Holadriiiööö, Heidifeeling, herrliche Ruhe

Berg und Tal Report 4

In meiner heutigen Reisegeschichte aus dem Land des Schwiegermutter-Lächelns, erzähle ich Euch von der butterweichen, streichzarten Seite unseres Nachbarlandes …. ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … Nur so viel vorab, es gibt ganz viel Katzen-Content und es endet in einem artenübergreifenden Friedensgipfel auf einer steirischen Blumenwiese.

Deshalb kann ich wohl behaupten, dass das Land meiner Schwiegerväter, ein Ort ist, der auch für Happy Endings geschaffen ist … mit und ohne Freudentränen. Finley zieht es in Erwägung, sich eine kleine Alm anzuschaffen. Die Steiermark sei, so Finley für einen Altersruhesitz durchaus geeignet, solange die Sternchen nur am Himmel stehen und nicht auf Bauchhöhe Stress verbreiten würden. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen.

Hörst du La Montanara
Die Berge sie grüßen dich

(Lyrics: Ralf Siegel)

Morgens um 6.00 Uhr, St. Lorenzen in der schönen Steiermark, die Haare zerzaust, der Lift auf den wir schauen konnten, stand noch still. „Uaaahhh“, ich sass auf der Veranda unseres Ferienhauses und strecke mich und gähnte. Einfach mal durchschnaufen und zuschauen, wie der Tag erwacht, dachte ich. Ich genoß den wunderschönen Blick auf den Kreischberg. Die Luft ging langsam hinter den Bergen auf, die Sonne zwitscherte und die Vögel waren frisch und klar. Ähm, Ihr merkt wohl schon, ich war noch gar nicht ganz wach. Also ging ich zurück in unsere kleine Bauernküche und machte mir erst einmal einen starken Kaffee.

Danach setzte ich mich wieder auf die Veranda, meinen Lieblingsplatz in unserer Unterkunft und genoß die Bergluft, diese wundervolle Stille und das süße Nichtstun. Im Sommer war St. Lorenzen ein verschlafenes kleines Bergdorf. So früh am Morgen waren außer Finley und mir erst einmal nur die Dorfkatzen wach. Der schwarzweiß gefleckte Kater vom Haus nebenan hatte Finley gleich am ersten Tag auf seine ganz spezielle Art begrüßt. 

Hörst du mein Echo schallen
Und leise verhallen

(Lyrics: Ralf Siegel)

Der gefleckte Nachbar-Kater wurde von seinem Besitzer „Herr Beppi“ gerufen. Man konnte ihm ansehen, dass er in seinem Leben schon ein paar entscheidende Kämpfe gefochten hatte. Unter seinem linken Auge hatte er eine dunkelgraue, durchaus dekorative Schmarre und von seinem Schwanz fehlte ihm fast die Hälfte. Auf der großen Blumenwiese vor unserem Haus standen Finley und er sich ganz unvermittelt gegenüber. Beide gänzlich unvorbereitet und beide total perplex. 

Finley: „Grrr…grrr… Alter, wo kommst Du denn so plötzlich her?“

Herr Beppi: „Fchhhhh… woas wuillst Du, haaa? Bleeder Schlickruuutscher!“

Finley: „GRRR … grrr … sieh mal an, soso, ein Schluchtenscheißer mit Todessehnsucht …“

Herr Beppi: „Fchhhhhh…Fchhhh… teil’n mir uns die Grrruft oder woos?“

Finley: „GrrrWau … pass mal gut auf Du Almdudler. Du die Gruft und ich die Wiese … für die nächsten 10 Tage.“

Herr Beppi: „10 Toag? Doas loast si moach’n. Du kriagst an vorderen Teil und i kriag den hinteren Teil der Wies’n und olle Mäuse. Doa ham ma an Fried’n und es dient da Förderung des Tourismus…“

Finley: „Hmmm… das klingt nach einer akzeptablen Abmachung. Ich sehe Dich nicht und Du siehst mich nicht. Wird gemacht.“

Blau strahlt das Firmament
Von Ferne rauscht ein Wasserfall

(Lyrics: Ralf Siegel)

Von da an herrschte Frieden an der deutsch österreichischen Hunde-Katzen-Front. Der Herr Beppi lag dann jeden Morgen stundenlang an der Demarkationslinie und lauerte im hohen Gras. Man hörte ab sofort kein Fauchen mehr von ihm, allenfalls mal ein sanftes Schnurren. Finley hingegen nahm die vordere Hälfte der Weide in Beschlag. Beide hielten die Abmachung ein, der Felis-Canis-Pakt hielt. Und ich hatte endlich die Ruhe, nach der ich mich in Hamburg die letzten Monate so sehr gesehnt hatte. In diesen klangschalenruhigen Momenten auf unserer Veranda, hatte ich das Gefühl, dort nie wieder weg zu wollen. 

Und durch die grünen Tannen
Bricht silbern das Licht

(Lyrics: Ralf Siegel)

Während sich der Herr Beppi in der Morgensonne räkelte, begann Finley seine Tage mit einer Wieseninspektion. Ich nannte das seine ganz persönliche Pfostenschau. Die Wiese war von einer Reihe rauher Holzpfähle eingerahmt. Sie grenzten die dahinter liegende Straße ab. Finley flanierte nun jeden Morgen von Pfosten zu Pfosten. Dann schnupperte er an jedem Pfahl sehr ausgiebig und schien sich in Gedanken ein paar Notizen zu machen:

„Aha, die drei ungarischen Pudeldamen waren schon dagewesen und dort die zwei Chihuahuas von der Gondelbahn auch … Katzen, naja um die soll sich mal der Herr Beppi kümmern…, ohhh ein Stück vom Wild, hmmmm wie lecker … schon schön abgehangen …“  Nachdem er die tierischen Neuigkeiten aus dem Dorf alle gelesen hatte, ging er jeden(!) Pfosten noch mal ab und setzte dort eine wohlproportionierte Pipimarke ab. „Gestatten, mein Name ist Finley und mir gehört jetzt diese Wiese, die Straße und das schöne, Haus mit den Holzschindeln da drüben, PUNKT!“

 Weit sind die Schwalben
Nach Süden geflogen
Über die ewigen Berge und Täler

(Lyrics: Ralf Siegel)

Nachdem wir dann unsere Dorfrunde gegangen waren, richtete ich mir auf dem rustikalen Holztisch auf der Veranda meinen Schreibplatz ein. Ich kuschelte mich mit meiner Wolldecke auf die Holzbank und stellte mir vor, wie es in St. Lorenzen wohl im Winter aussehen würde, wenn in der WM-Gemeinde der Skibetrieb beginnt und mein verschlafenes Dorf von lebhaftem Skitreiben eingenommen wird. 

Ich stellte mir den Kreischberg schneebedeckt vor und schaute hinüber zur Gondelbahn. Vor meinem geistigen Auge sah ich die langen Schlangen von Skifahrern stehen, die hinauf wollen auf eine der zahlreichen Pisten. Von der Weltcupabfahrt bis hin zum Anfängerhang, Skischulen, Skiverleih, ist hier alles vorhanden. „Das müsste man vielleicht auch einmal ausprobieren“, dachte ich und fing an zu tippen. Wie war das noch … gestern und vorgestern …

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert, wir haben die schriftliche Genehmigung von Herrn Bei eingeholt, seinen Klarnamen nennen zu dürfen. Ferner wurde keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist Finleys geheimes, steirisches Leben. Wenn er damit klarkommt, schafft Ihr das auch. Kleine Info von Finley für die Katzenfreunde … ja, wir mögen Katzen … besonders gern von der Ferne. Frauchen fängt immer an zu niesen, wenn sie ihr zu nahe kommen, dann rotzt sie im Dreivierteltakt und die Augen tränen unaufhörlich, es ist nicht auszuhalten. Falls das jetzt respektlos gegenüber der Gattung Felis Catus war, kommt klar damit. Ich habe 100 Sozialstunden vorgearbeitet, wendet Euch diesbezüglich an meinen Bewährungshelfer.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die noch folgenden Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Kuhfladen an jungem Grün, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

Wer die ersten Teile meines Berg und Tal Reports versäumt hat und Lust hat, mehr zu lesen, findet die ersten zwei Teile hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften:

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte … Berg und Tal Report 2

Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

3 Gedanken zu “Holadriiiööö, Heidifeeling, herrliche Ruhe

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