Lasst Blumen sprechen…

Meine Mutter shanghait die örtliche Gärtnerei

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Gestern war ich den halben Tag in der Gärtnerei … mit MEINER MUTTER! Es war schön, irgendwie … aber auch sehr anstrengend. Wie alles in ihrem Leben, hatte meine Mutter diesen Besuch generalstabsmäßig vorbereitet. Ausgestattet mit einer Atemschutzmaske, FFP2 – natürlich, einer doppelten Lage Gummihandschuhe und einem drei Seiten langen Einkaufszettel.

Ein paar Kleinigkeiten…

„Ich hätte Lust mal ein bisschen was im Garten zu machen“, hatte sie gesagt. „Ich brauche nur ein paar Kleinigkeiten“, hatte sie gesagt. Ich falle immer wieder darauf rein. KLEINIGKEITEN GIBT ES IM LEBEN DEINER MUTTER NICHT, BIRGIT!!! Merk Dir das endlich.

Die erste Wagenladung bestand aus fünf Säcken Erde, zwei Säcken Rasendünger, 20 rotblühenden Beetnelken und drei großen Hortensien. Die Säcke verstaute ich auf der Ladefläche meines Berlingos, den Rest verpackte meine Mutter in ihrem Opel.

„Zeit ist das, was man von der Uhr abliest“ (Albert Einstein)

 Doch vor dem Einpacken stand das Kassenritual:

Meine Mutter hatte ihre Handtasche quer vor ihrem Bauch hängen. „So kann mir niemand einfach so mein Portemonnaie klauen“, erklärte sie und ließ ihren misstrauischen Blick über die anderen 80jährigen gleiten, die mit ihr in der 20 Meter langen Kassenschlange standen und aufs Abkassieren warteten. 

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ (Meine Oma)

Ich bin stolz auf mich, denn ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass es klüger ist, nichts auf solche Bemerkung zu erwidern. Denn wenn man es in einem unbedachten Moment doch tut, dann löst man eine Informations-Lawine über Kriminalstatistiken und Inhaltsangaben von Beiträgen aus STERN-TV, RTL am Mittag und XY… Ungelöst aus, die alle Belegen sollen, dass die Welt an sich schlecht ist. Gefolgt von der Schlussfolgerung, dass die Gauner dieser Hemisphäre es explizit und ausschließlich auf ihre Börse abgesehen haben. Punkt. 

Empathie die unbekannte Kernkompetenz

Endlich waren wir an der Reihe. Wir fuhren die Wagen nacheinander in die Kassenbucht und zwei nette Damen begannen unsere Ware einzuscannen. Ich persönlich fand ja, dass es recht schnell ging. Meiner 85jährigen Mutter ging es aber nicht schnell genug. „Also, man sollte meinen, dass Sie an einem Tag, an dem soviel los ist, jemanden an die Kasse stellen, der damit umgehen kann“, sagte sie halblaut zu mir. Die junge Frau hinter dem Tresen errötete, ich errötete auch – ein dreifach Hoch auf die Maskenpflicht. „Es ist zurzeit für niemanden einfach, Mama“, sagte ich beschwichtigend.

„Ach was, wir müssen hier noch ein paar Mal durch die Kasse, da könnte es wirklich ein bisschen zügiger gehen“, sagte sie. Während in meinem Kopf noch die Worte „ein paar Mal durch die Kasse“ widerhallten, holte meine Mutter ihre EC-Karte aus der Tasche um zu bezahlen. Oder sollte ich besser sagen, sie grub sie aus? Denn in ihrer Handtasche gab es mehr Geheimfächer und Reißverschlüsse, als in Mary Poppins Reisetasche. 

„Lebenskünstler leben von der Zeit, die andere nicht haben“

(Michael Douglas)

Sie öffnete die rechte Innenseitentasche, holte eine Brieftasche heraus. Aus dieser Brieftasche zog sie eine schwarze Plastikhülle in der sich ihre EC-Karte in der Originalhülle der Bank befand. Und diese Frau hatte allen Ernstes Angst vor Taschendieben. Die einzig sichere Methode, an die EC-Karte meiner Mutter zu kommen, solange sie sich in ihrer Handtasche befand, war sich das alte, zähe Weib unter den Arm zu klemmen und mitsamt der Handtasche das Weite zu suchen.

Zögernd legte meine Mutter die Karte nun in die graue Steingutschale, die dafür vorgesehen war. Die Kassiererin nahm sie sich heraus und zog sie durch den Scanner. Meine Mutter nahm die Karte entgegen, steckte sie in die Originalhülle der Bank, diese in die schwarze Plastikhülle, diese steckte sie in die Brieftasche, die verschwand wiederum in der rechten Innenseitentasche der Handtasche und während sie den Reißverschluss zuzog, feierten hinter uns, zwei in der Warteschlange stehende 79jährige, in ihren 80zigsten hinein.

Immer straight das Ziel vor Augen

Das alles ließ meine Mutter ungerührt. Aus ihrer Sicht war ihr Verhalten logisch begründbar und deshalb von allen Umstehenden in Kauf zu nehmen. Frischen Mutes schob sie ihren entladenen Einkaufswagen ein weiteres Mal durch die Drehtür um danach ins Blumenmeer unserer Vorortgärtnerei abzutauchen. Denn ein 900 Quadratmeter großer Garten und zwei Gräber warteten darauf bepflanzt zu werden. Ich folgte ihr und half ihr dabei sich im Folgenden 50 fleißige Lieschen in rosa und weiß, 25 rote Begonien und 20 gelbe Begonien in unsere Wagen zu laden, dann – Kassenritual! Umpacken.

Abstandsregeln, ja, Hygienevorschriften, absolut ja,

Richtungsvorgaben, so lala…

Wir durchpflügten die Gärtnerei danach noch drei Mal. Jedes Mal entdeckte meine Mutter neue Abkürzungen. Wegumleitungsschilder des Betriebsvorstandes wurden im Besten Fall einfach ignoriert, im offensivsten Fall einfach in die gewünschte Richtung gedreht. Mir stand der kalte Angstschweiß auf der Stirn, immer wenn ich dachte, jetzt erwischen sie uns, dann wieselte meine Mutter schon durch die nächste Ausstellungsreihe und fischte ihren Altersgenossen die üppigsten Exemplare Blühpflanzen vor der Nase weg.

Sorry, entschuldigung, pardon, verontschuldiging, disculpe, mi scusi…

Ich schwankte zwischen Fremdschämen und Bewunderung für soviel, ich nenne es mal Bravour. In mir wuchs der Wunsch eine kurze Rede zu halten, mich bei den übrigen Kunden zu entschuldigen, für die leeren Blumen-Regale, für von uns verursachte Wartezeiten und für arthroserelevante Ausweichmanöver, die meine Mutter ihnen abverlangt hatte. Ich tat es natürlich nicht … also, eine Rede halten … schämen schon.

Nachdem ich den ganzen Kladderadatsch im Garten meiner Mutter abgeladen hatte, fuhr ich nach Hause. Ich war groggy, vollständige Sätze wollten mir einfach nicht mehr über die Lippen kommen. Ich schnappte mir eine heiße Tasse Kaffee und legte mich für den Rest des Tages auf mein kuscheliges Sofa und sah zu wie sich, in der Netflix-Serie „Last Viking“, Männer und Frauen durch die Zeitgeschichte metzelten. Das entsprach in etwa meiner inneren Verfassung.

Bis ich mich traue, mich wieder in meiner Lieblingsgärtnerei blicken zu lassen, müssen noch ein paar Tage verstreichen. Viel war ja dank Maskenpflicht nicht von meinem Gesicht zu erkennen. Unser örtliches Gartenunternehmen dürfte aktuell ohnehin einen Versorgungsengpass haben. Soviel ist schon mal sicher, liebe Ortsansässige, Fleißige Lieschen und Begonien sind aus…

Hinter jeder grossartigen Frau steht eine besondere Katze

Was Ihr vielleicht noch nicht von mir wisst ist, dass ich ein großes Faible für Kunst habe. Ich gehe unglaublich gerne auf Ausstellungen und in Kunstmuseen. Ich kann mich für gute Fotos genauso begeistern, wie für Malereien, Skulpturen oder Kleinkunst. Leider können wir zurzeit ja keine Ausstellungen besuchen, also habe ich mir ein wenig neue Kunst ins Haus geholt. Bücher wie dieses können die Wunden, die Corona in mein Kulturbedürfnis geschlagen hat, schon ein bisschen lindern.

Die Kunst nach hause holen

Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein…, nein kein Mann, da muss ich Euch enttäuschen Jungs. Nach der Überzeugung der Künstlerin Lulu Mayo, kann es nur eine Katze sein, die zu Ruhm und Anerkennung führt – mindestens eine Katze. Lieber mehrere…

Finley, mein Hund, protestierte: „HustwauHusthust… ähemmm, der beste Freund des Menschen ist ja wohl immer noch…!“

„Finley, jetzt hör aber mal auf zu husten. Es gibt eben auch Menschen, die brauchen Katzen zum Leben und nicht nur einen Hund.“ Um meinen Dicken zu beruhigen fügte ich noch hinzu: „Ich persönlich, brauche ja nur Dich, eine Katze könnte Deinen Platz niiiiiemals ausfüllen.“ Er schien ein wenig beruhigt.

Meiner Tochter hat es gefallen, mir auch

Inzwischen hatte sich meine jüngste Tochter Motte zu uns gesellt und vertiefte sich in das neue Katzenbuch. „Taylor Swift hat Katzen, Mama, wie cool. Lass uns mal schauen, wer noch“, sagte sie begeistert und blätterte weiter.  Nach und nach las sie die Geschichten über Audrey Hepburn, Elisabeth Taylor, die erste afroamerikanische Astronautin Mae Jamison und viele weitere Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Menschenrechtlerinnen und Pionierinnen, die erstaunliche Dinge in ihrem Leben zustande gebracht haben. Sie alle liebten Katzen und wurden von diesen eigenwilligen, wunderschönen Tieren durchs Leben begleitet.

Ein ganzes Leben in einem Bild

Die Künstlerin Lulu Mayo hat die Geschichten, über die im Buch beschriebenen Frauen, mit hinreißenden Malereien bebildert. Jedes Kunstwerk erzählt die Lebensgeschichte einer besonderen Frau, gleichzeitig wird auf jedem Bild deutlich, wie eng und besonders die Beziehung zwischen den Frauen und ihren Katzen war oder noch ist. Meine Motte hat sich ganz spontan in dieses Buch verliebt. Sie liebt weibliche Helden und sie liebt Katzen über alles. Ich denke, Lulu Mayos Buch wird in ihr Bücherregal umziehen, als kleine Wiedergutmachung dafür, dass wir wegen ihrer Allergie keine Katzen halten können.

Fazit

Man muss nicht selber Katzenhalterin sein, um dieses Buch zu mögen. Ein bisschen Sehnsucht nach etwas Schönem reicht völlig aus, um sich dieses Buch anzuschaffen. Die abwechslungsreichen Kunstwerke der Autorin Lulu Mayo fesseln von der ersten Seite an. Die Lebensgeschichten sind zwar kurz gefasst, weckten bei mir (und meiner Motte!!!) aber die Neugier etwas mehr über einige der Protagonistinnen zu erfahren.

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