Einmal Pizza ohne Hund, bitte

Berg und Tal Report 2

Beste Pizza aber der Service … mei, mei, mei…

Da Euch ja meine Reisegeschichten ins verschwägerte Nachbarland … ja, ja, Schatz, ich weiß Du bist ein Steirer, es ist Heimat … so gut gefallen hat, erzähle ich Euch heute von unserer Ankunft in der Steiermark. Die Fahrt endete, wie es sich dort gehört, irgendwo auf’m Berg vor einem Bistro mit einem italienischen Namen. Also, wie es dort Tradition zu sein schien an einem Ort, wo es viel zu essen gab. Das Treffen dort war von unseren Verwandten generalstabsmäßig (hüstel) vorgeplant worden … Trotzt allem kann ich sagen, dass es in diesem Urlaub insgesamt etwas beschaulicher zuging als wir es gewohnt waren. Finley war schon etwas älter und die Chancen standen gut für ihn, dass er Schwiegermuttis Rüden Sternchen nicht zu Gesicht bekommen würde. Natürlich kann ich nicht einen ganzen Sommerurlaub in einem Blogbeitrag zusammenfassen, deshalb müsst Ihr jetzt ganz stark sein, es erwarten Euch noch ein paar Folgen. Freut Euch also auf den Beginn einer wundervollen Reise ins Jodelala-Land und wie Ihr euch vielleicht schon denken könnt, war es nicht einfach nur Pizzaessen …

Immer noch on the Road again … ohne weitere Vorkommnisse

Wie wir den Finley zum Beifahrer gemacht haben, habe ich Euch ja schon im ersten Teil meines Reiseberichtes geschildert. Die Links zu den anderen Reiseberichten findet ihr unter diesem Text. Jetzt waren wir unterwegs, es lagen 1200 Kilometer in brütender Hitze vor uns und im Heck hechelte mein Murmeltier.

Es freut mich sehr, dass ich berichten kann, dass unsere Fahrt vom hohen Norden in die südlichen Gefilde ohne störende Vorkommnisse verlief. Wir haben häufiger Pausen eingelegt und sind dafür auch öfter einmal von der Autobahn heruntergefahren. Finley konnte sich im Grünen die Pfoten vertreten, frisches Wasser trinken, und das Wichtigste – er war immer bei uns. Ob schnelle freie Strecken, Brotpausen oder das bisserl Staufahren um München herum, er machte das alles grandios mit. Guter Junge. 

Wir kamen an, der Himmel weinte vor Glück

Um 4.00 Uhr morgens waren wir in Hamburg losgefahren. Gegen 19.30 Uhr kamen wir in unserem Quartier in St. Lorentzen an. Nach 13 Stunden auf der Autobahn bei tropischen Temperaturen, hatten wir meinen Jim-Block-Idealzustand erreicht – „well done“. In der Steiermark hingegen wurden wir von einem Regenschauer empfangen. Das war nicht schlimm, denn ein bisschen Abkühlung konnte bei diesen Temperaturen wirklich nicht schaden.Hundemüde aber glücklich endlich wieder einmal die Beine durchstrecken zu können, stellten wir unsere Reisetaschen in die Zimmer unseres schönen Ferienhauses und machten uns ein wenig frisch.

Hundemüde aber glücklich endlich wieder einmal die Beine durchstrecken zu können, stellten wir unsere Reisetaschen in die Zimmer unseres schönen Ferienhauses und machten uns ein wenig frisch.

Finley wird willkommen geheißen

Währenddessen unternahm Finley seinen ersten Erkundungsgang. Wir ließen ihn laufen, denn das Häuschen war idyllisch gelegen, weitab von stark befahrenen Straßen. Ich entspannte unter der Dusche, hörte wie Finley bellte und gleich darauf das martialische Fauchen einer Katze. Hach ja, offensichtlich hatte Finley einen kleinen Freund gefunden … Ich weiß, ich hätte jetzt von Besorgnis getrieben, halbnackt vors Haus stürzen müssen aber hey, ich dachte… das können die auch mal unter sich ausmachen ….  Die steirische Realität gab mir Recht, mein Bärchen kam zufrieden von seinem Wiesen-Ausflug zurück. Sein Blick sagte: „Hab nur mal kurz klargemacht, wer hier jetzt der neue Wiesenchef ist, für die nächsten Tage.“

Das erste Familienzusammentreffen war schon geplant

Mein Mann ist gebürtiger Steirer. Und im Herzen, wo wir Hamburger die berühmte Raute tragen, wächst bei ihm ein Edelweiß. Deshalb bedeutet für uns Österreichurlaub auch immer ein Wiedersehen mit der Familie. Der Sommerurlaub ist unsere Möglichkeit einmal im Jahr die Eltern, Schwiegereltern, Geschwister, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen zu treffen. Und weil wir es gar nicht abwarten konnten, war das erste Treffen schon am Abend geplant. Die Pizzeria „Da Silvano“, oben auf’m Berg war unser Ziel. „Da Silvano“ hatten meine Töchter im letzten Urlaub entdeckt und uns glaubhaft bestätigt, dass die Pizza dort „endgeil“ schmecken würde und die Auswahl schier grenzenlos sei. 

Unser Cousin hatte schon im Vorfeld unseres Urlaubs dort für den Ankunftstag einen Tisch bestellt. Er sollte vorher abklären, ob wir Finley mit in das Lokal nehmen konnten. „Joaa, siiicher“ hieß es. Nun muss man als Nordländer wissen, wenn der Durchschnittssteirer „Joaaa, siiicher“ sagt, heißt das auf Norddeutsch so etwas wie, „wir kümmern uns darum, wenn’s soweit ist“ oder wie es die Nichte meiner Schwiegermutti mal auf den Punkt gebracht hatte „I kraaatz mi wenns juckt, net vorher“. In diesem konkreten Fall bedeutete das, dass das „Joa, siiicher“ nur für die Terrasse gelten sollte. Nur hatte uns das leider niemand so gesagt. Was soll ich sagen, die Steiermark hatte uns mit einem fetten Gewitter beschenkt. Die Terrasse war also nicht nutzbar. „Duat mia leid“,sagte der Kellner, den ich nachfolgend liebevoll „der/nHorst“ nennen werde, „oaber in den Gastraum koa er net“. Hunde nicht erwünscht. Ups!

Artenbestimmung auf steirisch … Shiba Inus sind Katzen!

Den kleinen Shiba Inu an Tisch Sechs hatten sie wohl übersehen. Oder er ging da zulande als Katze durch. Shiba müsste man sein.

Mei, so eine Aufregung. Die Tante explodierte fast vor Empörung. Was man als Nordländer in der Steiermark aber auch ganz schnell lernt ist, dass dort Herzlichkeit und Gastfreundschaft sehr großgeschrieben werden. Eigentlich wird immer alles möglich gemacht, dem Gast soll es gut gehen. So kannten wir das auch – eigentlich. Aber in jeder Gastronomie gibt es halt immer diesen einen „derHorst“, der das nicht weiß, nicht will oder … was auch immer…

Kling, klang, klong … eine kleine Mediation zur Wogenglättung

In diesem Moment vor der Gastwirtschaft waren wir zuerst alle ein wenig ratlos. Stimmungsmäßig befand ich mich längst im gehobenen Hihihiii-Kicher-Modus. Mein inneres Ooohhmmm hatte seinen Klappliegestuhl aufgestellt und hatte es sich darin bequem gemacht. In der einen Hand hielt es ein Räucherstäbchen, mit der anderen Hand fächerte es mir die beruhigenden Rauchschwaden lächelnd ins Gemüt. Ich entschied mich für Schadensbegrenzung. Ich wollte, dass das Familientreffen wie geplant stattfinden sollte und wir hatten alle einen Bärenhunger. Es erging also folgender Nordlicht-Beschluss: Die Familie sollte in den Gastraum gehen und ich würde mir mein Essen ans Auto bringen lassen und bei Finley bleiben. Finley konnte sich so an der Schleppleine schon’n büschen die Beine vertreten, 16 Stunden Kofferraum waren echt lang genug. Ich bestellte eine Pizza Suli und ein grosses Spezi. Dann schaute ich mich zum ersten Mal ganz in Ruhe um, sog die gesund Bergluft ein, bis meine Lungen fast platzten und dachte dann: Aber hey, sonst ist alles toll hier.

Picknick im Kofferraum

Etwa 20 Minuten später wurde angerichtet. „DerHorst“ brachte mir meine Pizza und mein Spezi. Die Pizza in einem durchgesuppten Karton, mit eingeschmierter Serviette und einem sehr stumpfen Messer verpackt. Wie liebevoll drapiert, dachte ich bei mir, ich könnte glatt noch die nächsten vier Wochen jeden Tag hier essen gehen. Lernte man sowas auf der Hotelfachschule? Da Finley und ich ja in meinem Auto aßen, beschlich mich sogar ganz schemenhaft ein Gefühl von Heimat. Mal ehrlich Leute, das hätte man besser machen können. Die ganze Panne hätte man mit ein bisschen Phantasie doch noch retten können. Mindestens hätte ich die Pizza auf einem kleinen Hocker, auf richtigem Geschirr, schön mit Stoffserviette und ein paar netten Worten serviert.

Zugegeben, die Pizza sah echt lecker aus. Dicht belegt mit Anchovis, Thunfisch und mindestens 12 ganzen, schwarzen Oliven. Der geschmolzene Käse hatte genau die richtige, schlunzige Konsistenz, so wie ich es liebte. Wie sich später herausstellen sollte, waren die Oliven nicht entkernt – aber hey, sonst war alles toll hier. Ausnahme das mitgelieferte Messer. Dieses doofe Messer schnitt leider nicht durch die Pizza und wenn ich stärker drückte, ging der aufgeweichte Karton kaputt. Und ölige Tomatensoße auf meinen Autopolstern, ne das wollte ich nun nicht auch noch.

Pizza Origami … meine Erfindung … und ein Olivenhain

Not macht ja bekanntlich erfinderisch. An diesem Abend erfand ich die Pizza-Origami. Ich faltete den Teiglappen fünf Mal ineinander und hatte am Ende so etwas wie einen überdimensionalen Döner – nur auf italienisch. Außerdem war ich wild entschlossen, jede Sekunde meines Urlaubs in der steirischen Wildnis zu genießen. Also stellte ich mich nah an den Abgrund. Ja, wir Norddeutschen bezeichnen jede Steigung ab 4% als Abgrund, isso. Nur mit Mühe konnte ich den Jodler unterdrücken, der gerade versuchte sich Bahn zu brechen. Dann biss ich mit Wonne in meine Pizza Origami und … auf einen Olivenkern. „Autsch#%$x!“ Aber hey, sonst war echt alles schön hier.

Da stand ich nun, höher als meinem Gleichgewichtssinn je guttun würde und spuckte Olivenkerne auf steirische Abgründe. Ich verteilte sie gleichmäßig nach rechts und links und meine Gedanken schweiften ab oder sollte ich besser sagen, sie entglitten mir? Vor meinem geistigen Auge entstand das Bild eines satten, blühenden und eine gute Ernte ergebenen Olivenhains, den die Steiermark nur mir zu verdanken hätte. Sie würden ihn dereinst unter Begleitung der schmissigen Musik der örtlichen Blaskapelle auf den Namen „Oliven-Hain der einsamen Hamburgerin“ nennen. Meine Familie bekäme „Pizza Origami frei“ auf Lebenszeit und … Finley saß längst ruhig und andächtig neben mir. So als ob auch er unseren Olivenhain sehen könnte und sich gerade überlegte, in welcher Reihenfolge er die Bäumchen anpinkeln würde.

Versöhnlicher Ausklang eines ganz speziellen Abends

Zurück in der Realität, hatte ich aufgegessen und stand nun vor einem Berg Müll und gebrauchtem Geschirr, den es loszuwerden galt. Ich machte mich also auf den Schankraum und traf auf die Chefin des „Da Silvano“. Ich drückte der verdutzten Frau den Karton, Besteck und das Colaglas in die Hand und bat sie, es für mich zu entsorgen. Sie war ein bisserl aufgebracht, als sie erfuhr, dass einer ihrer reservierenden Gäste am Auto hatte essen müssen und bei der kommenden Mitarbeiterbesprechung wollte ich sicher nicht der „derHorst“ sein.

Die Chefin ließ es sich nicht nehmen mich zu einer Portion hausgemachter Tiramisu und einem Cappuccino einzuladen. Ich nahm dankend an, Finley durfte sich neben mich legen, auf den Katzenplatz, und so nahm der Abend dann doch noch einen versöhnlichen Ausklang. Also wenn man dann auf das ganz große Ganze schaute, dann war doch wirklich alles total schön hier.

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Folge wurde kein Name verändert und keine Begebenheit verfälscht oder übertrieben. Es ist alles genauso passiert. Leute das ist mein Leben gewesen. Wenn ich damit klarkomme, schafft Ihr das auch. Kleine Info im Sinne des Naturschutzgesetzes … ja, wir mögen auch die steirische Vegetation, es lag nie in unserer Absicht diese durch einen Olivenhain zu ersetzen. Finley hat trotzdem jeden Strauch und Baum angepinkelt, der ihm in die Quere kam und und hat für seine Taten noch einmal 100 Sozialstunden beim Steirischen Jagdschutzverein Bruck-Mur abarbeiten müssen. Aber davon erzähle ich Euch vielleicht ein anderes Mal. Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen… Ich schreibe das nur schon mal vorsorglich für die anderen Teile der Urlaubsgeschichten.

In der nächsten Woche: Himmel, Donner, Hagelsturm … Berg und Tal Report 3

Wer die anderen Reisegeschichten verpasst hat, findet sie hier. Klickt einfach auf die folgenden Überschriften.

Sternchen … Erlebnisurlaub in der Steiermark

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser … Berg und Tal Report 1

2 Gedanken zu “Einmal Pizza ohne Hund, bitte

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