, Lügen auch grundsätzlich Neid und Missgunst finde ich im Umgang wirklich schwierig.

Taufrisch war gestern: Ich nutze die neue freie Zeit auch dafür, endlich einmal auszumisten. Wie ist das bei Dir? Kannst Du Dich gut von Dingen trennen? Und wenn ja, von welchen?

Ich musste vor einigen Jahren notgedrungen ganz extrem ausmisten, da wir einen schlimmen Wasserschaden hatten. Leider gingen dabei auch ganz besondere Stücke unwiederbringlich verloren, Dinge, an denen mein Herz hing. Seitdem lebe ich mit weniger Gepäck, schaffe mir auch nicht mehr so viel an, lebe insgesamt noch nachhaltiger. Sammle lieber Erinnerungen und Momente.

Taufrisch war gestern: Als Autorin und Künstlerin, gibst Du deinen Lesern viel und machst Dich dadurch auch verletzlich. Gibt es im Gegenzug etwas, was Du dir von deinen Lesern wünscht?

Das ist eine Frage, die mich sehr berührt. Darüber habe ich eigentlich noch gar nicht aktiv nachgedacht, da ich keine Erwartungshaltung an meine Leserinnen und Leser habe. Aber wenn ich so überlege, ja, ich wünsche mir noch mehr Austausch mit ihnen, also gerne auch Fragen an mich oder Berichte, wo sie meine Bücher lesen, ob sie z.B. auf Spurensuche an den Schauplätzen gehen, was sie vielleicht überrascht hat, weil sie es vorher nicht wussten, wo sie meine Bücher entdeckt haben. Ach ja, und gerne dürfen sie auch anderen von meinen Romanen erzählen.  

Taufrisch war gestern: Danke, dass Du mir dieses doch sehr persönliche Interview gegeben hast, liebe Karin. Und wenn Ihr noch Fragen oder Anregungen für Karin habt, dann kontaktiert sie doch über ihre Website, die findet Ihr HIER.

Dieser Artikel enthält Werbung. Der obenstehende Link ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr Euch entschieden habt, das Buch zu kaufen und den Weg über diesen Link in meinem Blog zu gehen, würde mich das sehr freuen. Euch entstehen dadurch keine Kosten. Ich erhalte dann eine kleine Provision, die ich wieder in die Pflege von Taufrisch war gestern und die Umsetzung neuer Ideen auf meinem Blog, investieren kann.

Holadriiiööö, Heidifeeling, herrliche Ruhe

Berg und Tal Report 4

In meiner heutigen Reisegeschichte aus dem Land des Schwiegermutter-Lächelns, erzähle ich Euch von der butterweichen, streichzarten Seite unseres Nachbarlandes …. ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … Nur so viel vorab, es gibt ganz viel Katzen-Content und es endet in einem artenübergreifenden Friedensgipfel auf einer steirischen Blumenwiese.

Deshalb kann ich wohl behaupten, dass das Land meiner Schwiegerväter, ein Ort ist, der auch für Happy Endings geschaffen ist … mit und ohne Freudentränen. Finley zieht es in Erwägung, sich eine kleine Alm anzuschaffen. Die Steiermark sei, so Finley für einen Altersruhesitz durchaus geeignet, solange die Sternchen nur am Himmel stehen und nicht auf Bauchhöhe Stress verbreiten würden. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen.

Hörst du La Montanara
Die Berge sie grüßen dich

(Lyrics: Ralf Siegel)

Morgens um 6.00 Uhr, St. Lorenzen in der schönen Steiermark, die Haare zerzaust, der Lift auf den wir schauen konnten, stand noch still. „Uaaahhh“, ich sass auf der Veranda unseres Ferienhauses und strecke mich und gähnte. Einfach mal durchschnaufen und zuschauen, wie der Tag erwacht, dachte ich. Ich genoß den wunderschönen Blick auf den Kreischberg. Die Luft ging langsam hinter den Bergen auf, die Sonne zwitscherte und die Vögel waren frisch und klar. Ähm, Ihr merkt wohl schon, ich war noch gar nicht ganz wach. Also ging ich zurück in unsere kleine Bauernküche und machte mir erst einmal einen starken Kaffee.

Danach setzte ich mich wieder auf die Veranda, meinen Lieblingsplatz in unserer Unterkunft und genoß die Bergluft, diese wundervolle Stille und das süße Nichtstun. Im Sommer war St. Lorenzen ein verschlafenes kleines Bergdorf. So früh am Morgen waren außer Finley und mir erst einmal nur die Dorfkatzen wach. Der schwarzweiß gefleckte Kater vom Haus nebenan hatte Finley gleich am ersten Tag auf seine ganz spezielle Art begrüßt. 

Hörst du mein Echo schallen
Und leise verhallen

(Lyrics: Ralf Siegel)

Der gefleckte Nachbar-Kater wurde von seinem Besitzer „Herr Beppi“ gerufen. Man konnte ihm ansehen, dass er in seinem Leben schon ein paar entscheidende Kämpfe gefochten hatte. Unter seinem linken Auge hatte er eine dunkelgraue, durchaus dekorative Schmarre und von seinem Schwanz fehlte ihm fast die Hälfte. Auf der großen Blumenwiese vor unserem Haus standen Finley und er sich ganz unvermittelt gegenüber. Beide gänzlich unvorbereitet und beide total perplex. 

Finley: „Grrr…grrr… Alter, wo kommst Du denn so plötzlich her?“

Herr Beppi: „Fchhhhh… woas wuillst Du, haaa? Bleeder Schlickruuutscher!“

Finley: „GRRR … grrr … sieh mal an, soso, ein Schluchtenscheißer mit Todessehnsucht …“

Herr Beppi: „Fchhhhhh…Fchhhh… teil’n mir uns die Grrruft oder woos?“

Finley: „GrrrWau … pass mal gut auf Du Almdudler. Du die Gruft und ich die Wiese … für die nächsten 10 Tage.“

Herr Beppi: „10 Toag? Doas loast si moach’n. Du kriagst an vorderen Teil und i kriag den hinteren Teil der Wies’n und olle Mäuse. Doa ham ma an Fried’n und es dient da Förderung des Tourismus…“

Finley: „Hmmm… das klingt nach einer akzeptablen Abmachung. Ich sehe Dich nicht und Du siehst mich nicht. Wird gemacht.“

Blau strahlt das Firmament
Von Ferne rauscht ein Wasserfall

(Lyrics: Ralf Siegel)

Von da an herrschte Frieden an der deutsch österreichischen Hunde-Katzen-Front. Der Herr Beppi lag dann jeden Morgen stundenlang an der Demarkationslinie und lauerte im hohen Gras. Man hörte ab sofort kein Fauchen mehr von ihm, allenfalls mal ein sanftes Schnurren. Finley hingegen nahm die vordere Hälfte der Weide in Beschlag. Beide hielten die Abmachung ein, der Felis-Canis-Pakt hielt. Und ich hatte endlich die Ruhe, nach der ich mich in Hamburg die letzten Monate so sehr gesehnt hatte. In diesen klangschalenruhigen Momenten auf unserer Veranda, hatte ich das Gefühl, dort nie wieder weg zu wollen. 

Und durch die grünen Tannen
Bricht silbern das Licht

(Lyrics: Ralf Siegel)

Während sich der Herr Beppi in der Morgensonne räkelte, begann Finley seine Tage mit einer Wieseninspektion. Ich nannte das seine ganz persönliche Pfostenschau. Die Wiese war von einer Reihe rauher Holzpfähle eingerahmt. Sie grenzten die dahinter liegende Straße ab. Finley flanierte nun jeden Morgen von Pfosten zu Pfosten. Dann schnupperte er an jedem Pfahl sehr ausgiebig und schien sich in Gedanken ein paar Notizen zu machen:

„Aha, die drei ungarischen Pudeldamen waren schon dagewesen und dort die zwei Chihuahuas von der Gondelbahn auch … Katzen, naja um die soll sich mal der Herr Beppi kümmern…, ohhh ein Stück vom Wild, hmmmm wie lecker … schon schön abgehangen …“  Nachdem er die tierischen Neuigkeiten aus dem Dorf alle gelesen hatte, ging er jeden(!) Pfosten noch mal ab und setzte dort eine wohlproportionierte Pipimarke ab. „Gestatten, mein Name ist Finley und mir gehört jetzt diese Wiese, die Straße und das schöne, Haus mit den Holzschindeln da drüben, PUNKT!“

 Weit sind die Schwalben
Nach Süden geflogen
Über die ewigen Berge und Täler

(Lyrics: Ralf Siegel)

Nachdem wir dann unsere Dorfrunde gegangen waren, richtete ich mir auf dem rustikalen Holztisch auf der Veranda meinen Schreibplatz ein. Ich kuschelte mich mit meiner Wolldecke auf die Holzbank und stellte mir vor, wie es in St. Lorenzen wohl im Winter aussehen würde, wenn in der WM-Gemeinde der Skibetrieb beginnt und mein verschlafenes Dorf von lebhaftem Skitreiben eingenommen wird. 

Ich stellte mir den Kreischberg schneebedeckt vor und schaute hinüber zur Gondelbahn. Vor meinem geistigen Auge sah ich die langen Schlangen von Skifahrern stehen, die hinauf wollen auf eine der zahlreichen Pisten. Von der Weltcupabfahrt bis hin zum Anfängerhang, Skischulen, Skiverleih, ist hier alles vorhanden. „Das müsste man vielleicht auch einmal ausprobieren“, dachte ich und fing an zu tippen. Wie war das noch … gestern und vorgestern …

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert, wir haben die schriftliche Genehmigung von Herrn Bei eingeholt, seinen Klarnamen nennen zu dürfen. Ferner wurde keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist Finleys geheimes, steirisches Leben. Wenn er damit klarkommt, schafft Ihr das auch. Kleine Info von Finley für die Katzenfreunde … ja, wir mögen Katzen … besonders gern von der Ferne. Frauchen fängt immer an zu niesen, wenn sie ihr zu nahe kommen, dann rotzt sie im Dreivierteltakt und die Augen tränen unaufhörlich, es ist nicht auszuhalten. Falls das jetzt respektlos gegenüber der Gattung Felis Catus war, kommt klar damit. Ich habe 100 Sozialstunden vorgearbeitet, wendet Euch diesbezüglich an meinen Bewährungshelfer.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Kuhfladen an jungem Grün, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

Wer die ersten Teile meines Berg und Tal Reports versäumt hat und Lust hat, mehr zu lesen, findet die ersten zwei Teile hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften:

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte … Berg und Tal Report 2

Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

Ein Garten für den Hund

Neue Podcastfolge bei Stengel & Strauch

Finley liebt seinen Garten und wir lieben Finley.

Neulich haben sich mein Kollege Frank und ich uns wieder mal so’n Büschen verquatscht. Das läuft immer so, wenn wir uns sehen, denn wir teilen ja nicht nur unsere Liebe zu unseren Gärten, sondern auch die Liebe zu unseren Goldenrüden Bruno und Finley. Natürlich spielt bei uns neben der Optik im Garten auch die Sicherheit unserer Hunde eine große Rolle. Und ein ganz klein bisschen, das muss ich ja zugeben, sucht das Gärtnerherz in uns auch nach Lösungen, wie wir unsere Neuanpflanzungen vor unseren Hunden in Sicherheit bringen können.

Ich erzähle Euch unter anderem, wie ich Finley beigebracht habe, dass er mir meine Beete nicht verwüstet. Zugegeben, keine elegante Lösung und um Protesten schon mal vorzugreifen … natürlich war Finley nie alleine an der langen Leine im Garten, ich seine Gesellschaftsdame, war immer dabei. Ich war damals noch unerfahren und konnte so entspannter mit ihm trainieren, weil ich mich nicht um irgendein Leinengezerre kümmern musste. Na und der Frank bietet Euch einen sehr deftigen Lösungsvorschlag zum Thema Löcher buddeln … aber ich will vorab nicht zu viel verraten … mehr Tipps und Geschichten könnt Ihr in unserer Podcastfolge hören an. Ich würde mich tierisch freuen, wenn Ihr mal vorbeihört….

Wenn Ihr noch weitere Fragen zu Gartenthemen habt, dann forstet doch mal Franks Bookazine „Franks kleiner Garten“ durch. Dort findet Ihr viele Tipps und unterhaltsame Artikel für jede Jahreszeit.

Himmel, Donner, Hagelsturm…

Berg und Tal Report 3

Und weiter geht es mit meinen Reisegeschichten ins verschwägerte Nachbarland … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat. In dieser Geschichte erfahrt Ihr wieder etwas mehr über das emotionale Nord-Süd-Gefälle in der Seelenlandschaft meiner Familie. Ein wirklich wichtiger Aspekt ist das Wetter. Ich selber habe ein wenig Zeit gebraucht, zu erkennen, dass Regen nicht gleich Regen, Wind nicht gleich Wind und vor allen Hagel nicht gleich Hagel ist. An dieser Stelle richte ich mich an alle angehenden Meteorologen … die Steiermark ist für Euch wie geschaffen…

Trotzt allem würde ich immer noch behaupten wollen, dass dieser Urlaub etwas beschauliches hatte. Vielleicht noch nicht in dieser Folge, also nicht ausschließlich. Finley wuchs über sich hinaus … nein, das war jetzt nicht sarkastisch gemeint … dieses Mal jedenfalls, ist er pappsatt geworden, das Hundi. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark bleiben, es erwarten Euch noch ein paar Folgen. Freut Euch also auf den Beginn einer wundervollen Reise ins Jodelala-Land und lasst Euch nicht die Stimmung verhageln …

„Der Berg ruft“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Wenn ein Steirer sagt, „Es kummt a G‘witter“, verändert er seinen ganzen Habitus. Als meine Schwiegermutter das zum ersten Mal zu mir sagte, bekam sie einen leicht gequälten, sorgenvollen Gesichtsausdruck und ihre Pupillen weiteten sich angstvoll. Dann drehte sie sich zu mir um, dämpfte die Stimme und fügte noch hinzu, „An Hoagel wiads a geb’n“. Danach folgten herzerweichende Seufzer, ein paar dahin gehauchte „Jööö’s“, danach erfolgte ein wortloser aber sehr effektvoller Abgang. Da stand ich dann mit diesem Steirerlatein und meiner norddeutschen Seele und dachte … jaaa, und … dann hagelt es eben, meine Güte, das haben wir in Hamburg ganzjährig jeden zweiten Tag, kein Grund theatralisch zu werden.

Doch dann, als hätte die Schwiegermutti es bestellt, färbte sich der Himmel so schwarz, wie in einem Harry-Potter-Film. Ich meine den Teil, in dem die Dementoren auszogen, den guten Hexen, Zauberern und Muggeln die Seele und alles Glücksempfinden aus dem Körper zu saugen. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, „Drama-Baby“, schossen Hagelkörner, groß wie Tennisbälle vom Himmel und demolierten im Umkreis von etlichen Kilometern alles, woran das Steirerherz so hing. Die Kürbis- und Obsternte war ernsthaft gefährdet, bei meinen Schwiegereltern waren Fenster und das Dach stark beschädigt worden. Das Gewächshaus war eingeschlagen und im Hochbeet weinte der Feldsalat leise vor sich hin.

„Du sollst die Bergkameradschaft in hohen Ehren halten“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Im Stillen leistete ich zähneknirschend Abbitte bei meiner Schwiegermutter und fing an, die Berge von Hagelkörnern mit dem Schneeschieber vom Pool wegzuschaufeln. Mein Autodach hatte ein paar hässliche Dellen davongetragen, die mich fortan immer ermahnten, dass ich besser auf meine Schwiegermutter hören sollte. Jedes ihrer „Jöööö’s“ und jeder jammervolle Seufzer hatten ihre volle Berechtigung gehabt.

„Das allerwichtigste beim Bergsteigen ist, dass man lange lebt“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Genauso war es an jenem Tag im Sommer wieder. Meine persönlich Wetterwarnstation, die Schwiegermutti war nicht dabei. Wir saßen mit unserer Tante und unserem Cousin ganz gemütlich im Garten beim Egidiwirt und waren dabei wunderbar zu essen. Unser Sitzplatz lag unter einer herrlichen Pergola, die mit Wein berankt war, die ersten Reben waren schon zu erkennen. Finley hatte es sich gleich neben mir bequem gemacht und lag im Schatten zweier großer Hortensienbüsche. Hach, so stellt klein Erna aus Hamburg sich die Steiermark vor. Doch noch bevor wir aufgegessen hatten, schwärmten die Dementoren aus und brachten die Dunkelheit mit sich. Ich überlegte schon, ob es nicht besser wäre ins Haus zu wechseln. Aber der nette Kellner vom Egidiwirt ließ vom Chef ausrichten: „Naaa, Ihr könnt’s scho sitz‘n bleib’n, des Dach hoalt des aus …“

Was soll ich sagen – es hielt nicht. Schon die ersten Hagelbrocken erzeugten Risse im Plexiglasdach. Finley blieb erstaunlich ruhig, aber er setzte sich auf und warf mir diesen Es-ist Zeit-zu-gehen-Blick zu. Wir wechselten in den Schankraum, dort hatten die Einheimischen inzwischen den Ausnahmezustand ausgerufen. Jeder von Ihnen fragte sich, ob er zuhause alle Fenster geschlossen hatte oder ob nun Bäche von Eiswasser durch ihre Flure und Zimmer flossen.

„Du sollst die Schutzhütte achten, als wäre sie Haus und Heim“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

„Mei und die Mutter is ganz alloa daheim“, rief eine Frau am Nebentisch. Die Feuerwehr war schon alarmiert und fuhr laufend irgendwelche Einsätze. Die Männer im Schrankraum liefen immer wieder unruhig zur Tür, um einen besorgten Blick auf ihre blitzblank geputzten Autos zu werfen. Wir Norddeutschen hingegen saßen mit stoischer „Es-is-wie-es-is-Haltung“ am Tisch und aßen fertig. Schließlich waren wir inzwischen dellenfest.

Finley entdeckte in diesen Momenten sein bisher verborgenes Talent zum Therapiehund und ging abwechselnd immer zu Denjenigen, die am aufgeregtesten waren. Dann setzte er sich neben sie, stupste sie kurz an und ließ sie sich ihren Stress wegstreicheln. Natürlich ganz uneigennützig, mein Bärchen. Die unzähligen „Mei is der liab“, „Bist a Guada“, „So an Bärli“, „Mogst a Wuascht?“, „Mogst an Kaas?“, dürften bis zum nächsten Steiermark-Urlaub als Sympathievorrat ausreichen.

Gleichzeitig entfaltete sich vor der Tür der Wirtschaft ein Szenario, dass es in Norddeutschland leicht in die Acht-Uhr-Nachrichten geschafft hätte. Bäche von Wasser stürzten die Straße herunter, es kübelte aus Eimern, Hagel, Regen, Schnee, alles durcheinander. Ab und an sah man, wie ein Gartenstuhl oder ein Sonnenschirm von den Wassermassen mitgerissen wurde. Das Wetter machte so laute und bedrohliche Geräusche, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Radio Steiermark gab alle halbe Stunde eine Warnmeldung heraus.

„Ich brauche keinen Arzt. Ich habe Humor“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Und ich schaute sehnsüchtig durch das Fenster auf mein Auto, das gegenüber, schutzlos beim Hofer auf dem Parkplatz stand. Ach ja … hinten war das Fenster heruntergekurbelt … nur ein wenig … Während mein Wagen, seine steirische Taufe bekam, erinnerte ich mich an ein anderes Unwetter. Die Zustände erinnerten mich an den Tornado in Meiendorf und Volksdorf, zwei Jahre zuvor. Da ich die Stimmung in der Wirtschaft auch ein wenig auflockern und die Anwesenden a Bisserl aufmuntern wollte, zeigte ich den Egidigästen meine Tornado-Videos aus Hamburg. So nach dem Motto „Den haben wir schließlich auch überstanden“. Tja, nur soviel dazu, es hat nicht funktioniert, das Aufmuntern.

„Du sollst in den Bergen deine Erziehung und Bildung nicht vergessen“

(Zitat: Louis Trenker 1892 – 1990)

Mein Berlingo hatte jetzt also auch steirische Hagel-Dellen auf dem Dach und der Motorhaube. Ich betrachtete das inzwischen als den steirischen Ritterschlag für meine Autos. Die Rückbank war patschnass … aber hey … inzwischen war es schon wieder warm. Die kommenden zwei Tage stellten wir das Auto in die pralle Sonne, alle Schotten auf und der Rücksitz trocknete wieder. Ein feiner Wasserrand auf den Sitzpolstern, erinnert uns bis heute an jenes Unwetter, irgendein Andenken bringt man ja immer mit aus dem Sommerurlaub.

Auf der Rückfahrt nach St. Lorenzen, betrachteten wir die Landschaft, der Sturm hatte seine Spuren hinterlassen, einige Straßen waren vorübergehend gesperrt. Da saßen wir nun in Shorts und Flipflops und blickten auf Berge von Eis, schräger konnte es kaum noch werden. Auf dem Rücksitz philosophierten meine Pubertiere vor sich hin.

Die Ältere, Mausi sagte: „Alter, das war ja echt heftig.“

Motte: „Kannst Du wohl sagen.“

Finley: „Fiiiep.“

Mausi: „Eigentlich haben wir ja immer Unwetter, wenn wir hierherfahren.“

Motte: „Nö, eigentlich immer nur wenn Mama mitfährt.“

Finley: „Fie…hihihi…hiiiiip.“

Es wiad an Hoagel geb’n…

(Zitat: Schwiegermutti, alterslos)

Das war ja wieder klar. Jetzt war ich auch noch fürs steirische Wetter verantwortlich. Das ging doch wirklich zu weit. Manchmal denke ich allerdings, dass meine Schwiegermutter da auch einen Zusammenhang zwischen mir und den steirischen Unwettern sieht. Oder wie sonst kann ich mir erklären, dass sie jedes Mal, kaum dass ich angekommen bin, sorgenvoll wispert: „Es wiad an Hoagel geb’n…“

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert und keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist mein Leben in Hügeln. Wenn ich damit klarkomme, schafft Ihr das auch. Kleine Info im Sinne der Bergsteigerzunft … ja, ich kenne JEDEN Louis-Trenker-Film, ich weiß genau, wen ich zitiere (Glockenläuten im Hintergrund…). Finley hat in der Wirtschaft schon mal die nächsten 100 Sozialstunden vorgearbeitet … man weiß ja nie, Hund auch nicht … Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Holladriiiööö, Heidifeeling, Herrliche Ruhe … Berg und Tal Report 4

Der April macht was er will, Dein Garten braucht Dich

Neue Folge im Podcast Stengel & Strauch

Mein Kollege Frank ist Gartenexperte. In der neuen Podcast Folge habt Ihr ihn ganz für Euch allein, ohne dass ich ständig dazwischen sabbel. Er erzählt Euch welche Dinge Ihr unbedingt im April noch erledigen solltet, damit euer Garten sich die kommenden Monate wunschgemäß entfalten kann.

Auch wenn das Wetter im Moment bei mir zuhause noch nicht mitspielt, nehme ich mir Franks Tipps zu Herzen. Wenn Ihr Lust habt, dann hört doch mal rein. Übrigens, wenn alles läuft wie geplant, dann gibt es die nächste Folge mit Frank und mir schon Ende April. Ich google jetzt mal „Mondphiolen“ und dann hole ich mal die Forke aus dem Gartenschuppen…

Dingsbums-Lockdown, die Vita eines Krisenbegriffs

Wortschöpfungsphase bei Politikern

Über sieben Brücken musst Du gehen ….

Da ist sie nun wieder die superharte, megakompromisslose, (un)heilbringende Forderung nach dem nächsten Schritt ins Nichts.

Die Forderung kommt vom nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, denn er hat über Ostern nachgedacht (Anm. d. Red.: an dieser Stelle ist ein Augenrollen erlaubt). Die Inzidenzwerte seien aus seiner Sicht immer noch zu hoch, jetzt helfe nur noch ein „Brückenlockdown“. Mensch, dass da sonst noch niemand drauf gekommen ist…

In einer eilig, in einem nordrheinwestfälischen Impfzentrum anberaumten Pressekonferenz, sagte Laschet, diesen Brückenlockdown brauche man, damit genug Menschen geimpft werden könnten und hinterher, mehr Sicherheit für die Gesundheit der Menschen bestehen würde. Mit altgewohnter Präzision verschwieg Herr Laschet, wie lange der Brücken-Lockdown andauern solle, welche Regelveränderungen es zum Jetztzustand geben solle und welchen Inzidenzwert er mit seiner Maßnahme erreichen wolle. Nur eines wäre sicher, so Laschet, die nächste Ministerpräsidentenkonferenz müsse deshalb vorgezogen werden und gefälligst in Präsenz abgehalten werden.

Während ich mir die wie eine Büttenrede anmutende Ansprache des amtierenden CDU-Vorsitzenden in der Tagesschau anhörte, dachte ich nur: Wie makaber ist das denn? Hinter ihm arbeiteten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger die Nächte durch, um möglichst viele Menschen gegen ein tödliches Virus impfen zu können. Die Bürger standen täglich Schlange, warteten schon lange darauf, endlich „dran zu sein“ und dieser Mensch nutzte die Situation aus, um seine Position als Kanzlerkandidat zu stärken. Billig, Herr Laschet, ganz billig. 

… sieben lasche Lockdowns überstehen …

So nun steht er im Raum, der Begriff Brückenlockdown. Überhaupt befindet sich der Begriff „Lockdown“ seit dem letzten Frühjahr auf einem nicht enden wollenden Interpretations-Marathon. Er wechselt seine Namen und seine inhaltliche Bedeutung in einem Tempo, das es einem schwindelig werden kann. 

Angefangen hat er als Harter Lockdown, um den R-Wert abzusenken, wurde er dann, nach zu weit gehenden Lockerungen als Lockdown Light wiederbelebt, um unser Gesundheitsystem zu schonen und das Weihnachtsfest in der Familie zu sichern. Die Inzidenzwerte sanken. Dann nach altem Schema, kamen wieder Lockerungen … Schulen und Kitas sind keine Ansteckungsherde … vielleicht geht es ja dieses Mal gut …, nein ging es nicht … das war‘s dann gewesen mit Weihnachten im trauten Familienkreis. 

Der Wellenbrecher-Lockdown musste her. Wieder stand Armin Laschet vor der Kamera. Mit fester Stimme verkündete er: „Wir brauchen diesen Wellenbrecher-Lockdown unbedingt.“ Und weiter, würde man diesen Jahres-End-Lockdown nicht durchhalten, würde unser Gesundheitssystem zusammenbrechen, es gebe jetzt schon kaum noch freie Intensivbetten in den Kliniken.

… sieben mal die nächste Welle kommen sehen …

Vorher der glühendste Befürworter der Lockerungen, „… wir müssen die Wirtschaft stützen … können die Menschen nicht weiter beschränken … zurück zu einer neuen Normalität … Familiekontakt, so wichtig …“, verkündete und predigte er nun, man müsse sich an die AHA-Regeln halten, damit aus dem Megalockdown kein Wischi-Waschi-Lockdown werde. 

Müsste ich eine Zeugnisbeurteilung für diesen Wortschöpfungs-Workflow schreiben, würde sie wohl so in etwa lauten:

„Der Armin ist sehr fantasiebegabt. Seine kreativen Wortschöpfungen zeichnen ihn aus. Manchmal wünschten wir uns von ihm etwas mehr Übersicht und etwas mehr Standhaftigkeit. An seinem Timing muss der Armin noch arbeiten, das hinkt oft etwas hinterher. 

Seine Bemühungen, politisch voranzukommen, sind anzuerkennen, sie wirken nur oftmals etwas holperig und durchschaubar. Da wünschten wir uns von ihm, im Vergleich zu Mitbewerbern um die Kanzlerkandidatur der CDU/CSU, manchmal etwas mehr Geschick und politische Finesse. Im Grunde ist der Armin ein guter Kerl, er war mal bei allen in der CDU/CSU sehr beliebt.“

Ob Herr Laschet sich mit seiner Forderung nach dem Brückenlockdown und der vorgezogenen Ministerpräsidenten-Konferenz durchsetzen kann, steht noch in den Sternen. Die Begeisterung der anderen Ministerpräsidenten hält sich in Grenzen. Der CSU Generalsekretär Markus Blume reagierte verhalten. Eine Zustimmung der CSU sei nur zu erwarten, wenn alle Länder zu einer Verschärfung der Regeln bereit wären.

Alle Länder … sollen einträchtig bereit sein … merkt Ihr selber, oder????