Meine Mutter, die Rotkohl-Saison oder Fruchtfolge mal anders

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Laut Wikipedia ist Rotkohl eine Kohlart des Kopfkohls, die als Gemüsezubereitung auch Rotkraut oder Blaukraut genannt wird. Und jetzt kommt es: Der Rotkohl ist ein typisches Wintergemüse. Er wird im Frühjahr ausgesät oder gepflanzt und im späten Herbst geerntet. Nicht, wenn es nach meiner Mutter gehen würde. Aus ihrer Sicht haben Rotkohlköpfe in den Auslagen der Geschäfte zu liegen, solange es ihr nach dem Gemüse gelüstet, nämlich ganzjährig.

Rotkohl forever … Sitzblockaden sind in Planung

Da sich die Natur und unsere Bauern nicht darum scheren, was meine Mutter so möchte, gibt es aus ihrer Sicht zwischen April und September eine sechs Monate währende, nicht hinzunehmende, Versorgungslücke. Da ich zurzeit ja die Einkäufe tätige, werden die Diskussionen darüber, wie man diesen Engpass überwinden könne, mit mir geführt, und nicht etwa mit Denjenigen, die enger dran sind am Ackerbau, nämlich den Bauern, den Supermarktleitern, dem Landwirtschaftsministerium oder der EU.

Altersweisheit deluxe = Eigensinn

Schon beim Erstellen des Einkaufszettels werde ich in das erste Kohlgespräch hineingezogen.

Meine Mutter: „Ja und dann brauche ich noch einen schönen, großen Rotkohl…“

Ich: „Mama, die Rotkohlsaison ist vorbei. Den gibt es nicht mehr frisch …“

Meine Mutter: „Ach was, man muss nur etwas suchen, dann findet man noch welchen…“

Ich: „???“

Gestatten: Bauer Remmelmann, Rotkohlspezialist – Nicht

Gleich darauf listet sie mir ein paar zauberhafte, nicht nahe gelegene Geheimtipps auf, wo ich ihrer Meinung nach, den Kohl ganzjährig abgreifen könne. Da wäre zum Beispiel Bauer Remmelmann in Stapelfeld, der habe sich auf Kohl spezialisiert, behauptet jedenfalls meine Mutter. Bauer Remmelmann weiß davon nichts, weder vom Rotkohl in den Sommermonaten, noch von einer Spezialisierung, ich habe das überprüft.

Das Leben besteht aus Alternativen

Dann der EDEKA in Wandsbek, dort könne man immer Rotkohl kaufen. Was mir allerdings der Marktleiter vor Ort so nicht bestätigen wollte, er beziehe seine Kohlköpfe regional aus Stapelfeld vom Bauer Remmelmann. Verfügbarkeit, siehe oben. 

Dann, so meine Mutter weiter, gäbe es noch einen kleinen Gemüsehöker in Rahlstedt, den Gemüsestand aus Vierlanden, auf dem Rahlstedter Wochenmarkt, den freien Verkauf an der Bushaltestelle bei Siek, da wo es rechts Richtung Ahrensburg geht und zu allerletzt noch das Hochbeet ihrer Nachbarin, zwei Häuser weiter. Und während ich mir das alles anhörte, und mir bildlich vorstellte, wie meine 86 Jahre alte Mutter, ihr Essen im Morgengrauen aus dem Hochbeet der Nachbarin stibitzt, beschlich mich der Eindruck, dass wir meine Mutter über die vergangenen Jahre, viel zu lange unbeobachtet gelassen hatten. Vielleicht sollte ich mal Ihr Vorstrafenregister überprüfen…

Kochen wie bei Oma

Neulich hatte ich meiner Mutter, in einem Anfall seltener Naivität, statt des frischen Kohlkopfes zwei Gläser wohl vorpräparierten Rotkohls einer gängigen, lebensmittelrechtlich überprüften Firma, mitgebracht. Eieieieieiiiii … Retortenkohl, so meine Mutter, ich würde ihr doch wohl nicht einen so maschinell vorverkochten Brei anbieten wollen. Der Geschmacksunterschied sei kollossal. „Ich koche das noch wie meine Mutter, Birgit“, sagte sie, „das schmeckt so lecker, das kann man in der Fabrik so gar nicht hinkriegen.“

Und das war der Moment, in dem ich sie am liebsten in den Arm genommen hätte. Denn in diesem Punkt waren wir uns einig, die Rezepte meiner Großmutter sind unerreicht. Meine Oma war eine leidenschaftliche und begnadete Köchin. Ihre Rezepte versprachen typische Hausmannskost. Sie erinnern mich daran, wie schön und unbeschwert meine Kindheit war, wenn ich bei meinen Großeltern war. 

Meine Oma hat jeden Tag frisch gekocht. Das Gemüse, Kräuter und das Obst kamen überwiegend aus dem großen Garten. Manch moderner Ernährungswissenschaftler würde bei diversen Zutaten vielleicht ein bisschen die Stirn runzeln. Aber wenn man ein paar wenige Zutaten weglässt oder ersetzt, ich denke da zum Beispiel an die Benutzung von fettem Speck, dann sind Omas Gerichte auch heute noch unerreicht.

Internet, bloß nicht – das ist wie fremde Leute im Haus

Doch dieser Moment seltener, nostalgischer Gemeinsamkeit mit meiner Mutter, löste leider nicht mein Problem. Einmal schlug ich meiner Mutter vor, den Rotkohl via Internet, aus einer anderen Klimazone zuschicken zu lassen. Sie brauche dafür nur einen Internetanschluss. An dieser Stelle stellt Ihr euch bitte vor, wie ich hysterisch kichere … Gedankennotiz für mich: Vermische niemals zwei Highprofile-Reizthemen in einer Diskussion, Birgit. DU WILLST DAS NICHT!!!

Einen Internetanschluss möchte meine Mutter nicht. Sie weigert sich seit Jahren standhaft – neumodscher Kram, eben. Sie sagt, das sei, als habe man fremde Leute im Haus. Außerdem, ihr erinnert Euch, die eingebaute Computerkamera, die Hacker, der Geheimdienst, Putin und jetzt womöglich auch noch Philipp Amthor … eine kleine Ausführung zum Verhältnis meiner Mutter zum Internet findet Ihr HIER.

Sich herauswinden = nervenschonend und lebensverlängernd

Also was macht man, wenn man auf Granit beißt und weder mit Vernunft, Faktenwissen noch mit lebensnahen Lösungsvorschlägen weiterkommt? Richtig, man windet sich heraus. Ich baute vor. Immer wenn meine Mutter mal selbst einkaufen wollte, sagte ich beiläufig: „Oh, schau doch gleich mal nach, ob Dein Supermarkt Rotkohl hat, hier bei uns gibt es den gerade nicht.“ 

Als ich letzte Woche den Einkauf für sie erledigt habe, habe ich einfach einen Wirsingkohl in die Einkaufstasche gelegt. Dazu eine Karteikarte mit folgender Nachricht:

ACHTUNG MAMA!!! Es gibt bis zum September keinen frischen Rotkohl. Ich bitte um Alternativvorschläge. Zurzeit ist Saison für Wirsingkohl, Spitzkohl, Blumenkohl und Kohlrabi.

Die Reaktion meiner Mutter auf den Wirsingkohl und den Reminder steht noch aus…

Bin im Garten

Ein Jahr wachsen und wachsen lassen

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Der Sommer zeigt sich gerade von seiner guten Seite und das macht Mut, mal wieder etwas im Garten zu tun. Das bedeutet für mich, dass ich zuerst einmal meine Gartenbücher aus dem Regal hole und mir ein paar Anregungen für meine geplanten Beetverschönerungen hole.

Ich mag Gartenbücher sehr, sie helfen mir über die gartenkargen Monate im Winter hinweg. Es gibt für mich nichts Gemütlicheres, als mit einem Pott Kaffee und einem guten Gartenbuch auf dem Sofa zu sitzen und beim Lesen ab und zu in meinen Garten zu schauen und vor meinem Auge dann vor Blüten wogende Staudenbeete entstehen zu lassen.

Mein neues „Gartenbuch“, eine Liebeserklärung

Natürlich ist es mit den Gartenbüchern, wie mit allen Leidenschaften. Man braucht immer mal wieder etwas Neues. Beim letzten Streifzug durch meinen örtlichen Bücherladen ist mir das Buch „Bin im Garten“ von Meike Winnemuth in die Hände gefallen. Da mir ja das erste Buch, dass ich von dieser Autorin gelesen hatte schon so gut gefallen hatte (Rezension HIER), habe ich sofort zugeschlagen. 

Pfingsten stand vor der Tür, nach Meike Winnemuths innerem Kalender der Frühsommer, wenn ich es richtig verstanden habe. Eine gute Gelegenheit, dieses Buch zu lesen. Morgens, bevor die Sonne in den Garten wandert, ich stehe gerne früh auf, dick eingemummelt in eine Wolldecke und ein paar Kissen auf meiner Holzliege, den obligatorischen Pott Kaffee auf dem Gartentischchen und dann las ich los. Herrlich!

Gartenbuch mit Motivationsschub-Garantie

Soviel kann ich schon mal vorab sagen, ich hatte viel Spaß beim Lesen. „Bin im Garten“ ist ein Gartenbuch und dann wieder doch nicht, jedenfalls nicht im konservativen Sinn. In diesem Buch erzählt die Autorin von dem Kauf ihres Hauses an der See, von ihren Wünschen und Vorstellungen, die sie an dieses neue Leben stellte und welche zentrale Rolle ihr Garten seitdem in ihrem Leben spielt. Das alles mit einer Leichtigkeit, die ihrem Schreibstil nun einmal innewohnt.

Sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt bekommt man aber auch Tipps für den Garten, ganz ungezwungen, gewissermaßen im Vorbeilesen. Für mich waren insbesondere die Erzählungen über den Gemüsegarten inspirierend. Hochbeete eine geniale Idee. Meine sind nicht so groß und schön aber ich habe jetzt Kohlrabi im Garten und Petersilie und die Schweiz … ähm, also Dill. Wenn Ihr den verstehen wollt, müsst Ihr schon das Buch lesen. 

„Einfach machen“ (Meike Winnemuth)

Natürlich funktioniert auch in Meike Winnemuths Garten nicht jeder Plan. Allium-Zwiebeln verschwinden auf mysteriöse Weise, Saatgut geht nicht auf und ganze Sträucher werden umgesiedelt, weil sie an ihrem angestammten Platz nicht richtig zur Wirkung kommen. Try and Error ist in ihrem Garten eine bewährte Methode oder wie Meike Winnemuth es ausdrücken würde „Einfach mal machen“.

Das Buch ist ansteckend und macht Lust aufs Buddeln, Jäten, Umpflanzen und Säen. Es macht locker und animiert einen, mal alles etwas gelassener zu sehen. Ein Garten kann ein Leben verändern und Prioritäten verschieben. Meike Winnemuth hat es erlebt und erzählt auf unterhaltsame und humorvolle Weise, was eine Gartenhacke namens Wiedehopfhaue und ein Bisschen Saatgut mit ihr gemacht haben.Wenn ich es recht bedenke berichtet dieses Buch von einer großen, neuen Liebe. Nun muss ich ganz dringend raus in meinen Garten. Ich habe eine Verabredung mit einer Jungfer im Grünen…

Meike Winnemuth Buch ist im Penguin Verlag erschienen und kostet in der gebundenen Ausgabe 22,00 Euro und ist nach meiner Meinung jeden Cent wert. Wenn Ihr Lust bekommen habt, das Buch zu lesen, dann klickt einfach auf das Icon unter diesem Text.

Dieser Artikel enthält Werbung. Der obenstehende Link ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr Euch entschieden habt, das Buch zu kaufen und den Weg über diesen Link in meinem Blog zu gehen, würde mich das sehr freuen. Euch entstehen dadurch keine Kosten. Ich erhalte dann eine kleine Provision, die ich wieder in die Pflege des Blogs Taufrisch war gestern und die Umsetzung neuer Ideen auf meinem Blog, investieren kann.