Montagsmontage, gibts denn sowas?

Wir alle kennen das ja, wie das ist, wenn man ein Montagsauto gekauft hat. Nichts funktioniert zuverlässig. Wichtige Bauteile des Fahrzeugs, müssen einen Tag nach Ablauf der Garantie für horrende Summen ausgetauscht werden und natürlich haucht der Wagen seinen letzten Atemzug, im klirrend, kalten Winter nachts auf eine einsamen, unbeleuchteten Landstraße, aus.

Nachts allein in der Walachei

Ich weiß, wovon ich spreche, mir passiert immer so etwas. Weil ich auf der einsamsten und auch unheimlichsten Straße in Stormarn liegen blieb, noch dazu in einem der weit verstreuten Funklöcher, blieb mir nichts anderes übrig, als einen zweistündigen, kalten Spaziergang hinter mich zu bringen, bis mein Handy wieder funktionierte und ich mir Hilfe rufen konnte. So wie diese Erfahrung war am Montag der ganze Tag.

Geblendet von soviel Aufmerksamkeit

Ich musste zu einem frühen Termin und musste feststellen, dass das Scheinwerferlicht auf der Fahrerseite defekt war. Natürlich führte mich mein Weg zum Kunden vorbei an zwei! Polizeiwachen. Ich schwitze Blut, wurde aber nicht angehalten. Ganz anders lief es aber auf der Straße. Gerade an diesem Montagmorgen schienen alle anderen Fahrer knallwach und aufmerksam zu sein. Nach etwa fünf Minuten hatte ich soviel Abblendlicht auf die Pupillen bekommen, dass nur mit Mühe der Versuchung widerstand, morgens im Dunkeln eine Sonnenbrille aufzusetzen.

Schnell noch ein paar Besorgungen

Der Unterricht verlief im Vergleich dazu, nahezu reibungslos. Nach meiner Hundestunde wollte ich noch ein paar Sachen aus unserer örtlichen Apotheke besorgen. Eigentlich eine ganz einfache Sache, wenig gefahrenträchtig, möchte man meinen. Ich stellte mich auf den Bitte-wahren-Sie-die-Diskretion-Punkt und wartete, dass eine der fünf Kassen frei werden würde. Genau in der Mitte ging eine ältere Dame, nachdem sie der netten Apothekerin von der Klassenarbeit ihres Enkels, den Macken ihres Hundes und den neuen Nachbarn mit dem komischen Auto erzählt hatte.

Ein Lungenvolumen, wie eine Operndiva

Ich war dran, hinter mir standen etwa 10 Personen, die auf Bedienung warteten. Und zur Info, mit Diskretionsabstand meint man in unserer Vorstadtapotheke stattliche 1,20 Meter. Ich sagte also recht verhalten: „Bitte zwei Schachteln Pflaster, etwas Vitamin B12 und eine Salbe gegen Lippenherpes.“ Die nette Apothekerin sah mich an, holte tief Luft und posaunte: „Wie war das? LippenHERPES!!!!????“ Der Chor der himmlischen Engel verfügte über kein größeres Stimmenvolumen, als diese Frau, herrgottnochmal.

Wenn „in der Erde versinken“ eine gute Alternative ist

Ich beugte mich etwas vor, und wiederholte mein Anliegen. Daraufhin sprintete die Gute von einem Regal zum anderen und ließ mir auf ihre unnachahmliche Weise noch ein paar Infos zukommen. „Also wir haben gegen HERPES! Salben aber auch Gels mit verschiedener Wirkstoffstärke. Die hier hilft, wenn der HERPES! noch nicht so schlimm ist und diese, wenn der HERPES! schon vollständig ausgebrochen ist. Da muss man stärkere Geschütze auffahren.“ Sie schaute mich zufrieden an, Aufklärung war ganz klar ihre Passion.

Ich konnte hören, wie hinter mir jemand kicherte und ein anderer ein Lachen unterdrückte. Mir wurde heiß und jedes Mal, wenn die nette Apothekerin das Wort HERPES! intonierte, schrumpfte ich gefühlt um fünf Zentimeter. Ich räusperte mich und antwortete: „Ähm, also … ich denke, die Erste wird reichen, danke.“ Nachdem wir nun die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden hatten, durfte ich endlich bezahlen.

Selbstverleugnung für Anfänger

„Haben Sie eine Kundenkarte bei uns“, fragte die nette Apothekerin und dann, „wie war bitte ihr Name?“ Im Augenwinkel konnte ich wahrnehmen, wie sich nun auch die Letzten gespannt zu uns umdrehten. Ich holte Luft und sagte inbrünstig: „SCHRÖDER, mein Name ist SCHRÖDER und ich zahle bar.“ Ja, ja, ich weiß … da ich nun in unserem Dorf relativ bekannt bin, war das zugegebenermaßen ein recht schlapper Versuch von Identitätsverschleierung.

Ich bezahlte, und wollte gerade gehen, als mir die nette Apothekerin, mit der Macht der Engelschöre noch ein, „Ist aber nicht im Intimbereich anzuwenden, gell“, hinterher schmetterte. Irgendjemand in der Apotheke begann schallend zu lachen, was mir die Gelegenheit gab, mich dünne zu machen. Was war nur mit dem heutigen Montag los, dachte ich. Ich hungerte nach einem positiven Erlebnis und … ging in den Supermarkt.

Eine kleine Verschnaufpause

Nicht einmal die Hälfte des Tages war geschafft und ich hatte jetzt schon das Gefühl, ich würde durch klumpigen Pudding waten. Im Supermarkt, so hatte ich das Gefühl, wurde es dann besser. Ich traf meine Freundin Paula vor der Käsetheke. Wir umarmten und unterhielten uns. Ich entspannte mich wieder ein wenig. Der Rest des Einkaufs verlief … ich würde sagen, unkoordiniert aber ohne größere Vorkommnisse.

Mein kleiner Pausensnack

Da ich schon bald eine weitere Hundestunde geben musste, wollte ich Zeit sparen und mir zuhause kein Essen machen müssen. Deshalb ging ich zur Salatbar und stellte mir aus den frischen Zutaten einen leckeren, griechischen Salat zusammen. Ich liebe Feta und Thunfisch. Zuletzt goss ich noch zwei Kellen von der leckeren Knoblauchsoße über den Salat.

Der Montagsmontagbann schien gebrochen. Zuhause angekommen übernahm meine Tochter das Auspacken der Einkaufstaschen. Ich will mal unerwähnt lassen, dass ihr auf dem letzten Meter zum Kühlschrank die Einkaufstüte gerissen ist. Es war ja alles heil geblieben. Außerdem wäre das ja dann ihr Montagsmontagerlebnis.

Der pure Genuss – nicht!

Ich hatte mir meinen knackigen Salat inzwischen auf einem Teller angerichtet und freute mich auf einen kurzen, ruhigen Moment vor der nächsten Stunde. Eine Frau und ihr Salat, frei nach Hemingway, sozusagen… Ich packte die Gabel voll, schob das Essen in den Mund. Doch der leicht scharfe Genuss, das feine Zusammenspiel von frischer Gurke, schwarzen Oliven und dem leckeren Knoblauchdressing wollte sich einfach nicht einstellen. Es schmeckte … absolut ekelig … ich spuckte alles wieder aus.

Noch während ich meinen Mund und meine Zunge reinigte, sagte meine Kundin per Whats App ab und ich fand das gar nicht schlimm. Ich war fertig mit diesem Montagsmontag! Der sollte ja nicht noch mal ankommen und was von mir wollen! An dieser Stelle habe ich noch einen wichtigen Gourmet-Tipp für euch. Thunfisch mit Vanillesoße ist nur für Hartgesottene und Brille auf, an der Salattheke. Die Geschmacksnerven werden es euch danken.

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