Sentimental Journey oder Opas Regentonne darf nicht sterben

Mein Mann sitzt auf der Terasse und hört mich, wie ich auf meiner Computertastatur tippe. Er fragt: „Was machst Du gerade?“ Ich antworte: „Ich schreibe über unsere Regentonne.“ Er dreht sich um und wirft mir einen sehr besorgten Blick zu. Sagen tut er nichts, denn er hat schon lange verstanden, wann es besser ist, die Dinge einfach laufen zu lassen. Guter Mann!

Wie sollte ich ihm auch auf die Schnelle erklären, warum mir an einer angerosteten Regentonne, von der gefühlte 5 Schichten Farbanstrich abblättern, so viel liegt. Das ist so ein sentimentales Ding hatte ich gesagt, als wir das Eisenfass aus dem Garten meiner Mutter geholt hatten. „Hmmm“, hatte er dazu gesagt, seinen Blick skeptisch auf mein Objekt der Begierde gerichtet. Meine Mutter wollte das, aus ihrer Sicht, nutzlose und hässliche „Genöök“ entsorgen. Dieser Gedanke hatte meiner Seele einen schmerzhaften Stich versetzt. Schwer zu verstehen – ich weiß.

Nun steht sie in unserem Garten und wartet darauf, dass mir ein zündender Gedanke kommt, welche Rolle sie später in unserem kleinen Gartenparadies spielen darf.

Gonna make a sentimental journey, gonna set my heart at ease …

(Text und Song: Warner Chappell Music Inc.)

Mit der Sentimentalität ist es ja manchmal eine ganz merkwürdige Sache. Während es bei den meisten Menschen Gedanken an ihre erste Liebe, den ersten Kuss oder DAS erste Mal braucht, um sentimental zu werden, genügt bei mir schon ein Blick auf die alte Regentonne meines Opas. Sie ist schon sehr alt und stand ursprünglich bei meinen Großeltern im Garten. Mein Großvater hatte sie einmal getreu seinem Motto „Nur nichts umkommen lassen“, von einer Baustelle mitgebracht.

Mein Opa war Tischler und in der Nachkriegszeit machten er und seine Jungs beim Wiederaufbau unserer schönen Stadt für manches Großprojekt die Fenster, Türen oder Treppen. Wenn Material auf dem Bau entsorgt werden sollte, dann packte mein Großvater zu – natürlich mit Erlaubnis! Oft wurde, wie wir in Hamburg sagen, dabei so’n büschen geschintscht. „Du kannst das einpacken Hans, wenn Du den ander’n Kroam ook wechbringst.“ Eine Hand wusch die andere. Die Tonne, sollte eigentlich auf den Müll. Zuhause überlegte mein Großvater es sich anders. „De Tünn is heil, die geit noch“, sagte er.

Gonna make a sentimental Journey, to renew old memories…

(Text und Song: Warner Chappell Music Inc.)

Ein geeigneter Platz für die Tonne, war schnell gefunden. Hinter dem Wohnhaus meiner Großeltern stand noch ein kleineres zweistöckiges Gerätehaus. In der unteren Etage, war im hinteren Teil der Öltank für die Heizungsanlage eingelagert, im vorderen Teil hatten Rasenmäher, Fahrräder, Heckenschere und alle anderen Gerätschaften ihren Platz. Im Spitzdach des Häuschens, wohnten die Brieftauben meines Großvaters. Er war ein leidenschaftlicher Taubenzüchter. 

An der Rückwand des Gerätehäuschens rankte eine wunderschöne dunkelrote Kletterrose die Wand hoch. Gleich daneben war das Fallrohr der Regenrinne und dort sollte die Regentonne ihren Dienst antreten.

Im Innenhof wurde die Tonne gesäubert, mit Rostschutz versehen und bekam dann ihren ersten Anstrich. Dann stand sie da, in Omas Rosenbeet. Von dem Moment an hatten mein Großvater und ich ein Ritual. Jeden Abend im Hochsommer gingen wir mit unseren Gießkannen zu unserer Regentonne und schöpften Wasser ab. Dann gossen wir die Rosen, Gladiolen, Primeln und was sonst noch so blühte auf Omas reich bepflanzten Beeten. Mein Großvater erklärte mir dann, wie man die einzelnen Pflanzen, die wir begossen hatten, weiter pflegen musste, wie man Samenkapseln abnahm und wann man die neu gewonnenen Samen aussäen musste, damit der Garten im neuen Jahr wieder so schön wurde, wie im vergangenen.

Never thought my heart could be so yearny, why did I decide to roam …

(Text und Song: Warner Chappell Music Inc.)

Als meine Großeltern ihr großes Grundstück verkaufen mussten, weil die Stadt direkt vor ihrem Haus eine Brücke baute, brach für mich meine kleine, heile Welt zusammen.  Meine Großeltern, beide schon über siebzig Jahre alt, kauften sich ein neues, kleineres Grundstück und bauten darauf noch einmal ein Haus. Das war ein schwieriges Unterfangen.  Welche Erinnerungen konnte man in diesem doch schon fortgeschrittenen Alter hinter sich lassen, ohne daran zu zerbrechen? Das alte Haus hatte mein Urgroßvater mit seinen eigenen Händen gebaut und es war dank der guten Pflege meiner Großeltern, noch immer gut in Schuss. Es war eigentlich unersetzbar.

Got my bag, got my reservation, spent each dime I could afford
Like a child in wild anticipation, long to hear that all aboard…

(Text und Song: Warner Chappell Music Inc.)

Doch ich schweife ab. Natürlich nahm Opa die Regentonne mit in seinen neuen Garten. Im hinteren Grundstücksteil hatte er ein Holzhäuschen für seine Tauben gebaut, seine geliebten Tiere zogen natürlich mit ins neue Leben. Die Tonne bekam ihren Platz neben dem Taubenhäuschen und fing nun das Regenwasser auf, dass dort auf das Dach prasselte. So konnten mein Großvater und ich unser Blumen-Gieß-Ritual fortsetzen. Die Regentonne war für mich immer ein wenig mehr als altes Eisen, sie symbolisierte für mich ein Stückchen vom alten Paradies.

Als meine Großeltern verstorben waren, zog meine Mutter in das neue Haus ein. Sie verkaufte die Tauben, was ich verstehen konnte. Wenn diese Tiere nicht die eigene Leidenschaft sind, machen sie einfach zu viel Arbeit. Dann funktionierte sie das Taubenhäuschen zu einem Geräteschuppen um. Das ist bis heute so. Als sie als nächstes die alte Regentonne entsorgen wollte, protestierte ich. Damals studierte ich noch, hatte keinen eigenen Garten und war darauf angewiesen, dass meine Mutter das gute Stück für mich aufhob. Und das tat sie. Eigentlich wundert mich das bis heute, denn meistens setzte sie sich über solche Sentimentalitäten hinweg.

Countin‘ every mile of railroad track that takes me back, gotta take that sentimental journey, sentimental journey home …

(Text und Song: Warner Chappell Music Inc.)

Irgendwann hatte meine Mutter Opas Regentonne dann in Rente geschickt und ein moderneres Wiederverwertungssystem für Regenwasser installiert. Aber sie hatte sie aufbewahrt. Also stand die Regentonne ein paar Jahre gesäubert und gut eingepackt auf der hinteren Terrasse meiner Mutter und wartete darauf, dass ich sie dort wegholte. Jetzt steht sie in der Arbeitsecke unseres Gartens, immer noch gut eingepackt und wartet zusammen mit meinem Mann darauf, dass mir ein zündender Gedanke kommt, was ich nun aus ihr machen werde.

Mir schwirren ein paar wilde Ideen durch den Kopf, ein konkreter Plan fehlt noch, die Entscheidung ist noch offen. Natürlich könnte ich sie schlicht wieder als Regentonne in Gebrauch nehmen, ich möchte aber eine Lösung finden, die ein wenig kreativer ist. Ich könnte einen Bartisch aus ihr machen oder sie bepflanzen, irgendetwas mit Wasser vielleicht … da hinten liegt doch noch ein alter Quellstein … Ihr seht, da sind noch viele Einfälle zu sondieren …

Ach, wisst ihr was – helft mir doch einfach. Schreibt mir eure Ideen zu Opas Regentonne doch einfach in die Kommentare. Mich würde das wirklich freuen…

Glossar

Genöök: Im Norden meint man damit umgangssprachlich unnützes Zeug.

schintschen: Ursprünglich meint das Wort das Handeln und die illegalen Tauschgeschäfte auf dem Schwarzmarkt in der Nachkriegszeit.

Meine Mutter, die Rotkohl-Saison oder Fruchtfolge mal anders

+++Werbung wegen Namensnennung+++

Laut Wikipedia ist Rotkohl eine Kohlart des Kopfkohls, die als Gemüsezubereitung auch Rotkraut oder Blaukraut genannt wird. Und jetzt kommt es: Der Rotkohl ist ein typisches Wintergemüse. Er wird im Frühjahr ausgesät oder gepflanzt und im späten Herbst geerntet. Nicht, wenn es nach meiner Mutter gehen würde. Aus ihrer Sicht haben Rotkohlköpfe in den Auslagen der Geschäfte zu liegen, solange es ihr nach dem Gemüse gelüstet, nämlich ganzjährig.

Rotkohl forever … Sitzblockaden sind in Planung

Da sich die Natur und unsere Bauern nicht darum scheren, was meine Mutter so möchte, gibt es aus ihrer Sicht zwischen April und September eine sechs Monate währende, nicht hinzunehmende, Versorgungslücke. Da ich zurzeit ja die Einkäufe tätige, werden die Diskussionen darüber, wie man diesen Engpass überwinden könne, mit mir geführt, und nicht etwa mit Denjenigen, die enger dran sind am Ackerbau, nämlich den Bauern, den Supermarktleitern, dem Landwirtschaftsministerium oder der EU.

Altersweisheit deluxe = Eigensinn

Schon beim Erstellen des Einkaufszettels werde ich in das erste Kohlgespräch hineingezogen.

Meine Mutter: „Ja und dann brauche ich noch einen schönen, großen Rotkohl…“

Ich: „Mama, die Rotkohlsaison ist vorbei. Den gibt es nicht mehr frisch …“

Meine Mutter: „Ach was, man muss nur etwas suchen, dann findet man noch welchen…“

Ich: „???“

Gestatten: Bauer Remmelmann, Rotkohlspezialist – Nicht

Gleich darauf listet sie mir ein paar zauberhafte, nicht nahe gelegene Geheimtipps auf, wo ich ihrer Meinung nach, den Kohl ganzjährig abgreifen könne. Da wäre zum Beispiel Bauer Remmelmann in Stapelfeld, der habe sich auf Kohl spezialisiert, behauptet jedenfalls meine Mutter. Bauer Remmelmann weiß davon nichts, weder vom Rotkohl in den Sommermonaten, noch von einer Spezialisierung, ich habe das überprüft.

Das Leben besteht aus Alternativen

Dann der EDEKA in Wandsbek, dort könne man immer Rotkohl kaufen. Was mir allerdings der Marktleiter vor Ort so nicht bestätigen wollte, er beziehe seine Kohlköpfe regional aus Stapelfeld vom Bauer Remmelmann. Verfügbarkeit, siehe oben. 

Dann, so meine Mutter weiter, gäbe es noch einen kleinen Gemüsehöker in Rahlstedt, den Gemüsestand aus Vierlanden, auf dem Rahlstedter Wochenmarkt, den freien Verkauf an der Bushaltestelle bei Siek, da wo es rechts Richtung Ahrensburg geht und zu allerletzt noch das Hochbeet ihrer Nachbarin, zwei Häuser weiter. Und während ich mir das alles anhörte, und mir bildlich vorstellte, wie meine 86 Jahre alte Mutter, ihr Essen im Morgengrauen aus dem Hochbeet der Nachbarin stibitzt, beschlich mich der Eindruck, dass wir meine Mutter über die vergangenen Jahre, viel zu lange unbeobachtet gelassen hatten. Vielleicht sollte ich mal Ihr Vorstrafenregister überprüfen…

Kochen wie bei Oma

Neulich hatte ich meiner Mutter, in einem Anfall seltener Naivität, statt des frischen Kohlkopfes zwei Gläser wohl vorpräparierten Rotkohls einer gängigen, lebensmittelrechtlich überprüften Firma, mitgebracht. Eieieieieiiiii … Retortenkohl, so meine Mutter, ich würde ihr doch wohl nicht einen so maschinell vorverkochten Brei anbieten wollen. Der Geschmacksunterschied sei kollossal. „Ich koche das noch wie meine Mutter, Birgit“, sagte sie, „das schmeckt so lecker, das kann man in der Fabrik so gar nicht hinkriegen.“

Und das war der Moment, in dem ich sie am liebsten in den Arm genommen hätte. Denn in diesem Punkt waren wir uns einig, die Rezepte meiner Großmutter sind unerreicht. Meine Oma war eine leidenschaftliche und begnadete Köchin. Ihre Rezepte versprachen typische Hausmannskost. Sie erinnern mich daran, wie schön und unbeschwert meine Kindheit war, wenn ich bei meinen Großeltern war. 

Meine Oma hat jeden Tag frisch gekocht. Das Gemüse, Kräuter und das Obst kamen überwiegend aus dem großen Garten. Manch moderner Ernährungswissenschaftler würde bei diversen Zutaten vielleicht ein bisschen die Stirn runzeln. Aber wenn man ein paar wenige Zutaten weglässt oder ersetzt, ich denke da zum Beispiel an die Benutzung von fettem Speck, dann sind Omas Gerichte auch heute noch unerreicht.

Internet, bloß nicht – das ist wie fremde Leute im Haus

Doch dieser Moment seltener, nostalgischer Gemeinsamkeit mit meiner Mutter, löste leider nicht mein Problem. Einmal schlug ich meiner Mutter vor, den Rotkohl via Internet, aus einer anderen Klimazone zuschicken zu lassen. Sie brauche dafür nur einen Internetanschluss. An dieser Stelle stellt Ihr euch bitte vor, wie ich hysterisch kichere … Gedankennotiz für mich: Vermische niemals zwei Highprofile-Reizthemen in einer Diskussion, Birgit. DU WILLST DAS NICHT!!!

Einen Internetanschluss möchte meine Mutter nicht. Sie weigert sich seit Jahren standhaft – neumodscher Kram, eben. Sie sagt, das sei, als habe man fremde Leute im Haus. Außerdem, ihr erinnert Euch, die eingebaute Computerkamera, die Hacker, der Geheimdienst, Putin und jetzt womöglich auch noch Philipp Amthor … eine kleine Ausführung zum Verhältnis meiner Mutter zum Internet findet Ihr HIER.

Sich herauswinden = nervenschonend und lebensverlängernd

Also was macht man, wenn man auf Granit beißt und weder mit Vernunft, Faktenwissen noch mit lebensnahen Lösungsvorschlägen weiterkommt? Richtig, man windet sich heraus. Ich baute vor. Immer wenn meine Mutter mal selbst einkaufen wollte, sagte ich beiläufig: „Oh, schau doch gleich mal nach, ob Dein Supermarkt Rotkohl hat, hier bei uns gibt es den gerade nicht.“ 

Als ich letzte Woche den Einkauf für sie erledigt habe, habe ich einfach einen Wirsingkohl in die Einkaufstasche gelegt. Dazu eine Karteikarte mit folgender Nachricht:

ACHTUNG MAMA!!! Es gibt bis zum September keinen frischen Rotkohl. Ich bitte um Alternativvorschläge. Zurzeit ist Saison für Wirsingkohl, Spitzkohl, Blumenkohl und Kohlrabi.

Die Reaktion meiner Mutter auf den Wirsingkohl und den Reminder steht noch aus…

Lasst Blumen sprechen…

Meine Mutter shanghait die örtliche Gärtnerei

+++unbezahlte Werbung wegen Namensnennung+++

Gestern war ich den halben Tag in der Gärtnerei … mit MEINER MUTTER! Es war schön, irgendwie … aber auch sehr anstrengend. Wie alles in ihrem Leben, hatte meine Mutter diesen Besuch generalstabsmäßig vorbereitet. Ausgestattet mit einer Atemschutzmaske, FFP2 – natürlich, einer doppelten Lage Gummihandschuhe und einem drei Seiten langen Einkaufszettel.

Ein paar Kleinigkeiten…

„Ich hätte Lust mal ein bisschen was im Garten zu machen“, hatte sie gesagt. „Ich brauche nur ein paar Kleinigkeiten“, hatte sie gesagt. Ich falle immer wieder darauf rein. KLEINIGKEITEN GIBT ES IM LEBEN DEINER MUTTER NICHT, BIRGIT!!! Merk Dir das endlich.

Die erste Wagenladung bestand aus fünf Säcken Erde, zwei Säcken Rasendünger, 20 rotblühenden Beetnelken und drei großen Hortensien. Die Säcke verstaute ich auf der Ladefläche meines Berlingos, den Rest verpackte meine Mutter in ihrem Opel.

„Zeit ist das, was man von der Uhr abliest“ (Albert Einstein)

 Doch vor dem Einpacken stand das Kassenritual:

Meine Mutter hatte ihre Handtasche quer vor ihrem Bauch hängen. „So kann mir niemand einfach so mein Portemonnaie klauen“, erklärte sie und ließ ihren misstrauischen Blick über die anderen 80jährigen gleiten, die mit ihr in der 20 Meter langen Kassenschlange standen und aufs Abkassieren warteten. 

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ (Meine Oma)

Ich bin stolz auf mich, denn ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass es klüger ist, nichts auf solche Bemerkung zu erwidern. Denn wenn man es in einem unbedachten Moment doch tut, dann löst man eine Informations-Lawine über Kriminalstatistiken und Inhaltsangaben von Beiträgen aus STERN-TV, RTL am Mittag und XY… Ungelöst aus, die alle Belegen sollen, dass die Welt an sich schlecht ist. Gefolgt von der Schlussfolgerung, dass die Gauner dieser Hemisphäre es explizit und ausschließlich auf ihre Börse abgesehen haben. Punkt. 

Empathie die unbekannte Kernkompetenz

Endlich waren wir an der Reihe. Wir fuhren die Wagen nacheinander in die Kassenbucht und zwei nette Damen begannen unsere Ware einzuscannen. Ich persönlich fand ja, dass es recht schnell ging. Meiner 85jährigen Mutter ging es aber nicht schnell genug. „Also, man sollte meinen, dass Sie an einem Tag, an dem soviel los ist, jemanden an die Kasse stellen, der damit umgehen kann“, sagte sie halblaut zu mir. Die junge Frau hinter dem Tresen errötete, ich errötete auch – ein dreifach Hoch auf die Maskenpflicht. „Es ist zurzeit für niemanden einfach, Mama“, sagte ich beschwichtigend.

„Ach was, wir müssen hier noch ein paar Mal durch die Kasse, da könnte es wirklich ein bisschen zügiger gehen“, sagte sie. Während in meinem Kopf noch die Worte „ein paar Mal durch die Kasse“ widerhallten, holte meine Mutter ihre EC-Karte aus der Tasche um zu bezahlen. Oder sollte ich besser sagen, sie grub sie aus? Denn in ihrer Handtasche gab es mehr Geheimfächer und Reißverschlüsse, als in Mary Poppins Reisetasche. 

„Lebenskünstler leben von der Zeit, die andere nicht haben“

(Michael Douglas)

Sie öffnete die rechte Innenseitentasche, holte eine Brieftasche heraus. Aus dieser Brieftasche zog sie eine schwarze Plastikhülle in der sich ihre EC-Karte in der Originalhülle der Bank befand. Und diese Frau hatte allen Ernstes Angst vor Taschendieben. Die einzig sichere Methode, an die EC-Karte meiner Mutter zu kommen, solange sie sich in ihrer Handtasche befand, war sich das alte, zähe Weib unter den Arm zu klemmen und mitsamt der Handtasche das Weite zu suchen.

Zögernd legte meine Mutter die Karte nun in die graue Steingutschale, die dafür vorgesehen war. Die Kassiererin nahm sie sich heraus und zog sie durch den Scanner. Meine Mutter nahm die Karte entgegen, steckte sie in die Originalhülle der Bank, diese in die schwarze Plastikhülle, diese steckte sie in die Brieftasche, die verschwand wiederum in der rechten Innenseitentasche der Handtasche und während sie den Reißverschluss zuzog, feierten hinter uns, zwei in der Warteschlange stehende 79jährige, in ihren 80zigsten hinein.

Immer straight das Ziel vor Augen

Das alles ließ meine Mutter ungerührt. Aus ihrer Sicht war ihr Verhalten logisch begründbar und deshalb von allen Umstehenden in Kauf zu nehmen. Frischen Mutes schob sie ihren entladenen Einkaufswagen ein weiteres Mal durch die Drehtür um danach ins Blumenmeer unserer Vorortgärtnerei abzutauchen. Denn ein 900 Quadratmeter großer Garten und zwei Gräber warteten darauf bepflanzt zu werden. Ich folgte ihr und half ihr dabei sich im Folgenden 50 fleißige Lieschen in rosa und weiß, 25 rote Begonien und 20 gelbe Begonien in unsere Wagen zu laden, dann – Kassenritual! Umpacken.

Abstandsregeln, ja, Hygienevorschriften, absolut ja,

Richtungsvorgaben, so lala…

Wir durchpflügten die Gärtnerei danach noch drei Mal. Jedes Mal entdeckte meine Mutter neue Abkürzungen. Wegumleitungsschilder des Betriebsvorstandes wurden im Besten Fall einfach ignoriert, im offensivsten Fall einfach in die gewünschte Richtung gedreht. Mir stand der kalte Angstschweiß auf der Stirn, immer wenn ich dachte, jetzt erwischen sie uns, dann wieselte meine Mutter schon durch die nächste Ausstellungsreihe und fischte ihren Altersgenossen die üppigsten Exemplare Blühpflanzen vor der Nase weg.

Sorry, entschuldigung, pardon, verontschuldiging, disculpe, mi scusi…

Ich schwankte zwischen Fremdschämen und Bewunderung für soviel, ich nenne es mal Bravour. In mir wuchs der Wunsch eine kurze Rede zu halten, mich bei den übrigen Kunden zu entschuldigen, für die leeren Blumen-Regale, für von uns verursachte Wartezeiten und für arthroserelevante Ausweichmanöver, die meine Mutter ihnen abverlangt hatte. Ich tat es natürlich nicht … also, eine Rede halten … schämen schon.

Nachdem ich den ganzen Kladderadatsch im Garten meiner Mutter abgeladen hatte, fuhr ich nach Hause. Ich war groggy, vollständige Sätze wollten mir einfach nicht mehr über die Lippen kommen. Ich schnappte mir eine heiße Tasse Kaffee und legte mich für den Rest des Tages auf mein kuscheliges Sofa und sah zu wie sich, in der Netflix-Serie „Last Viking“, Männer und Frauen durch die Zeitgeschichte metzelten. Das entsprach in etwa meiner inneren Verfassung.

Bis ich mich traue, mich wieder in meiner Lieblingsgärtnerei blicken zu lassen, müssen noch ein paar Tage verstreichen. Viel war ja dank Maskenpflicht nicht von meinem Gesicht zu erkennen. Unser örtliches Gartenunternehmen dürfte aktuell ohnehin einen Versorgungsengpass haben. Soviel ist schon mal sicher, liebe Ortsansässige, Fleißige Lieschen und Begonien sind aus…

Ostereinkauf – Ein Klagelied auf 16 Rollen

Nun ist es ja schon einige Tage her, dass ich den Ostereinkauf für MEINE MUTTER erledigen musste. Ich hatte über die Ostertage genügend Zeit zu regenerieren. Die müden Knochen knacken nicht mehr ganz so laut und die Wirbelsäule hat auch aufgegeben, jaulende Klagelaute, wie eine singende Säge abzusondern. Die Seele allerdings … die Seele, ja die trällert ihr eigenes Liedchen. Es fing natürlich wieder mit einem Telefonat und einem Mutter-Einkaufszettel an. Von diesem Zettel schreibe ich euch später vielleicht noch einmal. Ich will Euch ja nicht langweilen. In dieser Geschichte geht es im Wesentlichen um einen bestimmten Posten von dieser Einkaufsliste. 

Der neue Stoff – Das 4-Lagen-Dope

Ihr ahnt es sicher schon, in unserer Familie gibt es ein paar regelmäßig frequentierte Toiletten verteilt auf diverse Gäste-WC’s und Bäder. Richtig, es geht um DEN neuen heißen Shit – wir brauchten Toilettenpapier – Alle!!!  Ach übrigens, hatte ich schon erwähnt, dass ich was alle diese Haushalte betrifft, zurzeit alleinerziehend bin? An dieser Stelle bitte die Titel-Musik vom „Hexer“ einspielen … sechs Schüsse … und eine unheilvolle Stimme aus dem Off sagt im tiefsten Bariton so etwas wie: „Hallooo, keine Rollen für Dich, Birgit!!!“ Danke an die Regie.

„Es gibt keinen Anlass für Hamsterkäufe“, haben sie im Fernsehen gesagt. „Wir haben keine Engpässe“, beteuerten die gleichen Personen immer wieder und versprachen voll bepackte, mit Klopapier bestückte, Regale. Dabei lächelten sie zuversichtlich und vertrauensbildend in die Kamera.

Achtung, Achtung, es folgt ein Outing!

Die Realität hingegen sah anders aus. An dieser Stelle möchte ich schon mal Folgendes verkünden:

Wenn es EINE Zwangsstörung gibt, die ich aus dieser beängstigenden, einschränkenden Zeit, in ein hoffentlich wieder normales Leben mitbringen werde, dann ist es diese. Ich werde Toilettenpapier horten, für den Rest meines beschissenen Lebens, egal wie die Zeiten gerade sind. 

Ich werde geheime Strategien ausarbeiten, wie ich an das „4-Lagen-Dope“ komme, jeden Trick anwenden und mir nicht einmal ansatzweise die Mühe machen, zu hinterfragen ob das normal ist, oder ob man das behandeln müsste. ICH HASSE VERSORGUNGSENGPÄSSE DIESER ART! In meinem gut gesicherten Keller wird fortan immer ein kleiner, feiner Vorrat an Papyrus lagern. Und wenn ich eines Tages sterbe und beerdigt werden muss, dann will ich aussehen wie eine Mumie, von oben bis unten eingewickelt in Klopapier. AMEN! 

Leerstoff für „Die, die nach uns kommen“

Meine Grabbeigaben werden geprägt sein von den Mangelerscheinungen der Corona-Zeit. Um mich herum sollen folgende Opfergaben drapiert werden: ein Sack Mehl, zwei Würfel Hefe, eine Tüte Kaffeepads der Marke Extra Strong, etwas Zucker, Butter, zwei Tüten Milch, eine Atemschutzmaske …

Und wenn ich in 2000 Jahren von ein paar Altertumsforschern wieder ausgegraben werde, wird man sich erinnern. Daran, dass die Menschen aus dem Viruszeitalter wieder angefangen hatten ihr rohes Fleisch selbst zu pökeln, ihren Fisch selbst zu räuchern und barfuß ihren eigenen Wein in Eichenfässern zu treten … Entschuldigung, ich schweife etwas ab. Alles im grünen Bereich, ehrlich.

Ich war ja so naiv

Kehren wir zum Einkauf zurück, dann werdet ihr mich sicherlich etwas besser verstehen. Von dem aufmunternden Es-ist-alles-in-ausreichender-Menge-da-Lächeln mancher Politiker, war bei den Verkäufern und Verkäuferinnen, des örtlichen Einzelhandels gar nichts zu erkennen und das aus gutem Grund. An dieser Stelle sei gesagt, dass unsere Politiker sicher auch ihr Bestes tun. Zaubern kann niemand. Aber wie meine Oma schon immer gesagt hat, man soll nichts versprechen, dass man nicht mit Sicherheit halten kann. 

Das Ungerechte ist, dass es die Angestellten im Einzelhandel sind, die sich tagtäglich dem Unmut der Kunden stellen müssen und nicht diejenigen, die diese verbalen Beruhigungs-Mantras auf den Weg bringen. Schon letzte Woche konnte ich beobachten, wie Toilettenpapier und Küchentücher rationiert wurden. Also machte ich mich bereits am Montag auf, um unsere Toiletten mit Klopapier auszustatten. Es gelang mir nicht.

Solidaritätsaufrufe statt der nötigen Hygieneartikel 

Ich stand vor Regalen, die von den Marktleitern mit Solidaritätsaufrufen bestückt worden waren: 

„Liebe Kunden, bitte verhalten Sie sich solidarisch und nehmen Sie pro Einkauf nur eine Packung Toilettenpapier mit nach Hause.“

Die Appelle an mein soziales Gewissen, liefen leider vollkommen ins Leere, weil schlicht nichts da war, auf das ich hätte verzichten können. Unter dem Preisschild für die Klorollen standen zwei große Verkaufsschütten, auf denen verteilt etwa 15 große Plastikbehältnisse standen, befüllt mit … richtig … TULPEN … mein inneres Ooohmmm, zündete eine Duftkerze an. So wurde ganz nebenbei, neben der Länge des Geduldsfadens, auch noch die Toleranzschwelle der Kundschaft auf die Probe gestellt. Sozialstudien, ganz nah an den Probanden. Da könnte sich so manches Institut noch etwas abschauen in puncto Versuchsaufbau.

Ein geregelter Tagesablauf – so wichtig!

Infolge dieses Engpasses, den es angeblich gar nicht gab, ging ich nun jeden Morgen kurz nach Geschäftsöffnung los, um zu schauen, ob der Klorollengott es gut mit mir meinte. Am Mittwoch dann, wartete ich nicht mehr auf göttliche Fügung. Ein Ausweichplan, ein Ausweg aus dieser Misere musste her. 

Tagträume im Supermarkt

Und mitten im Einkaufsraum vom LIDL-Markt formte sich in meinem Gehirn, meine ganz eigene Version eines feuchten Traums. Ich möchte hier gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber so viel sei gesagt. Feuchte Reinigungstücher für Babys, Hunde-Gassibeutel und unsere Biotonne waren die tragenden Säulen dieses Plans. 

Nach so einer Woche, gibt es keine Tabus mehr

Als ich den vollen Wagen in Richtung Kasse fuhr, stand eines felsenfest. Ich würde diese Ladung mit Zähnen und Klauen verteidigen. Die Kassiererin blickte auf die Babyfeuchttücher und fragte: „Brauchen Sie wirklich so viele davon?“ Ich holte tief Luft, streckte meinen Bauch raus und sagte: „Ja, ich bin schwanger … mit Zwillingen …“ Ihr reichte nur ein einziger, weiterer Blick in meine Augen und sie zog die Packungen ohne noch einmal aufzusehen über den Scanner und ließ sie zurück in meinen Wagen fallen.

Am Gründonnerstag hatte sich mein Problem übrigens von allein gelöst. Da hatte der Osterhase in seiner Frühschicht nämlich eine ganze Palette mit 4-Lagen-Dope in meinem Supermarkt abgestellt. Meine Tochter Mausi und ich waren beide mit einem eigenen Einkaufswagen unterwegs. Ich habe uns versorgt und Mausi ihre Oma. Ob das nun im Sinne des Social Distancing war, wage ich zu bezweifeln. Aber bei einer Packung Toilettenpapier pro Haushalt, fängt man an, seine Prioritäten zu verschieben.

Dunstabzugshauben-Update

MEINE MUTTER!

MEINE MUTTER! Die Frau ist unglaublich. Nachdem sie die übliche Kunstpause eingelegt hat, in der ich mir ausreichend darüber klar werden sollte, dass ich erstens eine schlechte Tochter bin, man sich auf mich niiiie verlassen konnte und einen Weg finden sollte, wie ich DAS wieder gut machen konnte, ist sie nun ihrer mütterlichen Meldepflicht Nachkommen. Sie hat angerufen.

WAS KÖNNEN WIR SONST NOCH FÜR SIE TUN?

Der Verkäufer vom Fachmarkt habe bei ihr angerufen, berichtet sie. 
Nachdem er ihr wortreich sein Beileid zu den vermurksten Abläufen des Dunstabzugshauben-Dramas erklärt hatte, habe er folgendes Angebot gemacht. Der Fachmarkt würde einen Tischler vorbeischicken, der sei by the way der Nachbar seines Chefs. Der Tischler würde den Hängeschrank so zurecht sägen, dass die gekaufte Haube drunter passe und dann alles wieder hübsch machen.

NICHT MIT MUTTI IHR LIEBEN…

Die Kosten für den Einsatz, so meine Mutter, wolle der Fachmarkt zur Hälfte übernehmen, sozusagen als Bonus für das Erlittene. Ich musste schmunzeln, denn ich konnte mir vorstellen, wie das Gespräch mit dem armen Verkäufer weiterging. Punkt 2 der Mama-Betriebsanleitung, greife niemals, niemals in Mutters Portemonnaie. Es sei denn, du wärst interessiert an einer Spontanamputation deiner Gliedmaßen. Da hatte der Fachmarkt seine Rechnung aber ohne Adelheid Groth* geschrieben.

NO MONEY, NO CRY….


Das Endergebnis sieht jetzt so aus. Der Tischler kommt und alles läuft so, wie der nette Verkäufer es gesagt hat, bis auf ein klitzekleines Detail. MEINE MUTTER zahlt keinen Cent dafür, natürlich nicht, warum auch. Handwerk kann gerne goldenen Boden behalten, das Material für die Vergoldung würde aber auf keinen Fall von ihr kommen.

RESPEKT MAMA

Die Frau ist unglaublich. Sie hat also Folgendes geschafft. Zuerst hat sie dem Fachmarkt die Montage der Dunstabzugshaube, inklusive der Mitnahme der alten Abzugshaube, aus dem Kreuz geleiert. Das alles gehört dort üblicherweise gar nicht zum Servicepaket. Dann ist alles schief gelaufen, nach den Ursachen wurde nicht geforscht, das wäre wohl nicht im Interesse meiner Mutter gewesen. Dann hat sie den Fachmarkt dazu gebracht, Handwerker für sie zu organisieren und die Kosten für alles zu tragen. Alle Achtung, Mutti, das muss dir erst mal einer nachmachen.

STECKBRIEF

Zu eurem Schutz: Seht ihr im Raum Wandsbek, Hamburg, eine kleine, drahtige Frau um die 85 Jahre, rotblond gefärbte Haare, die Lippen leicht aufeinandergepresst.

GEHT IN DECKUNG! Die Handwerker sind im Übrigen immer noch nicht wieder aufgetaucht…

MEINE MUTTER!

Das Dunstabzugshauben-Drama

Mein Verhältnis zu meiner Mutter ist … komplex. Meine Mutter hat, was unsere Beziehung betrifft, ihre ganz eigene Sicht. Da steht Zwecktauglichkeit eindeutig vor menschlicher Wärme, Nutzen vor Emotionen und der äußere Schein hat einen großen Vorsprung vor der Realität.

Deshalb bin ich sicherlich auch keine Tochter wie jede andere. Ich wollte es sein, sehr lange wollte ich das. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, ich habe das viel zu lange versucht. Ich bin ihr einziges Kind, was aus ihrer schrägen Sicht auf die Dinge, irgendwie auch meine Schuld ist.

 Niemals genug sein

Ich bin die Tochter, die eigentlich ein Sohn werden sollte, ein Fehlversuch. Aus heutiger Sicht weiß ich, wäre ich ein Sohn geworden, hätte sie kein Problem damit zu behaupten, sie habe sich immer eine Tochter gewünscht. Gottseidank, hatte ich noch meinen Vater und meine Großeltern. Sie sorgten für meine emotionalen Bedürfnisse und dennoch, es wäre schön gewesen…

Es war manchmal lustig, meistens jedoch anstrengend und schmerzhaft bei dieser Frau aufzuwachsen, und trotzdem möchte ich, dass es ihr gutgeht. Denn sie ist meine Mutter und ich bin anders als sie. Ich möchte nur nicht mehr dafür verantwortlich sein, dass sie glücklich wird. 

Humor macht einiges leichter

Inzwischen versuche ich ihre kinskiesken Auswüchse mit Humor zu nehmen. Ich versuche, aus den vielen inszenierten Alltagskatastrophen diejenigen herauszufiltern, bei denen sie meine Hilfe wirklich braucht. Der Dunstabzugshauben-Vorfall gehört zu diesen Situationen, die ich ausloten muss. Denn sonst wird meine Mutter zu einem Fulltimejob für mich.

DUNSTABZUGSHAUBEN-GATE

Das Telefon klingelt, meine Mutter ruft an: „Hallo, störe ich? *ReineRethorik Also meine Waschmaschine läuft nicht, wegen E03.“ Okaaayyy, ich lasse natürlich geistig den Griffel fallen und versuche zu verstehen. Sie erklärte dann, dass das Wasser nicht abfließen würde und auf der Digitalanzeige der Fehlercode E03 aufleuchten würde. Ich erklärte ihr, wie sie das Flusensieb reinigen kann und das Problem war schnell behoben.

Sie holt aus

Dann kam der eigentliche Grund für den Anruf. Ihre Dunstabzugshaube hat ihren Geist aufgegeben. Und damit ich die Gewichtung dieses Schicksalsschlages auch richtig einsortiere, folgten die üblichen Ausführungen über Lebenshaltungskosten in Mount-Everest-Höhe, immer ginge alles kaputt, das Leben sei so ungerecht, und niemand würde ihr die Müllsäcke an die Straße tragen.

Realitycheck

Nun, das kannte ich ja schon, aber für Euch rücke ich das mal gerade. Meine Mutter lebt allein in einem schuldenfreien 120 Quadratmeterhaus, sie hat zwei recht propere Renten zu ihrer Verfügung und hat bei der Müllabfuhr das Modell gebucht, bei dem ihr die netten Müllmänner Säcke und Tonnen zum Straßenrand transportieren und zurück.

Wir helfen immer gern

Also ich sagte Ihr zu, die Recherchen für eine neue Dunstabzugshaube zu übernehmen, das sei mit Internet, einfacher. Denn ihre Küche sei zwar super in Schuss aber doch sehr alt, so dass man da genau schauen müsse, ob ein modernes Modell auch passe. 

Und dann sagte ich noch, nimm meinen Mann mit zum Einkaufen, dann stimmen die technischen Daten. Habe ich gesagt. In den letzten Jahren hat sich da viel getan. Doch, habe ich gesagt. Und was macht sie?

SIE IST ALLEINE LOSGEZOGEN!

Jetzt liegt eine neue Dunstabzugshaube in der Küche, und die passt nicht unter die Umkofferung der Einbauküche. Der entsprechende Hängeschrank wurde von den Mitarbeitern des Fachmarktes „fachgerecht“ angesägt. Handwerker? Weit und breit nicht zu sehen…Aber hey, sie sagte, ich soll mich da raushalten…


Am Ende, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche, werde ich mich wieder mit allen auseinandersetzen müssen, um den Schaden gering zu halten. Nochmal hey, ich habe ja keine anderen Hobbys. Und wenn ihr jetzt denkt, „die arme, alte Frau“ macht das so, weil sie tüddelig ist, dann habt ihr weit gefehlt, es war noch nie anders mit ihr … 

Ooohmmm, für mich beginnt schon vor dem Frühling die Klangschalensaison…

Dunstabzugshauben-Upgrade

MEINE MUTTER! Again! Das Telefonprotokoll.

1. Anruf, 9.00 Uhr morgens:

Der Fachmarkt hat in Aussicht gestellt, dass er die gekaufte Dunstabzugshaube, sollte sie wirklich nicht passen, kostenfrei bei meiner Mutter abholt und gemeinsam mit ihr eine Passende aussucht und für sie bestellt und anliefert, auch kostenfrei.

Na, das ist doch schon was.

2. Anruf, 10.45 Uhr:

Da war noch was, geht auch schnell… Was fehlt, ist die Info, wann das Subunternehmen seine Handwerker vorbeischickt um das alles festzustellen. Meine Mutter soll die Bedienungsanleitung der alten Dunstabzugshaube bereithalten.

Unzufriedenheit schwingt mit, in der Stimme meiner Mutter. Ich kenne das. Sie hat eine Gabe die Dinge, die ihr zugestanden werden zu ignorieren und sich messerscharf auf die Dinge zu konzentrieren, die noch nicht im Idealbereich liegen. Ich meine ideal, nach ihrer Definition dieses Wortes.

3. Anruf, 11.00 Uhr:

Die Bedienungsanleitung hat sie – natürlich! Schließlich halte sie ja Ordnung. Ist im „Küchenordner“ abgeheftet. Ob ich weiß, wo sie den hingestellt hat?

Ich: „Äh, nein….“  

Sie: „Das hätte ich mir ja gleich denken können …“ *Seufz

Ich denke im Stillen, JA hättest Du aber ich kenne das ja schon… *Seufz

4. Anruf, 11.20 Uhr:

Sie könne den Ordner nicht finden, was mysteriös sei, weil sie ja IMMER perfekt Ordnung halten würde. Da sie ja nun nicht schuld sein kann, an der Misere, braucht es eine andere Schuldige – ratet mal wen – RISCHTISCH, ICKE!

Ich solle mal vorbeikommen und mit suchen. Ich sage nein, ich müsse arbeiten. Wütendes Schnauben am anderen Ende der Leitung. 

Sie: „Na, dann eben nicht.“ Aufgelegt.

Ich ziehe kurz in Erwägung ihre Nummer für diesen Tag zu blockieren, tue es aber nicht, weil sie erstens alt ist, ich Nerven wie Drahtseile habe und es könnte ja doch mal etwas sein…

5. Anruf, 12.00 Uhr:

„ICH. HABE. DEN. ORDNER. IMMER. NOCH. NICHT. GEFUNDEN!“ Ihre Stimmlage klingt wie eine schrille Trillerpfeife mit drohendem Unterton.

Ich: „Er kann ja nicht verschwunden sein. Jetzt koche Dir erst mal eine Tasse Kaffee und beruhige Dich. Es wird Dir wieder einfallen. Bis jetzt haben die Handwerker ja noch nicht einmal angerufen.“

Wer meine Mutter kennt weiß, dass sie nicht beruhigt werden will, sie will einfach nur Recht haben. Wer ihr nicht beipflichtet ist entweder dumm, unfähig oder feige. Ich war das alles schon und ich habe gelernt das möglichst abperlen zu lassen. 

Weil es für sie außer Frage steht, dass man ein ‚Nein‘ zu ihr ernst meinen könnte, fragt sie noch mal nach „Also, kommst Du jetzt?“

Ich antwortete. „Ich habe doch schon nein gesagt. Daran hat sich in den letzten 40 Minuten nichts geändert.“

Mit dem zu erwartenden „Wenn man Dich schon mal braucht…“ legte sie wieder auf.

Und wenn ich ehrlich bin, hoffte ich, es für diesen Tag geschafft zu haben.

6. Anruf, fünf Minuten später:

Ich meldete mich nur mit „Ja, hallo“ und hörte, wie meine eben noch hochgradig gestresste Mutter mit gutgelaunter Stimme sagte: „Hallo, Herr Jannis, also ich wäre dann zuhause, sie können ihre Leute vorbeischicken.“

Ich merkte, wie so ein heißes Gefühl in mir hochstieg, so ein Darth-Vader-ich-bin-Dein-Vater-Feeling.

Ich nahm mein Lichtschwert und einen tiefen Atemzug und sagte: „Hierrr sprrricht Deine Tooochtererer…!“

Man hörte nur noch ein ‚Huch‘ und ein Klicken. Friede kehrt ein….

Ein Baum voller Erinnerungen

Wie wird wohl dieses Jahr euer Weihnachtsbaum aussehen? Die ersten Möglichkeiten müssen schon bei der Auswahl des Baumes abgewogen werden. Soll er deckenhoch, bodentief sein oder auf einem Tisch stehen? Wird es eine Nordmanntanne, eine Nobilis oder eine Kiefer, mit Ballen oder ohne?

Trendy Tanne in der Nachbarschaft

Glänzt er mit roten und goldenen Kugeln und Omis Lametta? Jede Familie hat da wohl ihre Vorlieben oder ihre Traditionen. Für meine Nachbarin lässt sich bei der Auswahl des Baumschmucks vom aktuellen Designtrend leiten. In diesem Jahr erstrahlt ihr Baum – très chique – in den Modefarben Grau, Schwarz und Weiß. Unterstützt von ein paar geschmackvoll verteilten weißen Engelsflügeln.

Buntes Sammelsurium bei uns

Unser Baum ist nicht schick. Das war er eigentlich nie. Unser Baum ist üppig und macht Spaß. Er ist prall behangen mit glitzernden Motivkugeln, kleinen Holzfiguren und selbstgebastelten Strohsternen. Viele dieser Stücke sind Geschenke gewesen und wurden schon häufig repariert und wieder zusammengeklebt. Mit vielen von ihnen sind schöne Erinnerungen verbunden. 

Der Tannenbaum als dreidimensionales Memoboard

Unser Weihnachtsbaum ist gewissermaßen ein dreidimensionales Memoboard. Da warenOnkel Christophs Besuch im vergangenen Jahr, Oma Delis Paket aus Österreich, bis an den Rand gefüllt, mit köstlichen Weihnachtskeksen. Oder die die turbulente Schneeballschlacht, als unsere Kinder noch klein waren, in unserem Garten. Schon beim Schmücken führen wir diese Weißt-du-noch-Gespräche, und jedem fällt etwas dazu ein. Manchmal, lockert ein Eierpunsch, oder ein steifer Grog die Stimmung noch zusätzlich auf. (Die Lütten sind jetzt ja schon groß…)

Es gibt immer dieses eine, besondere Stück

Meine besondere Liebe gilt einigen uralten Dekostücken, die ich noch als an den Tannenbäumen meiner Großeltern bewundern konnte. Ein aus Holz geschnitzter Eisbär ist mein Liebling. Wenn ich ihn in meinen Händen halte, erinnere ich mich an die liebevolle Stimme meiner Oma. Mein Großvater hatte ihn für meine Großmutter geschnitzt und kunstvoll bemalt. Meine Großmutter hatte ihn mir an unserem letzten, gemeinsamen Weihnachtsfest geschenkt. Er hilft mir, mich zu erinnern, an das gemeinsame Backen mit meiner Omi und die alten Familiengeschichten, die sie mir währenddessen erzählte. Einige dieser Geschichten, habe ich meinen Töchtern auch schon weitererzählt. 

Mein Eisbär bekommt ein Makeover

Dieses Jahr werde ich mir meinen geschnitzten Eisbären einmal vornehmen. Er braucht ein wenig neue Farbe und auch ein bisschen mehr Glitzer bevor er in den Weihnachtsbaum gehängt werden kann. Und irgendwann werde ich ihn weiter verschenken, an meine Enkelkinder.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit Menschen, die ihr liebt und die euch lieben. Ein paar entspannte Feiertage und viele schöne Erinnerungen. Vielleicht habt ihr ja Lust ein paar von euren schönsten Weihnachtsimpressionen in die Kommentare zu schreiben. Mich würde das sehr freuen.

Der Geist der Weihnacht … nicht in unserer Schokolaterie

Süßer die Glöckchen nie klingen … Ein rotnasiger Rudolph zieht einen prunkvoll geschmückten Schlitten hinter sich her. Auf dem Kutschbock sitzt ein sympathisch lächelnder Wichtel und verkündet die frohe Botschaft, dass es bald Weihnachten werde und Frieden auf Erden. Hosianna, singt der Chor der Engel, den Menschen ein Wohlgefallen.

Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus

Genauso müsste es sein. Eigentlich sollten die letzten Wochen im Weihnachtsmonat besinnlich sein, und uns ja auf die Festtage einstimmen. Also bitte … nichts dagegen einzuwenden … ich warte … hallooo, ich warte immer noch … tja, was soll ich sagen, ich fühle nichts von alledem.

… mit der Rute, mit der Knute …

Meine Weihnachtsrealität sieht etwas anders aus. In meiner Vorstadt oder wie man heute auf Cooldeutsch sagt, meinem Hood will sich dieses heimelige Weihnachtsfeeling noch nicht einstellen. Bei uns im Ort herrscht aufgeregte Geschäftigkeit, in der Post steht die Schlange der Menschen, die auf den letzten Drücker noch Päckchen an ihre Lieben verschicken wollen, bis auf die Straße. Ihre Ungeduld ist fast körperlich zu spüren. Schlange stehen, macht zornig. Postbeamter möchte ich in diesen Tagen hier nicht sein. 

Am Weihnachtsbaum, die Lichter brennen …

Die Ladenbesitzer haben Geld eingespart und in diesem Jahr keine Beleuchtung in unseren Straßen installiert. Auch wenn ich die funkelnden Sterne über unseren Straßen ein wenig vermisse, in Zeiten, in denen der Energieverbrauch dringend gesenkt werden soll, war das eine richtige Entscheidung. Die Deko in den Schaufenstern ist nachhaltig aus Naturprodukten gestaltet worden – überall – denn hier sprechen sich die Händler ab. Einzige Ausnahme ist das Bekleidungsgeschäft an der Ecke, dort dachte man wohl, es brauche etwas mehr Lametta.

Dashing through the snow … äh, Maaatsch …

Es ist auch nicht der Himmelpforten-Weihnachtsschlitten, der durch unsere Straßen gleitet, sondern eine Kutsche der Reitschule Fallweich, die diese Aufgabe traditionell schon viele Jahre übernimmt. Herr Fallweich hält alte Traditionen aufrecht, so wie das Glühweintrinken auf seinem Hof. Anstatt eines niedlichen, rotnasigen Rudis, zieht ein schwarzes Pony namens Wotan, eine kleine Kutsche durch unseren belebten Dorfkern. In der Kutsche sitzen zwei durchgefrorene Kinder, die Werbung für den Adventsmarkt auf dem Gelände der Reitschule Fallweich machen sollen. Wotan wird von Fritz, einem der Pferdewirte geführt. 

Fritz hasst diesen Job, er liebt die Pferde aber er geht nicht so gerne unter Menschen. Mit dem freundlichen Wichtel, auf dem Kutschbock des Weihnachtsschlittens, hat er nichts gemeinsam. Immer wenn sein Arbeitgeber ihn zwingt, unter Menschen zu gehen, tut er das mit einem grimmigen Gesichtsausdruck, der ihm die Aura eines nicht rehabilitierten Serientäters verleiht.

In der Weihnachtsbäckerei, da gibt’s so manche Leckerei …

Ich steuerte den Laden mit den Süßigkeiten an. Wo würde ich den Geist der Weihnacht finden, wenn nicht dort? Als ich die Tür öffnete waberte mir eine feine Wolke aus Zimt- und Bratapfelduft entgegen. Hinter der Auslage mit den Trüffeln, den Zimtsternen und den Nougatstückchen stand ein junger Mann, den ich in diesem Geschäft vorher noch nie gesehen hatte. Er sah aus, als wolle er seine Kundschaft gleich mit Bremer Stollengebäck bewerfen. Seine beiden Kolleginnen wirkten weitaus entspannter. Sie waren beide mit dem Auffüllen der Regale beschäftigt. 

Morgen, Kinder wird’s was geben …

Vor mir stand eine ältere Frau, sie war bestimmt schon über achtzig Jahre alt. Sie erzählte ihm, sie wolle ein paar Süßigkeiten für ihre Urenkel zusammensuchen. Die Zwei sollten etwas zum Knabbern haben, wenn sie sie am Nikolaustag besuchten. Die Vorfreude stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Der junge Mann blickte ihr gelangweilt ins Gesicht und sagte recht unfreundlich: „Ja schon gut, was möchten sie denn?“ Die alte Frau war sichtlich verunsichert. Ich sah ihn verwundert an, hinter mir gab eine andere Kundin ein entrüstetes Schnauben von sich. „Äh, ja also … ich … können Sie mir bitte sagen, welche Füllungen die einzelnen Schokoladensterne haben?“ Der Verkäufer stöhnte auf, machte eine wischende Geste über der Auslage und sagte genervt: „Eierlikör, Nougat, Pistaziencreme, Krokant, Baileys…“ Ohne die alte Dame eines weiteren Blickes zu würdigen, griff er nach einem Zellofantütchen und einer kleinen Zange und fuhr die Ärmste an: „So, kann es JETZT losgehen?“

Die Alten schauen himmelwärts …

Die Dame brauchte etwas Zeit und sie tat mir langsam auch schon leid. Ich finde, so ein Einkauf sollte doch Spaß machen und keinen Stress verursachen. „Ja bitte, also ich möchte zwei solche Tütchen voll haben und sie können alles mischen, was keinen Alkohol beinhaltet“, antwortete sie und wirkte etwas durcheinander. „Wieviel Gramm“, zischte er ihr zu. „Ach, junger Mann, das kann ich doch nicht schätzen, machen Sie beide Tüten einfach voll“, sagte die Kundin und guckte mittlerweile sehr traurig. Der junge Mann guckte extrem genervt und sagte: „Also wieviel Sterne jetzt, vier, fünf oder mehr…“ Die alte Dame sah jetzt aus, als würde sie jede Sekunde in Tränen ausbrechen.

Ihr Hirten erwacht …

Mir wurde es jetzt zu viel. Was fiel diesem untauglichen Exemplar eines Süßwarenverkäufers eigentlich ein. Ich stellte mich neben die alte Dame und sagte scharf: „Wo liegt eigentlich Ihr Problem? Die Dame hat doch deutlich, für alle anderen hier verständlich, gesagt, dass sie die Tüten voll machen sollen. Wenn Sie das nicht hinkriegen, komme ich gerne rum zu Ihnen, und erledige das für Sie.“

„Ich werde hier schon den ganzen Tag von Kunden überrannt. Stellen Sie sich das mal nicht so einfach vor“, versuchte er sich zu verteidigen. Sich einfach zu entschuldigen wäre sicherlich die bessere Lösung gewesen. Denn jetzt meldete sich auch die Frau hinter mir zu Wort. „Och herrje … freuen Sie sich doch darüber … die Weihnachtszeit ist ihre beste Verkaufszeit … der Umsatz in dieser Zeit sichert Ihnen doch ihren Arbeitsplatz, versuchen sie es doch mal so zu sehen.“

So tröstet in Freude, auf Bethlehems Weide …

Murrend schaufelte der Verkäufer mit dem Erziehungsdefizit Schokosterne in die Tüten, kassierte und überreichte der älteren Dame ihre Urenkelpräsente. Der Frau ging es sichtlich besser, die Schützenhilfe hatte ihr gut getan. Als ich an der Reihe war, sah ich „dem Feind“ gerade in die Augen und sagte: „So ich hätte gerne zwei Tüten voll, von den Schokosternen, nur die ohne Alkohol. Wieviel Gramm sind das wohl?“ Hinter mir konnte die andere Kundin nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. 

… gesegnet seid ihr alten Leute …

Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist, im Einzelhandel zu arbeiten. Manche Kunden sind nervig, arrogant und vielleicht sogar übergriffig. Trotzdem erwarte ich professionelles Verhalten, wenn es dann noch freundlich ist, freue ich mich. Und wenn man mal einen schlechten Tag hat, dann sollte man sich als Sparringspartner doch bitte nicht eine 85jährige Frau aussuchen. Das finde ich feige.

Nach diesem Erlebnis, habe ich mich zu Hause erst einmal mit meinen Schokosternchen und einer guten, dampfenden Tasse Kaffee aufs Sofa gekuschelt. Nach ein paar Schlucken entspannte ich mich und so langsam zog sie bei mir zuhause ein, die Weihnachtsstimmung. 

Nachbarn sind ein bisschen wie Gelenkschmerzen…

Aaarghh, was war denn das für ein schriller Ton? Es war Sonntagmorgen, 7.00 Uhr!!!! Hatte da tatsächlich jemand an der Haustür geklingelt? Da schon wieder ein, zwei, drei… FÜNF Mal.

Frau Nörgel agiert sehr bedürfnisorientiert

Ich schnellte hoch und dachte: Das muss die Feuerwehr sein, oder die Polizei, sonst würde sich das niemand trauen. Dohoooch, meine Nachbarin Frau Nörgel, aus der Häuserreihe hinter uns, traute sich das.

Ohne guten Morgen zu sagen, sprudelte es ansatzlos aus ihr heraus: „Ich habe einen Gärtner beauftragt.  Das ist ja eine Zumutung, sie haben ja sicher nichts dagegen, sind bestimmt froh – da kommt eine Hecke hin.“ Sprach es, machte auf dem Treppenabsatz kehrt und entschwand im Morgennebel.

Dichte Nebelschwaden lagen über meinem Bewusstsein…

Ich stand da, wie vom Blitz getroffen. Langsam, gaaanz langsam, drangen die Worte meiner Nachbarin in mein noch ziemlich verschlafenes Bewusstsein. Hecke? Ich bin eine Zumutung?? Und ich bin froh darüber??? Während mein, vor sich hindösendes Selbst, sich aus der Twilightzone ins Jetzt vorarbeitete, ging mein Körper in die Küche und machte dem Rest von mir einen Kaffee.

Hecke? Oh ja, die Hecke

Hecke, Hecke…. langsam dämmerte es mir. Wir hatten gestern die Hecke hinter unserem Grundstück komplett heruntergeschnitten. Sie war völlig verwildert, von Totholz durchzogen und hatte unseren Holzzaun komplett überwuchert. Der erste Schluck Kaffee rann meinen Hals herunter. Ahhh, Koffein durchflutete meine Adern, Adrenalinausschüttung, Wiederbelebung – ICH WAR WACH!

Das Bermudadreieck der Nachbarschaft

NACHBARN!!! Nachbarn sind ein bisschen wie Gelenkschmerzen. Man hat sie, sie sind ständig da und es gibt kein wirklich wirksames Gegenmittel. Manche haben Glück und haben nette Nachbarn. Aus Nachbarschaft kann Freundschaft entstehen….

Meine Nachbarin Frau Nörgel und ich waren keine Freunde. Und die Umfragewerte 2019 sagten, dieser Trend würde sich verstärken. Überhaupt hatten mein Mann und ich das Gefühl, was die Nachbarschaft betrifft, hatten wir das Bermuda-Dreieck bei uns in der Straße erwischt. Die Netten wohnten eindeutig auf der anderen Seite vom Ring.

Ich stelle vor – La Nörgel

Meine Nachbarin, Frau Nörgel war eine Frau in den blühenden Siebzigern. Das drahtige Persönchen war etwa 1,60 groß. Ihre pechschwarz gefärbten Haare, trug sie als schicke Ponyfrisur. Während sie redete, warf sie ihren Haarkranz keck nach hinten und erinnerte mich dabei ein wenig an die Sängerin Mireille Matthieu – den Spatz von Avignon … oder an den Schauspieler Robert Wagner, als er den Prinz Eisenherz spielte. Aber ich schweife ab.

Frau Nörgel legte Wert darauf, geistig nicht einzurosten. Sie besuchte regelmäßig Vorlesungen in Archäologie, an der Hamburger Uni und hielt sich auch sonst auf dem Laufenden. Sie bewegte das Leben und das Leben der anderen bewegte sie und für alles Weitere hatte sie ihren Neffen, der ist Gärtner…

Friede, Freude, Heckenfetischisten

Zwei Tage später sehe ich, wie Frau Nörgel aus ihrer Haustür trat und meine Gartengrenze anvisierte. Das Frühstücksbrötchen hatte sie noch nicht ganz verdaut und schon war sie wieder aktiv, meine Nachbarin. In grünen Gummistiefeln und Aldi-Wachsjacke stand sie vor meinem Gartenzaun und wartete. Da fuhr er auch schon vor, der Sohn ihres Bruders. Er hat eine ganze Wagenladung Gartengeräte bei sich.

Seine Tante wiest ihm, armewedelnd einen Parkplatz zu. Dann lud der Landschaftsspezialist seine Gerätschaften vom Laster. Ich war schon gespannt, was jetzt wohl kommen mochte. In Erwartung eines netten Gesprächs, stand ich an unserem Zaun und wartete darauf, etwas zu hören wie: „Guten Morgen Frau Jaklitsch. Wo an ihre Grundstücksgrenze dürfen wir die Bäumchen denn pflanzen?“ Aber nichts dergleichen …

Schwerstarbeiter quasseln nich‘

Ächzend, mich keines Blickes würdigend, schleppte der Gärtner meiner Nachbarin nicht weniger als 10 mannshohe Kirschlorbeerbüsche vor meinen Gartenzaun und die dort heruntergeschnittene Hecke.

Das ist echt viel Grünzeug, dachte ich. Zog man in Betracht, dass von der 18 Meter breiten Pflanz-Strecke, noch etwa zwei Meter Gartenweg und der Durchmesser eines städtischen Abwassersiels abgezogen werden mussten, passten vielleicht gerade die Hälfte der Lorbeerbüsche in eine Reihe.

Ich holte mir einen Kaffee, stellte ihn auf meine gelbe Tonne und wartete auf die längst fällige Erklärung der Garten-Guerillas… Als Neffe Nörgel wortlos zum Spaten griff und loslegen wollte,holte ich tief Luft und fragte mal ganz unverbindlich nach: „Wo sollen die denn alle Platz finden?“

Don’t insult my Gartenzaun

„Meine Tante will zwei Reihen, damit sie ihren hässlichen Zaun nicht mehr sehen muss“, antwortete der Berufsneffe brummig. Ja, ne is klar, nur keine Hemmungen junger Mann, dachte ich. Mein inneres Oooohmmmmm rang nach Fassung.

Ich merke, dass das Koffein langsam seine Pflicht tat, meine Schläfen begannen zu pochen. Langsam stützte ich mich auf meinem Bonanza-Zaun ab. Mir war schon klar, dass ich mit meinem 70er-Jahre-Zaun bei einem Schönheitswettbewerb keinen Blumenpott gewinnen würde. Aber so nicht, mein Lieber, dachte ich.  Mein Zaun gehört zur Familie!!! Ich holte hörbar Luft. Einatmen …, ausatmen …, einatmen …, ausatmen …

Meine Augen verengten sich zu Schlitzen, meine Stimme wurde betont freundlich: „Passen Sie mal auf, Sie Experte. Das ist ein original Bonanza-Zaun aus den Siebzigern. Sozusagen eine Gartenskulptur! Uhuuuund der wird hier noch stehen, wenn Ihre Tante ihre Siebziger schon längst verlassen hat!“ Es geht doch nichts über eine gepflegte, sachliche Konversation zwischen Erwachsenen.

Ein Gespräch unter Erwachsenen

Was nun folgte, waren Verhandlungen, geprägt von großer Offenheit. Ehrlicher Umgang ist so wichtig, wenn ein Gespräch zielführend enden soll.

Ein Gespräch, auch zwischen Nachbarn, ist laut Wikipedia eine Unterhaltung. An der Gesprächsausübung sind alle beteiligt. Innerhalb dieser Unterhaltung lösen sich unterschiedliche Gesprächsstrukturen ab: Dialog, Geplauder, Zuhören… und ich möchte noch aus meiner Sicht hinzufügen – EXPLODIEREN!!!

Frau Nörgel mischte sich ein und ich dachte, ich höre nicht richtig. „Pflanz’ die Büsche doch einfach davor, Fred“, wies meine Nachbarin ihren Neffen an. Fred der Gärtner zauderte nicht lange und rammte seinen Spaten direkt vor meiner zurückgeschnittenen Hecke in den Mutterboden. „Moooooment mal“, unterbrach ich seinen Arbeitseifer, “das ist doch wohl nicht Ihr ernst, Herr Fred!“ Er guckte mich verständnislos an…

Schlicht und einfach – ein Therapieversuch

Gärtner-Freddy verstand ganz offenkundig nicht, worin der Kern meines Protestes lag und sagte: „Meine Tante will das so!“ Ummpfff!

„Schauen Sie mal“, sagte ich mit meiner Klangschalen-Therapie-Stimme, „die alte Hecke wird wieder ausschlagen, das wissen sie als gelernter Gärtner doch. Und das IST NICHT SCHÖN und unheimlich schwer sauber zu halten – nicht wahr???“ Das sei ihm egal, antwortete der Neffe, er wolle sich das mit seiner Tante nicht verderben. Junge, dachte ich bei mir, hast Du Todesehnsucht? Laut sagte ich: „Sie hören sofort auf zu graben und sperren mal ihre Ohren auf – Beide!“

Die Behördenkeule – völlig wirkungslos

Und: „Der Grünstreifen gehört der Stadt, ist also öffentliches Gelände und darf nicht so zugewuchert werden. Zwischen unseren Häusern müssen mindestens 4 Meter Rettungsgasse freibleiben, damit alte und gebrechliche Menschen, wie ihre Tante ins Krankenhaus abtransportiert werden können.“ Frau Nörgel japst nach Luft…

„Eeeerstens“, kontert Nörgel junior, „ist meine Tante gar nicht krank und überhaupt, wer sagt denn das? Ähh, also das mit dem Abstand?“, will Fred der Gärtner. „Die Baumschutzverordnung, die Hamburger Behörde fürs Management für öffentliche Räume und der gesunde Menschenverstand ….“, antworte ich mit zusammengepressten Zähnen.

Kann man optisch denken?

Mein Gegenüber legte die Stirn in Falten, kräuselte seinen Mund und gab einen leisen Zischlaut von sich. Freddy der Hecken-Fetischist dachte offensichtlich angestrengt nach. „Okiiiidokiiiii“, sagte er. Hoffnung keimte in mir auf. Hatte er verstanden? Würde er nachgeben?

Nein, nicht wirklich. „Na gut BESTE FRAU (das bin dann wohl ich), dann setz ich eben nur eine Reihe. DU (das bin dann wohl auch ich) musst dann eben die alte Hecke kurzhalten.“ Ich lief rot an, mein inneres Oooohmmmmm prügelte auf den Beruhigungsgong ein, vergeblich. Jetzt wollte ich ihm richtig wehtun….

„Jetzt passen Sie mal auf Sie distanzloser Blumenzwiebel-Werfer. Es heißt immer noch Frau Jaklitsch und SIE! Weiß ihr Chef eigentlich, welchen Murks Sie hier in seinem Namen verzapfen?“, schleuderte ich ihm entgegen.

Betretenes Schweigen beim Gartenexperten. Da hatte ich wohl einen Nerv getroffen. Trotzdem buddelte er unbeirrt weiter. Ich fasste einen Entschluss: Erstens brauchte ich einen Schnaps, zweitens musste ich unbedingt die Mistforke wieder abstellen und drittens ….

Busch-Wars – oder die Rache der Eingepflanzten.

Wortlos griff ich zu meinem Handy, machte ein paar Fotos. Von meinem Zaun, der alten Hecke, den neuen Büschen und nahm eine Weile auf Video auf, wie Freddy der Nörgel-Gärtner, hinter meinem Grundstück einen kleinen Regenwald pflanzte. Mit yodaesker Gleichmütigkeit ignorierte ich sein dümmliches Grinsen. Auf seinem Pritschenwagen prangte das Logo seiner Firma, darunter stand auch die Telefonnummer. Ich wählte…

So nämlich!

Die nächste halbe Stunde, verschickte ich ein paar E-Mails und verbrachte meine Zeit im lockeren Gespräch mit Nörgel-Freddys Chef. Kurz darauf klingelte das Handy des Gärtner-Neffens. In den nächsten fünf Minuten wechselte seine Gesichtsfarbe mehrfach von krebsrot zu aschfahl. „Ja Chef…“, stammelte er.

Meine Verhandlungen hatten folgendes Ergebnis hervorgebracht: Fred der Gärtner musste meine alte Hecke ausgraben, danach setzte er in gebührendem Abstand zu meinem Bonanza-Denkmal, fünf Büsche und transportierte nach getaner Arbeit, alles was störte, lautlos und unauffällig, im Pritschenwagen seines Chefs ab. Kosten? Nicht meine Baustelle.

Um es mal mit Yoda zu sagen: „Die Macht des Bonanza-Zauns ich hatte, zerstören sie Dich kann…“

Montagsmontage, gibts denn sowas?

Wir alle kennen das ja, wie das ist, wenn man ein Montagsauto gekauft hat. Nichts funktioniert zuverlässig. Wichtige Bauteile des Fahrzeugs, müssen einen Tag nach Ablauf der Garantie für horrende Summen ausgetauscht werden und natürlich haucht der Wagen seinen letzten Atemzug, im klirrend, kalten Winter nachts auf eine einsamen, unbeleuchteten Landstraße, aus.

Nachts allein in der Walachei

Ich weiß, wovon ich spreche, mir passiert immer so etwas. Weil ich auf der einsamsten und auch unheimlichsten Straße in Stormarn liegen blieb, noch dazu in einem der weit verstreuten Funklöcher, blieb mir nichts anderes übrig, als einen zweistündigen, kalten Spaziergang hinter mich zu bringen, bis mein Handy wieder funktionierte und ich mir Hilfe rufen konnte. So wie diese Erfahrung war am Montag der ganze Tag.

Geblendet von soviel Aufmerksamkeit

Ich musste zu einem frühen Termin und musste feststellen, dass das Scheinwerferlicht auf der Fahrerseite defekt war. Natürlich führte mich mein Weg zum Kunden vorbei an zwei! Polizeiwachen. Ich schwitze Blut, wurde aber nicht angehalten. Ganz anders lief es aber auf der Straße. Gerade an diesem Montagmorgen schienen alle anderen Fahrer knallwach und aufmerksam zu sein. Nach etwa fünf Minuten hatte ich soviel Abblendlicht auf die Pupillen bekommen, dass nur mit Mühe der Versuchung widerstand, morgens im Dunkeln eine Sonnenbrille aufzusetzen.

Schnell noch ein paar Besorgungen

Der Unterricht verlief im Vergleich dazu, nahezu reibungslos. Nach meiner Hundestunde wollte ich noch ein paar Sachen aus unserer örtlichen Apotheke besorgen. Eigentlich eine ganz einfache Sache, wenig gefahrenträchtig, möchte man meinen. Ich stellte mich auf den Bitte-wahren-Sie-die-Diskretion-Punkt und wartete, dass eine der fünf Kassen frei werden würde. Genau in der Mitte ging eine ältere Dame, nachdem sie der netten Apothekerin von der Klassenarbeit ihres Enkels, den Macken ihres Hundes und den neuen Nachbarn mit dem komischen Auto erzählt hatte.

Ein Lungenvolumen, wie eine Operndiva

Ich war dran, hinter mir standen etwa 10 Personen, die auf Bedienung warteten. Und zur Info, mit Diskretionsabstand meint man in unserer Vorstadtapotheke stattliche 1,20 Meter. Ich sagte also recht verhalten: „Bitte zwei Schachteln Pflaster, etwas Vitamin B12 und eine Salbe gegen Lippenherpes.“ Die nette Apothekerin sah mich an, holte tief Luft und posaunte: „Wie war das? LippenHERPES!!!!????“ Der Chor der himmlischen Engel verfügte über kein größeres Stimmenvolumen, als diese Frau, herrgottnochmal.

Wenn „in der Erde versinken“ eine gute Alternative ist

Ich beugte mich etwas vor, und wiederholte mein Anliegen. Daraufhin sprintete die Gute von einem Regal zum anderen und ließ mir auf ihre unnachahmliche Weise noch ein paar Infos zukommen. „Also wir haben gegen HERPES! Salben aber auch Gels mit verschiedener Wirkstoffstärke. Die hier hilft, wenn der HERPES! noch nicht so schlimm ist und diese, wenn der HERPES! schon vollständig ausgebrochen ist. Da muss man stärkere Geschütze auffahren.“ Sie schaute mich zufrieden an, Aufklärung war ganz klar ihre Passion.

Ich konnte hören, wie hinter mir jemand kicherte und ein anderer ein Lachen unterdrückte. Mir wurde heiß und jedes Mal, wenn die nette Apothekerin das Wort HERPES! intonierte, schrumpfte ich gefühlt um fünf Zentimeter. Ich räusperte mich und antwortete: „Ähm, also … ich denke, die Erste wird reichen, danke.“ Nachdem wir nun die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden hatten, durfte ich endlich bezahlen.

Selbstverleugnung für Anfänger

„Haben Sie eine Kundenkarte bei uns“, fragte die nette Apothekerin und dann, „wie war bitte ihr Name?“ Im Augenwinkel konnte ich wahrnehmen, wie sich nun auch die Letzten gespannt zu uns umdrehten. Ich holte Luft und sagte inbrünstig: „SCHRÖDER, mein Name ist SCHRÖDER und ich zahle bar.“ Ja, ja, ich weiß … da ich nun in unserem Dorf relativ bekannt bin, war das zugegebenermaßen ein recht schlapper Versuch von Identitätsverschleierung.

Ich bezahlte, und wollte gerade gehen, als mir die nette Apothekerin, mit der Macht der Engelschöre noch ein, „Ist aber nicht im Intimbereich anzuwenden, gell“, hinterher schmetterte. Irgendjemand in der Apotheke begann schallend zu lachen, was mir die Gelegenheit gab, mich dünne zu machen. Was war nur mit dem heutigen Montag los, dachte ich. Ich hungerte nach einem positiven Erlebnis und … ging in den Supermarkt.

Eine kleine Verschnaufpause

Nicht einmal die Hälfte des Tages war geschafft und ich hatte jetzt schon das Gefühl, ich würde durch klumpigen Pudding waten. Im Supermarkt, so hatte ich das Gefühl, wurde es dann besser. Ich traf meine Freundin Paula vor der Käsetheke. Wir umarmten und unterhielten uns. Ich entspannte mich wieder ein wenig. Der Rest des Einkaufs verlief … ich würde sagen, unkoordiniert aber ohne größere Vorkommnisse.

Mein kleiner Pausensnack

Da ich schon bald eine weitere Hundestunde geben musste, wollte ich Zeit sparen und mir zuhause kein Essen machen müssen. Deshalb ging ich zur Salatbar und stellte mir aus den frischen Zutaten einen leckeren, griechischen Salat zusammen. Ich liebe Feta und Thunfisch. Zuletzt goss ich noch zwei Kellen von der leckeren Knoblauchsoße über den Salat.

Der Montagsmontagbann schien gebrochen. Zuhause angekommen übernahm meine Tochter das Auspacken der Einkaufstaschen. Ich will mal unerwähnt lassen, dass ihr auf dem letzten Meter zum Kühlschrank die Einkaufstüte gerissen ist. Es war ja alles heil geblieben. Außerdem wäre das ja dann ihr Montagsmontagerlebnis.

Der pure Genuss – nicht!

Ich hatte mir meinen knackigen Salat inzwischen auf einem Teller angerichtet und freute mich auf einen kurzen, ruhigen Moment vor der nächsten Stunde. Eine Frau und ihr Salat, frei nach Hemingway, sozusagen… Ich packte die Gabel voll, schob das Essen in den Mund. Doch der leicht scharfe Genuss, das feine Zusammenspiel von frischer Gurke, schwarzen Oliven und dem leckeren Knoblauchdressing wollte sich einfach nicht einstellen. Es schmeckte … absolut ekelig … ich spuckte alles wieder aus.

Noch während ich meinen Mund und meine Zunge reinigte, sagte meine Kundin per Whats App ab und ich fand das gar nicht schlimm. Ich war fertig mit diesem Montagsmontag! Der sollte ja nicht noch mal ankommen und was von mir wollen! An dieser Stelle habe ich noch einen wichtigen Gourmet-Tipp für euch. Thunfisch mit Vanillesoße ist nur für Hartgesottene und Brille auf, an der Salattheke. Die Geschmacksnerven werden es euch danken.