König der Lüfte

Das geheime Leben der letzten Schreiadler Deutschlands

Foto: Frederking & Thaler

Wo Deutschlands Schreiadler leben, geht es der Natur gut. Der Vogel mit dem markanten Ruf bewohnt einsame Wälder. Aus der Nähe bekommen ihn die meisten nur selten zu Gesicht, denn die Vögel sind scheu. Der Journalist und Fotograf Thomas Krumenacker ist den Spuren der Schreiadler gefolgt und gibt sehenswerte Einblicke in das gut versteckte Leben der braunen Adler. 

In Deutschland brüten nur noch 130 Paare, dieser vom Aussterben bedrohten Raubvogelart. Vorwiegend leben sie auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs, was ihnen den Spitznamen „Pommernadler“ eingebracht hat. Sie ziehen jedes Jahr nur ein Junges groß, das aber mit Liebe und Leidenschaft.

Mit seinen eindrucksvollen und stimmungsvollen Fotos ist dieser Fotoband ein Muss für alle, denen Naturschutz und der Artenreichtum unserer Vogelwelt am Herzen liegt.

Der Autor und Fotograf

Thomas Krumenacker ist Journalist und befasst sich seit zwei Jahrzehnten mit Schreiadlern. Nur wenige Menschen haben mehr Zeit in ihrer Nähe verbracht: Er hat sie im Segelflugzeug auf dem Zug über Israel begleitet und aus Baum-Verstecken in Lettland fotografiert. Mit diesem Buch will er für den Schutz eines Vogels werben, der viel unterwegs ist und in der Uckermark ebenso zuhause ist wie in der afrikanischen Steppe.

Dieser Artikel enthält Werbung. Der obenstehende Link ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr Euch entschieden habt, das Buch zu kaufen und den Weg über diesen Link in meinem Blog zu gehen, würde mich das sehr freuen. Euch entstehen dadurch keine Kosten. Ich erhalte dann eine kleine Provision, die ich wieder in die Pflege von Taufrisch war gestern und die Umsetzung neuer Ideen auf meinem Blog, investieren kann.

Liebe, Männer, Eierlikör … und andere Katastrophen

Elsa-Antoinette hat ein neues Gewand

Ich gebe zu, es ist ein wenig ungewöhnlich, ein und dasselbe Buch zweimal zu rezensieren. Aber für das Fräulein Stern mache ich da gerne eine Ausnahme. Das hat diverse Gründe. Zum einen trifft die Autorin Elsa Stern aka Christina Loböck mit ihrer Art zu schreiben bei mir voll ins Humor-Epizentrum. Ich liebe diese Art von Humor so sehr, der wie ich finde, gar nicht so weit von meinem entfernt ist, was angesichts des österreichischgermanischen Nordsüdgefälles echt erstaunlich ist.

Dann ist das Buch einfach richtig gut und erscheint rechtzeitig zur Buchmesse in Wien in der zweiten Auflage. Und das in kompletter Eigenregie, denn die Autorin gehört zu den Selfpublishern und trägt damit nicht nur die gesamte Verantwortung für den Erfolg des Buches allein, sondern schultert damit auch ein enormes finanzielles Risiko. Davor ziehe ich den sprichwörtlichen Hut … Chapeau, liebe Christina.

Nun eine neu Rezension zu schreiben, macht keinen Sinn. Deshalb verlinke ich euch HIER meine Rezension, die ich geschrieben habe, als das Buch zum ersten Mal herauskam. Schaut mal herein, dort findet ihr mein erstes Interview mit der Autorin Christina Loböck. Nach wie vor gilt übrigens meine absolute Leseempfehlung! Damit ihr hier aber auch etwas Neues zu lesen habt, habe ich Christina erneut interviewt. Ihr dürft gespannt sein auf ihre Antworten. Christina (aka Elsa Stern ) gehört zu den Autorinnen, die ich irgendwann unbedingt einmal kennenlernen möchte. Ich frag‘ sie aber nicht, ob es ihr genauso geht … was sollte die Ärmste darauf schon antworten …

Foto: Daniel Huber

Interview mit Elsa Stern

Taufrisch war gestern: Dein Buch ist rechtzeitig zur „Buch Wien“ in zweiter Auflage erschienen. Dazu möchte ich dir von Herzen gratulieren. Wie war es für dich auf der Buchmesse. Hattest du den Eindruck, dass du als Selpublisherin die gleichen Chancen hattest, wie die Autoren und Autorinnen, die bei Verlagen unter Vertrag stehen?

Christina Loböck: Dankeschön! Es war schon eine gewisse Herausforderung alles zum Termin zu koordinieren und fertig zu haben, da ich diesmal ja keinen Verlag hatte, der mir gewisse Arbeiten abgenommen hätte. 

Ich schwebe gerade noch immer auf einer großen Wolke mit Endorphinen was die Buchmesse angeht. Ich bin da wirklich ohne große Erwartungen hingefahren und zurückgekommen bin ich mit einem Kopf voller Ideen und Inspiration, mit frischer Motivation, Tipps und Tricks von erfahrenen Autorinnen und vor allem mit ganz vielen tollen, neuen Kontakten und Freundschaften. Ich war gemeinsam mit dem Verein Romane made in Austria, bei dem ich Mitglied bin, als Aussteller auf der Buchmesse und obwohl ich vorher noch keine von den anderen Autorinnen des Vereins persönlich kannte, wurde ich gleich so richtig herzlich in die Gruppe aufgenommen. Als Selfpublisher auf der Messe zu sein, habe ich wirklich nicht als Nachteil empfunden, eher im Gegenteil. Im Verein bin ich da auch in bester Gesellschaft, da gibt es mehrere Selfpublisherinnen wie z.B. Mira Morton, Katrin Frank, Sophia Chase usw., die schon mehrfach in den verschiedensten Bestsellerlisten waren und jetzt auch zum Teil als Hybridautorinnen von Verlagen heiß begehrt sind. Alleine, dass mein Buch in solcher Gesellschaft auf dem Messestand von Romane made in Austria ausgestellt war, hat ihm immense Sichtbarkeit verliehen. Dann hatte ich auch noch das Glück, dass BoD, über die ich die Herstellung und den Vertrieb des Taschenbuchs abwickle, mein Buch ebenfalls an ihrem Stand ausgestellt hatten (das war eine sehr angenehme Überraschung, als ich das gesehen habe). Ich weiß nicht, welche Verlagsautoren behaupten können, dass ihr Buch gleich an mehreren Ständen ausgestellt wird, Midlist-Autoren können manchmal von Glück reden, wenn ihr Buch es überhaupt auf den Verlagsstand der Messe schafft, wenn es nicht gerade frisch erschienen ist. Obwohl ich selber die Literaturszene in Österreich gerne als etwas „elitär verschnupft“ bezeichne, würde ich behaupten, dass die Bücher von Selfpublishern vielleicht gerade deswegen ein immer größeres Publikum ansprechen, weil wir auch mehr Nischen bedienen können und sich Unterhaltungsliteratur einfach auch besser verkauft. Bei uns am Stand war der Zulauf und das Interesse auf jeden Fall immer sehr groß und es hat wirklich Spaß gemacht, dort zu stehen und zu sehen, wie gut die gesamte Palette an Selfpublishing Büchern angenommen wird. 

Taufrisch war gestern: Gibt es bei der Überarbeitung der zweiten Auflage signifikante, inhaltliche Änderungen?

Christina Loböck: In erster Linie gab es mal Änderungen an der Aufmachung. Der Buchsatz ist jetzt ein bisschen mehr mit Liebe zum Detail gestaltet und das Cover ist natürlich ein anderes. Ich wollte gerne, dass die Farben so richtig knallen. Nach der Buchmesse darf ich stolz verkünden: Das ist gelungen. Sowohl am Stand von Romane made in Austria als auch auf am Stand von BoD konnte man es von Weitem in seiner ganzen pinken Pracht strahlen sehen. 

Die inhaltlichen Änderungen halten sich eher in Grenzen. Hier und da haben mir ein paar Szenen nicht mehr gut gefallen und ich habe ein wenig umgeschrieben, dies und jenes ein bisschen anders formuliert, aber am Handlungsgerüst selbst hat sich nichts verändert. Was sich geändert hat, weil es ein Kritikpunkt von einigen Leser:innen war, ist, dass Elsas Freundinnen nun „anständige“, ganze Namen haben und nicht mehr mit Buchstaben abgekürzt werden. Die E. ist demnach jetzt die Eva-Maria und die A. ist die Anna-Katharina… alleine deswegen hat das Buch jetzt fast 40 Seiten mehr. Nein, ein Scherz. Es ist einfach nur deswegen ein wenig dicker, weil sich das Format geändert hat. Es kommt jetzt in handlichen 12 x 19cm daher. 

Taufrisch war gestern: Du weißt ja, wie sehr ich dein Buch mag. Hast du denn schon einen zweiten Teil in Arbeit? Und wenn ja, wann dürfen wir mit der Veröffentlichung rechnen?

Christina Loböck: Ja, der zweite Teil ist schon in Arbeit und geplant wäre die Veröffentlichung im (Früh-?)Sommer 2021. Zuerst musste ich aber natürlich noch den ersten Teil vor der Buchmesse herausbringen, weswegen das Schreiben an Teil zwei die letzten zwei Monate auf Eis lag. Aber jetzt freue ich mich schon wieder, richtig loslegen zu können. Ich bin auch schon wahnsinnig gespannt, was die Leser:innen des ersten Teils zu so manchen Entwicklungen sagen werden. Da habe ich nämlich ein paar Überraschungen, die für mich selbst zu Beginn etwas sehr skurril waren, aber je mehr ich geschrieben habe, umso besser haben diese „unvorhersehbaren Zufälle“, dann zusammengepasst. Manchmal sitze ich jetzt schon beim Schreiben da und lache mir heimlich ins Fäustchen, weil ich mir ausmale, wie die Leser:innen wohl auf dieses oder jenes reagieren werden. Und, was ich selber ja als Leserin total gerne mag: Es wird ein paar Dinge geben, die in Teil eins schon am Rande angeklungen sind und in Teil zwei dann für richtige Verstrickungen sorgen werden. Mehr verrate ich jetzt nicht, aber es gibt auf jeden Fall ein Wiedersehen mit allen Figuren des ersten Teils. Vom Theo-Theo bis zum Winkler, Helene und der Tante Henriette sind alle wieder mit von der Partie, natürlich auch Herr Q. 😉

Taufrisch war gestern: Wie diszipliniert bist du beim Schreiben? Jack London hat es beinhart durchgezogen. Mindestens 1000 Worte pro Tag waren ein Muss für ihn. Stellst du für dich auch solche Regeln auf?

Christina Loböck: Ach, das ist so eine Sache. Ja, ich sollte mir wohl auch so ein Tagesziel setzen oder beim Nanowrimo mitmachen, dann wären solche Dinge wie Veröffentlichungstermine usw. auch weitaus besser zu planen… ABER: Ich bin da ja ein wenig eigen. Ich schreibe eigentlich nur, wenn ich wirklich Lust darauf habe. Und das ist (bitte nicht lachen) meistens bei Vollmond. Mich zum Schreiben zu zwingen hat noch nie wirklich funktioniert. Diese Versuche landen dann spätestens beim nächsten Vollmond im Papierkorb bzw. fallen der Delete-Taste zum Opfer. Aber wenn ich mit Spaß an der Sache am Laptop sitze, dann klopfe ich auch mal 10 000 Wörter in drei Tagen in die Tasten und es ist wenig dabei, das ich im Nachhinein wieder lösche. Wenn ich aber vom Schreiben leben wollte, das haben mir bis jetzt auch alle Autor:innen bestätigt, mit denen ich gesprochen habe, dann ginge das nicht. Dann muss man wirklich konsequent jeden Tag arbeiten. Solange ich das nicht muss, ist Schreiben für mich aber auch keine Arbeit, sondern purer Spaß und das würde ich gerne so lange es geht beibehalten. 

Taufrisch war gestern: Welche Wege gehst du als Selfpublisherin, um für den Werk zu werben. Wie gewinnst du Leserinnen?

Christina Loböck: Ich setze großteils auf Mundpropaganda. Mein Buch ist etwas Besonderes, es ist sicher nicht für jeden Leser oder für jede Leserin das Richtige, dazu hat es zu viele Ecken und Kanten, um auf dem Populärmarktplätzen mit den Bestsellern mithalten zu können. Trotzdem habe ich auch schon bei der ersten Auflage gemerkt, dass die Leser:innen, denen es gefällt, sehr oft tatsächlich hellauf begeistert sind und die Kunde, dass es da ein sehr humorvolles, österreichisches Buch gibt, das man gelesen haben muss, auch in ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis verbreiten bzw. das Buch auch gerne weiterverschenken (Weihnachten naht mit Riesenschritten, das nur als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl 😉). Das kann man als Autorin natürlich nicht planen oder steuern, aber es hilft ungemein. Man weiß auch nie, wem das Buch auf diese Weise in die Hände fällt, vielleicht ist ein Buchhändler dabei oder eine Bloggerin, die eine große Reichweite hat… Solche Zufälle oder Glücksfälle sind mir schon einige Male passiert und haben mir einige Türen geöffnet. Ich hatte auch schon Leserinnen, die mit meinem Buch in ihre Stammbuchhandlung marschiert sind und die Buchhändler überredet haben, es ins Sortiment aufzunehmen, was natürlich ein Traum war. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich selber nur daheim sitze und Däumchen drehe, allerdings wäre „richtiges“ Marketing ein Vollzeitjob, da bliebe keine Zeit mehr zum Schreiben und außerdem fehlen da einfach auch die finanziellen Ressourcen. Selfpublishing ist ohnehin schon ein sehr teures Hobby, da bleibt nicht mehr viel Werbebudget. Ich versuche daher, dass ich meine wenigen Aktionen sehr gezielt plane. Beispielsweise wird es nach Weihnachten wieder eine Leserunde auf lovelybooks geben. Ich bin einfach ein Fan vom direkten Austausch mit den Leser:innen. Diese „Nahbarkeit“ ist für mich auch ein wichtiger Faktor, wenn es um die Vermarktung geht, daher tausche ich mich auch sehr gerne mit Leser:innen aus, zum Beispiel auf Instagram, wo ich deutlich mehr unterwegs bin als auf Facebook. 

Taufrisch war gestern: Elsa ist ja immer etwas chaotisch unterwegs. Wie sieht es mit dir aus. Kannst du gut aussortieren und dich von Dingen trennen? 

Christina Loböck: Ähm… tja… ich bin eher so eine Sammlerin und trenne mich sehr ungern von Dingen. Und das, obwohl ich lieber Minimalistin wäre und mir gut vorstellen kann, dass ein wenig mehr Ordnung und ein bisschen weniger Krimskrams eine therapeutische Wirkung haben können. Ich bin aber ein wenig von meiner lieben Mama geprägt, die selber auch sehr viele Dinge aufhebt, aus dem einfachen Grund, weil sie ja (in 100 Jahren) mal was wert werden könnten. (Meine Mama schaut sehr gerne „Kunst und Krempel“, was vielleicht einiges erklärt). Tatsächlich habe ich noch Kinder-Ei-Figuren aus den 80gern auf dem Dachboden, darunter auch diesen ominösen Eierlaufschlumpf, der laut Katalog fast 1000 Euro wert sein soll. Meine Mama hat ihrerseits eine etwas makabre Sammlung an „Sterbebildern“ (das sind diese kleinen Kärtchen, die man bei uns bei Begräbnissen als Andenken an den / die Verstorbene/n bekommt). Ihr größter Schatz ist ein Sterbebild von Kaiserin Sisi und ihr ältestes Stück stammt aus dem Jahre 17..schieß-mich-tot – beide sollten auch schon was wert sein. Also, das Credo in meine Familie ist: Lieber aufheben, man könnte es ja noch mal brauchen oder zu Geld machen können…

Taufrisch war gestern: Wie möchtest du leben, wenn du 80 Jahre alt bist?

Christina Loböck: Ich habe da mal eine sehr schöne Vision von einem Freund von mir geschenkt bekommen, der meinte, dass ich mit 80 mit langem, wallenden, grauen Haar in einen seidenen chinesischen Morgenmantel gehüllt und mit grellpinkem Lippenstift in einem wunderschönen Gewächshaus mit Orchideen sitze, in der einen Hand einen Bleistift und in der anderen Hand eine Wedgewood Teetasse gefüllt mit Gin und dann meine Memoiren in ein Notizheft kritzle während ich mit meinen sieben Katzen rede. Ein bisschen so wie Miss Havisham aus Charles Dickens „Great Expectations“ nur weniger verbittert und mit einem tollen Toyboy, der im Schlafzimmer auf mich wartet. Mir gefällt diese Vorstellung sehr gut. Ein bisschen Exzentrik schadet erstens nie und zweitens wäre das Leben sonst ja sehr langweilig. 

Taufrisch war gestern: Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen und mit welchem Charakterzug kommst du gar nicht zurecht?

Christina Loböck: Offenheit, Empathie und Humor fallen mir als erstes ein, aber auch der respektvolle Umgang mit Menschen, Tieren und der Umwelt wäre ganz oben auf der Liste. 
Mit oberflächlichen und überheblichen Menschen, die sich und das Leben zu ernst nehmen oder Dauerpessimisten, komme ich dagegen überhaupt nicht klar. Andere von oben herab zu behandeln, weil man sich selbst für etwas Besseres hält, ohne sich vom Gegenteil überzeugen lassen zu wollen, ist für mich ein absolutes No-Go und solche Menschen (Offenheit und Empathie auf meiner Seite hin oder her) möchte ich auch nicht in meinem Leben haben, das wäre mir ehrlich zu anstrengend. 

Taufrisch war gestern: Wenn man schreibt gibt man unweigerlich viel und macht sich verletzlich. Gibt es im Gegenzug auch etwas, das du dir von deinen Lesern wünscht?

Christina Loböck: Dass sie eben das erkennen: Autor:innen (zumindest ich) schreiben manchmal Jahre an ihrem Buch bevor sie sich damit an die Öffentlichkeit trauen. Das „Produkt“ liegt ihnen daher wahrscheinlich mehr am Herzen als dem Bäcker die Semmel, die er fabriziert und verkauft. Als Autor:in stellt man sich mit seinem Buch öffentlicher Kritik, Menschen, die einen nicht kennen, beurteilen plötzlich, was man macht und wie man es macht. Das kann schon beängstigend und nervenaufreibend sein. Eine Buchveröffentlichung ist für einen Autoren immer in etwa so, als wäre man ein Schauspieler, der sich auf die Bühne stellt: Man hofft, dass die Zuschauer am Ende nicht mit Tomaten werfen. Und das wünsche ich mir auch: Dass die Leser:innen ihre Tomaten bitte zu Hause lassen, auch wenn einem ein Buch mal nicht gefällt, was ja durchaus legitim ist. 

Taufrisch war gestern: Liebe Christina ich danke dir für deine interessanten und lustigen Antworten und den kleinen Einblick in die Seele einer Autorin, die einen leichtem Hang zur Exzentrik und zu Toyboys verspürt, und die am liebsten bei Vollmond schreibt …

Hier noch ein kleines Geschenk für Euch: Ladet euch die Kindle-Ausgabe für dieses humorvollen Buches, über diesen Link für 0,99 Euro herunter. So günstig nur für begrenzte Zeit!!!

Dieser Artikel enthält Werbung. Der obenstehende Link ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr Euch entschieden habt, das Buch zu kaufen und den Weg über diesen Link in meinem Blog zu gehen, würde mich das sehr freuen. Euch entstehen dadurch keine Kosten. Ich erhalte dann eine kleine Provision, die ich wieder in die Pflege von Taufrisch war gestern und die Umsetzung neuer Ideen auf meinem Blog, investieren kann.

Karneval, die fünfte Jahreszeit … Helau, Alaaf, FischElm!

In Hamburg sagt man nöhööö!

Foto:pixaby

Am 11.11. um 11.oo Uhr passiert bei uns in Hamburg Folgendes … nämlich genau gar nichts! Keine Wilden Weiber, die männlichen Vorgesetzten die Krawatten abschneiden, keine Lebensmittel herumwerfenden Prinzenpaare, keine Karnevalsschlachtrufe die eine ungeschulte Norddeutsche erschauern lassen … abgesehen von …

Da ist ein kleines gallisches …, ähm, Dorf in Schleswig-Holstein, namens Elmenhorst. Dort weht die Karnevalsfahne ganz oben am Mast. Diese norddeutsche Enklave rheinländischen Humorverständnisses pflegt den jährlichen Klamauk mit Hingabe. Das ganze Dorf macht mit. Der ortsansässige Tischler, der Ehemann einer guten Bekannten, zimmert jährlich eine neue Kulisse für die örtliche Turnhalle. 

Man hört so oft, die Blasmusik ist heut nicht mehr modern.
Und trotzdem hör ich sie, halt immer wieder gern.
Denn überall, wo Blechmusik erklingt, ihr lieben Leut,
ja da herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit.

(Ernst Hugo Neger)

Es gibt sechs Garden, für normale Menschen erklärt, das sind die Tanzgruppen des Karnevalsvereins. Da wäre natürlich zuerst die „Prinzengarde“, dann die „Showdancer“, die Männertruppe (!) die „Elephants“, dann die „Alten Schachteln“, die Teeniegarde und zum Schluss noch für die ganz Kleinen die „Tanzmäuse“.

Der Neid muss es ihnen lassen, sie verstehen ihr Handwerk, die gemeinsame Leidenschaft für den Karneval schweißt den Ort zusammen. Doch jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, mich infizieren zu lassen, brüllt irgendwer im Saal inbrünstig „FischElm, FischElm, FischElm!!!“, was mich dann wieder zurück in die dröge, norddeutsche Wirklichkeit holt. 

Ja da geht’s Humba Humba Humba Täterä Täterä Täterä
Ja da geht’s Humba Humba Humba Täterä Täterä Täterä
Da ruft der ganze Saal dasselbe noch einmal. 

(Ernst Hugo Neger)

Dabei habe ich durchaus eine genetische Disposition für den Karneval. Meine Omi mütterlicherseits ist eine waschechte Rheinländerin. Geboren und aufgewachsen im schönen Boppard am Rhein, liebte sie den Karneval. Die Umzüge und die Sitzungen gehörten zu ihrem Leben und damit auch zu meinem. Zusammen mit meiner Großmutter sah ich mir die Rosenmontagsumzüge an und ich kenne gefühlt jede im Fernsehen übertragene Karnevalssendung seit 1961. Ernst Hugo Neger, der singende Dachdeckermeister, ist gewissermaßen mein karnevalistischer Patenonkel. In diesem Sinne, „Humba, Humba, Täterä“, Freunde.

Und schießt bei uns der Sportverein am Sonntag mal ein Tor,
steht alles auf ‚m Kopf, denn das kommt selten vor. Dann geht es mit Hipp- Hipp- Hurra ins Dorf vom Fußballplatz,
denn im Vereinslokal gibt’s dann Rabatz.

(Ernst Hugo Neger)

Ich saß mit Oma und Opa im Wohnzimmer auf dem Sofa, wir hatten lustige Papphütchen auf und schunkelten zu den Liedern, die auf der Bühne gesungen wurden. Meine Omi übersetzte mir simultan die Büttenreden von „Professor Knickebein“, „Et Botterblömche“ und der „Doofe Noß“. Ich lernte schnell, dass es laut zugehen durfte, dass man inhaltlich auch mal draufhauen durfte und dass einem das verziehen wurde, weil man das in der sogenannten fünften Jahreszeit gemacht hatte. Insgesamt gesehen gehören diese Erlebnisse mit meinen Großeltern wohl zu den schönsten meiner Kindheit.

Ja da geht’s Humba Humba Humba Täterä Täterä Täterä
Ja da geht’s Humba Humba Humba Täterä Täterä Täterä
Da ruft der ganze Saal dasselbe noch einmal.

(Ernst Hugo Neger)

Doch wie es oft im Leben ist, kann alles das ganz anders auf einen wirken, wenn man älter wird und selber teilnehmen muss an einem solchen Event. Mich ereilte dieses Schicksal während meines Volontariats. Zwei Tage vor dem 11.11. teilte mein Chefredakteur mir mit, man habe mich an die Kollegen der Kölner BILD-Redaktion ausgeliehen. Die fünfte Jahreszeit stünde vor der Tür und die Kollegen bräuchten Unterstützung. In Köln habe man, dankenswerter Weise, seine Verbindungen spielen lassen und mir und Jochen, dem anderen Volontär einen Platz auf dem Wagen einer Karnevalsgesellschaft mit einem für norddeutsche Zungen, unaussprechlichen Namen gesichert. Danke nochmal dafür, Folks.

Ich mööch zo Foos no Kölle jonn
Op d′r Düxerbröck bliev ich stonn
Ming Aure luure üvver d’r Ring
Ich muss ming Stadt, mieh Kölle sinn.

(Micky Brühl Band)

Jochen, ein Bremer, und ich kamen also in Köln an, ausgerüstet wie normale Journalisten. Rucksack, Schreibblock, diverse Stifte und ein Handy. Ein Mann mit einem Bunt angemalten Gesicht kam, schüttelte meine Hand und begrüßte mich mit den Worten: „Morjen Joldfasänsche!“ Dann hieb er dem Jochen seine flache Hand zwischen die Schulterblätter und sagte: „Schfreumisch.“ Wie er uns weiterhin sagte, war er der Norbert, sowas wie der Karnevalsumzugsobmann seiner Gilde. 

Unsere Rucksäcke verfrachteten wir in ein anderes Auto, dass den Umzug begleiten sollte, nur die Handys durften wir einstecken. Den „Schreibkrims“ bräuchten wir sowieso nicht, denn jetzt werde erst einmal gefeiert und wir würden das alles sowieso nicht so schnell vergessen. Wie recht er doch hatte, der Norbert.

He weed mer opjenumme
Jebütz un flöck jedröck
Dat jewwe mir hück
Mit nem Leed zoröck

(Micky Brühl Band)

Es folgt nun eine Schilderung der Geschehnisse durch eine durch und durch norddeutsche Seele:

Der Prunkwagen verdiente seinen Namen, soviel Glitzer hatte ich nicht einmal auf Lady Di’s Hochzeit gesehen. Er war besetzt mit lauter Menschen mit Louis-quinze-Perücken, Frauen in viel zu kurzen Röckchen, die Männer in prächtigen Zarenuniformen mit viel zu viel Lametta. Sie haben Jochen und mich mit Bonbons beworfen … ich weiß bis heute nicht wieso … und immer „Strüssje“ und „Alaaf“ gerufen. Sie waren gar nicht zu bremsen. 

Nach gefühlt drei Sekunden mussten wir Jochen verarzten, weil es ihm nicht gelungen war, sich vor einem heranfliegenden „Strüssje“ wegzuducken und er das Dingens ins offene Auge bekommen hatte. In Ermangelung von Coolpacks hatte Jochen sehr schnell die „Piggolösche“ entdeckt und presste sich eine Flasche aufs lädierte Auge.

Ich mööch zo Foos no Kölle jonn
Op d′r Düxerbröck bliev ich stonn
Ming Aure luure üvver d’r Ring
Ich muss ming Stadt, mieh Kölle sinn.

(Micky Brühl Band)

Gelegentlich packte mich jemand an den Schultern oder an der Hüfte und zwang mich, mit ihm auf und ab zu springen. Ich machte einfach mit und hoffte, dass die zwei Piccolos, die ich inzwischen getrunken hatte, bitte, bitte drinnen bleiben würden. Inzwischen sank die Hemmschwelle auf dem Wagen proportional zum Erregungslevel, der sich unaufhaltsam nach oben arbeitete. Mich haben wildfremde Menschen ungebremst auf den Mund geküsst … immer wieder, volle Kanüle. Das wäre eigentlich einen eigenen Hashtag wert gewesen.

Bunt die Stadt un Minsche,
Ejal woher do küss
Ob du Rich bes oder leider
Nix im Büggel häss

(Micky Brühl Band)

Die Fahrt war vorbei und gedanklich suchte ich nach einem Bahnhof, in dem mich einer der durchfahrenden Züge zurück nach Essen hätte fahren dürfen, denn Jochen, meine Mitfahrgelegenheit war knülle und machte ein kleines Nickerchen. Allerdings meinte Norbert, jetzt ginge es doch erst richtig los. Wenn wir die Vereinsfeier nicht erlebt hätten, dann wüssten wir nichts über den Kölner Karneval.

Jochen wurde wachgerüttelt, er schrak hoch und murmelte verschlafen „Mama, so früh…“, was die Dame, die ihn hinter sich herzog einfach weglachte. Wir wurden in ein Vereinsheim in Festsaalgröße verschleppt und ich musste mit einer Frau namens „Funkenmariechen“ Can-Can tanzen. Nicht dass ich das nicht gekonnt hätte aber da war immer dieses bohrende „warum“ in meinem Hinterkopf.

Leeve un Leeve losse
Dat is he Jrundjesetz
Kumm sing mit uns
Wenn du wenn du jenauso föhls 

(Micky Brühl Band)

Die bunten Leute fanden es übrigens unerträglich, dass der Jochen und ich den Festsaal in Alltagsklamotten betreten hatten. Fünf Frauen, allesamt Gattinnen des Vereinsvorstandes, nahmen sich meiner liebevoll an. Den Jochen hatte ich aus den Augen verloren. Was soll ich sagen, etwa 15 Minuten später, saß ich in einem viel zu kurzen Rock, mit einem Make-up im Gesicht, dass einer Dragqueen auf St. Pauli alle Ehre gemacht hätte, an einem Tisch und beteiligte mich rege an einem lustigen Trinkspiel.

Ja und als der Jochen um die Ecke kam, sah er in seinem gelben Anzug und mit seinem Federhut aus, wie eine etwas misslungene Werbefigur für Chicken-McNuggets. Jochen und ich schlossen an dem Abend Freundschaften fürs Leben, mit Leuten, die wir gleich darauf wieder aus den Augen verloren und versprachen uns gegenseitig, dass keiner von uns den anderen schutzlos in dieser Jecken-Umgebung zurücklassen würde. Wir ließen jegliches norddeutsches Understatement fahren, feierten was das Zeug hielt und tranken dem Verein die Cocktailbar leer.

Ich glaube, ich habe heute noch Restalkohol …

Kleiner Nachtrag:

Jochen und ich durften unseren Rausch in Köln ausschlafen. Wir haben es tatsächlich geschafft, unseren Karnevalsreport rechtzeitig ins Blatt zu heben. Einige Fotos von uns haben wir konfisziert, aus Gründen. Es war unser erster und letzter Originalkarneval. Zwei Tage später waren wir wieder in Kettwig, two siblings in crime, Freunde bis heute. Keiner von uns hat bisher über die Kölner Vorfälle geschrieben … sorry Jochen.