Gescheitert an Bukarest’s Beauty

Nu isses da, das neue Blog. Ich weiß, es ist nicht perfekt, wie mir meine Tochter Mausi gerade in ihrer unnachahmlich, offen-brutalen Art bestätigte: „Hmmm, selbst gebaut. Dafür, dass Du in technischen Dingen sonst ziemlich blö … äh, also nicht so ganz auf dem Laufenden bist, echt schon ganz gut, Mama.“

Mich kann das gerade gar nicht aufregen, denn wie Mausi schon sagte, ich habe „Taufrisch war gestern“ selbst gebaut. Tusch! Bierflasche köpfen, Prost! Natürlich ist mir klar, dass ich noch einige Dinge ändern und ergänzen muss. Beim Headerbild zum Beispiel habe ich mich bei WordPress im Archiv bedient. Da muss noch etwas Individuelleres hin, ein paar Ideen habe ich schon.

Ein neues „Über-mich-Bild“ braucht die Seite auch, und zwar ganz dringend. Das ist nicht so schnell hinzuzaubern, wie ich dachte. Zwar wohnt mein Fotograf mit mir zusammen und ist durchaus willig. Aber, jetzt kommt es: Es ist zu heiß in Hamburg. Man will ja auf dem Foto, mit dem man sich der geneigten Lesergemeinde als New-Bloggerkid-on-the-Block vorstellt, nicht aussehen wie die glänzende Speckschwarte eines frisch aufgeschnittenen Katenschinkens.

Ich habe alles versucht, glaubt mir bitte. Am Freitag habe ich mich in der örtlichen Drogerie für diesen Fototermin beraten lassen. Die Verkäuferinnen dort lieben mich, sie wissen nämlich, dass sie mir jeden Mist andrehen können. Außerdem bestücke ich Jahr für Jahr zwei!!! Adventskalender mit Produkten aus diesem Laden. Was man nicht alles so macht, damit einen die Töchter auch mal anlächeln.

Kurz bevor ich die Parfümerie verließ, warf mir die Fachfrau an der Kasse noch zwei Tübchen, mit dem Hinweis, „Das hilft gegen die Falten um die Augen herum. Wenden Sie das mal ruhig morgens UND abends an“, ins Täschchen. Ich dachte still: „Danke, Du Arschgeige.“ Laut aber sagte ich: „Oh, vielen Dank, sie sind meine Lebensretterin.“ Ich rang mir ein schiefes Lächeln ab, dann rauschte ich davon. War vielleicht etwas zu dick aufgetragen.  

Ich kam also mit einer Papiertüte voller chemischer Substanzen nach Hause, die ich mir gleich mit Schwung ins Gesicht schmieren wollte. Das alles nur für EIN gutes Foto. Also was hatte ich da: Abdeckcreme, Concealer, Wimperntusche, Gesichtspuder, soweit war alles klar. Dann war da noch eine Lidschattenpalette namens „Bukarest Beauty“, die mir im Laden schon ein gehöriges Maß an Skepsis abgerungen hatte. Die Farben variierten von dunklen Brauntönen, über ein changierendes Jagdgrün, hin zu einem Ockerton, der einer leichten Übelkeit auch Erinnerungen an Tante Hildas Erbsensuppe wach werden ließen.

Egal, ich legte los. Zum Schluss griff ich nach einem Kosmetikpinsel den mein Nachbar Jürgen, er ist Maler, wohl als Quast bezeichnen würde. Mit diesem Megapuschel fuhr ich über das Gesicht. Im Fachjargon nennt man das Verschatten, das hatte mir die Verkäuferin im Shop so erklärt. Ich öffnete vorsichtig die Augen und … heiliger Bimbam. Mein Mann, der Fotograf hatte gesagt, dass beim Fotografieren noch viel Farbe verloren ginge. Darauf musste ich wohl hoffen.

Jetzt ging ich die Treppen herunter. Das Foto sollte im Garten gemacht werden. Doch schon auf halber Treppenstrecke lief mir das Wasser nur so runter. Glaubt mir die Schminke, die Temperaturen von über 35 Grad standhalten kann, wurde noch nicht erfunden.

Unten angekommen, sah mein Mann mich entsetzt an. Ein Blick in meinen Handspiegel machte klar warum. Die Farben Bukarests hatten sich in meinem Gesicht selbständig gemacht. Nicht nur die Wimperntusche war verlaufen und lief in langen Tränenspuren über die Wangen, Richtung Mund und Kinn. Nein, auch der angeblich wasserfeste Lidschatten zog gemütlich seine Bahnen durch mein Gesicht. Freundlich ausgedrückt, sah ich aus wie ein Andy-Warhol-Kunstwerk – eines der aussortierten.

Wir haben dann im Familienrat beschlossen, dass es wohl besser wäre, erst einmal die alten Fotos zu verwenden, bis sich das Wetter wieder im Griff hat. Ich bitte Euch deshalb also noch um etwas Geduld und Verständnis. Das einzige, was man bei diesem Wetter machen könnte, wären Strandfotos und das möchte ich nicht … aus Gründen …

Vorstadtliebe – Wie alles begann

In mir schlägt ein großes, weltoffenes Herz mit einer kleinen Extrakammer für Spießigkeit, die manchmal ihren ganz eigenen, eigenwilligen Takt anschlägt. Anders ist es wohl nicht zu erklären, denn schon als Kind wollte ich hier wohnen und leben.

Kennengelernt habe ich „meinen“ Vorort durch die zahlreichen Besuche des Volksdorfer Wochenmarktes mit meinem Großvater. Der mochte diesen Markt nämlich ab und an lieber als den in Alt-Rahlstedt. Dort wohnte er nämlich.

Das kann natürlich auch daran gelegen haben, dass mein Großvater als der ansässige Tischler, in seiner Gegend bekannt war, wie ein bunter Hund. Dass meine Großmutter dort ein kleines Ladengeschäft mit Tabakwaren, Zeitungen und allerlei Süßigkeiten betrieb, trug natürlich auch dazu bei. Für meinen Großvater und mich bedeutete das, dass wir von unseren Marktbesuchen manchmal erst zuhause waren, wenn die Markthändler ihre Stände schon abbauten. Musste meine Oma deswegen das Essen warmhalten, war die Ka… am Dampfen.

Mein Opa wurde dauernd angesprochen, „Hans, meine Haus-, Schuppen- Klotür klemmt … hast Du nachher mal n‘ büschen Zeit …“, jeder hatte ein handwerkliches Problem, dass gelöst werden wollte. Wenn mein Opa also seine Ruhe haben wollte, schmiss er sich in Schale, ließ den Transporter stehen und fuhr mit mir im schicken Sonntagsauto, einem Ford Granada zum Wochenmarkt in Volksdorf.

Ich habe die Fahrten sehr genossen, es war alles so schön grün, die Häuser wunderschön. In diesem Ort war es ruhig – ich liebte das. Vorerst verschlug es mich aber in andere Gegenden. Ich wohnte während meines Jurastudiums in Hamburg Barmbek. Dort blieb ich auch noch wohnen, als ich dann als freie Journalistin für das Hamburger Abendblatt in Stormarn arbeitete.

Als klar war, dass ich für mein Volontariat beim Axel Springer Verlag ins Ruhrgebiet ziehen musste, tat ich das Naheliegende. Ich gab meine Barmbeker Wohnung auf, zog zu meinem Freund. Der wohnte – nennt es Zufall oder Schicksal – in Volksdorf. Für die nächsten zweieinhalb Jahre, solange dauerte mein Volontariat, suchte ich mir in Essen eine kleine Zweitwohnung.

Ich war also irgendwie angekommen in der Hamburger Vorstadt. Das hatte, abgesehen von meiner Affinität zu diesem Ort, natürlich auch mit meinem Freund zu tun. Die nächsten zwei Jahre arbeitete ich unter der Woche im Ruhrgebiet und fuhr jedes freie Wochenende nach Hamburg zurück. Kräfteaufreibend? Und wie? Aber in der Nachbetrachtung war es das einzig Richtige. Noch während des Voluntariats heirateten wir und ein paar Jahre später bekamen wir zwei wundervolle Töchter, die uns in der folgenden Zeit noch das Fürchten lehren sollten….