Liebe, Männer, Eierlikör … und andere Katastrophen

Ich habe in diesem Sommer viel gelacht. Das war ganz klar Elsas Schuld. Elsa-Antoinette Stern ist eine auf sympatische Art verpeilte junge Frau aus Österreich, auf der Suche nach Mister Right. Entschuldigung, ich meine natürlich Herrn Q. Auch wenn das erst einmal so klingt, als habe man das schon einmal gehört, kann ich Euch versprechen, das täuscht. Dieses Buch wird Euch überraschen. Wer meine Geschichten über meine Mutter und mich, meine Pubertiere und mein Vorstadtleben auf Taufrisch war gestern gerne liest, wird dieses Buch lieben.

Elsa, von Freunden Sternderl genannt, geht auf die magische 30 zu und hat zum großen Bedauern ihrer Mutter, immer noch keinen Mann. Auf der Suche nach „dem Richtigen“, ständig unter dem Störfeuer ihrer Mutter und dem Rest ihrer Familie, schliddert Elsa von einer Extremsituation in die andere. 

Während andere Menschen sich zwischendurch mühsam aus ihren Fettnäpfchen herausarbeiten, um dann auch mal Ruhepausen einzulegen, macht sich Elsa diese Mühe gar nicht erst. Sie flutscht, höchst charmant aber ansatzlos von einer Peinlichkeit zur anderen.

Fazit

Dieses Buch hat Tempo und Witz. Es bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. Ich persönlich liebe den humorvollen und selbstironischen Schreibstil der Autorin Christina Loböck, die das Buch unter dem Pseudonym Elsa Stern verfasst hat. Warum sie ein Pseudonym benutzt, verrät sie uns später im Interview. Die österreichische Erzähl-Sprache und das österreichische savoir vivre, fließen in den gesamten Text ein und verleiht dem Buch zusätzlichen Charme. Wenn man, wie meine Familie und ich, seine österreichische Familie wegen eines Virus nicht besuchen kann, ist dieses Buch ein riesiges Trostpflaster für die Seele. 

Ich bin auf die Autorin Christina Loböck aka Elsa Stern durch ihren Blog „Elsa Stern“ (Klick hier) aufmerksam geworden und lese ihre Geschichten schon seit geraumer Zeit. Wenn ihr Lust bekommen habt auf ein bisschen Chaos mit Schmäh, dann besucht die Autorin doch dort einmal. 

Kurzinterview mit Elsa Stern aka Christina Loböck

Fotocredit: Daniel Huber

Taufrisch war gestern: Du arbeitest unter dem Pseudonym Elsa Stern. Warum hast Du ein Pseudonym gewählt und wie bist Du auf den Namen Elsa Stern gekommen?

Die Sache mit dem Pseudonym hat tatsächlich mehrere Gründe: Vor ca. 15 Jahren habe ich angefangen im Internet über Zwischenmenschliches im weitesten Sinne zu bloggen (den Ausschlag dafür gaben meine damalige Mitgliedschaft bei einer Internetsinglebörse und die damit einhergehenden wirklich kuriosen Erlebnisse, die ich irgendwie aus reiner Psychohygiene heraus aufarbeiten musste). Der Inhalt meines Blogs war zu Beginn also relativ autobiographisch und natürlich muss man dann etwas aufpassen, um die eigene Privatsphäre und die der anderen Beteiligten zu schützen. 

Ein anderer Grund für das Pseudonym war aber eindeutig auch, dass mein Klarname einer ist, den man bei jeder telefonischen Terminvereinbarung mindestens einmal runterbuchstabieren muss – er ist also nicht sehr eingängig. 

Das waren dann also zwei gute Gründe, nicht unter meinem echten Namen zu schreiben. Und so stand ich also eines Abends auf meinem Balkon, schaute sinnierend in den Nachthimmel und plötzlich schoss da aus dem Nichts eine riesengroße Sternschnuppe an mir vorbei und ich dachte: „Stern als Nachname klingt doch ganz schön!“ Da ich aber ein Fan von kleinen Widersprüchen bin, wollte ich dann einen Vornamen dazu, bei dem man als Außenstehender zuerst mal etwas völlig anderes vermutet als das, was dahintersteckt. Deswegen fiel die Wahl auf Elsa, weil ich bei dem Namen (damals gab es ja auch die Eiskönigin mit gleichem Namen noch nicht) an eine alte Dame im Altersheim denken musste, die dort vielleicht den einen oder anderen Eierlikör nippt, auf keinen Fall aber an eine End-Zwanzigerin, die über verpatzte Dates, ihre Erfahrungen mit den Männern und Zwischenmenschliches im weitesten Sinne bloggt. 

Und so kam es also zum Pseudonym „Elsa Stern“. Im Laufe der Zeit hat sich „das Sternderl“ allerdings zu einer völlig eigenständigen Figur entwickelt.

Taufrisch war gestern: Ich stelle Dir jetzt mal zwei Fragen, die mir immer gestellt werden. Gibt es die beteiligten Figuren deines Buches im „echten Leben“ auch oder hast Du alle erfunden.

Alle Figuren im Roman sind frei erfunden. Sie sind immer eine Mischung aus dem Besten und dem Schlimmsten, was einem an Verwandtschaft, Freundeskreis und Liebhabern passieren kann und genau diese Gratwanderung macht dann oft den Witz an der Sache aus (zumindest für mich beim Schreiben). Ich habe mal gelesen, dass gute Comedy immer aus Figuren besteht, die zwar extrem sind, aber nie so sehr ins Lächerliche gezogen werden, dass man sie nicht ernst nehmen würde, wenn man ihnen tatsächlich auf der Straße begegnen würde. Daran versuche ich mich auch zu halten. Ich finde z.B. Herrn mag. iur. Winkler ziemlich komisch gerade, würde ich ihm aber begegnen, würde es mir nie einfallen, ihn auszulachen (naja, höchstens hinter seinem Rücken.)

Taufrisch war gestern: Wieviel Autobiografie steckt in Deiner Titelfigur Elsa?

Es ist lustig, denn diese Frage wird mir tatsächlich sehr oft gestellt. Ich nehme an, es liegt daran, dass es etwas verwirrend ist, dass die Autorin denselben Namen trägt wie die Protagonistin. Wie bereits angedeutet, war „Elsa Stern“ tatsächlich zu Beginn ein Pseudonym, unter dem ich über meine eigenen Erfahrungen auf dem Singlemarkt geschrieben habe, aber mittlerweile sehe ich Elsa eher als die „quirlige, etwas naive, kleine Schwester“, die ich nie hatte und auf die man ständig aufpassen muss, weil sie sich immer in irgendwelche Katastrophen manövriert und vor der man tunlichst seinen Vorrat an Eierlikör verstecken muss (den ich übrigens überhaupt nicht gerne trinke). Ein paar Gemeinsamkeiten und Parallelen lassen sich sicher finden und manche kleinen Hoppalas à la Sternderl sind mir im echten Leben sicher auch schon passiert. Aber das ist ja gerade das Lustige am Schreiben: Man kann seine Figuren einfach mal in eine Situation hineinschmeißen und dann sehen, was sie daraus machen, meistens ist das völlig konträr zu dem, wie man vielleicht selbst reagiert hätte. 

Taufrisch war gestern: Wie sieht Dein idealer Tag aus?

Ich bin ein absoluter Nachtmensch. Mein idealer Tag startet also schon mal nicht vor 12 Uhr mittags (was ich mir leider nur im Urlaub leisten kann). Dann brauche ich erst mal eine Dosis Koffein, um in Schwung zu kommen, ohne Kaffee geht bei mir wirklich gar nichts. Danach würde ich an einem idealen Tag wohl einen längeren Spaziergang entlang der Salzachauen machen. Das ist Natur und Wildnis pur und wenn ich Zeit habe, gehe ich da auch mal vier bis fünf Stunden herum, höre meine Lieblingsmusik und denke mir neue Abenteuer für Elsa aus, die ich dann zu Hause aufschreiben kann. Abends dann noch ein bisschen raus, in die sommerlich laue Altstadt von Salzburg, Freunde treffen, bei einem kühlen Cider im Pub sitzen und Leute beobachten, bevor ich mich dann ab Mitternacht noch mal an den Laptop setze und noch ein paar Seiten schreibe. 

Taufrisch war gestern: Wenn Zeitreisen möglich wären, wohin möchtest Du reisen und weshalb?

Ich liebe die Goldenen Zwanziger, also würde ich auf jeden Fall dorthin reisen und mal in die Bohéme der Zeit eintauchen. Eine Soirée oder eine Séance besuchen, Charleston tanzen und in einem schönen Flapper-Dress eine Zigarette mit Zigarettenspitz rauchen oder Absinth trinken nur um zu sehen, ob die „grüne Fee“ tatsächlich die Kreativität ankurbelt. 

Taufrisch war gestern: Was sind Deiner Meinung nach, die größten gesellschaftlichen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen?

Eine sehr philosophische Frage. Spontan würde ich sagen, dass man hinterfragen muss, wohin uns Zeitgeist der Egozentrik führt. Es ist salonfähig geworden, sich selbst und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu rücken. Jeder will, dass er gesehen wird, jeder will etwas sein, etwas erreichen. Rücksicht und Empathie anderen gegenüber wird dadurch immer mehr in den Hintergrund gedrängt und das ist eine sehr bedenkliche Tendenz. Selbstliebe ist das eine, aber wenn man unabdingbar seinen eigenen Vorteil im Sinn hat, ohne an die Konsequenzen für andere zu denken, ist das aus meiner Sicht gefährlich. Diese Problematik sehe ich in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Banales Beispiel: Konsumgesellschaft. Hier möchten viele ganz viel kaufen können. Wie die Güter hergestellt werden, rückt in den Hintergrund, Hauptsache, ich kann mir die Dinge leisten, die ich vermeintlich „brauche“. Oder auch der Klimawandel. Wie oft hört man auch heute noch: „Klimawandel? Mir doch egal, in 50 Jahren lebe ich eh nicht mehr“. Daran, dass die kommenden Generationen ausbaden müssen, was wir hier gerade mit unserem Planeten anrichten, denken wenige. Darum ist für mich auch Lesen so wichtig: Weil es Empathie vermitteln kann, wenn man sich in verschiedenen Figuren hineindenkt und ihre Gefühle, Wünsche und Gedanken zu verstehen lernt. 

Liebe Elsa, liebe Christina, ich Danke dir, dass Du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Ich hoffe stark auf ein zweites Buch, also bitte, sternderl on.

Die Autorin

Fotocredit: Daniel Huber

Elsa Stern ist das Pseudonym der gebürtigen Salzburgerin Christina Loböck, unter dem sie in den Weiten des Internets seit 2006 über Männer, Liebe, Sex und andere Nebensächlichkeiten bloggt. Die Inspiration für diese Geschichten schöpft sie aus keinesfalls autobiografischen, sondern lediglich „von Freundinnen“ an sie herangetragenen Eskapaden auf der Suche nach Mr. Right. Im Februar 2020 erschien ihr Debütroman „Liebe, Männer, Eierlikör … und andere Katastrophen im Verlag SchriftStella.

Literarische Ambitionen mussten wohl schon in der Wiege gelegen haben, denn mit vier Jahren „schrieb“ sie ihr erstes Kochbuch, gefolgt von einem „Roman“ über die abenteuerliche Reise einer fliegenden Bratwurst ins Schlaraffenland. Beide Werke wurden leider nie verlegt, weshalb die Karriere als Autorin dem Berufswunsch Archäologin wich. Das nicht vorhandene Talent für die lateinische Sprache und eine Stauballergie vereitelten allerdings auch diesen Plan. Während der Pubertät verfasste sie unsäglich melodramatische Liebeslyrik, fand zu Beginn des aktuellen Jahrtausends dann aber ihre Passion im Schreiben von Kurzgeschichten und Kolumnen, die auf mehreren Plattformen im Internet und in Zeitschriften veröffentlicht wurden. Über viele Umwege, die sie erst nach England und dann nach Amerika verschlugen, studierte sie schließlich Anglistik und Germanistik in Salzburg, wo sie heute noch gemeinsam mit ihrer Tochter lebt und neben dem Schreiben auch einem „seriösen“ Brotberuf nachgeht.

Ausgleich und Inspiration findet sie bei ausgedehnten Spaziergängen entlang der Salzach, bei einer guten Tasse Kaffee (und dazugehöriger Mehlspeise) und auch beim Theaterspielen.

Ihr Debutroman „Liebe, Männer, Eierlikör … und andere Katastrophen“ spielt in Salzburg und ist „eine Liebeskomödie in 13 Katastrophen“. Auch sprachlich hält sie sich an das Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“, weshalb das „österreichische Deutsch“ als Erzählsprache bevorzugt wird, was Elsa Stern auch schon den Titel „Bridget Jones aus Salzburg“ eingebracht hat. Generell könnte man der Autorin zuweilen ein klein wenig Sadismus unterstellen, wenn es darum geht, ihre Protagonisten von einem Missgeschick ins nächste zu jagen. Aber wie lautet das altbekannte Sprichwort? „‘Wird schon werden‘, sagt Frau Stern.“

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