Ein Baum voller Erinnerungen

Wie wird wohl dieses Jahr euer Weihnachtsbaum aussehen? Die ersten Möglichkeiten müssen schon bei der Auswahl des Baumes abgewogen werden. Soll er deckenhoch, bodentief sein oder auf einem Tisch stehen? Wird es eine Nordmanntanne, eine Nobilis oder eine Kiefer, mit Ballen oder ohne?

Trendy Tanne in der Nachbarschaft

Glänzt er mit roten und goldenen Kugeln und Omis Lametta? Jede Familie hat da wohl ihre Vorlieben oder ihre Traditionen. Für meine Nachbarin lässt sich bei der Auswahl des Baumschmucks vom aktuellen Designtrend leiten. In diesem Jahr erstrahlt ihr Baum – très chique – in den Modefarben Grau, Schwarz und Weiß. Unterstützt von ein paar geschmackvoll verteilten weißen Engelsflügeln.

Buntes Sammelsurium bei uns

Unser Baum ist nicht schick. Das war er eigentlich nie. Unser Baum ist üppig und macht Spaß. Er ist prall behangen mit glitzernden Motivkugeln, kleinen Holzfiguren und selbstgebastelten Strohsternen. Viele dieser Stücke sind Geschenke gewesen und wurden schon häufig repariert und wieder zusammengeklebt. Mit vielen von ihnen sind schöne Erinnerungen verbunden. 

Der Tannenbaum als dreidimensionales Memoboard

Unser Weihnachtsbaum ist gewissermaßen ein dreidimensionales Memoboard. Da warenOnkel Christophs Besuch im vergangenen Jahr, Oma Delis Paket aus Österreich, bis an den Rand gefüllt, mit köstlichen Weihnachtskeksen. Oder die die turbulente Schneeballschlacht, als unsere Kinder noch klein waren, in unserem Garten. Schon beim Schmücken führen wir diese Weißt-du-noch-Gespräche, und jedem fällt etwas dazu ein. Manchmal, lockert ein Eierpunsch, oder ein steifer Grog die Stimmung noch zusätzlich auf. (Die Lütten sind jetzt ja schon groß…)

Es gibt immer dieses eine, besondere Stück

Meine besondere Liebe gilt einigen uralten Dekostücken, die ich noch als an den Tannenbäumen meiner Großeltern bewundern konnte. Ein aus Holz geschnitzter Eisbär ist mein Liebling. Wenn ich ihn in meinen Händen halte, erinnere ich mich an die liebevolle Stimme meiner Oma. Mein Großvater hatte ihn für meine Großmutter geschnitzt und kunstvoll bemalt. Meine Großmutter hatte ihn mir an unserem letzten, gemeinsamen Weihnachtsfest geschenkt. Er hilft mir, mich zu erinnern, an das gemeinsame Backen mit meiner Omi und die alten Familiengeschichten, die sie mir währenddessen erzählte. Einige dieser Geschichten, habe ich meinen Töchtern auch schon weitererzählt. 

Mein Eisbär bekommt ein Makeover

Dieses Jahr werde ich mir meinen geschnitzten Eisbären einmal vornehmen. Er braucht ein wenig neue Farbe und auch ein bisschen mehr Glitzer bevor er in den Weihnachtsbaum gehängt werden kann. Und irgendwann werde ich ihn weiter verschenken, an meine Enkelkinder.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit Menschen, die ihr liebt und die euch lieben. Ein paar entspannte Feiertage und viele schöne Erinnerungen. Vielleicht habt ihr ja Lust ein paar von euren schönsten Weihnachtsimpressionen in die Kommentare zu schreiben. Mich würde das sehr freuen.

Der Geist der Weihnacht … nicht in unserer Schokolaterie

Süßer die Glöckchen nie klingen … Ein rotnasiger Rudolph zieht einen prunkvoll geschmückten Schlitten hinter sich her. Auf dem Kutschbock sitzt ein sympathisch lächelnder Wichtel und verkündet die frohe Botschaft, dass es bald Weihnachten werde und Frieden auf Erden. Hosianna, singt der Chor der Engel, den Menschen ein Wohlgefallen.

Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus

Genauso müsste es sein. Eigentlich sollten die letzten Wochen im Weihnachtsmonat besinnlich sein, und uns ja auf die Festtage einstimmen. Also bitte … nichts dagegen einzuwenden … ich warte … hallooo, ich warte immer noch … tja, was soll ich sagen, ich fühle nichts von alledem.

… mit der Rute, mit der Knute …

Meine Weihnachtsrealität sieht etwas anders aus. In meiner Vorstadt oder wie man heute auf Cooldeutsch sagt, meinem Hood will sich dieses heimelige Weihnachtsfeeling noch nicht einstellen. Bei uns im Ort herrscht aufgeregte Geschäftigkeit, in der Post steht die Schlange der Menschen, die auf den letzten Drücker noch Päckchen an ihre Lieben verschicken wollen, bis auf die Straße. Ihre Ungeduld ist fast körperlich zu spüren. Schlange stehen, macht zornig. Postbeamter möchte ich in diesen Tagen hier nicht sein. 

Am Weihnachtsbaum, die Lichter brennen …

Die Ladenbesitzer haben Geld eingespart und in diesem Jahr keine Beleuchtung in unseren Straßen installiert. Auch wenn ich die funkelnden Sterne über unseren Straßen ein wenig vermisse, in Zeiten, in denen der Energieverbrauch dringend gesenkt werden soll, war das eine richtige Entscheidung. Die Deko in den Schaufenstern ist nachhaltig aus Naturprodukten gestaltet worden – überall – denn hier sprechen sich die Händler ab. Einzige Ausnahme ist das Bekleidungsgeschäft an der Ecke, dort dachte man wohl, es brauche etwas mehr Lametta.

Dashing through the snow … äh, Maaatsch …

Es ist auch nicht der Himmelpforten-Weihnachtsschlitten, der durch unsere Straßen gleitet, sondern eine Kutsche der Reitschule Fallweich, die diese Aufgabe traditionell schon viele Jahre übernimmt. Herr Fallweich hält alte Traditionen aufrecht, so wie das Glühweintrinken auf seinem Hof. Anstatt eines niedlichen, rotnasigen Rudis, zieht ein schwarzes Pony namens Wotan, eine kleine Kutsche durch unseren belebten Dorfkern. In der Kutsche sitzen zwei durchgefrorene Kinder, die Werbung für den Adventsmarkt auf dem Gelände der Reitschule Fallweich machen sollen. Wotan wird von Fritz, einem der Pferdewirte geführt. 

Fritz hasst diesen Job, er liebt die Pferde aber er geht nicht so gerne unter Menschen. Mit dem freundlichen Wichtel, auf dem Kutschbock des Weihnachtsschlittens, hat er nichts gemeinsam. Immer wenn sein Arbeitgeber ihn zwingt, unter Menschen zu gehen, tut er das mit einem grimmigen Gesichtsausdruck, der ihm die Aura eines nicht rehabilitierten Serientäters verleiht.

In der Weihnachtsbäckerei, da gibt’s so manche Leckerei …

Ich steuerte den Laden mit den Süßigkeiten an. Wo würde ich den Geist der Weihnacht finden, wenn nicht dort? Als ich die Tür öffnete waberte mir eine feine Wolke aus Zimt- und Bratapfelduft entgegen. Hinter der Auslage mit den Trüffeln, den Zimtsternen und den Nougatstückchen stand ein junger Mann, den ich in diesem Geschäft vorher noch nie gesehen hatte. Er sah aus, als wolle er seine Kundschaft gleich mit Bremer Stollengebäck bewerfen. Seine beiden Kolleginnen wirkten weitaus entspannter. Sie waren beide mit dem Auffüllen der Regale beschäftigt. 

Morgen, Kinder wird’s was geben …

Vor mir stand eine ältere Frau, sie war bestimmt schon über achtzig Jahre alt. Sie erzählte ihm, sie wolle ein paar Süßigkeiten für ihre Urenkel zusammensuchen. Die Zwei sollten etwas zum Knabbern haben, wenn sie sie am Nikolaustag besuchten. Die Vorfreude stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Der junge Mann blickte ihr gelangweilt ins Gesicht und sagte recht unfreundlich: „Ja schon gut, was möchten sie denn?“ Die alte Frau war sichtlich verunsichert. Ich sah ihn verwundert an, hinter mir gab eine andere Kundin ein entrüstetes Schnauben von sich. „Äh, ja also … ich … können Sie mir bitte sagen, welche Füllungen die einzelnen Schokoladensterne haben?“ Der Verkäufer stöhnte auf, machte eine wischende Geste über der Auslage und sagte genervt: „Eierlikör, Nougat, Pistaziencreme, Krokant, Baileys…“ Ohne die alte Dame eines weiteren Blickes zu würdigen, griff er nach einem Zellofantütchen und einer kleinen Zange und fuhr die Ärmste an: „So, kann es JETZT losgehen?“

Die Alten schauen himmelwärts …

Die Dame brauchte etwas Zeit und sie tat mir langsam auch schon leid. Ich finde, so ein Einkauf sollte doch Spaß machen und keinen Stress verursachen. „Ja bitte, also ich möchte zwei solche Tütchen voll haben und sie können alles mischen, was keinen Alkohol beinhaltet“, antwortete sie und wirkte etwas durcheinander. „Wieviel Gramm“, zischte er ihr zu. „Ach, junger Mann, das kann ich doch nicht schätzen, machen Sie beide Tüten einfach voll“, sagte die Kundin und guckte mittlerweile sehr traurig. Der junge Mann guckte extrem genervt und sagte: „Also wieviel Sterne jetzt, vier, fünf oder mehr…“ Die alte Dame sah jetzt aus, als würde sie jede Sekunde in Tränen ausbrechen.

Ihr Hirten erwacht …

Mir wurde es jetzt zu viel. Was fiel diesem untauglichen Exemplar eines Süßwarenverkäufers eigentlich ein. Ich stellte mich neben die alte Dame und sagte scharf: „Wo liegt eigentlich Ihr Problem? Die Dame hat doch deutlich, für alle anderen hier verständlich, gesagt, dass sie die Tüten voll machen sollen. Wenn Sie das nicht hinkriegen, komme ich gerne rum zu Ihnen, und erledige das für Sie.“

„Ich werde hier schon den ganzen Tag von Kunden überrannt. Stellen Sie sich das mal nicht so einfach vor“, versuchte er sich zu verteidigen. Sich einfach zu entschuldigen wäre sicherlich die bessere Lösung gewesen. Denn jetzt meldete sich auch die Frau hinter mir zu Wort. „Och herrje … freuen Sie sich doch darüber … die Weihnachtszeit ist ihre beste Verkaufszeit … der Umsatz in dieser Zeit sichert Ihnen doch ihren Arbeitsplatz, versuchen sie es doch mal so zu sehen.“

So tröstet in Freude, auf Bethlehems Weide …

Murrend schaufelte der Verkäufer mit dem Erziehungsdefizit Schokosterne in die Tüten, kassierte und überreichte der älteren Dame ihre Urenkelpräsente. Der Frau ging es sichtlich besser, die Schützenhilfe hatte ihr gut getan. Als ich an der Reihe war, sah ich „dem Feind“ gerade in die Augen und sagte: „So ich hätte gerne zwei Tüten voll, von den Schokosternen, nur die ohne Alkohol. Wieviel Gramm sind das wohl?“ Hinter mir konnte die andere Kundin nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. 

… gesegnet seid ihr alten Leute …

Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist, im Einzelhandel zu arbeiten. Manche Kunden sind nervig, arrogant und vielleicht sogar übergriffig. Trotzdem erwarte ich professionelles Verhalten, wenn es dann noch freundlich ist, freue ich mich. Und wenn man mal einen schlechten Tag hat, dann sollte man sich als Sparringspartner doch bitte nicht eine 85jährige Frau aussuchen. Das finde ich feige.

Nach diesem Erlebnis, habe ich mich zu Hause erst einmal mit meinen Schokosternchen und einer guten, dampfenden Tasse Kaffee aufs Sofa gekuschelt. Nach ein paar Schlucken entspannte ich mich und so langsam zog sie bei mir zuhause ein, die Weihnachtsstimmung.