Kuhfladen an jungem Grün, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

Berg und Tal Report 5

Für den letzten Rest „Creme de Kuhpups“, reichten dann ausgiebige Wasser-Spiele.

In meinem heutigen Reisebericht aus dem Jodel-la-la-Land, melde ich mich von der Alm, einem in sich geschlossenen Mikrokosmos, mit eigenen Hygieneregeln und viel Herzenswärme. Unser krachledernes Nachbarland hat schon was zu bieten … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … Nur soviel vorab, dort habe ich einen ganz anderen Umgang mit Rohstoffen kennengelernt.

Deshalb kann ich wohl behaupten, dass das Land meiner Schwiegerleute, ein Ort ist, der einen auf Trapp hält und dafür sorgt, dass es niemals langweilig wird … ein Ort, der einen mit dem Duft der nackten Natur umschmeichelt und einem so die Freudentränen in die Augen treibt. Finley zieht es immer noch in Erwägung, sich eine kleine Alm anzuschaffen. Allerdings müssen Kühe, Ziegen und andere Benutzer eine Stickstoffabgabe zahlen … aus Gründen … Die Steiermark sei, so Finley als Altersruhesitz mit Rentenzubrot durchaus geeignet, solange die Sternchen nur am Himmel stehen und nicht auf Bauchhöhe Stress verbreiten würden. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen.

A guades Mittogeissn

Übersetzung: Ein gutes Mittagessen

Lebensmittel, Kochen und Essen, spielt in Österreich und meiner österreichischen Familie eine große Rolle. Das Prädikat „Gutes Essen“ wird nicht einfach so verteilt, egal ob es sich um ein privates Essen handelt oder um ein Menu im Restaurant. Hat man mal ein Lokal gefunden, wo es allen geschmeckt hat, kehrt man dort immer wieder ein.  Denn in dieser Hinsicht und das hat er mit dem Hanseaten gemein, ist der Steirer kompromisslos treu.

Deshalb ist es bei uns zur norddeutschsteirischen Tradition geworden die Karlhütte am Etrachsee anzusteuern, wenn wir unsere Verwandten in Murau besuchen. Unsere Tante kannte schon den alten Karl, den Gründer des Restaurants und hatte als Gast inzwischen schon zwei Generationswechsel mitgemacht. Deshalb war die Einkehr dort auch immer ein wenig wie ein Besuch bei Freunden.

Was mog des Hundiii

Übersetzung: Was darf es für den Hund sein

Was unsere Stippvisiten für mich dort zu einer runden Sache machte war, dass der junge Karl und seine Belegschaft sehr große Tierfreunde waren. Finley und alle anderen Tiere sind dort herzlich willkommen. Bevor noch die Bestellung aufgenommen wurde, stand schon ein Hundenapf mit frischem Wasser vor meinem Hund und ob im Vorbeigehen oder beim Streicheln und Loben „mei bist du a schöner Bua“ verschwanden etliche Leckerchen im Schlund meines Hundes. 

Wir menschlichen Gäste wurden aber genauso verwöhnt. Der junge Karl und seine Frau waren Parade-Gastronomen, wie aus steirischer Lärche geschnitzt. Jeder kleine Sonderwunsch ihrer Gäste wurde, wenn es möglich zu machen war, mit einem freundlichen „joa, aber sicher“ erfüllt. Ich orderte dort jedes Mal das wohl beste Wiener Schnitzel, dass man in der Steiermark bekommen konnte. Die Panade gelbkross ausgebraten aber nicht trocken, dass Kalbfleisch schön flachgeklopft und unglaublich zart. Im Zusammenspiel mit dem selbstgemachten Preiselbeeren Kompott öffnete sich das Tor zum kulinarischen Himmel, bei jedem Bissen ein kleines Stückchen mehr. 

Die Umgebung dort war ein Traum. Saftiger, grüner Rasen auf dem Kühe weideten, ohne abgrenzenden Zaun, ganz ruhig und ohne die Gäste zu erschrecken. Irgendwo in der Ferne hörte man ab und an das dumpfe Moll der Kuhglocken erklingen. Menschen, Kühe, Hunde, Katzen, alle in einem friedlichen Miteinander an demselben Platz. In diesen Höhen wehte immer ein leichter Wind. Bei den diesjährigen Sommertemperaturen eine Wohltat. Er trug den leichten Duft von Kiefernnadeln zu unseren Tischen. Das war Balsam für meine Städterseele, hier konnte man Kraft tanken. Und Finley lag derweil neben dem großen Holztisch und folgte den Kühen mit den Augen. Von seinem Jagdtrieb war nichts zu merken. Hach….

Dafrurn san schau vü, dastunga nu kana

Übersetzung: Erfroren sind schon einige, erstunken noch keiner

Nach dem Essen ging es dann über die grünen Wiesen um den See herum. Wir durften Finley von der Leine lassen. Es machte einfach Spaß ihm zuzusehen, wie er da ausgelassen über die Wiese tollte, ohoh…. neeeein!!! Das hatten wir nun von dieser Entspannungsarie. Ich war wohl nicht aufmerksam genug gewesen und hatte es nicht kommen sehen. Finley peilte zielgerichtet den nächsten auf der Wiese abgeflatschten Kuhfladen an. 

Ich gab wirklich alles: „Hierher! Stooooop!! Doppelpfiff!!! HUHUUUHHH!!! WageesnichtDudickköpfigerBlubberko…*++**#*#**!“

Nichts was wir einmal eingeübt hatten, konnte ihn noch stoppen. Als er da so trügerisch ruhig bei uns am Tisch gelegen hatte, hatte der Banause die Kühe wohl beim Absetzen beobachtet. 

Als echter Retriever hatte er die Fallorte der Kuhfladen markiert und auf seine Chance gelauert.

Ois hoib so wüd

Übersetzung: Alles halb so wild

Ich musste hilflos zusehen, wie sich mein frisch getrimmter Hund mit Wonne und Anlauf in einen dieser Kuhfladen schmiss und sich in der grünlichen Masse drehte, wie ein Rollbraten im Gemüsefond. Und damit hier jedem das Ausmaß des Geschehens klar wird, wir reden über Kuhfladen von geschätzt 1,50 m Durchmesser und einem Fassungsvermögen von gefühlt etwa 25 Litern Öddelflüssigkeit, mit einem Sprenkelradius um die drei Meter. Mindestens! Warum auch nicht, schließlich kamen sie ja von steirischen Kühen. 

Nachdem Finley sein Tagewerk erledigt hatte, sah er ein bisschen aus wie der ockergrüne Yediritter Yoda aus Starwars. Von nun an war die olfaktorische Macht mit ihm. Hätte er irgendwelche territorialen Ansprüche an die Alpenrepublik gestellt, glaubt mir, er hätte sich durchgesetzt. Nur kämpfen er nicht musste, weil zum Himmel er stank …. *würg

Glei spüt’s Granada auf da Gummigeign

Übersetzung: Das sieht nach Ärger aus

Panik kroch in mir hoch, ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „BITTE, NICHT SCHÜTTELN. Wir werden alle sterben ….“, dachte ich. Die Vorstellung, dass meine Familie nach unserem Ausflug aussehen könnte, wie ein Rudel Dalmatiner, hatte in diesem Moment wenig positive Aspekte für mich. Nun ich wurde erhört, er schüttelte sich nicht. Danke, Schutzengel.

Gott sei Dank lag der Etrachsee, mit seinem klaren Wasser ja in Sehweite und es gelang mir, Finley mit einem fachgerechten „braves Hundi, geh planschen“ von uns weg, ins kühle Nass zu dirigieren. Sobald er das Wasser erblickt hatte, darum musste man ihn da nie lange bitten, sprang mein Yoda in die Fluten. 

Eine meiner Töchter, die Motte, hat sich dann erbarmt und ist hinterher gegangen und hat ihn gewaschen. Finley genoss die massierenden Bewegungen sichtlich, meine Motte offensichtlich nicht. Sie rümpfte die Nase und sagte: „Also echt, wenn der nachher auch noch so stinkt, setze ich mich nicht ins Auto. Nicht cool Finley, nicht cool…“.

Während ich derweil versuchte, den Kuhpups aus Finleys geflochtenem Fettlederhalsband zu waschen, beobachtete ich, wie sich um meine beiden eine gigantische, grüne Lache bildete. Ja, Scheiße treibt oben. Von weitem konnte man den Komplex für Entengrütze halten. Auch wenn das in diesem See, für Ortskenner ein wenig ungewöhnlich wäre. 

Ich liebe diesen See. Die ruhige Wasseroberfläche vermittelt einem das Gefühl von Ruhe und Frieden.  Dieses Gefühl wird ab und an von einer Entenfamilie unterbrochen, die ihren Küken das Schwimmen beibringt. Je nachdem, wie gerade das Sonnenlicht einfällt, funkelt das Wasser in tiefen bläulichen oder grünen Aquatönen. Es ist so klar, dass man auch noch dort, wo es tiefer wird, auf den Grund schauen kann. Eigentlich …

Noch was da gustat, kannst da net grausen

Übersetzung: Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird

An diesem Tag allerdings, konnte man beobachten wie eine riesige Lache aus Kuhpupslake langsam aber zielgerichtet auf den Teil des Sees zutrieb, in dem der junge Karl seine Forellenzucht betrieb. „Forelle Müllerin Art“ war nämlich eine der Spezialitäten meines Lieblingslokals, für die sie über alle Ortsgrenzen hinaus berühmt waren. Die Gäste konnten sich ihre Forelle in einem Auffangbecken aussuchen. Die wurde dann gefischt und zur Verarbeitung in die Küche gebracht. Frischer konnte man Forelle nicht zubereiten, als so.

Wir haben unseren – aus Gründen – sehr ausgedehnten Spaziergang um den See dann trotzdem noch sehr genossen. Finley musste allerdings an der Schleppleine bleiben. Ein Schlammbad am Tag musste reichen. Die Tante und unser Cousin sammelten unterwegs ein paar Pfifferlinge, für das Mittagessen am kommenden Tag.

Am Auto angekommen war Finley durchgetrocknet und wir fuhren los. Durch unser Fahrzeug waberte ein leichtes Bouquet von „Eau de Kuhfladè No 5“.  Zum Mindesthaltbarkeitsdatum des Kuhfladen-Aromas, sei kurz angemerkt – es dauert einen Sommerurlaub lang … mindestens.

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert, meine Motte heißt zwar nicht Motte, möchte Ihren Klarnamen aber gerne für sich behalten, weil die Mama oft „soooo peinlich“ ist.  Ferner wurde keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist Finleys geheimes, steirisches Leben. Wenn er damit klarkommt, schafft Ihr das auch. Eine Anmerkung noch zu den Forellen … es geht ihnen den Umständen entsprechend gut, sagt der junge Karl. Etwaige Unstimmigkeiten haben wir durch eine großzügige Spende an den örtlichen Forellenzuchtverein, „So silbrig glänzen eure Schuppen“, ausräumen können. Von den vorgearbeiteten 100 Sozialstunden sind vom letzten Mal noch ein paar übrig geblieben, die hält Finley sich auf der Hinterhand. Bei Nachfragen wendet Ihr euch am besten an seinen Bewährungshelfer.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

Demnächst hier auf diesem Blog: Gern hätt‘ er die Frauen geküsst … Sternchen im Ausnahmezustand … Berg und Tal Report 6

Wer die ersten Teile meines Berg und Tal Reports versäumt hat und Lust hat, mehr zu lesen, findet die ersten zwei Teile hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften:

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte … Berg und Tal Report 2

Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

Holadriiiööö, Heidifeeling, herrliche Ruhe … Berg und Tal Report 4

2 Gedanken zu “Kuhfladen an jungem Grün, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

  1. Oh je, ich musste mir die Nase zuhalten beim Lesen 😆 Wir hatten mal einen Sommerurlaub lang Grappa-Duft im Auto, von der Flasche, die wir als Geschenk gedacht hatten, die aber bei einer Fahrt im Kofferraum zerschlagen worden war. Zum Glück wurden wir nie angehalten, und ich hoffe, ihr auch nicht damals. In beiden Fällen hätten wir irritierte Reaktionen bei der Polizei hervorgerufen, schätze ich.😉

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